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	<title>Würtz-Wein &#187; &#8230;im Gespräch</title>
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	<description>Alles über Wein und den Rest der Welt...</description>
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		<title>Marcus Johst im Gespräch</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Jun 2010 17:26:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Marcus Johst ist eine der interessantesten Personen in der hiesigen Presselandschaft. Johst ist Inhaber der Societät für strategische Medienberatung. Quasi eine Art Feuerwehr für Pressearbeit. Sein bisher wohl bekanntester Einsatz, wenn so etwas überhaupt bekannt wird, war die Geschichte mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Johst">Uschi Glas und der &#8220;Stiftung Warentest</a>&#8220;. Was aber hat Johst mit Wein zu tun?<span id="more-2726"></span></p>
<p>Ganz einfach. Marcus Johst ist Miteigentümer und Geschäftsführer der CaptainCork GmbH. Jene <a href="http://www.captaincork.com/">Weinseite</a> im web 2.0, die mir so gut gefällt und die irgendwie anders ist. So schön frech und anarchistisch. Grund genug also, mit ihm ein kleines elektronisches Gespräch zu führen. Und wie nicht anders zu erwarten war, kamen da auch einige deutliche und klare Worte&#8230;</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-2729" title="captain" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//captain.jpg" alt="" width="85" height="112" />Würtz-Wein</strong>: Wie kommt es denn, dass ein Spezialist für „verdeckte PR“ einen Weinblog mit betreibt, respektive in ein solches Projekt investiert?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Nach 25 Jahren im Medienzirkus war das einfach eine spontane Idee. CaptainCork ist der totale Gegenentwurf zum herkömmlichen deutschen oder österreichischen Medienhaus, wo man dem Leser ein bisschen Engagement vorzeigt, um hinter dessen Rücken für eine teils manipulative Berichterstattung bei der Industrie abzukassieren – es gibt ein paar Ausnahmen. Und ich hatte einfach die Schnauze voll, schlechte Weine für zu viel Geld zu trinken. Mit Manfred Klimek habe ich einen Partner gefunden, der mich aus einer kulinarischen Beklemmung befreit hat. Seit dem wir online sind, lache ich mehr als vorher und trinke nur noch gute Weine.</em></p>
<p><strong>Würtz-Wein</strong>: Wem gehört denn die CaptainCork GmbH genau?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Meinem Partner Manfred Klimek und einer Investmentgesellschaft, deren Eigentümer mir nahe stehen.</em></p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-2729" title="captain" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//captain.jpg" alt="" width="85" height="112" />Würtz-Wein</strong>: Was versprechen Sie sich von diesem Engagement? Ruhm, Ehre, Geld oder einfach nur Spaß?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>:<em> Ruhm stimuliert mich wenig. Wenn es mir darum ginge, würde ich ein radikales Blog über Wirtschaft und Politik gründen. Dafür gibt es aber noch kein taugliches Geschäftsmodell. Was mich motiviert: Spaß, Geld und die Chance ein bisschen klüger zu werden.</em></p>
<p><strong>Würtz-Wein</strong>: CaptainCork ist ein Geschäftsmodell, sprich hat einen kommerziellen Hintergrund. Wie soll hier Geld verdient werden? Mit Werbung, Bezahlinhalten oder wollen Sie künftig auch Wein verkaufen?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>CaptainCork verdient bereits Geld. Jetzt erst mal mit Werbung. Die Diskussion um bezahlte Inhalte verfolge ich mit Interesse, sehe dafür bei uns aber noch keine Chance. Weine verkaufen schließe ich derzeit aus. Man soll jedoch niemals nie sagen. Weil es  keinen Cent mehr kostet, haben wir uns beim Eintrag im Handelsregister alle möglichen Dinge offen gelassen – bis hin zur Weinmesse.</em></p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-2729" title="captain" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//captain.jpg" alt="" width="85" height="112" />Würtz-Wein</strong>: CaptainCork will, so habe ich es jedenfalls gelesen, Marktführer in Sachen Wein im Internet werden. Wie wollen Sie das erreichen?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Falls Sie damit meinen, dass wir zum Meinungsführer werden wollen, dann stimme ich zu. Mich interessiert am Weinmarkt die brisante Mischung aus oligopolaren Handelsstrukturen, viel Meinung und gleichzeitig wenig Wissen beim Konsumenten und enorme manipulative Kräfte. Das alles rund um eine Schatztruhe voller Geld. Hier in einem Meer von Lügen die Segel zu hissen und mit unbestechlichem Journalismus störend einzugreifen, ist eine interessante Herausforderung aber auch die einzige Chance sich durchzusetzen. Das ist teilweise wie in der Pharmawirtschaft, weswegen ich gerade ein ähnliches Projekt wie CaptainCork für den deutschen Arzneimittelmarkt entwickle.</em></p>
<p><strong>Würtz-Wein</strong>: Sie betreiben ja auch noch andere Blogs, beispielsweise die Kapitalpiraten. Die erinnern allerdings in der Diktion doch sehr stark an den CaptainCork. Zufall oder ist das eine Art Baukastenprinzip?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Das ist reiner Zufall, weil beide Portale gleichzeitig geplant und gestartet wurden und ich in diesen anstrengenden Wochen nicht gleichzeitig zwei virtuelle Welten bespielen konnte. Ein Notgriff, um die Kreativität einigermaßen aufrecht zu halten ohne irre zu werden.</em></p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-2729" title="captain" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//captain.jpg" alt="" width="85" height="112" />Würtz-Wein</strong>: Verfolgen Sie die deutschsprachige Weinbloggerszene? Was halten Sie davon?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Wie alle Überzeugungstäter faszinieren mich auch einige Weinblogger. Ihnen gehört meine Sympathie und mein großer Respekt, weil man deutlich erkennt, wie sie mit Herzblut und manchmal ein paar Promille Wein darin eine unbestechliche Mission erfüllen. Jene, welche ihren Lesern Weintipps servieren, für deren Inhalte sie vom Produzenten bzw. Händler Geld empfangen, tun mir etwas leid, denn dieses Geschäftsmodell funktioniert nur im ganz kleinen Rahmen und das wirkt sich mit der Zeit frustrierend aufs Gemüt aus.</em></p>
<p><strong>Würtz-Wein</strong>: Ich nehme mal an, Sie haben eine gewisse Affinität zum Thema Wein und Weinpublizistik. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Weinpublizistik – des Weinjournalismus – hierzulande ein?<br />
<strong> </strong></p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Naja, die Zeitenwende im Journalismus insgesamt ist unübersehbar – die Medienwelt teilt sich vorerst unversöhnlich zwischen online und offline. Genauso ist es im Weinjournalismus. Da sehe ich im Printbereich eine institutionalisierte und allgemein akzeptierte Korruptionswirtschaft, in der Zahlenschubser das Sagen haben und Journalisten mit ihrer Kompetenz widerwillig geduldete Lieferanten sind. Im Bereich Internet versuchen einige Kleine und Große das gleiche Modell zu etablieren, stoßen aber auf unübersehbaren Widerstand, weil &#8211; dem technischen Fortschritt zum Dank &#8211; den Mächtigen die absolute Herrschaft über die Produktionsmittel entglitten ist.</em></p>
