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	<title>Würtz-Wein &#187; Merum</title>
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	<description>Alles über Wein und den Rest der Welt...</description>
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		<title>Fälscherlaune im Chianti</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 09:36:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie könnens einfach nicht lassen… Ein Bericht von unseren Freunden der <a href="http://www.merum.info/">MERUM</a><span id="more-2663"></span><br />
<img class="alignleft size-full wp-image-2664" title="Titelbild-Merum-3_2010" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//Titelbild-Merum-3_2010.jpg" alt="" width="225" height="317" />Dieses Mal gings ohne Presseskandal. Immerhin! Schon mal ein Fortschritt gegenüber dem Brunello-Eklat von 2008. Und um Gesundheitsgefährdung gehts Gott sei Dank auch diesmal nicht! Aber damit ist die Liste der positiven Aspekte auch bereits schon komplett. Denn die Fakten, die jetzt langsam an die Oberfläche gespült werden, lassen auf unmissverständliche Betrugsabsichten und weitaus größere Mengen als in Montalcino schließen.<br />
Im November 2009 beschlagnahmte die Finanzpolizei im Auftrag der Staatsanwalt Siena große Mengen Wein in toskanischen Kellern, zehn Millionen Liter gemäß Ex-Landwirtschaftsminister Zaia. Laut dem Beschlagnahmungs-Dekret der Staatsanwaltschaft Siena soll toskanischer Wein übelster Qualität in die Abruzzen geschafft, dort durch Montepulciano d’Abruzzo ersetzt und dieser wieder in die Toskana zurückverfrachtet worden sein. In diesem Dokument ist auch von Lieferungen aus Spanien die Rede und von „Nutella“, so nennen die Insider den Färberwein Rossissimo aus der Emilia. Das wäre alles kein Grund zur Aufregung, wäre dieser Wein in den Kellern toskanischer Winzer und Weinhäuser nicht als Toscana IGT und sogar als Chianti DOCG aufgetaucht. 17 Personen und 42 Betrieben wird „kriminelle Vereinigung“ und „schwerwiegender Handelsbetrug“ zur Last gelegt. Peinlich ist dabei, dass im Mittelpunkt der Fälschungsgeschichte ein erfolgreicher toskanischer Önologe und neben ein paar dubiosen Firmen eine Reihe renommierter Weinhäuser und hochbewerteter Weingüter stehen.<br />
Wir werden unsere Leser über die weiteren Vorgänge auf dem Laufenden halten. Aber wir sind gegen die Veröffentlichung der Namen der Beschuldigten, solange keine handfesten Beweise gegen sie vorliegen. Merum-Leser können beruhigt sein: Die Weine der beteiligen Betriebe gehören nicht zu unseren Favoriten und blieben in der Merum Selezione in der Vergangenheit dementsprechend ohne Wertung. Allerdings gehören einige Produzenten solcher Abruzzen-Toskaner zu den „Best of“ in den aktuellen Ausgaben des Wine Spectators und des Gambero Rosso Weinführers.<br />
Detailliertere Informationen vermischt mit viel Blogmüll finden Interessierte in italienischen Blogs wie dem des sehr aktiven, gut informierten und stets polemischen Franco Ziliani: <a href="http://vinoalvino.org./">vinoalvino.org.</a><br />
mb/am</p>


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		<title>Italiens beste Olivenöle</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 08:37:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor knapp einem Monat habe ich <a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/2010/03/24/olivenol/">hier</a> schon einmal über mein Erlebnis mit Olivenölen berichtet. Das war eine völlig neues Erfahrung für mich. Die Zeitschrift &#8220;MERUM&#8221; hat ein Booklet zu diesem Thema herausgegeben, &#8220;Italiens beste Olivenöle&#8221;. Warum &#8220;MERUM&#8221; das macht, erklärt Andreas März, Chefredakteur des Magazins.<span id="more-2352"></span></p>
<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-2353" title="oliven" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//oliven1.jpg" alt="" width="226" height="351" />&#8220;Je mehr sich Merum mit dem Thema Olivenöl profiliert, desto deutlicher spüre ich, wie anstrengend es ist, gegen den Strom zu schwimmen. Man könnte entweder versuchen, es allen recht zu<br />
machen oder durch Unbeirrbarkeit etwas zu verändern. Wir meinen, dass es unsere Pflicht ist, unbequem zu sein und dadurch Ölkultur zu schaffen. Sie glauben gar nicht, wie empört ein Olivenproduzent reagiert, wenn man ihm mitteilt, dass sein Öl nicht in Ordnung ist. Ich meine nicht die großen Abfüller, die ungestört und schamlos vergammelte Öle als Extra Vergine vermarkten. Bei zu deutlicher<br />
Kritik schalten diese einfach ihre Anwälte ein. Nein, ich meine vielmehr die ehrlichen Olivenbauern, die meist mit einem Aufwand, der die Einnahmen deutlich übersteigt, ihre Früchte zur Ölmühle<br />
fahren und anschließend voller Stolz „ihr“ Öl mit nach Hause nehmen. Es ist verständlich, dass sie nach einem Jahr aufopfernder Arbeit allergisch auf Kritik an ihrem Olivenöl reagieren. Und doch ist dieses Öl in sehr vielen Fällen nicht perfekt. Manchmal ist es sogar richtig schlecht, ja kaum viel besser als das Öl, das für drei, vier Euro im Supermarktregal steht. Die Ölmühle, der die Bauern das  Resultat eines Jahres Arbeit anvertrauen, ist oft nicht in der Lage, die Qualität der angelieferten Oliven ins Öl zu bringen. Das ist schlimm und sehr zum Schaden der Bauern. Denn der Verkauf von Olivenöl ist ein großes Problem! Mit selbsterzeugtem Olivenöl verdienen nur wenige Glückspilze Geld, die überwiegende Mehrheit der Produzenten legt drauf. Ich bin sicher, dass der Olivenbaum, die Olivenlandschaften, die Olivenbauern nur eine Zukunft haben, wenn ihr Produkt sich von der Discounterware so deutlich unterscheidet wie Qualitätswein von Massenwein. Nur wenn ein Produzentenöl<br />
über jeden Zweifel der Mittelmäßigkeit erhaben ist, wenn der Produzent es schafft, seine Kompetenz zu kommunizieren und er bei der noch jungen Qualitätswelle ganz vorne mitwirkt, kann er hoffen, dass er für sein Öl wirklich einen gerechten Preis erhält.&#8221; </em></p>
<p><em><br />
Dies, liebe Leser, ist der Grund für unsere Strenge bei der Selektion. Kompromisse und Freundlichkeiten wären sicher angenehmer, aber sie wären der Sache des Olivenöls am Ende nicht dienlich. Die Merum Selezione Olio liefert Ihnen in dieser Ausgabe 109 gute Beispiele, herausselektioniert aus 529 italienischen Olivenölen. Dass wir uns mit unserer Kompromisslosigkeit nicht viele Freunde machen, ist uns bewusst. Sie, liebe Olivenöl-Interessierte, und der Olivenbaum wissen unseren Einsatz hoffentlich zu schätzen&#8230;</em></p>
<p>Das Booklet &#8220;Italiens beste Olivenöle&#8221; <a href="http://shop.merum.info/pagine/de/prodotti.lasso?idp=7">gibt es hier direkt zu bestellen</a>. Abonnenten erhalten es kostenlos.</p>


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		<title>MERUM Abo-Aktion</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 08:21:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag  ja sein, dass sich die Zukunft der Weinpublikationen &#8211; und Teile der Gegenwart &#8211; im Internet abspielen. Gründe gibt es dafür sicherlich viele. Dennoch werden die Printtitel, ähnlich wie die Vinylplatten, ganz bestimmt nicht für immer von der Bildfläche verschwinden. Erst recht nicht ein so gut gemachtes Magazin wie die<a href="http://www.merum.info/"> &#8220;MERUM&#8221;</a>.<span id="more-2348"></span></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-2349" title="Cover Merum 2-2010" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//Cover-Merum-2-2010.jpg" alt="" width="225" height="317" />Unsere aufmerksamen Blogleser wissen, dass wir seit einigen Monaten immer mal wieder Reportagen vom italienischen Wein- und Olivenölmagazin &#8220;MERUM&#8221; hier auf unserem Blog veröffentlichen. Wir machen das nicht, um Blogseiten zu füllen, sondern weil wir von diesem Magazin völlig überzeugt sind. Da sitzen Leute in der Toscana, die gegen jeglichen Widerstand unbeirrt ihre Kreise ziehen und sehr unaufgeregt und objektiv auf der Suche nach dem puren Genuß sind. Da wir hier alle relativ wenig Ahnung von Olivenölen und italienischen Weinen (außer den üblichen Verdächtigen) haben, ist dieses Magazin für uns zur Pflichtlektüre geworden. Umso mehr freuen wir uns heute unseren Bloglesern ein tolles Angebot machen zu können.</p>
<p>Werden Sie Abonnent der &#8220;MERUM&#8221;. Das Jahresabbo kostet gerade einmal 54,00 Euro und liefert Ihnen tolle Informationen  abseits des italienischen &#8220;Einerlei&#8221;. Als besonderes Dankeschön, für unsere Blogleser bekommen Sie zur Bestellung Ihres Abos, das <a href="http://shop.merum.info/pagine/de/prodotti.lasso?idp=2">&#8220;MERUM&#8221; Sonderheft &#8220;DOC&#8221;</a>, das eigentlich knapp 20,00 Euro kostet, gratis dazu.</p>
<p>Das Abo können Sie per E-Mail an Elena Violetta März, <strong>em@merum.info</strong>, ganz einfach bestellen.  Schreiben sie das Kennwort <strong>&#8220;Würtz&#8221;</strong>, dazu. Das war es dann auch schon!</p>
<p>Wir haben hier übrigens auch ein Abo&#8230;</p>


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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 14:45:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss schon wieder etwas zugeben: Ich mag zwar gutes Olivenöl, sehr gerne sogar, aber ich habe mich noch nie wirklich damit beschäftigt, geschweige denn verschiedene Öle verkostet.<span id="more-2120"></span></p>
<p><a href="http://shop.merum.info/pagine/de/prodotti.lasso?idp=7"><img class="alignleft size-full wp-image-2121" title="oliven" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//oliven.jpg" alt="" width="226" height="351" /></a>Dank den Damen und Herren der <a href="http://www.merum.info/welcome.lasso">&#8220;MERUM&#8221;</a> bin ich allerdings  nun um eine Erfahrung reicher. Und um was für eine. Bisher kannte ich das überwältigende Gefühl und den wohligen Schauer degustatorischer Höhepunkte nur von großartigen Weinen. Jetzt kenne ich das auch von Olivenöl.</p>
<p>Während der ProWein in Düsseldorf servierte mir Jean-Pierre Rittler im charmant eidgenössischen Stil <img src='http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  diverse Olivenöle, die von MERUM besonders gelobt und empfohlen wurden. Seine anfängliche Warnung: &#8220;Vorsicht, das versaut Dich fürs Leben&#8221;, tat ich zunächst als Scherz ab. Leider hatte er recht. Und wie recht er hatte. Diese Mischung aus frischem Gras, grünen Blättern, nussigen Aromen und einem Hauch von Kaffee wie ich sie in dem Öl von Franci aus der Toscana gerochen und geschmeckt habe, kannte ich bisher nicht. Dieses Öl trägt bezeichnenderweise den Namen &#8220;Villa Magra Gran Cru&#8221;. Natürlich ist sowas nicht ganz billig, aber jeder einzelne Tropfen ist es wert. Man kann es sogar einfach nur so, pur, trinken. Wahnsinn!!!</p>
<p>Wer mehr über dieses Thema wissen möchte, dem empfehle ich die Lektüre des neuen Taschenführers &#8220;Olivenöl&#8221; von MERUM.</p>
<p>Hier noch eine Bezugsquelle für das beschriebene Öl: <a href="http://www.olivenoel-quelle.de/">Olivenöl-Quelle</a></p>


