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Vinum Artikel – die Reaktionen

Gestern habe ich hier über das Streitgespräch im Weinmagazin Vinum zwischen den beiden Journalisten Rudi Knoll und Carsten Henn berichtet. Mittlerweile ist dieses Thema im Wein-Web-2.0 zu einer beachtlichen Größe angeschwollen. Zahlreiche Bloggerkollegen haben sich dazu geäußert. Zum Teil sehr differenziert, zum Teil auch sehr heftig. Hier einige der Reaktionen:

Weinverkostungen.de

Weinakademie Berlin

Der Ultes

Winzerblog

 

Der Auslöser der heftigsten Reaktionen ist wohl der Satz von Rudi Knoll:“…die Spinner in ihren Wein-Blogs”. Natürlich ist der Satz eher unglücklich und natürlich provoziert er diese Reaktionen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dies auch ein Stück weit die Intention von Knoll und Henn war. Aber man muss das schon genau lesen und in den exakten Kontext bringen. Da ging es um solche Blogger, die Faber angeblich zu Kult erheben. Ob das nun tatsächlich so ist, oder auch nicht. Weinverkostungen.de hat in seinem sehr gut recherchierten Artikel übrigens darauf hingewiesen, das es im web keinen Hinweis dafür gibt, dass ein Blogger Faber zum Kult gemacht hat.

Wie dem auch sei. Die nun entstandene Diskussion zeigt einmal mehr, wie groß doch die Gegenseitige Ablehnung und Antipathie der Printmacher und der Blogger ist. Der eine läßt am andern kein gutes Haar. Blogger kämpfen um Akzeptanz, Printler ums überleben. Das hat mittlerweile dazu geführt, dass sich die Fronten völlig verhärtet haben. Jeder lauert darauf dem anderen eins auswischen zu können und erfreut sich an dessen Misserfolg. Ich finde, dass müsste langsam aber sicher einmal beendet werden. Es würde doch viel mehr Sinn machen, zusammen etwas für das Thema Wein zu tun. Wenn jeder einen Schritt auf den anderen zumachen würde, wäre das doch schon einmal ein Anfang. Die Printler müssen lernen und akzeptieren, dass Blogger auch Profis sein können. Print gehört der Vergangenheit an, auch wenn einige das nicht wahrhaben wollen. Im Umkehrschluß müssen die Blogger akzeptieren, dass nicht alle Printler durch das web 2.0 ihre Daseinsberechtigung verlieren und die Lufthoheit über das Thema Wein jetzt uneingeschränkt den Bloggern gehört. Früher oder später kommen die Printler doch sowieso zu uns in das web 2.0. Und dann? Geht der Grabenkrieg dann auf dieser Ebene weiter? Ich hoffe doch nicht! Vielleicht sollte man einfach einmal über einen Round-Table nachdenken. Zarte Anbahnung von Friedensgesprächen sozusagen. Man könnte es doch wenigstens einmal versuchen…

11 Kommentare zu “Vinum Artikel – die Reaktionen

  • Thomas

    jaa, gute Idee, einen Blogger Round Table ohne Blogger! Irgendwo hatten wir das schon mal?

    Doch lieber Dirk, der Grabenkrieg geht leider weiter im Web 2.0, wenn du Beispiele dafür brauchst ruf mich einfach an!
    Es geht nicht nur um Print, es geht um Journalismus!

    Ja, ich bin ziemlich unversöhnlich in dieser Angelegenheit, habe 2 Briefe von Journalisten und unheimlich wichtigen Weinverkostern göttlicher Herkunft an der Wand hängen die klar machen warum ich ins Internet abgewandert bin. Hier bin ich und hier bleibe ich, denn im Print habe ich keine Stimme, hier Web 2.0 schon eher, kann mich zumindest wehren!

    Ich werde einen Teufel tun ausgerechnet denen die Hand zu reichen die solchen abartigen Müll über Blogger verbreiten.
    Wer mir auf gleicher Augenhöhe, fair und mit dem gleichen Respekt begegnet wie ich ihm ist mir auf das herzlichste Willkommen, ansonsten soll er bitte bleiben wo der Pfeffer wächst oder eben mit seinesgleichen rumspielen aber bitte nicht mit Weinblogs. Als Pupsender Kindergarten, Schmarotzer, Linke Zecken hat ein bloggender Jounalist mir gegenüber einmal die Weinblogosphäre bezeichnet. Das zeigt das man sie gerne als Ressource anzapfen möchte, aber sich nicht damit identifizieren kann.

    Aber ich bin ziemlich sicher das es den von dir angeregten runden Tisch geben wird, ich traue mir sogar zu dir vorab aufzuschreiben wer daran Platz nehmen wird. Dabei kann ich gar nicht zaubern lieber Dirk, echt nicht!
    Aber, auch hier, ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Du bist immer für eine Überraschung gut, warum nicht auch diesmal.