<p><strong>Würtz-Wein</strong>: Im September kommt der „Falstaff“ auf den deutschen Markt. Die haben allem Anschein nach großes vor. Ähnlich wie Sie mit dem CaptainCork. Hat ein solcher Print-Titel eine Chance? Was müsste der Falstaff tun um erfolgreich zu sein. Haben Print-Titel im Weinbereich zukünftig Ihrer Meinung nach überhaupt eine Chance?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Falstaff ist mit uns nur bedingt vergleichbar. Das ist eine in Österreich verankerte und etablierte Marke, die sich sehr ums Essen und Restaurants dreht – was uns nur  am Rande interessiert. Man hat dort viel Wissen und Kompetenz gesammelt und bricht nun auf, um den großen deutschen Markt zu bereichern. Ich weiß nichts über deren Strategie, denke aber, dass man hierzulande mit einem neuen Printprodukt künftig nur dann weiterkommt, wenn man das bewusst als verlustreiches Flagship-Store zur Markenpflege betreibt, um Werbekunden zu beeindrucken. Echte Leser und Konsumenten auf der Suche nach Rat und Meinung werden sich übers Netz finden lassen und darauf sollte der Schwerpunkt liegen.</em></p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-2729" title="captain" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//captain.jpg" alt="" width="85" height="112" />Würtz-Wein</strong>: Noch mal zu Ihrem eigentlichen Betätigungsfeld, der verdeckten PR. Klingt irgendwie bedrohlich…Was habe ich mir darunter genau vorzustellen? Nutzen sie diese Art der PR auch für CaptainCork?</p>
<p><strong>Marcus Johst</strong>: <em>Dieser Begriff ist auch nur eine semantische Krücke um etwas zu beschreiben, was ich als Auftragsarbeit im Dienste meiner Kunden verrichte: Meinungsbildung, die vornehmlich in schwierigen Situationen gebraucht wird, wenn die Glaubwürdigkeit beschädigt ist und sich Medien erbarmungslos an einer Unternehmenskrise bedienen, um ihren Profit in Gestalt von Reichweiten und Einschaltquoten einzusammeln. Der Captain hat diese Dienste  nicht nötig, er ist unsinkbar.</em></p>


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		<title>Hardy Rodenstock im Gespräch</title>
		<link>http://wuertz-wein.de/wordpress/2009/08/17/hardy-rodenstock-im-gesprach/</link>
		<comments>http://wuertz-wein.de/wordpress/2009/08/17/hardy-rodenstock-im-gesprach/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 05:26:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hardy Rodenstock ist einer der bekanntesten Weinsammler und Raritätenhändler der Welt. Seine Weinproben waren und sind legendär. Wir unterhalten uns heute mit ihm über große Weine, deutsche Weine und Weinpreise. Erstmals äußert er sich auch zu den Vorwüfen die ihm gemacht werden, er hätte gefälschte Weine verkauft und Etiketten nachgedruckt.<span id="more-1042"></span><br />
<a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//rodenstock3.GIF"><img class="alignleft size-full wp-image-1043" title="rodenstock3" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//rodenstock3.GIF" alt="rodenstock3" width="476" height="321" /></a>Würtz-Wein: Sie gelten als einer der bekanntesten Weinsammler und Raritätenhändler der Welt. Wie kam es zu diesem Beruf, oder ist das eher eine Berufung“?<br />
<em><br />
HR: Mitte der 80iger Jahre ist aus dem Hobby ein Beruf geworden.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Für einen normalen Weintrinker ist eine Flasche Wein, die mehr als 20 Euro kostet, purer Luxus. Wie erklären Sie so einem Menschen, dass es Weine gibt, die mehrere tausend Euro kosten?</p>
<p><em>HR: Wenn man Spaß am Wein hat und das nötige Kleingeld, warum sollte man dann nicht viel Geld für eine Flasche Wein ausgeben? Wenn ein Bild von van Gogh oder Picasso 40 Millionen Euro oder mehr kostet, dann ist der Preis für eine Flasche Wein doch gar nicht so hoch. Wobei ich – ehrlich gesagt – nicht so ganz nachvollziehen kann, wenn ein junger Wein, wie zum Beispiel der 2005er Petrus, bis zu 3.500 Euro die Eintel kostet. Das halte ich für völlig überzogen, da es genug Alternativen gibt. Aber wenn es weltweit viele Leute gibt, die diesen Preis bezahlen, dann ist es in Ordnung. Ich würde mir da von Petrus lieber die Jahrgänge 1966, 1967, 1970, 1971 oder 1975 kaufen. Die sind bedeutend preiswerter als der 2005er. Und das Trinkvergnügen ist weitaus größer.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Was passiert mit den wirklich großen und raren Weinen dieser Welt? Werden die tatsächlich auch getrunken, oder aus welchen Gründen auch immer „einfach nur“ gesammelt?</p>
<p><em>HR: Es gibt Weinliebhaber, die die Weine genießen, aber es gibt auch reine Sammler und Spekulanten.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Die großen Legenden der Weinwelt, wie ein 45 Mouton oder ein 47 Cheval Blanc, stehen ja nur noch begrenzt zur Verfügung. Wie sieht es denn mit den Weinen der jüngeren Zeit aus? Gibt es da etwas, was Ihrer Meinung nach das gleiche Potenzial zum absoluten Kultwein hat?</p>
<p><em>HR: Ob es von den heutigen roten Bordeaux jemals einer ein 1870 Lafite, 1900 Margaux, 45 Mouton, 47 Lafleur oder 47 Cheval Blanc wird, wage ich nicht vorauszusagen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Was sind Ihrer Meinung nach die neuen Flagschiffe des Weins?<br />
<em><br />
HR: Diese Frage stellen Sie besser Robert Parker…</em></p>
<p>Würtz-Wein: Sie galten auch immer als Spezialist für die Erkennung von Weinfälschungen. In jüngster Zeit sehen Sie sich nun selbst mit derartigen Vorwürfen konfrontiert. Es geht um angeblich nicht echte Flaschen von Thomas Jefferson und Etiketten, die Sie angeblich haben nachdrucken lassen. Insbesondere das Hamburger Magazin <a href="http://wein.over-blog.com/article-24745740.html">„STERN“</a> hat sich hier auf Sie eingeschossen. Wie fühlt man sich, wenn man derart angegriffen wird?</p>
<p><em>HR: Naja, da muß ich durch. Wenn im „STERN“ ein 45er Mouton Etikett abgebildet und behauptet wird, dass dieses Etikett von einer Flasche stammt, die bei einer Weinprobe von mir in Hamburg geöffnet wurde, die aber nachweislich leer mit Etikett bei mir im Keller steht, dann erübrigt sich doch jegliche weitere Diskussion. Und wenn ein Etikett abgedruckt wird, von dem behauptet wird, dass es ein Originaletikett sei, jeder wirkliche Weinfreund aber sofort erkennt, dass es sich um ein vom Château nachgedrucktes Etikett aus den 80er oder 90er Jahren handelt, dann erkennt der aufmerksame Leser doch sofort, dass man es leider mit der Recherche nicht so genau nimmt. Leider!</em></p>
<p><em>Der „STERN“ konnte nicht ein einziges Etikett, welches ich angeblich vor ungefähr 25 (!) Jahren habe nachdrucken lassen, abbilden. Lieferscheine und Rechnungen, die beweisen, dass ich Etiketten habe drucken lassen, konnte man nicht vorweisen. Peinlich für ein Magazin wie den „STERN“.</em></p>