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		<title>Brunello di Montalcino &#8211; Viel Skandal um wenig</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 13:46:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Raffaella Usai und Andreas März haben in Montalcino recherchiert. MERUM Heft 5/2009<span id="more-1379"></span></p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1389" title="brun3" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//brun3-460x307.jpg" alt="brun3" width="460" height="307" />Im Brunello ist Merlot!“ Das Gerücht ging seit Jahren um und nervte Weinfreunde wie auch die meisten Winzer. Nachdem die Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2008 die einer Jahresproduktion entsprechende Menge Brunello für sechs Monate konfiszieren ließ, machte sich die Öffentlichkeit auf einen Weinskandal historischer Dimensionen gefasst. Jetzt, wo die Ermittlungen abgeschlossen sind, scheint das Resultat eher kläglich: 80 Prozent des verdächtigen Weins mussten als „sauber“ freigegeben werden, der Rest wurde von den Produzenten freiwillig deklassiert. Meist geschah dies, weil sie es sich nicht leisten konnten, sechs Monate mit dem Verkauf des Wein zu warten. Sieben Weinbetrieben wirft der Staatsanwalt Straftaten vor, allerdings beweisen das nicht Weinanalysen. Denn – so mussten die Ermittler sich belehren lassen – eine zuverlässige Nachweismethode für unerlaubte Sortenverschnitte gibt es nur für Jungweine, nicht aber für reifenden Brunello! Trotz der beeindruckenden, Monate dauernden Großrazzia in Weinbergen, Kellern, Büros und Privatwohnungen von Montalcino wissen am Ende nur die sieben beschuldigten Betriebe, wie viel Merlot wirklich im Brunello war…<br />
Etwas Tröstliches hat das Ganze trotzdem: Noch nie war der Brunello so authentisch wie heute!</p>
<p>Die Staubwolken verziehen sich, der Sturm ist vorbei, man kehrt die Scherben zusammen, aber noch will in Montalcino die Sonne nicht lachen. In erster Linie mag das an den für manche Betriebe bedrohlichen Absatzproblemen aufgrund der Wirtschaftskrise liegen. Die Stimmung auf dem Weinhügel in der südlichen Toskana ist aber auch gedrückt wegen der schlechten Presse, des allgemeinen Misstrauens, der Verdächtigungen, der zermürbenden Kontrollen der Polizeiorgane, der internen Spannungen und des Unwissens darüber, was wirklich geschehen ist. Francesco Ripaccioli (Canalicchio di Sopra): „Dieser Skandal war für uns alle ein Schock. Plötzlich stellten alle – Journalisten, Konsumenten und Importeure – eine Qualität in Frage, die jahrzehntelang nicht zur Diskussion stand. Der Schaden für das Ansehen des Brunello ist groß.” Fiorella Vannoni (Croce di Mezzo): „Es war ein traumatisches Jahr für uns. Es ist etwas explodiert, worüber seit Jahren nur unter vorgehaltener Hand gesprochen wurde. Der Zeitpunkt, also genau zur Vinitaly 2008, war ein großer Schock für uns alle. Es kursierten immer Gerüchte über nicht sortenreinen Brunello, aber niemand hat mit einem derartigen Eklat gerechnet. Dass auf einmal die Staatsanwaltschaft in Montalcino ermitteln würde, hatte niemand erwartet.<br />
Bis zur Vinitaly 2008 war der Brunello ein Aushängeschild für den italienischen Wein in der ganzen Welt. Nun müssen wir versuchen, unsere Glaubwürdigkeit wieder aufzubauen.”Stefano Cinelli Colombini (Fattoria dei Barbi): “Die Überheblichkeit und Selbstüberschätzung einiger Produzenten hat diesen Skandal verursacht. Viele haben auf der Welle des Erfolges gedacht, sie müssten den besten Wein der Welt machen und nicht den bestmöglichen Brunello. Wir sind Opfer unseres Erfolges und unserer Arroganz geworden. Der Sangiovese verlangt eine unglaubliche Zuwendung sowohl im Weinberg als auch im Keller. Trotzdem gerät nicht jeder Jahrgang gut. Deshalb besteht die Versuchung, sich nicht allein auf den Sangiovese zu verlassen. Aber wenn wir ihr nachgeben, gleichen wir uns den internationalen Weinen immer mehr an und setzen die Identität aufs Spiel, die uns Erfolg gebracht hat.” Es wird Jahre brauchen, bis die von einigen Produzenten, der Presse und den Behörden geschlagenen Wunden vernarbt sind. Nur: Was tatsächlich geschah, wie viel Brunello mit anderen Sorten verschnitten wurde, wer es getan hat und mit welchen Sorten, wird wohl nie ans Licht kommen. Der einzige, der etwas sagen könnte, ist der Staatsanwalt, aber das tut er nicht. Offizielle Verlautbarungen gibt es wenige, die ausführlichste ist die der Guardia di Finanza (Finanzpolizei) von Juli 2009. Dies steht drin: 6,7 Millionen Liter Brunello sind beschlagnahmt und 1,3 Millionen Liter davon zu IGT Toscana deklassiert worden. Außerdem sind weitere 1,7 Millionen Liter anderer Weine wie Rosso di Montalcino (0,74 Mio. Liter), Chianti Classico DOCG (0,33 Mio. Liter) und Toscana IGT (0,62 Mio. Liter) blockiert und 40 Prozent davon am Ende deklassiert sowie 100 000 Liter IGT-Wein destilliert worden.<br />
<img class="alignleft size-large wp-image-1391" title="brun3" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//brun31-600x401.jpg" alt="brun3" width="600" height="401" />Von Seite der Produzenten heißt es, dass sämtliche Deklassierungen freiwillig erfolgt seien. Bestätigung findet dies auch in der Mitteilung der Finanzpolizei, wo man liest, dass “sämtlichen Anträgen von interessierten Produzenten, die beschlagnahmten Weine zu deklassieren, um sie zu kommerzialisieren, stattgegeben wurde.” Sobald also ein Betrieb bereit war, seinen Wein zu deklassieren, erhielt er von den Behörden die Erlaubnis, ihn auf den Markt zu bringen. Es sind Beispiele von Betrieben bekannt, die mehrere Hunderttausend Flaschen Brunello zu Toscana IGT runterstuften, nur um ihre lahmgelegte kommerzielle Aktivität wieder aufnehmen zu können. Es war im März, kurz vor der Vinitaly 2008, als die Polizei eine Reihe von Kellern versiegelte. Wen dieses Pech ereilte, erhielt erst im Herbst die Erlaubnis, seine kommerzielle Tätigkeit wiederaufzunehmen. Diese sechs Monate dienten den Ermittlungsbehörden dazu, die Weine zu analysieren und auf ihre Echtheit zu prüfen. Nicht alle betroffenen Weingüter verfügen über die finanzielle Puste, sechs Monate ohne Einnahmen zu überstehen. Deshalb ist anzunehmen, dass die Deklassierung hier und dort eher für die wirtschaftliche Notlage als für ein Schuldeingeständnis spricht. Auch Winzern, die im Sommer 2008 den Keller voll mit garantiert echtem 2003er Brunello hatten, nützte ihr reines Gewissen nichts gegen die Stilllegung der Geschäfte.<br />
Des Weiteren gehören Deklassierungen zur Normalität in Montalcino. Bei der Weinlese werden jeweils die Totalität des Ernteguts als Brunello registriert und schwächere Partien je nach Marktlage erst im Laufe des Ausbaus zu Rosso deklassiert. Ein Beispiel: Banfi könnte mit seinen 174 Hektar Brunello eine Million Flaschen Brunello erzeugen, bringt pro Jahr aber höchstens 600 000 Flaschen auf den Markt. Der restliche Wein für theoretisch weitere 400 000 Flaschen Brunello wird regelmäßig zurückgestuft und unter anderem Etikett abgefüllt. Die Behörden haben nach Abschluss der Untersuchungen nicht bekanntgegeben, wie viel der 1,3 Millionen Liter Brunello deklassiert wurden, weil illegal aufgebessert, und wie groß die Mengen waren, die aus anderen Gründen zurückgestuft wurden. Mitgeteilt wurde von den Untersuchungsbehörden lediglich, dass „bedeutende Mengen Wein der Jahrgänge 2003 bis 2007 mit anderen Sorten als Sangiovese – einzige erlaubte Sorte für Brunello und Rosso di Montalcino – vermischt waren.”<br />
Nach Abschluss der Laboruntersuchungen im Herbst 2008 gab die Staatsanwaltschaft auch die restlichen Weinmengen zum Verkauf frei. Darunter die verbliebenen 5,4 Millionen Liter Brunello. Diesen Weinen wurde offiziell Regelkonformität bescheinigt. Zieht man von den 1,3 Millionen deklassierten Liter Brunello den regelkonformen Brunello ab, der notgedrungen aus kommerziellen Gründen deklassiert wurde, bleibt wohl nicht sehr viel illegaler Brunello übrig. Wollte man das Ausmaß des mutmaßlichen Brunello-Betrugs abschätzen, dann müsste der deklassierte Wein mit der zum Zeitpunkt der Untersuchung in den Kellern von Montalcino verfügbaren Gesamtmenge – 35 Millionen Liter – in Relation gesetzt werden. Angenommen, es handelte sich bei der gesamten deklassierten Weinmenge tatsächlich um Schummelware, wären rund drei Prozent des Brunello unerlaubt mit anderen Sorten verschnitten worden oder hätten aus anderen Gründen nicht den Produktionsregeln entsprochen. Die Mengen, denen die Ermittlern tatsächlich Illegalität nachweisen konnten, müssten jedoch weit geringer sein als drei Prozent. (Weshalb? Siehe weiter unten: „Rauchende Kanonen, wenig tote Spatzen“.)</p>
<p><strong>Merlot in Brunello-Weinbergen</strong><br />
<img class="alignleft size-large wp-image-1393" title="brun5" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//brun51-600x401.jpg" alt="brun5" width="600" height="401" />Wie viele „falsche“ Rebstöcke stehen wohl heute in Brunello-Weinbergen? Wir stellten diese Frage dem Konsortiums-Direktor Stefano Campatelli. Bevor er, jede Silbe einzeln betonend und mit Inbrunst, antwortete, schaute er uns an, wie einer, der immer wieder dasselbe gefragt wird und immer dieselbe Antwort geben muss: „In &#8211; Montalcino &#8211; steht &#8211; heute &#8211; kein &#8211; einziger &#8211; falscher &#8211; Rebstock &#8211; am &#8211; falschen &#8211; Ort!  Wer will, kann sich einen Katasterauszug besorgen und mit diesem die Weinberge begehen. Die Reben haben keine Beine! Jedermann kann nachprüfen, ob irgendwo ein falscher Rebstock steht. Genau dies tun unsere Techniker nun seit fünf Jahren!” Der Präsident des Brunello-Konsortiums, Patrizio Cencioni: „Heute sind wir bei null Prozent, aber auch als wir zum ersten Mal in die Weinberge gegangen sind, lag die Fehlbestockung unter einem Prozent!” Alessandro Mori (Il Marroneto): „Die Kontrolleure waren drei Mal bei mir und haben auf der Suche nach fremden Rebsorten die Weinberge durchkämmt. Alle nicht-regelkonformen Rebstöcke, die irrtümlicherweise von der Rebschule geliefert wurden, wurden entfernt. Sämtliche Betriebe wurden so kontrolliert, und ich bin mir sicher, dass die Weinberge in Montalcino noch nie so ‘sauber’ waren.” Franco Biondi Santi: „Unser Betrieb wurde von Kopf bis Fuß untersucht, die Techniker haben einige wenige, nicht konforme Rebstöcke gefunden, die ersetzt wurden. Es waren alte Rebstöcke, deren Trauben wir für den Vin Santo genommen haben. Die Staatsanwaltschaft hat ihren Job gemacht und sie war sehr streng. Die Kontrolleure haben alles untersucht, jeden einzelnen Winkel des Betriebs, jeden Weinberg, alle schriftlichen Unterlagen. Das Hauptproblem bei der ganzen Geschichte sind aber nicht die paar falschen Rebstöcke, die man bei einigen Betrieben in den Weinbergen gefunden hat, sondern die Weine, die dem Brunello im Keller hinzugefügt worden sind.” So konnten denn außer den üblichen, eher harmlosen Unstimmigkeiten im Weinberg keine schwerwiegenden Verfehlungen nachgewiesen werden. Uns ist der Fall eines Winzers bekannt, der den Sangiovese eines IGT-Weinbergs als Brunello vinifizierte und den Brunello als IGT-Wein. Er tat dies, weil sein IGT-Sangiovese in jenem Jahr besser war als sein Brunello. Da er dies in seinen Kellerbüchern vermerkte, kam ihm der Staatsanwalt auf die Schliche und ermittelte gegen ihn. In einem anderen Fall wurde ein IGT-Weinberg beschlagnahmt, auf dem eine in der Provinz Siena nicht zugelassene Sorte (Carmenère) angebaut war. Obschon es sich um einen IGT-Weinberg handelte, ist das gesetzwidrig. Um eine aufwendige Bürokratie zu umgehen – so der Produzent –, führte man mit dieser Sorte Versuche ohne Bewilligung durch.<br />
<strong><br />
Rauchende Kanonen, wenige tote Spatzen</strong><br />