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    • Dirk Würtz Post author

      Hallo Thomas,
      es war mir bisher nicht wirklich bewußt, wie tief die Gräben da wirklich sind. Ich habe heute bereits mehrere lange Telefonate diesbezüglich geführt und es hat den Anschein, als hätte ich da “aus Versehen” in ein Wespennest gestochen. Ich weiss leider nur zu gut von was Du sprichst. Nicht im Kontext mit meinem blog aber ganz grundsätzlich. Ich habe mit einigen – vielen – Weinjournalisten in den letzten Jahren heftige Auseinandersetzungen gehabt. Irgendwann habe ich für mich beschlossen das einfach zu ignorieren und mich um die wesentlichen Dinge zu kümmern.
      Momentan kommt da wohl auch deshalb wieder Bewegung rein, weil es daran geht sich neu zu positionieren. Print stirbt, das web wächst und dabei geht es natürlich in erster Linie um künftige Einnahmen. Von denen will jeder etwas. Dementsprechend scharf sind die Geschütze geladen, um das eigene Terrain zu verteidigen. Da wird dann auf einmal wieder eine ganz feine Linie zwischen “echten Profis” und den anderen gezogen. Vorallem auch im web 2.0. Wenn das so weitergeht sind diejenigen auf die es ankommt, nämlich die Leser und Konsumenten – ganz schnell genervt und wieder weg.

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  • Michael Pleitgen

    Auch wenn der Thomas vom Winzerblog jetzt bestimmt sagt: genau! Ich komme gerne zu einem roundtable. Mittlerweile geht es beim Thema Wein garnicht mehr um print oder online. Die Frage steht im Raum, wie geht es mit Weinjournalismus überhaupt weiter.

    Wir hatten bisher eine sehr bunte und aktive Medien-Landschaft zum Thema Wein, die es bei anderen Genussthemen Kaffee, Bier, Schokolade in der Form nicht gab. Wird es beim Wein demnächst genauso öde aussehen oder das Feld komplett den “Liebhabern” (ich schreib jetzt mal nicht “Amateuren”) gehören und in der Beliebigkeit enden?

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  • der Ultes

    Ich weiß offen gesagt zwar nicht zu welchem Ergebnis diese Runde kommen mag, wäre aber gerne mit an Bord!

    Wespennester und Grabenkriege sollten wir ALLE an diesem Tag, für ein paar wenige Stunden zumindest, bitte einfach mal vor der Tür lassen, dort warten die sicher gerne bis nach der offiziellen Runde.
    Und nur so kann man evtl. auch ein interessantes Ergebnis erarbeiten.

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  • Michael Liebert

    So wie es gute und schlechte Weine gibt, so gibt es auch gute und schlechte Schreiber. Ob man die Brühe dann in die Flasche oder Tetrapack abfüllt ist doch gar nicht mehr entscheidend.

    Liegt der entscheidende Unterschied wirklich am Medium, in dem die Texte veröffentlicht werden? Wie auch Herr Pleitgen schreibt, es geht doch um den Konsumenten, er entscheidet was er lesen will. Somit sollten wir uns auf die Qualität konzentrieren und auf Weinjournalismus und nicht auf Grabenkämpfe.

    Ich würde anregen, wir versuchen mal den Begriff Kultwein zu definieren, um zu zeigen, dass eine offene Diskussion im Netz einfach die interessanteren Ergebnis liefert. Zur Anregung und als Diskussionsgrundlage hab ich gestern spontan meine Gedanken zu Kultweinen und eine Liste in die Tasten gehämmert… http://bit.ly/PHsvh

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  • Thomas Günther

    Ich denke mir es gibt einige Konflikte zwischen Leuten jenseits von Blogger vs. Journalismus. Zudem haben viele mit dem jetztigen Thema “Verbale Entgleisung in der Vinum” sehr wenig zu tun. Sicherlich gibt es Konfliktlinien beim Wein generell zwischen Hobby und Beruf. Im Netz scheint so etwas ähnliches zu existieren.

    Zwei Punkte finde ich dabei jedoch wichtig hervorzuheben. Ich kenne genug Blogger die ich für vernünftig und argumentativ erreichbar halte. Mit den Anderen muss ich nicht unbedingt was zu tun haben. Zweitens: Es existiert schlicht und ergreifend derzeit kein Konzept für seriösen Weinjournalismus im Netz. Jedenfalls nicht wenn die Kosten für Recherche usw. eingespielt werden müssen. Die alten Einnahmekonzepte über Bannerwerbung (also wie im Print) funktionieren nicht. Einnahmen über Prozente im Verkauf z.B. eines Weinshops würden ja gerade einen unabhängigen Journalismus verhindern.

    So lange da kein schlüssiges Konzept existiert, kann man sich an noch so viele Tische setzen. Ob die nun rund oder eckig sind, ist vollkommen egal. Der große Kuchen zum Verteilen ist nicht da und es wird auch in absehbarer Zeit keinen kleinen Kuchen geben um den man sich streiten kann. Da sollte jeder froh sein, der auf solche Einnahmen nicht angewiesen ist. Ich bin es jedenfalls.

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  • Patrick

    Da war mein Konzept doch zu kompliziert…

    Gewinner sollte der Wein-Konsument sein der die Informationen erhält…
    gerade in puncto Informationsgehalt und Nachvollziehbarkeit…

    Doch nur dieser Konsument sollte über das Qualitätsniveau der Informationen entscheiden und die Autoren über ein unabhängiges, gläsernes System belohnen.

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  • biene

    Im Moment erhält der Weinkonsument aber eigentlich gar keine für ihn brauchbaren Informationen mehr, außer der, dass sich Blogger und Journalisten in jeweils individuell unterschiedlicher Ausprägung leicht bis mittelschwer profilneurotisch streiten. Da hilft dem Konsumenten nur eins: (Wein.)Zeitung zuschlagen, PC ausschalten und sich anderen interessanten Dingen zu wenden. Wollte ihr das?

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