<p><em>Was die Jefferson Flaschen anbelangt, da wurde die Klage von Koch gegen meine Person bei dem New Yorker Gericht abgewiesen. Koch ist in die Berufung gegangen. Schaun mer mal…</em></p>
<p><em>Eigentlich ist die Klage eine Farce, denn Koch hat noch nie eine einzige Flasche Wein bei mir gekauft. Er hat seine Flaschen vor ungefähr 20 Jahren bei englischen und amerikanischen Weinhändlern gekauft. Nach deutschem Recht wäre Kauf und Verkauf auch längst verjährt. Interessant, dass Koch den Wein seiner Jefferson Flaschen hat untersuchen lassen. Der Wein war echt. Und in erster Linie geht es um den Wein. Christies´s hatte 1985 die Gravur der in die Auktion genommenen 1787 Lafitte von einem weltweit anerkannten Experten untersuchen lassen. Laut Gutachter waren die Gravuren echt und stammten aus der Zeit.</em></p>
<p><em></em>Würtz-Wein: Im Zuge dieser „STERN“ Geschichte melden sich ja einige zu Wort, die schon immer wussten, dass irgendetwas faul war „im Staate Rodenstock“. Vorzugsweise auch solche Menschen, die früher zu Ihren Proben eingeladen waren. Ein derartiges Phänomen kennt man ja auch aus anderen Lebensbereichen. Salopp formuliert könnte man sagen, man sieht schnell in solchen Situationen, wo die wahren Freunde sitzen. Wie gehen Sie damit persönlich um?</p>
<p><em>HR: Das ist richtig, da zeigt sich dann wer die wirklichen Freunde sind.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Hat diese ganze Geschichte Auswirkungen auf ihren Beruf? Vergeht Ihnen der Spaß und die Lust am Wein?</p>
<p><em>HR: Zum Glück haben all diese Kampagnen meinem Geschäft nicht geschadet. Und der Spaß und die Lust an einem guten Wein vergeht mir durch diese Hetzkampagnen bestimmt nicht.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Sie gelten ja als Experte für Bordeaux und Burgund. Auf Ihren Proben gibt es aber auch immer gereifte Gewächse aus Deutschland. Wie ist Ihr Bezug zu deutschem Wein?</p>
<p><em>HR: Ich liebe natürlich die deutschen Weine, vor allem die Rieslinge. Eines meiner größten Weinerlebnisse war eine 1921 Berncasteler Doctor Trockenbeerenauslese vom Weingut Witwe Thanisch.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Deutscher Spitzenwein hat vor hundert Jahren das Vierfache der bordelaiser Spitzengewächse gekostet und gehörte zu den begehrtesten Weinen der Welt. Glauben Sie, dass deutsche Weine jemals wieder diesen Status erreichen können? Was müsste Ihrer Meinung nach dafür getan werden?</p>
<p><em>HR: Ich sammle auch alte Weinpreislisten. Und dort entdecke ich zum Beispiel auf Preislisten englischer Weinhändler von vor und nach 1900, dass für alle deutschen Weine der gleiche Preis oder sogar ein höherer Preis gezahlt wurde als für Mouton, Lafite, Yquem und andere Bordeaux Weine.</em></p>
<p><em>Es ist sicher einiges falsch gemacht worden von der deutschen Weinwirtschaft in den letzten Jahrzehnten. Viele ausländische Weinfreunde verstehen nicht, dass es von einer Lage einen QbA, einen Kabinett, eine Spätlese, eine Auslese geben kann. Und das Ganze auch noch trocken, halbtrocken oder süß. Das verwirrt. Bei einem Chablis oder einem Wein eines Châteaus weiß er, was auf ihn zukommt. Da gibt es für den Konsumenten allenfalls gut oder nicht so gute Jahrgänge.</em></p>


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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 14:39:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Reihe &#8220;&#8230;im Gespräch&#8221; kommt heute, aus aktuellem Anlaß Hendrik Thoma zu Wort. Er hat gerade zusammen mit HAWESKO sein neues Videoprtal &#8220;TVino&#8221; lanciert. Im vergangenen Jahr war Hendrik Thoma eines der Lieblingsthemen in der deutschen Weinbloggerwelt, war er doch der Auslöser der &#8220;gibt-es-guten-Wein-unter-fünf-Euro&#8221; Diskussion.<span id="more-873"></span></p>
<p><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//hendrik_thoma_2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-874" title="hendrik_thoma_2" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//hendrik_thoma_2.jpg" alt="hendrik_thoma_2" width="476" height="272" /></a>Würtz-Wein: Du bist dieser Tage mit einem neuen Projekt an den Start „TVino“. Erkläre doch mal kurz wie es dazu kam und was das genau ist.</p>
<p><em>Hendrik Thoma:  Ein Zufall. Wahrscheinlich ist es Schicksal. Schon vor Jahren wollte ich so etwas machen. Ein Freund hatte mir hierzu eine Mail geschickt die nie von meinem Rechner verschwand, sondern die ich gehegt, gepflegt und nie gelöscht habe. Dann hatte ich im letzten Herbst ein Gespräch mit Bernd Siebdraht, einem der Geschäftsführer von Wein Wolf. Als er mich nach meinen Zukunftsgedanken fragte, war er verblüfft, daß ich einen Videoblogg ins Leben rufen wollte. Gerade deswegen wollte er mich sprechen. Ab dem Zeitpunkt haben wir dann gemeinsam daran gearbeitet.<br />
</em><br />
Würtz Wein: Glaubst du der deutsche Markt ist reif für ein solches Format?</p>
<p><em>Hendrik Thoma: Ja, davon bin ich zu 100% überzeugt. Die Seite bietet eine Multifunktionalität die das Thema Wein plastisch, echt und verständlich, auch und insbesondere für Nicht-Weintrinker, macht. Das ist völlig neu. Es ist eine moderne Art zu kommunizieren vor der sich niemand verschließen kann.<br />
</em><br />
Würtz Wein: „TVino“ ist ja hoch professionell aufgebaut und hat mit einem Blog eigentlich nichts zu tun. Kennst Du die deutsche „Weinblogszene“ und wie schätzt Du diese ein?</p>
<p><em>Hendrik Thoma: Ich verstehe Tvino als Forum für Kunden und Show mit TV Elementen. Es geht um: Vinotainment…. . Einige Personen aus der deutschen Bloggerszene sind mir schon lange bekannt. Ich finde, diese Szene verschafft einen Mehrwert für die gesamte Branche, der zu Recht immer stärkere Beachtung findet. Allerdings müssen die Blogger sich öffnen für nicht Weinexperten. Durch die teilweise extrem ruppigen Kommentare lassen sich außen stehende Menschen kaum für das Thema Wein begeistern. Eher das Gegenteil wird damit erreicht. Jeder versucht zu sagen wie kompetent er ist. Mir fehlt bisweilen ein wenig Augenzwinkern und die Leichtigkeit beim Thema Wein.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Nach der ersten Vorstellung von „TVino“ wurden sofort einige Stimmen im web 2.0 laut, dass das ganze Projekt ein „Geschmäckle“ hätte, weil es von HAWESKO (Anm.: Europas größter Weinversender) finanziert wird. Wie gehst Du mit dieser Kritik um?</p>