Angenommen, ein halbwegs intelligenter Winzer möchte seinen Brunello mit Merlot „verbessern“, dann käme er kaum auf die Idee, die Sorte dorthin zu pflanzen, wo dies verboten und von jedem Wanderer und Kontrolleur zu entdecken ist. Vielmehr wird er Merlot oder Petit Verdot oder andere in der Provinz Siena zugelassenen Sorten, die er dem Sangiovese für überlegen hält, dorthin setzen, wo es erlaubt ist. Dies ist es – außer in Brunello- und Rosso-Parzellen – überall in Montalcino. Zudem ist es ganz legal, diese Sorten zu vinifizieren, unmittelbar neben den Brunello-Fässern auszubauen und als Sant’Antimo oder Toscana IGT abzufüllen. Unser halbwegs schlauer Produzent wird also den Schwindel im Keller vornehmen, wo es keiner sieht. Er wird dort legalen Merlot und legalen Brunello illegalerweise zu dem verschneiden, was er für besseren Brunello hält.Und genau das ist der Grund, weshalb niemand wissen kann, wie klein oder wie groß das Ausmaß der Brunello-Illegalität in Wirklichkeit ist. Denn im Weinberg ließen sich nur Bagatellen nachweisen, und der Nachweis des Sortenverschnittes eines mehr als sechs Monate alten Sangiovese-Weins ist nicht möglich! Zwar gibt es ein Verfahren, bei dem die Anthozyanzusammensetzung (roter Traubenfarbstoff) analysiert wird, aber es fehlt ihm aufgrund fehlender Genauigkeit die Beweiskraft. Auch wenn der Staatsanwalt ihm verdächtige Keller sechs Monate lang lahmgelegt und fast sieben Millionen Liter Brunello konfisziert hatte, um mittels Anthozyanmethode Fass für Fass auf Echtheit überprüfen zu lassen, besitzen die Ergebnisse vor dem Richter über keine Beweiskraft. Das war auch der Grund dafür, weshalb der blockierte Brunello im Herbst 2008 wieder freigegeben werden musste. Deklassiert worden ist nur von den Betrieben selbst, nicht von den Behörden!<br />
Im Montalcino wird derzeit fieberhaft daran gearbeitet, die Anthozyanmethode gerichtstauglich zu machen. Innerhalb dreier Jahre soll am Weinbauinstitut von San Michele (Trentino) aufgrund einer Unmenge von Trauben- und Weinproben das Anthozyan-Profil des Sangiovese von Montalcino bestimmt werden und die Methode so weit entwickelt werden, dass unerlaubte Beimischungen in Zukunft zweifelsfrei nachgewiesen werden können. In die aktuellen Untersuchungen kann diese Methode allerdings kein Licht mehr bringen, selbst falls die verdächtigen Brunello-Proben sich drei Jahre halten sollten. Denn von den beschlagnahmten 6,7 Millionen Liter Brunello wurden vom Staatsanwalt für 1,3 Millionen Liter die Deklassierung zu IGT-Rotwein genehmigt und die restlichen 5,4 Millionen Liter Brunello als gesetzeskonform für den Verkauf freigegeben. Damit ist die Sache gestorben, und wir werden nie erfahren, ob dieser oder jener getrunkene Brunello vielleicht gar kein echter war…<br />
Die Frage ist, ob der Staatsanwalt bei der Beschlagnahmung von 8,4 Millionen Litern Wein wusste, dass die Weinanalysen keine beweiskräftigen Aussagen liefern konnten. Falls ja, muss er sich vorwerfen lassen, das Wirtschaftssystem von Montalcino ohne ermittlerische Notwendigkeit in eine schwere Krise gestürzt zu haben. Falls nicht, muss er den Vorwurf erdulden, sich vor seiner Großaktion ungenügend informiert zu haben. Dass Montalcino schon aus eigenem Interesse zur Ordnung gerufen werden musste, steht nicht in Frage. Zur Diskussion steht vielmehr die Verhältnismäßigkeit dieser Übung! Es scheint doch ganz so, als sei hier mit viel zu großem Geschütz aufgefahren und weit mehr kaputt gemacht worden als nötig. Von wegen Verhältnismäßigkeit: Wie beim Brunello geht es auch beim Extra Vergine um Etikettenschwindel. In Montalcino scheinen allerhöchstens drei Prozent einer Produktion von sieben Millionen Liter betroffen, beim Öl geht es um 95 Prozent von 800 Milionen Liter (in Italien konsumierte Menge)! Weshalb kümmert sich keine Staatsanwaltschaft um diesen viel größeren und wirtschaftlich folgenschwereren Betrug? Was wohl Carapelli, Bertolli und Co. dazu meinen würden, wenn die Staatsanwaltschaft ihnen für sechs Monate den Laden dicht machte?</p>
<p><strong>Skandal oder normal?</strong><br />
Wie schwerwiegend sind die Vorkommnisse von Montalcino wirklich? Wir erinnern uns an die Skandalmache der Boulevard-Presse im Frühjahr 2008. Da war von Panschskandal die Rede, von 30 bis 40 Prozent gefälschtem Brunello, der Wein von Montalcino wurde in einem Atemzug mit Methanol- und Kunstweinen erwähnt. Gemessen an der aggressiven, in manchen Fällen verleumderischen Pressekampagne, dem von der Staatsanwaltschaft getriebenen Aufwand und den Erwartungen der Öffentlichkeit scheint der Berg eine ziemlich magere Maus geboren zu haben. Wenn nach Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwalt trotz der Untauglichkeit des Nachweisverfahrens bescheidene Ermittlungserfolge vorweisen kann, dann verdankt er diese – so kann nur gemutmaßt werden – einigen nachweisbaren Unregelmäßigkeiten in den Weinbergen, Zeugenaussagen und sichergestellten Kelleraufzeichnungen. 17 Personen wirft der Staatsanwalt Betrug und Urkundenfälschung vor. Acht davon haben ihre Schuld eingestanden und die Strafe des Staatsanwalts akzeptiert, den anderen – darunter drei Angestellten des Konsortiums – droht nun ein Strafprozess wegen Betrug und Dokumentenfälschung. Seit April 2008 ist immer von denselben unter Ermittlungen stehenden Betrieben die Rede (siehe Merum 3/2008). Offiziell weiß man jedoch, dass es sich insgesamt um sieben Betriebe handelt. Allerdings wurden Namen bisher lediglich von der Presse genannt, weder die Ermittlungsbehörden noch das Konsortium haben dazu je etwas bekanntgegeben. Positiv ist, dass wir davon ausgehen können, dass die 2000 Hektar Brunello-Weinberge derzeit wohl zu den regulärsten der Welt gehören. Positiv ist auch, dass die Keller von Montalcino besondere Aufmerksamkeit der Weinkontrolle genießen und wir Weinfreunde sicher sein können, dass beim Brunello in den nächsten Jahren wohl alles mit rechten Dingen zugeht.<br />
Unbefriedigend ist hingegen, dass nicht bekannt ist, wie viel Brunello in Wirklichkeit illegal aufgebessert worden ist und welche Weinproduzenten sich tatsächlich schuldig gemacht haben. Wir werden das nie erfahren… Das ist aber nicht in erster Linie für uns Weinfreunde ein Problem als vielmehr für die Appellation. Denn wo immer ein Bedürfnis nach Informationen besteht, aber keine solchen zur Verfügung stehen, befriedigen Spekulationen und Gerüchte die Nachfrage. Maria Grazia Salvioni (Quercecchio): „Was genau passiert ist, kann auch ich nicht sagen. Ich weiß es nicht, es herrscht keine Transparenz, weder seitens der Produzenten noch des Konsortiums. Man hat viel gehört, aber die Wahrheit kennen wohl nur die Betroffenen. Mich hat das letztes Jahr auf der Vinitaly genauso überraschend getroffen wie meine Kunden.” Das mag zwar nicht das begehrte Happy End sein, bei dem die Guten sich zum Schluss in den Armen liegen und die Bösen vom Sheriff in die Wüste gejagt werden. Aber es ist immerhin ein Ende. Keine Merlot-Gerüchte mehr! Ab sofort ist der Brunello einer der bestkontrollierten Weine der Welt.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-large wp-image-1394" title="brun41" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//brun41-600x401.jpg" alt="brun41" width="600" height="401" />Visionen: Fehlanzeige</strong></p>
<p>Der Direktor des Konsortiums, Stefano Campatelli, und zwei seiner Mitarbeiter werden von der Staatsanwaltschaft wegen krimineller Vereinigung zum Zweck des Handelsbetrugs angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie Ungereimtheiten, auf die sie im Laufe der Kontrollen der Weinberge gestoßen sind, als leichte Verstöße anstatt als schwere eingestuft haben. Die Feinheit des Unterschieds liegt darin, dass leichte Verstöße intern geregelt werden können, dem Winzer also Gelegenheit gegeben wird, den Fehler zu beheben, während beim schweren Verstoß sogleich eine Anzeige an die zuständige Behörde erfolgen muss. Campatelli: „Wir hatten 93 Unregelmäßigkeiten beanstandet. 89 davon wurden von den Winzern in Ordnung gebracht, die anderen vier Fälle meldeten wir der zuständigen Behörde.“ Das Gesetz sagt nur, dass ein Verstoß gegen das Reglement als „leicht“ einzustufen ist, wenn er „wiedergutzumachen“ ist. Beim Konsortium ist man der Meinung, dass ein falscher Rebstock – „man kann ihn umpfropfen“ – ein wiedergutzumachender Verstoß ist. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Wir nehmen dem Konsortium bestimmt nicht übel, dass es den Winzern die Möglichkeit geboten hat, ihre Weinberge in Ordnung zu bringen, bevor der Fall an eine externe Instanz (die Betrugsabteilung des Landwirtschaftministeriums) gemeldet wurde. Angesichts der unklaren gesetzlichen Lage hätten wir – in dubio pro reo – wohl dasselbe getan. Wir nehmen es der Weinmächtigen von Montalcino aber übel, dass es keinerlei Auseinandersetzung mit der Zukunft zu geben scheint. Man wartet passiv auf bessere Zeiten, aufs Vergessen, auf den amerikanischen Markt und navigiert defensiv auf Sicht. Unbedarfter hätte man zudem auf einen solchen Zwischenfall nicht reagieren können. Man unterließ es, die Vorfälle so zu kommunizieren, dass der Skandalpresse rechtzeitig der Wind aus den Segeln genommen wurde, man ließ vielmehr zu, dass aus einer von Wenigen verursachten peinlichen und ärgerlichen Angelegenheit ein Skandal für ganz Montalcino wurde. Montalcino setzt Wein im Wert von dreistelligen Millionenbeträgen um, das Wirtschaftsvolumen des Einzugsgebietes und der Zulieferer von Montalcino beträgt ein Mehrfaches davon. Montalcino ist einem ordentlichen Großbetrieb gleichzusetzen, der Tausenden von Menschen direkt oder indirekt Arbeit gibt. Aus diesem Grund werfen wir den 200 Brunello-Produzenten vor, dass sie vom rasch gewachsenen Reichtum nicht das nötige Geld abzweigen, um der Konsortiumsleitung Profis an die Seite zu stellen, die nicht nur ein ordentliches Unfallmanagement mit Schadensbegrenzung zustandebringen, sondern zusammen mit einer intelligenten Kommunikation auch ein zukunftssicherndes Leitbild für die rasch gewachsene Appellation realisieren. Achtung, Ihr Chianti-Classico-Winzer, die Ihr noch Malvasia- und Trebbiano-Weinstöcke in den Weinbergen stehen habt, weil Ihr die Trauben für den Vin Santo benötigt: Wenn die Staatsanwaltschaft mit derselben Strenge gegen euch vorgeht wie in Montalcino, riskiert ihr eine Strafklage!</p>
<p><strong>Flop: Sant’Antimo DOC</strong><br />
