Alles über Wein und den Rest der Welt…

Kult-Weine

Kultobjekt Mouton

Kultobjekt Mouton

In der Bloggerwelt wird, ausgelöst durch den Vinum Artikel über Kult-Weine, heftig diskutiert und gestritten. Allerdings weniger um das Thema Kultwein, als vielmehr um ganz grundsätzliches. Dann nehme ich das doch einmal zum Anlass und kehre zurück zum eigentlichen Thema, nämlich den Begriff Begriff “Kult-Wein” zu definieren und vielleicht auch einige dieser Vertreter zu finden.

 

Zunächst muss man einmal ganz nüchtern und sachlich feststellen, dass die Frage was macht einen Wein zum Kult-Objekt gar nicht so einfach zu beantworten ist. Sicherlich sollte in erster Linie die Qualität des Produktes der entscheidende Auslöser sein. Eine Qualität, die über jede Diskussion erhaben ist. Und zwar so erhaben, dass man sagen müsste: “Geht nicht mehr besser, sondern nur noch anders!”. Da ist es aber schon, das erste Problem. Was passiert denn, wenn das Objekt der Begierde einfach nicht schmeckt? Kann etwas kultig sein und nicht gut schmecken? Schwer vorstellbar, oder? In der Praxis findet derartiges aber leider statt. Wie oft habe ich schon Lobeshymnen über “Kultweine” beigewohnt und mich bei deren Verkostung ernsthaft gefragt, was um Himmels Willen die alle denn da schmecken. Aber alleine durch das dementsprechende Etikett, war der Wein schon Kult und groß, bevor er die Flasche überhaupt Richtung Glas verlassen hatte. Sicher, qualitativ waren solche Wein einwandfreiund natürlich auch fehlerfrei. Aber wenn es partout nicht schmeckt… Folglich lasse ich mich jetzt zu einer sehr provokanten These hinreißen: Qualität ist kein Garant für das Erreichen der Kult-Stufe. Qualität schadet sicherlich nicht. Durch den subjektiven und alles objektive zerstörenden Faktor Geschmack, aber leider schwer mess- und beweisbar.

Kultwein aus Deutschland -Robert Weil

Kultwein aus Deutschland -Robert Weil

Ich behaupte, “Kult” ist ein marktwirtschaftliches Element. Ein Faktor basierend auf Angebot und Nachfrage und geschickter PR-Arbeit. Zumindest heute, bei den modernen Kultweinen. Die großen bordelaiser Châteaus hatten zwar vor hundert Jahren sicher noch kein ausgefeiltes PR-Konzept, aber alleine die Tatsache, dass der gesamte Hochadel diese Weine trank und kaufte, war doch schon PR genug. Wohlhabende Bürger überall auf der Welt versuchten sich ebenfalls diese Wein zu kaufen um damit ihren Status zu demonstieren: “Schau, den trinkt auch der Kaiser”. Heute mag das vielleicht nicht mehr ganz so extrem sein, aber immer noch latent vorhanden. Warum gehen wohl diese “Kult-Weine” mit wunderschöner Regelmäßigkeit in die Länder, in denen gerade wieder wohlhabende Eliten entstehen oder immer noch existieren? Doch nicht nur, weil auf einmal alle Inder, Russen oder Chinesen zu qualitätsbewussten Weintrinkern geworden sind. Es ist das Statussymbol, so wie das Auto, das Pferd, die Yacht und der Polo Jockey. Und natürlich wird der russische Oligarch im verschneiten Sibirien die Flasche 45 Mouton öffnen und stolz seinen Gästen als absoluten Kultwein präsentieren. Im Zweifelsfall mit Cola und Eiswürfeln.

Ein Kult wird gemacht und gezielt als Steuerungsmittel eingesetzt. Zu diesem Schluss komme ich, je länger ich darüber nachdenke. Per seist das auch gar nichts schlimmes. So funktioniert nun einmal der Markt für Luxusartikel. Beim Wein ist es dann ganz angenehm, wenn es eben auch noch zufälliger Weise gut schmeckt. Nachfolgend mein Versuch einer Kultweinliste, die auf meine obigen Ausführungen basiert:

Deutschland: Robert Weil, Egon Müller, Keller

Frankreich: Margaux, Mouton, Latour, Lafite, Haut Brion, Cheval Blanc, Petrus, Le Pin, Yquem, Romanée Conti, Krug

Spanien: Vega Sicilia, Pingus

Italien: Sassicaia, Gaja

Australien: Grange, Henschke

USA: Screaming Eagle, Sine Qua Non, Opus One, Dominus, Caymus

2 Kommentare zu “Kult-Weine

  • Julien

    Rayas wird (nicht nur) in Frankreich als der Rhone Kult Wein gesehen… und passt nicht ganz zu Ihrer Definition. Die von Ihnen ausgewählten Weine landen da schon eher in dem Schema.
    Leider gehen Sie in Ihrem Artikel in keinster Weise auf die Rarität des Produktes ein… in meinen Augen eines der wichtigen Merkmale eines “Kultweines”. Gruß
    Julien

    Reply
    • Dirk Würtz Post author

      Rajas habe ich in der Tat nicht aufgeführt. Und das obwohl ich ihn sehr gerne mag. Das “rare Moment” ist sicherlich auch ein Faktor, der eine Rolle spielt.

      Reply

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>