<p><em>Hendrik Thoma:  Sehr offen. Es geht hier um eine Kooperation, bei der ich die redaktionelle Oberhoheit habe. Wenn mir etwas nicht gefällt werde ich das auch sagen. Ich habe eine Haltung und speziell Qualität wird mein Maßstab sein.</em> <em>Wir haben auch von Anfang an gesagt, dass man mit diesem Projekt eine offene Sprache spricht und wir keine Geheimniskrämerei betreiben wollen. Es gibt zwei Möglichkeiten im Internet Geld zu verdienen: Du hast Bannerwerbung oder hast etwas zu verkaufen (ich finde letzteres offener und genauso akzeptabel- im Gegenteil: ich sehe den Verkauf auch als Service-Dienstleistung für den Kunden). Die Kritik, die einige Leute an Hawesko üben, halte ich für verfehlt. Wenn ein kleinerer Weinhändler so ein Projekt zuerst lanciert hätte, hätten sie alle gejubelt. Nur da fehlt anscheinend den meisten Weinhändlern die Phantasie. Hawesko hat einen guten Riecher bewiesen und ist in gewisser Weise ‚First Mover‘. Das sollten selbst die härtesten Kritiker einfach mal anerkennen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Du willst in Deinen Sendungen auch Weine verkosten und bewerten, die nicht von HAWESKO sind. Fürchtest Du wettbewerbsrechtliche Konsequenzen, falls da mal ein Wein nicht besonders gut abschneidet? Willst du das a priori umgehen, indem Du eine dementsprechende qualitative Vorauswahl triffst?</p>
<p><em>Hendrik Thoma: Es geht nicht darum Krawall zu schüren, sondern um Haltung. Wenn etwas gut ist, sage ich das auch. Das gilt auch dann, wenn ich einen Wein nicht so toll finde, auch wenn er von Hawesko angeboten wird. Diese Freiheit, das zu äußern, lass ich mir nicht nehmen. Ich glaube auch, dass es spannend sein wird, einmal die beliebtesten Weine der deutschen Verbraucher zu testen.<br />
</em><br />
Würtz Wein: Du warst mehr als ein Jahrzehnt als Sommelier in der Gastronomie tätig. Warum nun dieser Wechsel raus aus diesem Metier?</p>
<p><em>Hendrik Thoma: Sogar fast zwei Jahrzehnte. Aber ich bin heute mehr in meinem Metier denn je. Medial war ich ja schon immer nebenher unterwegs. Bei Tvino möchte ich Weine empfehlen, versuche Menschen glücklich zu machen und zu unterhalten. Ich will meine Begeisterung ausdrücken. Eigentlich mache ich das, was ich immer schon gemacht habe, nur eben mit anderen Mitteln und viel direkter.<br />
</em><br />
Würtz Wein: Letztes Jahr entbrannte eine hitzige und teilweise auch leicht polemische Diskussion um das Thema: „Gibt es gute Rotweine unter fünf Euro?“. Auslöser war ein Artikel von Dir in der „WELT“, indem Du das verneint hast. Wie siehst Du, mit einem Jahr Abstand, diese Diskussionen heute? Hast Du das Gefühl Du wurdest damals falsch verstanden?</p>
<p><em>Hendrik Thoma: Aus der Fünf Euro Frage wurde etwas gemacht wie Hartz Vier. Das wurde von einigen Teilnehmern dazu benutzt, um PR in eigener Sache zu machen. Das ganze hat mich auch verletzt, denn wer mich kennt weiß, dass ich kein Snob bin. Am Anfang stand eine ganz andere Aussage (die allerdings auch in dem Artikel in der WamS zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde) von mir. In Deutschland begegnen mir Leute in teuren Klamotten, Autos und die Ihr Geld für alles Mögliche ausgeben (was sie ja auch sollen und können). Nur beim Wein (und auch bei Lebensmitteln) soll es immer schön billig sein. Das ärgert mich und zeugt von wenig Wertschätzung gegenüber einem Produkt wo so viel Handarbeit einfließt, wie bei Wein. Viele leben nur für die Fassade und haben sich nichts zu erzählen. Ich glaube, da sind wir Weinfreunde schon aus einem anderen Holz. Ich wünsche mir einfach mehr Qualitätssinn und Passion bei uns allen. Darüber hätten die Blogger diskutieren können. Das würde uns als Weinbranche voranbringen.</em></p>
<p><em>Ich finde, das Thema könnte ich in einer meiner kommenden Sendungen ruhig noch mal aufgreifen. Dasselbe gilt für teure Weine. Ich kenne einiges wo das Preis-Leistungsverhältnis in Frage gestellt werden kann.</p>
<p></em></p>
<p><object type="application/x-shockwave-flash" data="http://de.sevenload.com/pl/p0nwwG8/500x314/swf" width="500" height="314"><param name="allowFullscreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="movie" value="http://de.sevenload.com/pl/p0nwwG8/500x314/swf" /></object>
<p>Link: <a href="http://de.sevenload.com/videos/p0nwwG8-TVINO-Ein-Abend-unter-Freunden"><img src="http://static.sevenload.com/img/sevenload.png" width="66" height="10" alt="TVINO - Ein Abend unter Freunden" /></a></p>


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		<title>Ulrich Kienzle im Gespräch</title>
		<link>http://wuertz-wein.de/wordpress/2009/07/06/ulrich-kienzle-im-gesprach/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 09:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Reihe &#8220;&#8230;im Gespräch&#8221; haben wir heute einen waschechten Fernsehmann und Politjournalisten. <a href="http://www.ulrichkienzle.de/">Ulrich Kienzle</a>. Er ist insbesonder durch die frühere ZDF Sendung &#8220;Frontal&#8221; einem breiten Publikum bekannt. Ulrich Kienzle lebt seit vielen Jahren im Rheingau und hat eine hohe Affinität zu Wein. &#8220;Unabhängiger Weinjournalismus bleibt ein Traum&#8221;, lautet eine seiner Aussagen&#8230;<span id="more-733"></span></p>
<p><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//foto_kienzle.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-734" title="foto_kienzle" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//foto_kienzle.jpg" alt="foto_kienzle" width="224" height="336" /></a>Würtz-Wein: Als waschechter Schwabe müssten Sie ja eigentlich bekennender Trollinger Liebhaber sein. Da Sie ja aber schon viele Jahre im Rheingau leben, haben Sie doch sicherlich auch einen Bezug zum Riesling…</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Der beste Riesling ist der Rheingauer Riesling. Aber Trollinger ist mein Favorit!</em></p>
<p>Würtz-Wein: Wie ist denn überhaupt Ihr Bezug zu Wein, insbesondere zu deutschem Wein?</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es auch außerhalb Deutschlands sehr gute Weine gibt. Als Korrespondent habe ich viele Kisten Trollinger mit in den Libanon genommen, aber bald festgestellt, dass die Libanesen einen besseren Rotwein produzieren. Zum Beispiel Château Musar. Den habe ich getrunken, wenn es im Bürgerkrieg ziemlich laut wurde. In den 90iger Jahren hat dieser Wein bei einer Blindverkostung in Frankreich alle Bordeaux geschlagen. Damals habe ich festgestellt, dass mein Weingeschmack nicht so schlecht sein kann.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Wie informieren Sie sich zum Thema Wein? Lesen sie Weinzeitschriften, nutzen Sie das Internet?</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Das alles mache ich, aber entscheidend ist der direkte Versuch. Ich kaufe mir, wo immer es geht eine Flasche zum Probieren und wenn der Wein mir schmeckt, dann kaufe ich auch größere Mengen.<br />
</em></p>
<p>Würtz-Wein: Wie sehen Sie den aktuellen Stellenwert des deutschen Weins? Gibt es da Ihrer Meinung nach Anlass zur Sorge? Anlässlich eines Vortrages haben Sie einmal gesagt: „Wie sich der Geschmack der Gummibärchengeneration entwickeln wird, weiß niemand. Es hilft nur besseres Marketing aus dem Dilemma.“</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Ich finde der deutsche Wein ist auf einem guten Weg. Die Rheingauer Rieslinge sind dabei, ihre alte Position wieder zurück zu gewinnen. Aber auch in Rheinhessen, Württemberg und anderen Regionen ist der Fortschritt im Keller zu erkennen. Deutsche Weine sind besser als ihr Ruf. Das sollten sich vor allem deutsche Weintrinker merken.<br />