Neben den Brunello-Problemen beschäftigt die Produzenten auch noch anderes. Montalcino besitzt vier Weinappellationen: den wohlbekannten Brunello, den immer seltener werdenden, aber in Urzeiten wichtigsten und bekanntesten Wein von Montalcino, Moscadello, dann den zweitklassierten Sangiovese-Wein Rosso di Montalcino und seit wenigen Jahren die DOC-Kreation Sant’Antimo als Gefäß für allerlei Sortenweine und önologische Phantasien. Auf dem Höhepunkt der toskanischen Super-Tafelwein-Euphorie, als es schien, die Welt könne nicht genug kriegen von toskanischen Cabernets und Merlots und Phantasiecuvées, erfand man für die Vini da Tavola Montalcinos eine neue DOC und gab ihr den Namen des romanischen Kirchleins im Süden von Montalcino: Sant’Antimo. So wunderschön das namensgebende Bauwerk ist, so ungeeignet erwies es sich als Appellation. Die Erfindung Sant’Antimo DOC mit Weinen wie Cabernet, Chardonnay, Merlot, Pinot Grigio, Pinot Nero, Sauvignon und anderen erwies sich bald als Marketingflop. Ein Toscana IGT lässt sich leichter verkaufen als ein Sant’Antimo DOC, denn „Toscana“ kann auch in entfernten Ländern als Ursprung gerade noch identifiziert werden, aber „Sant’Antimo“ vermag auch in Mailand keiner einzuordnen. Maria Grazia Salvioni (Quercecchio): „Der Sant’Antimo besitzt praktisch keinen Markt. Viele Produzenten verkaufen ihn nur offen. Meine Importeure sagen mir, dass sie für einen Wein mit diesem Namen keine Kunden finden. Der Toscana IGT verkauft sich wesentlich besser. Einen Supertuscan aus Montalcino will ohnehin keiner haben.” Das Zauberwort heißt „Montalcino“! Statt wie bis anhin drei Rotweinkategorien (vier mit der IGT) aufrechtzuerhalten, wird darüber diskutiert, den Rosso di Montalcino und den Sant’Antimo zusammenzuführen und diesen Wein Montalcino zu nennen. Enrico Viglierchio (Banfi) könnte sich diese Lösung vorstellen: „Als Zweitwein unter dem Brunello wäre ein Wein sinnvoll, der kommerzieller ist als dieser, vielleicht auch internationaler. Ich könnte mich mit einem Montalcino oder einem Rosso di Montalcino anfreunden, bei dem 60 bis 70 Prozent Mindestanteil Sangiovese vorgeschrieben sind, wo aber auch andere Sorten verwendet werden dürfen. Montalcino muss jedoch im Namen stehen. Sant’Antimo funktioniert nicht, diese DOC würde ich verschwinden lassen. Wichtig ist, dass wir einen Zweitwein haben, der funktioniert, nur dann können die Produzenten beim Brunello auch wirklich streng selektionieren.” 2008 wurden Stimmen laut, die die Abschaffung der Sortenreinheit des Brunello forderten. Das Konsortium berief deshalb im Oktober eine Generalversammlung ein und führte Abstimmungen zu diesem und anderen Themen durch. Das Nein gegen eine Änderung der Produktionsregeln war fast einstimmig. Aber auch nützliche Verbesserungen wie die Reduktion des Hektarertrags von 8000 auf 7500 kg oder das ausdrückliche Verbot von auswärtigem Mostkonzentrat sowie die Aufhebung des Verbotes für Notbewässerungen (in diesen Jahren besonders aktuelles Thema) fielen im Zuge der aufgeheizten Atmosphäre unter den Tisch. Eine Änderung der Produktionsregeln für den Rosso wurde an der Generalversammlung ebenfalls abgelehnt. Es ist unsicher, ob Montalcino sich früher oder später mal zu einer Zusammenführung von Rosso und Sant’Antimo durchringen wird. Denn gegen die „Merlotisierung“ des Rosso machen zahlreiche Winzer mobil. Es sind vor allem diejenigen, die ausschließlich Sangiovese anbauen… Rein zufällig sind es die Weingüter mit den besten Lagen.</p>
<p><strong>Sangiovese: Erbärmlich bis grandios</strong><br />
Der Sangiovese, wichtigste Traubensorte Mittelitaliens, besitzt wenig Eigencharakter. Die Wahrheit über den Sangiovese ist banal einfach: Er spiegelt auf toskanisch unverblümte Weise die Anbaubedingungen wieder. Gute Lagen ergeben gute Weine, fruchtbare Äcker banale Tröpfchen, so einfach ist das. Da gute Lagen auch in der Toskana eher rar sind, der Ehrgeiz aber groß, haben hier die Önologen besonders viel zu tun. Dank ihrer Kunst lassen sich auch aus charakterlosen Mosten präsentable Weine herstellen. Dass solche Fleißarbeiten nie wirklich gut und schon gar nicht groß sind, fällt erstaunlicherweise nicht vielen auf, zuletzt den Meinungsmachern. In der Gemeinde Montalcino gibt es extreme Höhenunterschiede. Die Brunello-Reben stehen auf weniger als hundert<br />
Meter über dem Meer ganz im Süden der Gemeinde bis hoch auf 600 Meter bei Montalcino, gleichzeitig blicken die Lagen in alle vier Himmelsrichtungen und verfügen über Böden, wie sie verschiedenartiger nicht sein könnten. Die Voraussetzungen für die Trauben sind vollkommen unterschiedlich, und so sind auch die Weine. Die Appellation verfügt über Zonen, wo der Sangiovese vielschichtige Weine von großer Feinheit ergibt. Dabei handelt es sich eher um höhere Lagen und die Weinberge im Norden der Gemeinde. In anderen Teilen von Montalcino bringt es der Sangiovese hingegen kaum auf Morellino-Niveau. Das Produktionsreglement schreibt vor, dass Brunello erst nach vier Jahren auf den Markt gelangen darf und davon zwei Jahre – früher vier Jahre! – in Holzfässern reifen muss. Nur ein hochkarätiger Wein schafft diese Ausbauzeit ohne kläglichst auszumergeln. Diese Hochkarätigkeit kommt beim Sangiovese, wie bei jedem anderen Wein, aber nicht allein von der Konzentration, sondern von besonderen Eigenschaften, die ihm nur die Lage verleihen kann! Obschon heute nur noch zwei Jahre Holzausbau vorgeschrieben sind, lassen Traditionalisten – oft die Winzer mit den besten Lagen – ihren Brunello noch immer drei Jahre im Fass. „Nach zwei Jahren sind die Typizität des Brunello und seine Feinheit einfach noch nicht genügend entwickelt“, erklärt Fiorella Vannoni (Croce di Mezzo). Giovanna Ciacci (Collosorbo): „Viele Weingüter haben auch dort Sangiovese angebaut, wo dies eigentlich nicht mehr zu empfehlen ist. Natürlich sind diese Weine nicht elegant genug für einen Brunello. Nicht jeder Sangiovese-Weinberg in Montalcino vermag einen Brunello-würdigen Wein hervorbringen. Das muss man akzeptieren! Natürlich können die Meister der Önologie im Keller einiges ausgleichen, manche kaufen von anderen Winzern besseres Traubengut, und manche versuchten offenbar, mit anderen Rebsorten die Schwächen des Sangiovese zu kompensieren.”<br />
Nun, auch mit dem Blauburgunder verhält es sich nicht viel anders. Im Burgund gibt es große Mengen von Weinen, die nicht besser sind als einfache Chianti. Dieselbe Sorte ergibt in guten Lagen jedoch traumhaft feine und vielschichtige Weine. Der Unterschied zwischen der französischen Appellation und der italienischen ist jedoch, dass dort dem Weinfreund mit der offiziellen Lagenklassifizierung ein Orientierungsmittel zur Verfügung steht, während er hier auf sich alleine gestellt ist.<br />
Vielleicht ist der Mangel an traditionellen Klassifizierungen in Italien der Grund, weshalb die journalistischen Weinverkoster eine derart wichtige Rolle spielen? Tatsache ist, dass der Weinfreund nicht 200 verschiedene Brunello-Etiketten probieren kann, bevor er sich seine Kiste Wein kauft. Er wird sich deshalb nach Rat umhören müssen und diesen bei den Weinführern finden.<br />
Wenn er sich an die Redaktion hält, die in etwa seinen Geschmack teilt, dann kann er seine eigene Selektion auf eine überschaubare Zahl von Kandidaten reduzieren und am Ende die Flaschen mit nach Hause nehmen, die seinen Vorstellungen von Brunello entsprechen.</p>
<p><strong>Bald Brunello-Schwemme!</strong><br />
Vor dem Unwetter, das sich auf Montalcino zubewegt, nimmt sich der eben erlebte Skandal wie ein erfrischender Sommerregen aus. Die Rede ist von der drohenden Überproduktion. Schon heute gelingt es nicht, allen erzeugten Brunello direkt abzusetzen, Abfüller springen ein und kaufen Wein aus übervollen Kellern. In Montalcino hört man, dass in diesen Wochen größere Mengen Brunello für fünf Euro die Flasche abgeholt worden sein sollen. Was aber wird geschehen, wenn all die Neupflanzungen der letzten Zeit die vier vorgeschriebenen Jahre Mindestalter eines Brunello-Rebbergs für die Vollproduktion erreicht haben werden und die Gesamtproduktion von den heutigen sieben Millionen Flaschen sich, entsprechend den 2050 Hektar, den potenziellen 14 Millionen Flaschen nähert?<br />
Patrizio Cencioni: „Noch bis vor wenigen Jahren gab es hier in Montalcino noch keine Firmen, die Weine zukauften und abfüllten, jetzt werden es immer mehr.” Francesco Ripaccioli (Canalicchio di Sopra): „Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Abfüllern, die den Brunello für einen Spottpreis an Supermarktketten verscherbeln. Dies macht das Image des Brunello kaputt und natürlich auch den Markt. Die Dumping-Preise prägen sich auf Dauer in die Köpfe der Verbraucher ein. Viele Weingüter verkaufen ihren zweitklassigen Wein offen an diese Abfüller. Seit es diese Überproduktion in Montalcino gibt, sind die Betriebe gezwungen, ihren Wein irgendwie loszuwerden. Bis zum Jahrgang 2001 haben die Preise noch gehalten, danach ging die Spekulation los.” Stefano Cinelli Colombini (Fattoria dei Barbi): „Mitte der 70er Jahre entstanden viele kleine Betriebe lokaler Winzer, gleichzeitig kamen die ersten Auswärtigen nach Montalcino. Von ihnen lernten wir, was Werbung und Marketing sind. Wir in Montalcino hatten keine Ahnung davon. Später kamen Banfi und viele kleine Investoren von überall her. Die nächste große Expansion der Anbaufläche fand 1997 statt, als das Weinbauregister des Brunello geöffnet wurde. Dies geschah, weil von zweierlei Seiten Druck ausgeübt wurde: Die großen Firmen wie Banfi und Frescobaldi auf der einen, die kleinen Winzer mit wenig Weinbergen auf der anderen. Die beiden Lager haben sonst zwar gegensätzliche Interessen, aber in dieser Situation kämpften sie gemeinsam. Von 1245 Hektar schwoll die Brunello-Fläche auf über 2000 Hektar an. Schon als wir nur 1245 Hektar hatten, erzeugten die Betriebe nicht die volle mögliche Menge Brunello, man orientierte sich an der Nachfrage und deklassierte unverkäuflichen Wein zu Rosso. Zunehmend beginnen wir die Überproduktion als Problem wahrzunehmen.”</p>
<p><strong>Von der Autostrada entvölkert </strong><br />
Die Familie Cinelli Colombini (Fattoria dei Barbi) gehört zu den allerersten Brunello-Produzenten. Barbi ist noch einer der wenigen echten Gutshöfe in der Toskana, wo nicht nur Wein und Olivenöl, sondern auch Käse, Fleisch und Wurstwaren erzeugt werden sowie in der eigenen Taverne toskanische Küche zelebriert wird. Stefano Cinelli-Colombini, der das Brunello-Museum unterhält und ein profunder Kenner der Geschichte von Montalcino ist, erzählt: „Während des Zweiten Weltkriegs war Montalcino ein Schlachtfeld und fast alle Weinberge wurden zerstört. Hinzu kommt, dass erst die Deutschen, später die Amerikaner die Keller leergetrunken und verwüstet haben. Nicht viel Wein hat diese Invasionen überlebt. Montalcino hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen extremen Wandel durchlebt. Bis 1963 führte die Straße vom Norden nach Rom an Montalcino vorbei. Montalcino war bekannt, ein wichtiges Handelszentrum, es gab hier zahlreiche Hotels und Restaurants. Als dann 1964 die Autostrada del Sole fertigestellt wurde, verlor Montalcino unvermittelt an Wichtigkeit. Die Gäste blieben plötzlich weg. Innerhalb von wenigen Jahren verlor Montalcino 7000 Einwohner. 1970 lebten nur noch 5000 Menschen hier, die meisten sind aus Armut in den Norden gezogen. Nach und nach verschwand alles aus Montalcino, das Krankenhaus, die Geschäfte, die Hotels, die Kinos, die Anwälte, die Notare. Siena gewann an Wichtigkeit, Montalcino wurde immer unbedeutender und geriet in Vergessenheit, während 30 Jahren war hier nichts mehr los. Erst in den 90er-Jahren kamen langsam die Touristen zurück, es folgte der Boom des Brunello, und plötzlich erblühte die Stadt wieder zu Leben. Seit wenigen Jahren gibt es wie früher unzählige Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants.” Wer den Wandel von Montalcino in den letzten 20 Jahren miterlebt hat, kann die Worte von Stefano nur bestätigen. Noch in den 80er-Jahren war eine Unterkunft in Montalcino nur mit Schwierigkeiten zu finden. Und Weinläden gab es vielleicht zwei… Es ist deshalb interessant zu erfahren, dass nicht die Ausgestorbenheit der 70er- und 80er-Jahre der Originalzustand von Montalcino ist, sondern der von Läden, Restaurants, Pensionen und Restaurants nur so strotzende Ort von heute.Die Entwicklung des Brunello in jener Zeit beschreibt Stefano so: „Bis weit in die 70er-Jahre hinein gab es nur zwei große Erzeuger, das waren wir und Biondi Santi. Zusammen stellten wir etwa die Hälfte des Brunello her. Viele kleine Betriebe mussten aufgrund mangelnden Absatzes schließen. Die damalige Gründung des Konsortiums stellte einen Akt der Hoffnung dar, weil der Wein das Einzige war, was Montalcino noch hatte. Man hoffte, damit den Ort aus der wirtschaftlichen Krise herauszuführen. Biondi Santi und wir standen dem Konsortium zunächst skeptisch gegenüber, weil der damalige Präsident ein Produktionsreglement für den Brunello durchgesetzt hatte, das unsere Produktionsregeln eines hundertprozentigen Sangiovese-Brunello nicht berücksichtigte. Das erste Produktionsreglement sah eine zehnprozentige Toleranz für andere Rebsorten vor! Erst einige Jahre später wurde es geändert, auch weil keiner die Sortentoleranz wirklich in Anspruch genommen hatte.”</p>