</em><br />
<em>Würtz-Wein: 2005 und 2006 gab es einen „staatlich anerkannten Weinpreis“, so wurde er jedenfalls beworben, der „Busche Deutscher Weinpreis“. Um diesen Wettbewerb wurde eine Zeit lang ein Riesenwirbel veranstaltet, die Teilnahme an diesen Verkostungen war auch relativ kostspielig. Sie saßen mit anderen prominenten Vertretern damals im Fachbeirat dieser Veranstaltung. Mittlerweile hört man nichts mehr von diesem Weinpreis. Was ist denn daraus geworden?<br />
</em><br />
<em>Ulrich Kienzle: Weiß ich nicht. Es war der Versuch aus vielen Weinpreisen einen hervorzuheben, der objektive Maßstäbe zugrunde legt. Dieser Preis ist an den Egoismen anderer Weininteressen gescheitert.</em></p>
<p>Würtz-Wein: 2005 moderierten Sie die Weinsendung „Vinum TV“ auf n-tv, eine der wenigen „Weinsendungen“ die es im deutschen Fernsehen bisher gab. Kochsendungen gibt es in fast schon inflationärer Anzahl, das Thema „Wein“ dagegen findet im deutschen Fernsehen nur sporadisch statt. Warum?</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Es gibt keine vernünftigen Sponsoren. Sie alle wollen bestimmen, was in diesen Weinmagazinen gezeigt wird. Unabhängiger Journalismus ist für sie ein Fremdwort. Es gibt auf n-tv eine Nachfolgesendung: „100 Prozent Wein“. Die ist 100-prozentig vom Hamburger HAWESKO abhängig. Unabhängiger Weinjournalismus bleibt ein Traum.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Wie müsste eine reine Weinsendung im TV Ihrer Meinung nach aussehen, um auf Dauer erfolgreich zu sein? Gäbe es überhaupt Platz für ein derartiges Format?</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: siehe oben…<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Ganz allgemein habe ich den Eindruck, dass das angebotene TV Programm immer sinnentleerter und „bildungsferner“ wird. Nicht nur bei den privaten TV Sendern. Teilen Sie diese Meinung und woran liegt das?</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Nein. Ich teile dieses allgemeine Vorurteil nicht. Es gibt heute mehr intelligentes Fernsehen als vor 20 oder 30 Jahren. Es ist nur schwierig zu finden. Auf ARTE, 3sat oder PHOENIX. Oder in den späten Nachtstunden.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Sie haben vor einigen Jahren ein Buch mit dem Titel „Essen und Trinken bei rechten und linken“ veröffentlicht. Was gibt es da denn für Unterschiede? Muss man sich das so vorstellen, dass die Rechten Bier saufen und grölen und die Linken am Weinglas nippen und vergeistigt diskutieren?</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Das war einmal. Zu Zeiten der Toscana Fraktion. Heute ist Genuss eine persönliche Angelegenheit. Aber Geschmack muss man sich hart erarbeiten.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Letzte Frage. Wenn Sie sich aussuchen könnten mit wem Sie einen Nacht lang bei einer Flasche Wein über Gott und die Welt diskutieren könnten, wer wäre das und welche Flasche Wein würden Sie trinken?</p>
<p><em>Ulrich Kienzle: Ich bin an keinem interessiert. Für mich ist Weintrinken ein einsames Erlebnis. Allein mit Gott und der Flasche. Im Übrigen habe ich keinen Lieblingswein. Ich bin noch immer auf der Suche.</em></p>


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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 08:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Reihe &#8220;&#8230;im Gespräch&#8221; kommt heute Monika Reule zu Wort. Frau Reule ist die Geschäftsführerin des <a href="http://www.deutscheweine.de/icc/Internet-DE/nav/ce5/ce570b54-13f9-0401-be59-267b48205846">Deutschen Weininstituts (DWI)</a> in Mainz. Dieses Institut ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts, das sich mit der Förderung der Qualität und des Absatz von deutschen Weinen befaßt. Nicht zuletzt durch das Urteil gegen die CMA und den Holzabsatzfonds die Zwangsabgaben betreffend, steht das DWI im Focus der Weinwelt.<span id="more-623"></span></p>
<p><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//dwi-geschaftsfuhrerin-monika-reule4.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-635" title="dwi-geschaftsfuhrerin-monika-reule4" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//dwi-geschaftsfuhrerin-monika-reule4-182x300.jpg" alt="dwi-geschaftsfuhrerin-monika-reule4" width="165" height="273" /></a>Würtz-Wein: Sie sind seit fast genau zwei Jahren die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstitutes (DWI). Wie fällt Ihre Bilanz nach dieser Zeit aus?</p>
<p><em>Monika Reule: Positiv! Der deutsche Wein hat in den letzten beiden Jahren sowohl im Inland als auch im Ausland kontinuierlich Marktanteile gewonnen. Besonders erfreulich sind neben den Mengenzuwächsen vor allem die Wertzuwächse. In erster Linie ist dies sicherlich der Erfolg der gesamten deutschen Weinwirtschaft, die ganz hervorragende Weine erzeugt. Für solche Produkte macht es Spaß Marketing zu betreiben und natürlich sind wir überzeugt, dass  wir mit unserer Arbeit auch einen Anteil an diesem Erfolg haben. All unsere Maßnahmen zielen darauf ab, das Image und die Position der deutschen Weine zu fördern und sie als qualitativ hochwertige, in ihrer Vielfalt und Ausprägung einzigartige und international wettbewerbsfähige Produkte zu positionieren, um damit letztendlich den Weinabsatz insbesondere im mittleren und höheren Preissegment zu steigern. </em></p>
<p>Würtz-Wein: Wo sehen Sie die Hauptaufgaben des DWI und was tun Sie für deren Umsetzung?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Unsere Hauptaufgaben sind im Weingesetz klar definiert und lassen sich kurz mit der „Pflege des Images sowie der Förderung der Qualität und des Absatzes von Weinen aus allen deutschen Anbaugebieten im In- und Ausland“ zusammenfassen. Mit unserer Strategie für das Gemeinschaftsmarketing für deutschen Wein 2008 – 2012, haben wir in Abstimmung mit allen Kreisen der Weinwirtschaft unsere Marketingmaßnahmen Anfang 2008 neu ausgerichtet. Wir haben klare, aufeinander abgestimmten Marketing- und Kommunikationskonzepte entwickelt, durch die die Alleinstellungsmerkmale unserer Weine, unserer typischen Rebsorten und die Besonderheiten der Regionen – Stichwort Wein und Tourismus – klar herausgestellt werden. Hierzu zählen beispielsweise attraktive Veranstaltungskonzepte mit Eventcharakter für Endverbraucher, bei denen nicht nur die Weine sondern auch die Menschen „hinter dem Wein“ und die Regionen im Mittelpunkt stehen.<br />