<p><strong>Hüter der Tradition</strong><br />
Franco Biondi Santi: „Ende des 19. Jahrhunderts experimentierte mein Großvater Ferruccio Biondi Santi mit einem bestimmten Sangiovese-Klon. Er hatte den Ehrgeiz, einen lagerfähigen Wein aus Sangiovese zu produzieren. Da ein Sangiovese-Wein Zeit braucht, hat man im Chianti sehr früh andere Rebsorten zugelassen, um ihn rascher trinkfähig zu machen. Mein Großvater hingegen wollte versuchen, einen reinen Sangiovese herzustellen, der erst nach Jahren seine wahre Eleganz entfaltet.” Vor 40 Jahren, als die Produktionsregeln offiziell wurden, konnte man in Montalcino nicht wissen, welches wirtschaftliche Potenzial im Brunello steckte. Franco Biondi Santi, dessen Familie damals bereits seit fast 100 Jahren Brunello produzierte, war sein Leben lang ein Verfechter des ursprünglichen Brunello: „Mein Vater hat das Produktionsreglement bei der Gründung der DOC im Jahr 1967 maßgeblich mitbestimmt. Die Vorschrift der vierjährigen Ausbauzeit im großen Holzfass war sein Vorschlag.<br />
Leider wurden die Produktionsregeln später geändert, heute sind nur noch zwei Jahre Holzfass vorgeschrieben. Damit wollte man dem Barriqueausbau entgegenkommen. Der nächste Schritt wäre dann, die vier Jahre, die der Brunello im Keller reifen muss, auf zwei Jahre zu verkürzen. Das bringt natürlich mehr Geld, man kann den Wein schneller kommerzialisieren. Aber wer mit dem Brunello zu schnellem Reichtum kommen will, ruiniert sowohl die Tradition als auch den Markt.” Den Worten von Franco Biondi Santi kann vor dem Hintergrund der jüngsten Vorkommnisse und der kommenden Schwierigkeiten nur beigestimmt werden!</p>
<p><em>Auszug aus MERUM Heft 5/2009. Mehr unter <a href="http://www.merum.info/">www.merum.info</a><br />
</em></p>


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		<title>Prosecco &#8211; Die Ursprünge des Originals</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 09:59:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Prosecco &#8211; Die Ursprünge des Originals</p>
<p>Massenweise verhökert für weniger als zwei Euro die Flasche, am Zapfhahn wie Bier ausgeschenkt, abgefüllt in blaue Flaschen oder rosa gefärbt, in Dosen gezwängt, mit Billigsorten verschnitten, im Tankwagen nach Deutschland verfrachtet und dort mit Kohlensäure versetzt… <span id="more-1178"></span><br />
<img class="alignleft size-medium wp-image-1196" title="Pross1" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//Pross1-332x500.jpg" alt="Pross1" width="332" height="500" />Dem Prosecco wird keine Entwürdigung erspart. Prosecco gilt in weiten Kreisen schlicht als Bezeichnung für süßen Billigprickler aus Italien. Die weiße Traubensorte Prosecco kann nichts dafür, dass sie nicht nur im Hügel, sondern dank unkritischer Nachfrage auch dort angebaut wird, wo bis vor kurzem Mähdrescher lärmten und Rindvieh weidete. Wie alle Sorten ist die Prosecco-Rebe in der Lage, Reizvolles wie Belangloses hervorzubringen. Das hängt nur davon ab, wo man sie anbaut und wie man mit ihr umgeht.</p>
<p>Es ist Sommer. Die Temperaturen steigen und die Lust auf Kühles und Frisches ebenso. Kennern des echten Prosecco verursacht schon der bloße Gedanke an ein Glas dieses schäumenden Frischebringers Durst. Wer im Prosecco-Land kundig ist, der denkt bei Prosecco an Gabriella von La Tordera. Die Bauerntochter, die aus der Fremde als Topunternehmerin zurückkehrte und aus dem heimischen Kuhstall in fünf Jahren eine erfolgreiche Cantina mit einer halben Million Flaschen zauberte. Das Verrückte dabei ist, dass ihr Prosecco heute zu den besten der Appellation gehört.<br />
Oder er muss an Paolo Bisol denken, den Arzt, der aus familiären Gründen vor 20 Jahren die Familienkellerei (Ruggeri) übernahm und trotz allen Expansionsmöglichkeiten heute dieselbe Flaschenzahl erzeugt wie sein Vater vor 30 Jahren und sich liebevoll um alte Reben kümmert. Oder Franco Adami, der langjährige Präsident des Konsortiums: Er vertritt seine Winzer im Kampf gegen die Banalisierung des Namens Prosecco mit Intelligenz und Durchsetzungsvermögen. Erinnerungen an das Prosecco-Land und seine Protagonisten sind wolkig, wohlig und prickelnd wie dieses Weinoriginal, von dem viele Weintrinker außerhalb Italiens leider nur die Billigkopien kennen&#8230;</p>
<p><strong>Prosecco für 1,99</strong></p>
<p>Prosecco hat Erfolg. Nicht nur das Original, sondern alles, was so oder ähnlich heißt. Die Marke Prosecco hat sich längst verselbständigt und von der gleichnamigen Traubensorte losgelöst. Prosecco = italienischer Prickelwein. Das Prosecco-Original besitzt einen unaussprechlichen Namen: „Prosecco di Conegliano e Valdobbiadene DOC Spumante Extra Dry“. Es hat als Appellationswein aus einem Hügelgebiet einen gewissen Preis – zwischen fünf und zehn Euro ab Produzent. Gleichzeitig heißt der wirkliche Markenname ohnehin „Prosecco“, allerdings ist dieser aber gesetzlich so nicht geschützt und somit fast frei verwendbar. Dies alles zusammen bringt mit sich, dass es für die Prosecco-Verbreitung kein Halten mehr gibt. Eine enorme Nachfrage gilt es zu befriedigen, und dafür werden Riesenmengen von unkontrolliertem Prosecco bereitgestellt. Da für Discounter-Kunden 1,99 Euro pro Flasche die absolute Höchstgrenze für Prosecco ist, haben deutsche Abfüller damit begonnen, sich in den fruchtbaren Ebenen des Veneto selbst mit Grundwein einzudecken. Mittlerweile sollen bereits um die zehn Millionen Flaschen Prosecco Frizzante in Deutschland hergestellt werden. Kontrollen über die Echtheit sind bei Nicht-DOC-Weinen auch bei der Abfüllung in Italien schon schwierig; ist der Stoff mal im Ausland, ist es kaum mehr möglich, dessen Authentizität zu garantieren. Dem Verdacht, dass viel mehr Prosecco verkauft wird, als die Weinberge hergeben, kann man in dieser Situation sicher nur beipflichten. Das ist traurig, weil im großen Prosecco-Topf auch unverschuldet der DOC-Prosecco landet.<br />
Je mehr die Qualität der Billigkopien nachläßt, desto glaubwürdiger wird der Original-Prosecco: Seit 2005 ist das Konsortium von der Regierung beauftragt, auch die Nichtmitglieder zu kontrollieren.<br />
Die Agronomen des Konsortiums stapfen mit Katasterauszügen durch die Weinberge und kontrollieren die Sortenzusammensetzung, die Pflanzdichte, den Behang und die Parzellengrenzen. In den vergangenen drei Jahren wurden von den 13 Kontrolleuren des Konsortiums 3000 der insgesamt 5000 Hektar Rebzeile für Rebzeile überprüft. Zudem finden genaue Kontrollen im Weinkeller statt. Der ganze Aufwand dient allein dazu, die Echtheit des DOC-Prosecco zu garantieren.</p>
<p><strong>Der Prosecco gehört uns!</strong></p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1197" title="Pross3" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//Pross3-460x306.jpg" alt="Pross3" width="460" height="306" />Franco Adami, Präsident des Konsortiums: „Seit 1969 gibt es eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung zum Schutz unseres Prosecco, seit 2005 haben wir das neue Kontrollprogramm eingeführt.<br />
Der DOC-Prosecco ist heute ein authentisches Produkt. Aber die Kraft der Marke ist so stark, dass sich der Prosecco immer weiter ausbreitet, auch dort, wo die Echtheit und die Qualität nicht ausreichend kontrolliert werden können.“ Bereits im Jahr 2002 reichte das Konsortium bei der Provinz Treviso den Vorschlag ein, den Namen Prosecco zu schützen. Nach diesem Vorschlag soll der Prosecco dort, wo er heute erzeugt wird, unter DOC-Schutz gestellt werden. IGT-Prosecco soll es in Zukunft keinen mehr geben. Das klingt drastischer, als es in Wirklichkeit ist, denn 95 Prozent allen Proseccos wird ohnehin in der Provinz Treviso erzeugt, schätzungsweise sogar die Hälfte davon von Kellereien, die auch DOC-Prosecco abfüllen. Neben Treviso wird die Sorte noch in Belluno, Vicenza und Padua (Venetien), sowie in sehr geringem Ausmaß in Pordenone, Udine und Triest (Friaul) angebaut. Adami: „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, aber für uns ist der Name Prosecco lebenswichtig. Wir wehren uns dagegen, dass mit dieser Marke spekuliert wird und verlangen, dass sie durch DOC-Regeln geschützt wird.“ Der Vorschlag, die Konkurrenz in den DOC-Status zu erheben, stößt bei manchen der bisherigen DOC-Winzern auf Unverständnis. Sie haben Mühe zu verstehen, dass diese Aufwertung in Wirklichkeit das kleinere Übel im Vergleich zur heutigen Unkontrollierbarkeit ist. Adami: „Es geht nicht darum, die DOC auszudehnen’, wie einige unserer Mitglieder befürchten, sondern dem de facto bestehenden Prosecco-Produktionsgebiet Grenzen zu setzen.“ Wenn der Konsortiumsvorschlag zum Gesetz wird, dann wird sämtlicher Prosecco in Zukunft vom Weinberg bis in die Flasche kontrollierbar sein. Nicht nur der Preis von 1,99 pro Flasche, auch Blechdosen, Rosé-Prosecco, Abfüllungen fernab des Produktionsgebietes werden der Vergangenheit angehören.</p>
<p><strong>Zungenbrecher statt Markenname</strong></p>
<p>Haben Sie schon einmal versucht, in einem Restaurant einen „Prosecco di Conegliano e Valdobbiadene DOC Spumante Brut“ zu bestellen? Ein schwieriges Unterfangen, außer Sie hätten bereits als Kind gerne schwierige Gedichte auswendig gelernt und wären zugleich des Italienischen mächtig.<br />
<img class="alignleft size-medium wp-image-1198" title="Pross4" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//Pross4-332x500.jpg" alt="Pross4" width="332" height="500" />Wenn Sie den Wein in einem gepflegten Restaurant bestellen und nicht in einer Spelunke, steht nämlich der Weinname „Prosecco di Conegliano e Valdobbiadene DOC Spumante Brut“ auf der Weinkarte. Um sich nicht den Appetit zu verderben, zeigen Sie lieber gleich mit dem Finger auf die Karte, um dem Kellner ihre Wahl mitzuteilen. Dass wir Nichtitaliener bei der Aussprache ihres Weinnamens ein Problem haben und dass eine Bezeichnung, die aus 40 bis 50 Lettern besteht, nie zur einprägsamen Marke werden kann, scheint den Prosecco-Leuten nicht klar zu sein.<br />
Die Winzer dieser Appellation können nichts dafür, dass ihre Hauptorte Valdobbiadene und Conegliano heißen. Man muss ihnen jedoch nahelegen, sich bei der Namensgebung der Kürze zuliebe von der Aufzählung ihrer Ortschaften zu verabschieden und sich auf einen einzigen Namen zu einigen.<br />
Nur eine kleine Minderheit von Winzern nennt ihren Wein „Conegliano“, eine weitere Minderheit besteht auf „Conegliano-Valdobbiadene“, auf 80 Prozent des DOC-Prosecco steht „Valdobbiadene“.<br />
Mit der letzten Änderung des Produktionsreglements wurde immerhin die Nennung der Sorte (Prosecco) freiwillig. So lassen manche Winzer seit ein, zwei Jahren sogar das Wort „Prosecco“ auf dem Hauptetikett weg und nennen ihren Wein nur noch „Valdobbiadene DOC“. Damit kommen wir der Sache doch um ein schönes Stück näher, mit etwas Übung läßt sich „Valdobbiadene“ auch für einen Nichtitaliener aussprechen. Aber Achtung: Die Betonung liegt nicht auf dem zweitletzten „e“, sondern auf dem „a“!</p>
<p><strong>Wein rettet Landschaft</strong></p>
<p>Das Weingebiet zwischen Valdobbiadene und Conegliano ist eine wohlhabende Gegend. Die Hügel sind bis auf den letzten Flecken mit Reben bepflanzt, kein verwildertes Grundstück weit und breit, der Blick über die Landschaft fängt Weiler, Rebhäuschen, das wellige Mosaik der Rebparzellen und … manche Baukräne ein. Das war nicht immer so. In der Nachkriegszeit und noch bis in<br />
die 60er Jahre hinein herrschte hier Armut. Manche Familien hatten nicht genug zu essen, und viele junge Männer mussten als Arbeiter ins Ausland. Der heutige Wohlstand der Region kommt aber nicht allein vom Wein, in den umliegenden Städten hat sich eine florierende Industrie angesiedelt. Im Gegensatz zu anderen Landwirtschaftsgebieten, die vom Arbeitsangebot der Städte leergesaugt wurden, entwickelte sich hier gleichzeitig mit der Industrialisierung der Prosecco-Boom. Dieser erlaubte den Bauern, auf dem Land Arbeit zu finden. Das große Verdienst des Prosecco ist, die Landwirte von der Landflucht bewahrt, den Ausverkauf der Landschaft verhindert und die Erhaltung des landwirtschaftlichen Charakters der Gegend ermöglicht zu haben.</p>
<p><strong>Wie der Prosecco das Prickeln lernte</strong></p>
<p>Der Prosecco war früher eine spätreifende Sorte. Die Weinlese zog sich bis spät in den Oktober hinein, und manchmal wurde es gar November. Damals, als man den Prozeß der Weinwerdung noch nicht mit technologischen Methoden steuern konnte, ging die Gärung des Prosecco-Mostes auf Grund der tiefen Temperaturen nur langsam voran und kam zum Stocken, bevor der ganze Zucker in Alkohol umgewandelt war. Der auf natürliche Weise restsüß gebliebene Wein kam erst mit der Frühjahrswärme wieder in Bewegung. Die Hefen erwachten aus dem Winterschlaf und machten sich am verbliebenen Zucker zu schaffen. Dabei erzeugten sie Kohlensäure. Schankwirte, Händler, aber auch private Kundschaft holten sich im Spätwinter den restsüßen Wein bei den Winzern in Valdobbiadene. Je kühler der Wein aufbewahrt wurde, desto länger zog sich diese zweite Gärung, die sich in großen Korbflaschen abspielte, in die Länge und desto länger konnten die Gäste der Trinklokale prickelnden Wein genießen.</p>
<p><strong>Profis übernehmen den Schaum</strong></p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1199" title="Pross5" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//Pross5-460x306.jpg" alt="Pross5" width="460" height="306" />Mitte des 19. Jahrhunderts erschien Antonio Carpené, der Tüftler und Önologe aus Conegliano, auf der Prosecco-Bildfläche. Er war mit der Champagnermethode vertraut und beschloss, den Prosecco in größeren Flaschenzahlen zum Schäumen zu bringen. Er gründete zusammen mit Angelo Malvolti die Firma Carpené-Malvolti. Erst viel später, zu Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde der Spumanteindustrie ein einfacheres Verfahren für die Schaumweinherstellung zur Verfügung gestellt: Charmat in Frankreich, Martinotti in Piemont und Carpené, der 1872 die Önologieschule von Conegliano gegründet hatte, arbeiteten unabhängig voneinander am Tankgärverfahren. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Carpené-Malvolti die einzige Kellerei, die Prosecco Spumante erzeugte, erst in den Fünfzigerjahren wagten sich weitere Unternehmen an die Spumantisierung im Drucktank. Mittlerweile sind es 160 Betriebe, die Prosecco Spumante (DOC) erzeugen.</p>
<p><strong>Conegliano und Valdobbiadene</strong><br />
Das Hügelgebiet im Norden von Treviso, das seit 1969 eine anerkannte Appellation ist, zeigt sich von einzigartiger landschaftlicher Schönheit. Erinnert das Gebiet im Osten bei Conegliano an die weiten Hügelzüge der Toskana, werden die Hügel gegen Valdobbiadene immer steiler und kleiner. Die meisten Weinberge liegen zwischen 150 und 350 Meter über Meer.<br />
Die Hangneigung in Valdobbiadene ist ausgeprägter als in Conegliano, aber auch die Böden und das Klima sind anders. Wiegen in Valdobbiadene die leichten Böden vor, werden sie im Osten schwerer, lehmhaltiger. Die Berge erheben sich bei Valdobbiadene gleich hinter den Rebhügeln, dies bringt eine kühlende Wirkung und hat große Tag- und Nachttemperaturunterschiede zur Folge, zudem verursacht die Nähe der Bergmassive höhere Niederschläge. Das Klima von Conegliano ist insgesamt wärmer, so dass die Trauben hier bis zu zwei Wochen früher reifen. Es ist nur logisch, dass diese Unterschiede im Wein ihren Ausdruck finden. Aldo Franchi (Produttori): „In den Weinbergen von Conegliano entstehen vollere Weine, sie weisen mehr Struktur auf, aber dafür zeigen die Aromen weniger Finesse.“ Ivan Panizza (Vigne Matte) hat seine Weinberge in Rolle, unweit von Conegliano. Dort sorgt ein ständiger Wind für Kühlung: „Unsere Böden geben dem Wein Mineralität. Allgemein sind die Weine von Conegliano voller, die von Valdobbiadene hingegen säurereicher und salziger.“ Aber nicht nur die Weine der beiden Hälften der Appellation sind andersartig, auch die Produktionskosten. In den Steilhängen von Valdobbiadene betragen sie bestimmt das Doppelte dessen, was die Betriebe bei Conegliano für ihre großflächigen, mechanisierbaren Rebflächen rechnen müssen. Gleichwohl gibt es kaum Unterschiede bei den Traubenpreisen der beiden Teilgebiete. Der einfache Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach DOC-Trauben das Angebot weit überragt.<br />
Aufgrund der im Jahr 2007 um 16 Prozent gestiegenen Verkäufe und der beschränkten Verfügbarkeit schnellte der Traubenpreis im Herbst um 20 bis 30 Prozent auf 1,20-1,30 Euro pro Kilo hoch. Eigentlich ist es ungerecht, dass für Trauben und Wein aus Valdobbiadene nicht mehr bezahlt wird und der Hektarbruttoverdienst – obgleich hoch – hier wie dort derselbe ist.<br />
Warum das trotzdem gut geht, erklärt Paolo Bisol (Ruggeri): „Der Grundbesitz in Valdobbiadene ist stark zersplittert, die meisten Winzer sind Nebenberufsbauern: Anwälte, Lehrer, Tankwarte, Buchhalter… Am Wochenende pflegen sie ihre <img class="alignleft size-medium wp-image-1200" title="Pross6" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//Pross6-460x306.jpg" alt="Pross6" width="460" height="306" />Reben. Hauptberufswinzer, die die Rentabilität im Auge behalten müssen, gibt es dagegen nur wenige.“ Die meisten Produzenten der Appellation haben ihren Sitz in Valdobbiadene. Aber die Kellereien kaufen die Trauben im ganzen Anbaugebiet ein. Franco Adami: „Auch die bekanntesten Winzer haben einen Teil ihrer Weinberge in Conegliano. Man ist auf diesen Mix wegen der Betriebskosten angewiesen. In Valdobbiadene sind die Kosten wegen der steilen Lagen zu hoch.“</p>
<p><strong>Abfülld</strong><strong>atum aufs Etikett!</strong></p>
<p>Auch der beste Prosecco sollte innerhalb eines Jahres nach der Abfüllung getrunken sein. Besser noch früher. Deshalb forderte Merum wiederholt, dass aus Gründen der Seriosität der Jahrgang des Weins aufs Prosecco-Etikett gehört. Die Produzenten bringen jedoch hier das Problem des Überganges vom alten zum neuen Jahrgang an: Es ist nämlich üblich, dass die Kellereien im Herbst die Grundweine des alten Jahrgangs und des neuen mischen. Nach Aussage der Produzenten will man damit den geschmacklichen Übergang etwas abfedern und die Kundschaft auf den neuen Jahrgang vorbereiten. Dies erlaubt den Produzenten auch eine gewisse Elastizität beim Aufbrauchen des alten Jahrgangs. Eines aber darf trotzdem gefordert werden, dass nämlich auf den Flaschen das Abfülldatum deklariert wird! Das beeinträchtigt die Produzenten zwar nicht in ihrer Freiheit, zwei Jahrgänge zu verschneiden, setzt die Kunden aber trotzdem in die Lage, die Frische des Produktes zu erkennen.</p>
<p><strong><em>Copyright Texte und Bilder: Andreas März/Merum<br />
Auszug aus Merum DOC &#8211; Die schönsten Weinlandschaften Italiens.<br />
Eine Sonderedition von Merum, der Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien. Merum DOC berichtet in dieser Ausgabe zusätzlich noch über die Appellationen Soave, Valtènesi, Oltrepò Pavese, Monferrato und Südtirol. 144 Seiten, Euro 19,90. Zu bestellen auf www.merum.info</em></strong></p>


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		<title>Paradies Südtirol &#8211; Teil 2</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 06:58:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vernatsch: Bald eine Rarität?</strong><br />
Noch vor 20 Jahren bestand der Südtiroler Weinberg zu 65 Prozent aus Vernatsch. Heute sind von den 5118 Hektar Gesamtanbaufläche nur noch rund 1500 Hektar mit dieser Sorte bestockt. Fast 1600 Hektar Vernatsch sind entweder Apfelanlagen oder anderen Traubensorten gewichen. Christof Tiefenbrunner: „Vor 30, 40 Jahren erzeugten wir eine Million Liter, 90 Prozent davon waren Vernatsch, heute sind wir bei etwa der Hälfte der damaligen Weinmenge, und der Vernatsch-Anteil liegt gerade noch bei 10 Prozent.“ Die Vernatsch-Antipathie der Produzenten mag den Liebhaber dieser Sorte erschrecken, aber der Rückgang war und ist gerade in seinem Interesse notwendig. Noch heute werden rund zwei Drittel der Südtiroler Rotweine aus dieser Sorte gekeltert (vor zehn Jahren waren es über 80 Prozent). Positiv ist doch, dass heute – dies bestätigen alle Kellermeister – der Vernatsch nur noch in guten Lagen steht. Wo es für ihn zu tief ist, wurde er durch Chardonnay, Pinot grigio und Lagrein ersetzt, in der Höhe verdrängten ihn Weißburgunder und Sauvignon. <span id="more-1048"></span></p>
<p><strong><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//POR1292.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1049" title="_POR1292" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//POR1292.jpg" alt="_POR1292" width="640" height="428" /></a>Die Qualität stimmt, das Image nicht</strong></p>
<p>Andreas Widmann: „Der Vernatsch war immer das Stiefkind. Jeder Kellermeister zeigt dir erst seine Weißen, dann seine Roten und dann seine neue Kellereinrichtung. Aber nie seinen Vernatsch-Wein. Einen positiven Aspekt hat das vielleicht doch: Vielleicht ist ihm dank seines Schattendaseins die Typizität erhalten geblieben?“ Widmann weist jedoch darauf hin, dass es immer Produzenten gab, die sich für diese Sorte einsetzten, und nennt als Beispiele die Magdalener Produzenten, die KG Girlan und Brigl.  Es stimmt, auf dem Magdalener-Hügel ist man wirklich stolz auf diesen Wein. Auch Josef Brigl spricht gerne über seinen Vernatsch. Er liefert zudem eine nützliche Anweisung, wie man Vernatsch-Weine am besten serviert: „Im Sommer sollte er mit 12 °C ausgeschenkt werden, denn die Gläser sind warm, die Luft auch, in wenigen Minuten ist er auf der idealen Trinktemperatur von 16 Grad. Über 16 Grad verliert er an Trinkigkeit.“ Stolz auf ihre Vernatsch-Weine sind auch die Mitarbeiter der KG Girlan. Mit dem Gschleir – mit 11,– Euro wohl einer der teuersten Vernatsch – will man beweisen, dass die Sorte langlebige Weine ergibt. Tatsächlich gelingt das auch. Der 2000er, immerhin ein sechsjähriger Wein, ist ein tolles Erlebnis für Vernatsch-Fans und der 97er ein Mahnmal für alle, die schlecht über diese Sorte reden. Das größte Problem ist aber das fehlende gemeinsame Vernatsch-Marketing. Auch die Weinschreiber trauen sich nicht, zu diesem Wein verbindlich Stellung zu nehmen. Man bedenke nur, dass in der ganzen Geschichte des Gambero Rosso noch nie ein Vernatsch die drei Gläser erhalten hat. Helmut Sozin, Kellermeister der KG Kaltern: „Eigentlich stimmt es schon, man müsste etwas tun… Aber bei einer Sorte, die imagemäßig so verhunzt wurde, dauerts eine ganze Generation, bis man damit weitermachen kann. Die Reduzierung der Anbaufläche ist sicher eine erste Voraussetzung, um das Image zu verbessern. Wir sollten die Mengen soweit reduzieren, dass wir es nicht mehr notwendig haben, den Vernatsch über die Literflasche zu verramschen.“Alois Lageder hofft, dass die Trentiner, die seltsamerweise ihren Schiava (Vernatsch) ebenfalls als Kalterersee abfüllen dürfen, auf dieses Recht verzichten werden. „Dann müsste nur noch dafür gesorgt werden, dass die Literware nicht mehr unter der Bezeichnung Kalterer oder Vernatsch auf den Markt kommt, sondern unter einem Markennamen.“ Gerhard Kofler (KG Girlan): „Ich bin für einen einfachen Südtiroler Rotwein, der zwar auf Vernatsch basiert, aber nicht so heißt. Nennen wir ihn doch einfach ‘Südtiroler’.“</p>