Unsere wichtigsten Zielgruppen sind jedoch die Medien sowie Fachleute aus Handel und Gastronomie. Für diese Multiplikatoren organisieren wir zahlreiche thematisch ausgerichtete Informationsreisen in die Anbaugebiete. Die Fach- und Publikumspresse informieren wir aktiv und regelmäßig rund um das Thema „deutscher Wein“. Damit erreichen wir eine enorm gute Medienresonanz ohne in teure Werbekampagnen zu investieren. Unsere Schulungsabteilung bildet jedes Jahr in über 200 Seminaren rund 4000 Fachleute aus Gastronomie und Handel weiter. Dadurch werden sie in die Lage versetzt, am Point of Sale ihre Kunden über die Vorzüge unserer Weine zu informieren. Ganz wichtig bei all diesen Maßnahmen ist für uns immer, dass Winzer und Unternehmen die Möglichkeit haben, sich und ihre Weine zu präsentieren. Dazu gehört z.B. auch, dass wir exportinteressierte Betriebe bei der Erschließung neuer Märkte beraten und ihnen im Ausland Plattformen und Netzwerke bieten, um Geschäftsbeziehungen auf- und auszubauen. Image- und Absatzförderung geschieht nicht übernacht. Die heutigen Erfolge beruhen auf einem langjährigen Engagement, das wir kontinuierlich überprüfen und mit der Weinwirtschaft gemeinsam weiterentwickeln.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Das DWI erhält seine Mittel durch den Deutschen Weinfonds, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, ähnlich der GEZ. Jeder Weinerzeuger in Deutschland muss eine Abgabe, abhängig von der Fläche entrichten. Jeder Abfüller eine Abgabe, abhängig von der Menge. Ist das noch zeitgemäß?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Diese Frage stellt sich nicht. Tatsache ist, dass diese Form der Abgabe im deutschen Weingesetz, das unverändert in Kraft ist, so festgelegt ist. Gesetze sollen nicht dem Zeitgeist folgen, sondern Rechtsklarheit schaffen. Der Gesetzgeber hat mit dieser Form der Abgabenerhebung – übrigens immer in Abstimmung mit der Weinwirtschaft &#8211; sichergestellt, dass alle Erzeuger und Vermarkter von deutschem Wein sich in Form einer Solidarabgabe an der Finanzierung des  Gemeinschaftsmarketings beteiligen und hat damit „Trittbrettfahrertum“ ausgeschlossen. Ich halte dies für eine sehr gerechte Art und Weise der Finanzierung, zumal wir sehr viele Solidaraufgaben übernehmen, die einzelne nicht leisten könnten und die der gesamten deutschen Weinwirtschaft zu Gute kommen.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Diese Abgaben sind, insbesondere den großen Weinkellereien, ein Dorn im Auge. Was entgegnen Sie denen?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Niemand zahlt gerne Abgaben. Daher ist es auch völlig in Ordnung, wenn die Mittelverwendung kritisch hinterfragt wird. Dies ist das gute Recht aller Abgabepflichtigen. Aus diesem Grund ist ein ständiger Gedankenaustausch zwischen dem Deutschen Weininstitut mit den Abgabenzahlern bzw. deren Interessenvertretungen auch sehr wichtig. Nur durch das gemeinsame Gespräch kann man herausfinden, wie man am effektivsten und im Sinne der Branche zusammenarbeiten kann. Diese Gespräche führen wir in unseren Gremien sehr intensiv. Dabei haben wir klare Signale aus allen Kreisen der Weinwirtschaft, dass die Notwendigkeit eines Gemeinschaftsmarketing unbestritten ist. Über die Effizienz einzelner Maßnahmen kann man sicherlich streiten. Dazu gehören dann auch klare Vorstellungen aller Beteiligten, was  anders gemacht werden soll. Klar gesagt werden muss auch, dass das Wesen einer Solidargemeinschaft genau darin liegt,  nicht die Interessen einzelner Gruppierungen in den Vordergrund zu stellen. Letztlich haben wir doch alle ein gemeinsames  Ziel: den deutschen Wein im In- und Ausland weiter voran zu bringen.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Anfang des Jahres hat das Verfassungsgericht die Zwangsabgaben für die Agrarmarketingesellschaft (CMA) gekippt. Die Finanzierungsform dieses Absatzfonds sei mit dem Grundgesetz unvereinbar. Große Unterschiede zu den Abgaben, die an den Weinfonds zu entrichten sind gibt es ja eigentlich nicht. Befürchten Sie nun ähnliche Klagen?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Es ist kein Geheimnis, dass seit diesem Urteil und dem Urteil in Sachen Holzabsatzfonds auch bei uns Widersprüche gegen die Abgabe an den Weinfonds eingehen und erste Klagen eingereicht wurden. Ich kann dazu nur wiederholen: wir arbeiten auf der Grundlage eines bestehenden Gesetzes, das unverändert und vollumfänglich in Kraft ist. Es ist von der Nichtigerklärung der beiden anderen Absatzfondsgesetze nicht betroffen. Vor diesem Hintergrund müssen und werden die Länder und ihre Gemeinden sowie der Deutsche Weinfonds ihrem gesetzlichen Auftrag, Abgaben zu erheben unverändert nachkommen.</em></p>
<p><em>Wichtig ist, dass das Bundesverfassungsgericht in beiden Fällen nicht die Sonderabgabe per se für verfassungswidrig erklärt hat, sondern lediglich die Anforderungen an eine solche Abgabe erhöht hat. Laut Gericht sind diese Anforderungen im Bereich der Agrar- und Ernährungs- sowie der Holzwirtschaft heute nicht mehr gegeben. Begründet wird dies in erster Linie<br />
mit der positiven Außenhandelsbilanz und fehlenden Wettbewerbsnachteilen im transnationalen Wettbewerb. Im Weinsektor besteht dagegen ein großes Außenhandels¬defizit. Die Weineinfuhren sind mehr als sechs Mal so hoch wie die Exporte deutschen Weins ins Ausland. Mit einem Import von jährlich rund 13 Mio. Hektoliter ausländischen Weins ist Deutschland das größte Weinimport¬land der Welt. Um diesem Wettbewerbdruck etwas entgegenzusetzen,  bedarf es eines leistungsfähigen Gemeinschaftsmarketings. Einzelne Betriebe können dies nicht leisten.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: In Ihrer Rubrik „Wir über uns“ ist nachzulesen: „Das Deutsche Weininstitut (DWI) ist eine Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Weinwirtschaft, mit der Aufgabe, die Qualität und den Absatz von Weinen aus den deutschen Anbaugebieten durch wettbewerbsneutrale Marketingmaßnahmen im In- und Ausland zu fördern.“ Die EU schreibt vor, den Alkoholkonsum in den Mitgliedsstaaten um 25 Prozent zu senken. Wie lässt sich das vereinbaren?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Wie bereits eingangs erwähnt geht es uns nicht um Masse, sondern um Klasse, sprich Wertschöpfung. Ziel unserer Marketingaktivitäten ist es daher zu vermitteln, welche Qualitätsanstrengungen hinter unseren Weinen stehen und dass dies im internationalen Wettbewerb mit anderen Weinbaunationen im In- und Ausland auch preislich honoriert wird. Zudem versuchen wir im Rahmen unseres Kommunikationsschwerpunkts „Wein und Kultur“ zu vermitteln, dass Wein als Teil eines modernen Lebensstils bewusst genossen werden sollte und das Geschmackserlebnis im Vordergrund steht. In diesem Zusammenhang propagieren wir auch gezielt Weine mit einem moderaten Alkoholgehalt.<br />
Darüber hinaus sind wir über die Deutsche Weinakademie im Bereich der Europäischen Initiative „WineInModeration“ sehr aktiv. Auch hier geht es darum auf die Vorzüge eines moderaten Weinkonsums hinzuweisen und gleichzeitig vor den Folgen des Alkoholmissbrauchs zu warnen.</em></p>
<p><em></em>Würtz-Wein: Am 1. August 2009 steht eine fast schon spektakuläre Reform des EU-Weinmarktes an. Die EU setzt auf die totale Liberalisierung des Marktes nach dem Motto: „Macht was Ihr wollt, es geht uns nichts mehr an“. Was bedeutet dies für die Zukunft des DWI? Wird das DWI dann überhaupt noch gebraucht?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Von einer totalen Liberalisierung kann keine Rede sein. Am 1. August  2009 treten Änderungen der EU-Weinmarktorganisation, wie beispielsweise ein umfangreich umgestaltetes EU- Weinbezeichnungsrecht, in Kraft. Die Reform des EU-Weinmarktes wird schrittweise vollzogen und viele Auswirkungen sind derzeit in all ihren Konsequenzen noch gar nicht vorhersagbar.<br />
Was die Notwendigkeit des DWI angeht, sehe ich in diesem Zusammenhang, dass das DWI mehr denn je gebraucht wird. Nehmen Sie eben das neue Bezeichnungsrecht als nur ein Beispiel. Zunächst einmal werden wir national ja unser System beibehalten, wollen jedoch bis  Ende 2011 auch die neuen Möglichkeiten, die die Weinmarktreform hier bietet, nutzen.<br />
Wer soll die Neuerungen denn dann den Verbrauchern vermitteln und gegebenenfalls mit entsprechenden Informationskampagnen unterstützend begleiten, wenn nicht das Gemeinschaftsmarketing? Auch wird das vermehrte Hereindringen von Drittlandsweinen den internationalen Wettbewerb im eigenen Land und im Ausland weiter verschärfen. Umso wichtiger wird es werden, auch in Zukunft genau und insbesondere auch zu neutral informieren, wo beispielweise Qualitätsunterschiede liegen und was Deutsche Weine in diesem Wettbewerb auszeichnet.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Was muss die deutsche Weinwirtschaft Ihrer Meinung nach tun, um auch noch nach der EU-Reform wettbewerbsfähig zu bleiben?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Wir dürfen sicherlich in unseren Qualitätsanstrengungen nicht nachlassen und müssen uns auch weiterhin mit Spitzenprodukten im internationalen Wettbewerb profilieren. Wir dürfen jedoch auch nicht außer Acht lassen, dass fast 60 % des deutschen Weins, der in Deutschland verkauft wird, über den Lebensmitteleinzelhandel inklusive Discount abgesetzt wird und hier der Preis eine enorme Rolle spielt. Auch auf bestimmten Auslandmärkten stellen Supermarktketten den Hauptabsatzkanal für deutsche Weine dar. Daher müssen wir dafür Sorge tragen, dass deutsche Unternehmen auch hier weiter wettbewerbsfähig bleiben können. Konkret heißt das für mich, Mittel und Wege zu finden, sich gegenüber dem ausländischen Angebot zu differenzieren. Auch hier ist das DWI die geeignete  Institution, um den Verbrauchern die Botschaft zu kommunizieren, warum sie deutsche Weine präferieren sollen und welchen Mehrwert sie beim Kauf eines deutschen Weins erhalten. Der Verbraucher muss beim Kauf einer Flasche relativ schnell und einfach verstehen, welchen Wein in welcher Qualität er vor sich hat. Die deutsche Weinwirtschaft hat es selbst in der Hand, hier klare Spielregeln zu finden, dann wird sie auch weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.</em></p>
<p><em></em>Würtz-Wein: Vor kurzem hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung wieder einmal das Phänomen des „Komasaufens“ angeprangert. Daraufhin wurden zum wiederholten Male sehr schnell Stimmen laut, Alkohol, also auch Wein, durch hohe Steuern schwerer verfügbar zu machen. Was halten Sie davon?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Nichts!  Dass dem Phänomen des „Komasaufens“ nicht mit Steuern und der Verteuerung von alkoholischen Getränken begegnet werden kann, hat spätestens das Beispiel Alkopops gezeigt. Dieser Markt ist zwar anschließend mehr oder weniger zusammengebrochen, dafür sind Jugendliche dann aber einfach auf andere alkoholische Getränke ausgewichen. Das Problem des Komasaufens ist meines Erachtens ein gesellschaftspolitisches Problem, das nichts mit der Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken und nur bedingt mit deren Preisbildung im Markt  zu tun hat. Dass es sich um ein Problem handelt, ist unbestritten. Wir sind jedoch der Meinung, dass wir mit Informationen und Aufklärung hier sehr  viel weiter kommen können als mit Steuern. Nicht ohne Grund hat die europäische Weinwirtschaft das Programm „WineInModeration“ ins Leben gerufen. Mit ihrer Initiative will die Weinbranche über den verantwortungsvollen, moderaten Umgang mit Wein informieren und eine breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. Damit soll dem Missbrauch und seinen Schäden entgegengewirkt werden.<br />
In Deutschland wurde unter der Federführung der Deutschen Weinakademie dazu ein weit reichendes Schulungs- und Informationsprogramm etabliert. Im Rahmen der Schulung werden Kenntnisse über die gesundheitlichen Wirkungen eines moderaten Weinkonsums und des Miss¬brauchs auf der Grundlage wissenschaftlich abgesicherter Erkenntnisse vermittelt. Dabei wird auch auf die bestehende Gesetzeslage, wie z.B. Promilleregelung, Jugendschutz- und Gaststättengesetz sowie Selbstverpflichtungen der Wirtschaft bei Werbemaßnahmen eingegangen. Zunächst wirken wir damit in die eigene Branche hinein, um Fachleute, die sich beruflich mit Wein beschäftigen  für das Thema zu sensibilisieren und gleichzeitig in die Lage zu versetzen, die „Botschaft“ in Richtung Konsumenten effektiv zu vermitteln.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Unser Land befindet sich momentan in einer der schwersten wirtschaftlichen Krisen aller Zeiten. Aus der Weinwirtschaft hört man hierzu die unterschiedlichsten Reaktionen. Wie empfinden Sie diese Situation?</p>
<p><em>Monika Reule: </em><em>Erfreulicherweise blieb die deutsche Weinwirtschaft von den deutlichen Negativentwicklungen, die  viele andere Branchen sie hinnehmen mussten, bislang weitgehend verschont. In 2008 konnten deutsche Weine sowohl im Absatz als auch im Umsatz sowohl im Inland als auch im Ausland gegenüber dem Vorjahr insgesamt nochmals zulegen. Allerdings zeichnete sich bereits im 2. Halbjahr 2008 ab, dass wir auf bestimmten Märkten Einbußen zu verzeichnen hatten,  die wir durch Zuwächse in anderen Märkten allerdings ausgeglichen konnten. Diese Tendenz hält in 2009 an. Während z.B. die Zahlen aus USA und England sehr bedrückend sind, entwickeln sich die skandinavischen Märkte bis heute unverändert positiv. Auch im Inland zeigen neuesten Zahlen aus 2009 zwar erstmals seit Jahren wieder einen leichten Absatzrückgang, jedoch noch immer einen Wertzuwachs für deutsche Weine. Alles in allem scheint es fast so, als wollten sich die Verbraucher bei allen Einschränkungen, ihr Glas Wein nicht verbieten lassen und vielleicht hilft hier auch ein wenig das Phänomen, dass Menschen in Krisenzeiten dazu neigen, sich stärker auf ihre Heimat und heimische Produkten zu besinnen. Ob dies auch langfristig der Fall sein wird, werden die kommen Monate zeigen.<br />
</em></p>


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		<title>Stephan Reinhardt im Gespräch</title>
		<link>http://wuertz-wein.de/wordpress/2009/06/04/stephan-reinhardt-im-gesprach/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 07:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stephan Reinhardt ist einer der wenigen Autoren, die neben hochwertigen Fachpublikationen wie „Weinwisser“, „The World of Fine Wine“ oder „Der Feinschmecker“ auch in überregionalen Printmedien wie „Süddeutsche Zeitung“. „Welt am Sonntag“ und „die tageszeitung“ zu Wort kommen. In einem übrigens nicht nur kenntnisreichen, sondern auch sehr erfrischenden und pointierten, mitunter ironischen Schreibstil. Was mir besonders gut gefällt, dass Stephan Reinhardt allürenfrei und trinkfest ist und dass man mit ihm Klartext sprechen kann, ohne hinterher mit Worten gemeuchelt zu werden.<span id="more-516"></span><br />