<p><strong><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//POR12951.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1050" title="_POR1295" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//POR12951.jpg" alt="_POR1295" width="428" height="640" /></a>So wird Vernatsch gut</strong></p>
<p>Ein großer Vernatsch ist nicht dunkel, konzentriert, schwer und tanninhaltig. Ein großer Vernatsch ist samtig, fruchtig, elegant, leicht und lang. Zu solchen Charaktereigenschaften kommt die Sorte bei Hektarerträgen zwischen 9000 und 11 000 kg. Das klingt nach viel, ist aber nur die Hälfte dessen, was ohne eine drastische Ertragsregulierung an den Pergeln hängen würde.<br />
Mit großzügiger Düngung und Bewässerung kommt man sogar noch höher. Andreas Widmann: „Wenn man nicht stark ausschneidet, kommt man selbst bei kurzem Anschnitt spielend auf 20 000 Kilo pro Hektar. Ich schneide überall einfach die untere Hälfte der Trauben weg, um die 100 Doppelzentner nicht zu überschreiten.“ Vernatsch erträgt die direkte Sonnenbestrahlung nicht, die Trauben brauchen Schatten. Die Pergel wird deshalb von allen Produzenten als die ideale Erziehungsform für Vernatsch bestätigt. Kellermeister Gerhard Kofler (KG Girlan) verrät, wie er seine Vernatsch vergärt: „Wenn man ihn zu lange auf der Maische lässt, gelangen zu viel herbe Tannine in den Wein. Betrug die Maischestandzeit früher 19 bis 20 Tage, habe ich sie auf zehn bis zwölf Tage für das beste Traubengut und auf fünf bis sechs Tage für normale Qualitäten reduziert.“ Das Resultat ist deutlich, die jüngste Vernatsch-Generation der KG Girlan ist viel geschmeidiger als ihre Vorgänger. Die Frage, was nun „richtig“ ist, eine größere Extraktion und damit strukturiertere Weine oder Geschmeidigkeit und Trinkigkeit, beschäftigt derzeit manchen Kellermeister, der dieser Sorte wirklich gerecht werden will.</p>
<p><strong>Vom Glück, geliebt zu werden</strong></p>
<p>Wer Südtirol besucht, hat den Eindruck, einen großen, gepflegten Garten zu betreten. Alles ist grün und geordnet in diesem fruchtbaren Tal. Auf dem Talboden die Apfelanlagen, am Hügelfuß die Weinstraße mit den blumengeschmückten Weindörfern und darüber die Weinberge. Nirgends ein ungepflegtes Landstück, auf den Straßen liegt kein Abfall, und selbst die Bauern erinnern mit ihren blauen Schürzen an niedliche Gartenzwerge. Kein Wunder, lieben die Touristen dieses Land! Die Liebe ist gegenseitig! Die Südtiroler Weinproduzenten tun alles, um sich die Gunst der Weintouristen zu erhalten. Manche Winzer verkaufen mehr als die Hälfte ihrer Produktion direkt ab Hof, und fast alle vermieten sie Ferienwohnungen. Überall gibt es Probierstuben, kaum ein Winzer, der sich nicht die Zeit nehmen würde, dem Kunden aus München, Basel oder Salzburg seine neuen Jahrgänge vorzustellen. Nicht nur die Winzer, auch die Privatkellereien und die Kellereigenossenschaften legen Wert auf die Direktkundschaft. Allerorts gibt es Verkaufsräume, wo der Besucher die Weine des Sortiments verkosten und sich beraten lassen kann. Die KG Kaltern hat an prominenter Stelle in Kaltern das Winecenter errichtet, das nur der Betreuung der Privatkundschaft gewidmet ist. Die Wichtigkeit des Direktverkaufs für die Südtiroler Weinwirtschaft lässt sich auch an der Preispolitik ablesen. Nur wenige Erzeuger denken wie Alois Lageder, der die Politik vertritt, dass der Kunde in seinem Weingeschäft in Magreid nicht viel weniger als im Weinladen in Deutschland bezahlen sollte. Er möchte damit seinen Importeuren den Rücken stärken. In der Regel liegen die Importeurpreise in Südtirol nur wenige Prozent unter den Privatpreisen. Vollends kompromisslos auf den Direktverkauf ist Andreas Widmann eingestellt: Er hat nur eine einzige Preisliste. Bei ihm zahlt jeder gleich viel, egal, ob Händler, Restaurantbesitzer oder Privatkunde.</p>
<p><strong>Südtirols größter Markt: Südtirol</strong></p>
<p>Man schätzt, dass in Südtirol insgesamt dieselbe Menge Wein verbraucht wie hier erzeugt wird, nämlich rund 35 Millionen Liter. Auch wenn die Gastronomie viel auswärtigen Wein einschenkt, bleibt der wichtigste Markt Südtirols Südtirol selbst. Fünf Millionen Touristen besuchen jedes Jahr Südtirol und übernachten insgesamt 26 Millionen mal dort. Für die Weinproduzenten ist es ein Glück, dass die Touristen nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto anreisen. Mit dem eigenen Fahrzeug haben sie die Möglichkeit, in die Dörfer rauszufahren und da und dort ein paar Flaschen Wein in den Kofferraum zu packen. Um so größer ist der Widerstand der Winzer gegen die Bestrebungen der lokalen Politiker, den Bozener Flugplatz auszubauen. Vorteile hätten sie tatsächlich keine davon, nur mehr Lärm und weniger Kundschaft. Die Provinz Bozen, wie das Land Südtirol offiziell heißt, gliedert sich weingeographisch so: das Unterland (Etschtal von Salurn über Neumarkt und auf der östlichen Seite des Mitterbergs bis Bozen), die Überetsch (vom Kalterersee ansteigende Moränenrampe im Westen des Mitterbergs, die bei Girlan zur Etsch abbricht, mit den Gemeinden Kaltern und Eppan), die Ebene von Bozen mit dem Magdalenerhügel, das Oberland (nordwestlich von Bozen bis Meran), der Vinschgau (westlich von Meran bis Mals), das Eisacktal (nordwestlich von Bozen bis Sterzing).</p>
<div><em>Auszug aus Merum DOC &#8211; Die schönsten Weinlandschaften Italiens.</em></div>
<div><em>Eine Sonderedition von Merum, der Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus  Italien. Merum DOC berichtet in dieser Ausgabe zusätzlich noch über die  Appellationen Soave, Valtènesi, Oltrepò Pavese, Monferrato und  Conegliano-Valdobbiadene. 144 Seiten, Euro 19,90. Zu bestellen auf <a title="blocked::http://www.merum.info/" href="http://www.merum.info/">www.merum.info</a></em></div>


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		<title>Paradies Südtirol&#8230; und keine Vertreibung in Sicht &#8211; Teil 1</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Aug 2009 06:44:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Merum]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em> </em></p>
<p><em>Liebe Leser unseres Blogs, wir freuen uns sehr, Ihnen ab sofort einige ausgewählte Beiträge aus der Zeitschrift <a href="http://www.merum.info/">&#8220;MERUM&#8221;</a> präsentieren zu können. &#8220;MERUM&#8221; ist ein  Magazin, das sich ausschließlich mit Weinen und Olivenöl aus Italien beschäftigt.<span id="more-979"></span></em></p>
<p><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//_por1239.jpg"><img class="size-full wp-image-980 alignleft" title="_por1239" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//_por1239.jpg" alt="_por1239" width="342" height="512" /></a>Südtirol ist mit seinen 5000 Hektar Anbaufläche eine der kleinsten italienischen Weinregionen. Aber das Land, in dem der Süden beginnt, ist vom Glück verwöhnt: Es erfreut sich wunderschöner Landschaften, hervorragender Weinlagen, unvergleichlicher Weine, fleißiger Bewohner und eines Absatzmarktes gleich vor der Haustür. Wer sich zur Aufgabe macht, hier Probleme aufzuspüren, riskiert, leer auszugehen: Seit 20 Jahren machen die Südtiroler im Weinbereich eigentlich kaum etwas falsch.</p>
<p>Wo man in Italien hinkommt, stößt man auf Schönes. Kaum eine italienische Region, wo man angesichts der gebotenen Möglichkeiten nicht mit dem Gedanken spielte, sich als Winzer niederzulassen.<br />
Im idyllischen Südtirol allerdings stellt sich diese Verwirklichung dieses Wunsches etwas schwieriger dar. Weshalb? Weil das Paradies Südtirol bereits ausgebucht ist. Bis auf den letzten Platz. In diesen Tälern ist jeder Winkel besetzt, es gibt keine Wiese zwischen Salurn und Meran, die nicht von irgendwem eifersüchtig sein Eigen genannt würde. Kein Haus, das einem Besitzer so zur Last fallen würde, dass er froh wäre, es abstoßen zu können.<br />
Südtirol hat keinen Platz für fremde Abenteurer, Kapitalaussteiger oder auswärtige Hobbywinzer. Wer davon träumt, in Südtirol ein Häuschen mit Weinberg zu erwerben, ist zwanzig Jahre zu spät dran.<br />
Kaum war die Weinkrise der 80er-Jahre überwunden, kletterten die Bodenpreise unaufhaltsam bis auf das schwindelerregende Niveau von heute.</p>
<p><strong>Wertvoller Boden</strong></p>
<p>Wie knapp der Boden in Südtirol ist, zeigen die Preise. Für ein Hektar Rebland werden zwischen 600 000 und 700 000 Euro bezahlt, für besonders prestigereiche Parzellen sogar noch mehr.<br />
Bruno Gottardi, der sich seinen Traum vom eigenen Weingut in Südtirol noch erfüllen konnte, sinniert über die Diskrepanz zwischen Boden- und Flaschenpreisen: „Hier kostet der Boden gleich viel wie im Burgund. Nur steht dort ein edles ‘Corton’ auf dem Etikett, bei uns höchstens Edelvernatsch…“ Ein Landkauf im Südtirol ist keine betriebliche Investition, die Vergrößerung des Grundbesitzes ist vielmehr eine Lebensaufgabe. Ignaz Niedrist: „Wenn ein Bauer eine Parzelle kaufen kann, dann müssen alle mithelfen, von der Großmutter abwärts“. Im Vergleich zu anderen Regionen ist der Anteil der selbst vermarktenden Winzer an der Gesamtproduktion verschwindend klein. Drei Prozent machte der Winzerwein vor gut zehn Jahren aus, fünf Prozent sind es heute. Nur rund 100 der insgesamt 5000 Weinbergbesitzer verarbeiten ihre Trauben selbst zu Wein. 4900 Winzer treten ihre Trauben an eine der 16 Kellereigenossenschaften oder eine der 40 Privatkellereien ab. Ein Grund für die geringe Zahl der Selbstvermarkter und ihren geringen Anteil an der Gesamtproduktion ist in erster Linie die Zerstückelung des Landbesitzes. Im Südtiroler Mittel beträgt der Rebbesitz zwar rund ein Hektar, aber die meisten Bauern besitzen nur gerade wenige tausend Quadratmeter Rebland. Die Besitzer von kleinen Rebparzellen bearbeiten oft noch Apfelanlagen auf dem Talboden, vermieten Ferienwohnungen oder üben nicht landwirtschaftliche Berufe aus. Reine Weinbaubetriebe sind selten. Der zweite Grund, nicht in einen eigenen Keller zu investieren, sind die hohen Traubenpreise. Die Auszahlungspreise liegen im Mittel je nach Sorte zwischen einem Euro pro Kilo (Vernatsch) bis 2,50 Euro (Gewürztraminer), mehr ließe sich auch nicht realisieren, wenn der Wein vinifiziert und selbstvermarktet würde.<br />
<strong><br />
Hohe Traubenpreise = hohe Weinqualität</strong></p>
<p>Die Südtiroler Winzer ärgern sich darüber, dass fast alle Berichte über ihren Wein mit dem Hinweis auf ihre Massenweinkarriere der 60er-, 70er- und frühen 80er-Jahre beginnen. Doch waren die Südtiroler längst nicht die Einzigen in Nord- und Mittelitalien, die in den Nachkriegsjahren durch exzessive Düngung und Bewässerung, durch langen Anschnitt und produktive Klone, durch Weinpflanzungen in für Qualität untauglichen, aber stark produktiven Lagen sowie auch durch massiven Zukauf fremder Weine dem Goldrausch erlagen. Die Weinproduktion Italiens schwoll nach dem Krieg rasch an. Die Produktionssteigerung war überall die Antwort auf den steigenden Konsum und einen Export, der im Rekordjahr 1982 fast 20 Millionen Hektoliter erreichte, …um dann innerhalb von drei, vier Jahren auf knappe zwölf Millionen Hektoliter zusammenzubrechen. Besonders stark von diesem Zusammenbruch war der Vernatsch betroffen, damals Südtirols Hauptsorte. Deckten sich die ausländischen Weinhändler, die vor allem aus der Schweiz nach Südtirol kamen, 1981 und 1982 noch mal kräftig ein, blieben sie von 1983 an weg. Plötzlich ging nichts mehr: Der Vernatsch staute sich von den Schweizer Kneipen über die Keller der Händler bis zu den Produzenten zurück und sorgte für eine schmerzhafte, wenn auch rasch gemeisterte Absatzkrise. In wenigen Jahren stellten die Südtiroler ihren Weinbau um. Allein in den letzten zehn Jahren verringerten sich die Hektarerträge Südtirols um 25 Prozent. Einziger Grund für diesen Produktivitätsrückgang ist der Qualitätswille: Man pflanzte weniger ertragreiche Sorten, reduzierte stark die Vernatsch-­Erträge und erzeugt den Wein heute wieder in Hügellagen. Eine Besonderheit Südtirols ist, dass die Qualitätsrevolution wesentlich auch von den Kellereigenossenschaften ausging. Die KG Tramin zum Beispiel unterteilt ihre Lieferanten in zwei Gruppen. Die Trauben der Normalproduzenten werden nach Gewicht, Zucker und Aussehen bezahlt. Für Gewürztraminer, Blauburgunder und Vernatsch gibt es zusätzlich eine Lagenklassifizierung. Lage 1 (Toplage, höchster Zuschlag), Lage 2 (kleiner Zuschlag) und Lage 3 (kein Zuschlag). Je besser die Lage, desto höher der Zuschlag zum Grundpreis. Die zweite Gruppe Winzer – die „Qualitätsgruppe“ – wird auf Grund ihrer Lagen und ihrer professionellen Zuverlässigkeit ausgewählt. Hier greifen die Techniker direkt in die Entscheidungen der Weinbergsarbeiten ein. Die Trauben dieser Produzenten werden nicht nach Zuckergehalt, sondern praktisch für die unter Vertrag genommene Fläche bezahlt. Um generell eine Mindestqualität sicherzustellen, schreibt die KG allen ihren Lieferanten vor, mit den Hektarerträgen 20–25 Prozent unter den zugelassenen Höchstmengen des Produktionsreglementes zu bleiben. Die auf hochwertigen Vernatsch spezialisierte KG Girlan bezahlt für diese Trauben zwischen 0,70 und 2,00 Euro pro Kilo, schreibt aber Hektarerträge weit unter der gesetzlichen Limite vor (8000–8500 Kilo pro Hektar für den Super­Vernatsch Gschleir, das Gesetz erlaubt 14 000 Kilo pro Hektar. Auch die KG Terlan reguliert die Qualitätsproduktion über die Traubenpreise. Sie beginnen bei 0,30 Euro für fauliges Lesegut bis zu 8,00 Euro für Topware.</p>
<p><strong><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//_por1230.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-983" title="_por1230" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//_por1230.jpg" alt="_por1230" width="640" height="428" /></a>Lagenvielfalt bedingt Sortenvielfalt</strong></p>
<p>Erzherzog Johann von Österreich kümmerte sich intensiv um die Landwirtschaft Südtirols und der Steiermark. Unter seinem Einfluss gelangten um 1840 Rebsorten aus ganz Europa nach Südtirol. Auch wenn sich Sauvignon, Cabernet und Co. übers Land ausbreiteten, der Vernatsch blieb immer die Hauptsorte. Streng genommen war ja einer der Gründe des Niedergangs des Südtiroler Weins vor 25 Jahren gerade, dass damals praktisch nur noch eine einzige Sorte angebaut wurde. Den beliebten Vernatsch pflanzte man unten in der fruchtbaren Ebene an wie hoch oben in den zu kühlen Lagen.<br />
Die Weinberge Südtirols weisen alle nur erdenklichen Sonnenausrichtungen auf und stehen auf den verschiedenartigsten Böden. Innerhalb weniger 100 Meter Distanz kann ein schwerer Lehmboden in einen Kalkschotterboden übergehen. Auch der Laie versteht, dass es unter diesen Umständen ein Vorteil ist, viele verschiedene Sorten zur Verfügung zu haben. Vernatsch braucht, um einen vollmundigen, fruchtigen Wein zu ergeben, die besten, also warme Lagen. Die klassischen Vernatsch-Anbaugebiete liegen deshalb in St. Magdalena, Meran und Kaltern. Ein für Vernatsch geeigneter Gürtel zieht sich von Kurtatsch auf der rechten Talseite bis nach Meran zwischen 250 und 400 Metern über dem Meeresspiegel hoch. 450 Meter ist die obere Grenze für Vernatsch.<br />
Der Lagrein wiederum ist auf gut abtrocknende, warme Böden angewiesen und reagiert empfindlich auf Staunässe. Aus diesem Grund wurde er traditionell auf den Schotterböden um Bozen angepflanzt.<br />
Sauvignon ist auf große Temperaturschwankungen, viel Sonnenlicht, aber nicht zu hohe Temperaturen angewiesen. Er wird daher von 400 Metern an aufwärts angepflanzt. Auch der Weißburgunder liebt hohe Lagen, ist jedoch etwas flexibler als der Sauvignon. Für Blauburgunder ist es in vielen Gebieten Südtirols zu warm. Spitzenlagen, die den Sortencharakter fördern, sind Mazzon (Neumarkt) und hohe Lagen von Montan. Ignaz Niedrist rechnet auch die Westhänge von Girlan und manche Parzellen im Vinschgau zu den guten Burgunderlagen. Kühles, etwas raues Klima ist von Vorteil, das heißt, dass Südlagen nur in Höhen von 500, 600 Metern gute Resultate ergeben. Zum Gewürztraminer sagt Willi Stürz (KG Tramin): „Hier in Tramin verfügen wir über echte Grand Crus für diese Sorte. Söll ist eine, Rungg eine andere, sie liegen auf 350 Metern. Ebenfalls tolle, wenn auch feinere, duftige Weine, ergeben die schotterigen, kalkreichen Böden über dem Traminer Dorfkern. Gute Lagen gibt es auch auf den kalk- und lehmreichen Böden in Montan und Mazzon auf der anderen Talseite.“</p>
<p><strong><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//_por1334.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-981" title="_por1334" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//_por1334.jpg" alt="_por1334" width="640" height="428" /></a>Vielfalt muss nicht Chaos sein</strong></p>
<p>Der Erfolg eines Weingebietes beruht immer auch auf seiner Kommunizierbarkeit. Je kürzer die Erklärung, mit der sich ein Weingebiet beschreiben lässt, desto leichter dringt sie in unser Bewusstsein. Zum Beispiel: „Der Brunello stammt aus der Gemeinde Montalcino im Süden der Toskana, wird zu hundert Prozent aus Sangiovese gekeltert und vor dem Verkauf vier Jahre gelagert.“ Oder: „Der Soave ist weiß, wächst östlich von Verona um das Städtchen Soave und wird zur Hauptsache aus der Sorte Garganega erzeugt.“ Die Beschreibungen sind zwar nicht erschöpfend, aber sie charakterisieren den Weintyp und bringen ihn mit einem Territorium in Verbindung. Diese Appellationen können dank der einfachen Ordnung der wesentlichsten Charakteristiken – ein Gebiet, ein Wein – in wenigen Worten erklärt und ebenso rasch erfasst werden. Dadurch gelingt es, auch neuen Weinfreunden Lust auf Wein und Gebiet zu machen. Südtirol hat bezüglich seiner Kommunizierbarkeit große Schwierigkeiten, denn dank rund 20 zugelassener Sorten und mehrerer Anbaugebiete verschiedenen Namens – Südtiroler, Vinschgau, Eisacktaler, Magdalener, Kalterersee, Bozner Leiten, Meraner, Terlaner und Etschtaler – zählt man weit über 50 DOC-Weinsorten. Ohne dass dies einschneidenden Einfluss auf das Sortiment der Betriebe haben müsste, ließe sich hier etwas Ordnung machen. Sollen Südtirols Weine besser kommuniziert werden, kann es nicht angehen, dass keiner durchblickt, ob es sich bei einem Weinnamen nun um eine Großlage, eine Unterbezeichnung oder eine eigenständige Appellation handelt. Um es mit Klaus Platter (Laimburg) auf den Punkt zu bringen: „Südtirol ist ein Paradies für Weinliebhaber und ein Horror für Marketingmenschen.“ Nicht nur beim Weingesetz könnte man einiges verbessern, auch in den Betrieben selbst sollte mehr für die Übersichtlichkeit getan werden. Muss denn wirklich jede Kellereigenossenschaft und jeder Abfüller einen Magdalener im Programm führen, obschon die Kellerei weitab von Bozen steht und vielleicht lediglich einen oder zwei Traubenlieferanten in jener Gegend hat? Muss wirklich jeder Produzent drei verschiedene Chardonnay-Etiketten und fünf verschiedene Vernatsch-Weine im Programm haben? Eine gewisse Spezialisierung würde nicht nur die Kompetenz unterstreichen, sondern auch Kosten sparen.<br />
Positive, noch eher scheue Ansätze sind zu erkennen. Christof Tiefenbrunner (Entiklar): „Den Magdalener produzieren wir nicht mehr, wir verkaufen die Flaschen eines befreundeten Produzenten, von dessen Qualität wir überzeugt sind.“ Beim Direktverkauf geben sich immer mehr Produzenten fortschrittlich, nicht nur die KG Kaltern in ihrem Winecenter, auch andere Kellerei-Verkaufsläden führen in ihren Läden Weine von Mitbewerbern. Ebenso glaubt Gerhard Kofler (KG Girlan) an ein Gesundschrumpfen der Sortimente: „Ob man das nun gut findet oder nicht: Die Typizität des Südtirols ist seine Vielfalt, allerdings ist es sicher verkehrt, wenn jeder Betrieb meint, das gesamte Südtirol-Angebot produzieren zu müssen.“ Das Problem bleibt, dass Südtirol vorerst als Appellation nicht zu charakterisieren ist. Oscar Lorandi, Verkaufsleiter KG Tramin: „Uns fehlt ein klares Südtirol-Profil. Auf dem italienischen Markt sind wir als Weißweingebiet bekannt, und international sind wir als Qualitätsweingebiet ein unbeschriebenes Blatt.“</p>
<p><strong>Südtirol wird immer weißer</strong></p>
<p>Bis vor vier, fünf Jahren empfahlen die Kellermeister ihren Traubenlieferanten noch einschränkungslos, Vernatsch-Reben zu roden und Cabernet sowie Merlot zu pflanzen. Mittlerweile sind sie zurückhaltender geworden, denn von diesen Rotweinen gibt es bereits teure Überlager. Cabernet &amp; Co. stauen international zurück. Im Moment sind Weißweine im Trend. Andreas Widmann: „Früher wollten meine deutschen Kunden den Gewürztraminer nicht mal probieren, jetzt fragen sie zuerst danach!“ Vor allem die Italiener entdecken Südtirol als Weißweinland.<br />
Mit Weißwein kann sich das Südtirol profilieren, bei den Rotweinen zeigt die Vergangenheit immer noch ihre Auswirkungen. Die Entwicklung des Südtirols zum Weißweinland läuft auf vollen Touren. Die Anbauflächen für Gewürztraminer, Sauvignon und Weißburgunder werden weiter zunehmen. Unbestritten ist, dass die Weißen Südtirols besonderen Schmelz aufweisen und manche gar einzigartig sind. Und die Hoffnung, dass die Weine in Zukunft noch besser werden, scheint realistisch. Ignaz Niedrist: „Südtirol ist das Elsass Italiens mit seinen klaren, sortenreinen, fruchtigen Weißweinen.“ Hansjörg Donà pflichtet bei: „Wir sind ein Weißweinland, wir haben es nur zu spät erkannt. Wir verfügen über die Lagen, die Temperaturschwankungen und die Erfahrung mit den Sorten.“ Nicht an eine weiße Zukunft Südtirols glaubt hingegen Josef Brigl: „Dieser Trend kommt daher, dass die Südtiroler derzeit hauptsächlich auf dem italienischen Markt expandieren. Ich bin ziemlich sicher, dass der Weißweinanteil zukünftig wieder zurückgehen wird!“</p>
<p><em>Copyright Texte: Merum, Bilder: Jean-Pierre Ritler/Merum<br />
Auszug aus Merum DOC &#8211; Die schönsten Weinlandschaften Italiens.<br />
Eine Sonderedition von Merum, der Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien. Merum DOC berichtet in dieser Ausgabe zusätzlich noch über die Appellationen Soave, Valtènesi, Oltrepò Pavese, Monferrato und Conegliano-Valdobbiadene. 144 Seiten, Euro 19,90. Zu bestellen auf <a href="http://www.merum.info/">MERUM</a>.</em></p>


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