<a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//reinhardt.bmp"><img class="alignleft size-full wp-image-519" title="reinhardt" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//reinhardt.bmp" alt="reinhardt" /></a>Würtz-Wein: Wie bist Du zum Thema Wein gekommen?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Zunächst einmal bin ich vor ihm geflüchtet, denn zuhause gab es in den 1970ern nur recht saure, für Diabetiker geeignete Nahe-Rieslinge. Allerdings gebe ich zu, dass ich damals gewiss 30 bis 35 Jahre jünger war als heute und die kulinarische Reife womöglich noch nicht erreicht hatte, um diese Weine ehren zu können.</em><span style="text-decoration: line-through;"><br />
</span><br />
Würtz-Wein: Wie hast Du dann die Kurve doch noch bekommen?<br />
<em><br />
Stephan Reinhardt:</em> <em>Als Student und später als Halbtagswissenschaftler in München jobbte ich in einer Weinhandlung, wurde gar ihr Geschäftsführer. Die ersten beiden Weine, die ich dort 1991 probierte und die mich faszinierten, waren ein weißer Bergerac und ein weißer Bordeaux. Meine Passion gründet letzten Endes also im Sauvignon blanc. Heute bin ich darüber hinweg.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Wie siehst Du die aktuelle Situation des deutschen „Qualitätsjournalismus“ in Sachen Wein? Gibt es „Qualitätsjournalismus“ in diesem Bereich?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Das hängt davon ab, was man unter Qualität und sogar unter Journalismus versteht. Ist jeder, der ein Weinglas halten, Aromen reihen und von 50 bis 100 zählen kann ein Journalist? Ist, wer nur Weine verkostet und bewertet, ein Journalist?<br />
Für mich ist Journalismus zunächst mal Neugierde, Unvoreingenommenheit, das Auffinden von relevanten Themen und Geschichten, eine fundierte Recherche mit klugen Fragen sowie eine sprachlich und dramaturgisch gute, verständliche Darstellung. Unsereiner ist dabei der Arrangeur und Moderator, mitunter auch der Kommentator. Wo wir aber dogmatisch, besserwisserisch oder rechthaberisch auftreten, sind wir zu selbstgefälligen Schwadroneuren geworden. Hier hat sich dann auch die Qualität erledigt. Übrigens auch dort, wo eine all zu gemütliche oder anekdoten- oder floskelreiche Schreibe auf einer Glatze eine Locke dreht anstatt auf das Erzählenswerte zu fokussieren.<br />
Guter Weinjournalismus benötigt daher vor allem gute, verständige Redakteure und natürlich ein Medium. Das muss kein Fachmagazin sein. Überhaupt: Was ist ein Fachmagazin? Monothematische Seichtheit? In der F.A.Z. lese ich zuweilen kenntnisreichere und besser fundierte Berichte zum Thema Wein als in vielen vermeintlichen Fachmagazinen. Leider wird von Weinautoren vielerorts nicht mehr verlangt als das Erstellen von Einkaufslisten, die allenfalls noch mit dünnen Informationen garniert werden. Man solle die Leser nicht überfordern, heißt es immer, übrigens auch in Fachredaktionen. Ich glaube allerdings, dass man die Leser umgekehrt nicht unterfordern sollte. Meine 10-jährige Erfahrung im Fachhandel hat mich gelehrt, dass man selbst Ahnungslose für Wein begeistern und dazu ermuntern kann, sich mit Wein auseinanderzusetzen. Ja dass man sie sogar von Wein faszinieren kann! Man muss ihnen nur Geschichten erzählen, Menschen und deren Visionen vorstellen, das Besondere. Aber natürlich abseits der üblichen Klischees. Wenn ich damals meinen Kunden etwas von Kirschen, Brombeeren und Toastnoten erzählt hätte, wären sie zum Bier geflüchtet.</em></p>
<p><em></em>Würtz-Wein: Was ist mit dem „Weinwisser“, den Du seit Juli letzten Jahres verantwortest?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Das ist kein Magazin, sondern eine Aneinanderreihung von Beschreibungen toller Weine und Weinerlebnisse. Hier spielen nicht nur neue und junge Weine von besonderer Klasse eine Rolle, sondern auch historische. Weinwisser-Leser reden nicht nur über den 1945er Mouton oder 1961er Latour – sie trinken diese Weine auch, denn sie besitzen sie. Daher sind sie immer daran interessiert, eine aktuelle Verkostungsnotiz zu diesem oder einem ähnlich hochwertigen Wein zu lesen. Der Weinwisser hat überhaupt eine ganz eigene, Schweizer Geschichte, die eng mit Namen wie René Gabriel, Max Gerstl, Beat Carduff oder Wolfram Meister verknüpft ist. Das war eine absolut weinverrückte Truppe, die sich anfangs gegenseitig Entdeckungen und Kauftipps samt Verkostungsnotizen zugefaxt hatte. Weblogs gab es ja vor 20 Jahren noch keine. Irgendwann kam dann die Idee auf, die Faxe mit den anregenden Inhalten doch einfach zu sammeln, zu heften und als Abo-Newsletter für Weinverrückte anzubieten. Das augenscheinlich spartanische Konzept ging auf – und es hält seit nunmehr 17 Jahren. Aus den Bordeaux-Nummern ist sogar das phänomenale Gabriel-Buch „Bordeaux total“ hervorgegangen. Für viele ist der mit 15 bis 23 einseitig bedruckten Seiten eher übersichtliche Weinwisser ein absolutes Mysterium. Ich glaube aber, dass es genau das nicht ist. Das Blatt präsentiert sich weder nachrichtlich nüchtern noch in opulenter Ausstattung. Aber es fesselt seine Leser – überwiegend Schweizer übrigens – mit einer radikal subjektiven Schreibe und jeder Menge Emotion. Die Leute, die hier zu Wort kommen, machen nicht nur einen Job. Sondern Weine zu beschreiben und deren Geschichten zu erzählen, oft auf humorvolle Art, ist ihre Leidenschaft. Und die ist ansteckend. Zumal sie keine Scheu davor hat, einen tollen Wein, der ja immer auch mit einem besonderen Erlebnis verbunden ist, mit 19 oder 20 Punkten zu bewerten.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Du hast viele Jahre für „Der Feinschmecker“ und den „Wein Gourmet“ geschrieben. Letzterer wurde gerade eingestellt. Hat Dich das überrascht?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Absolut. Auch wenn ich die allererste Heftnummer im Jahre 2000 bis zuletzt für die mit Abstand beste gehalten habe. Das Problem des Wein Gourmets waren aber nicht die weniger gewordenen Leser, sondern der dramatische Anzeigenrückgang als Folge der Weltwirtschaftskrise. Feinschmecker und Wein Gourmet lassen sich nicht allein durch den Heftverkauf finanzieren. Schließlich hat der Jahreszeitenverlag jede einzelne Geschichte im Heft exklusiv produziert und auch komplett selbst finanziert. Da wurden und werden sowohl den eigens losgeschickten Fotografen wie auch den Autoren sämtliche Reisekosten – Flüge, Leihwagen, Hotels, Verpflegungsausgaben – ersetzt. Nicht zu vergessen die fairen Honorare. Es gab auch keinerlei Auflagen bezüglich des Reportageinhalts. In der Planung und beim Vertexten der Reisen sind Feinschmecker-Autoren völlig frei. Derart grandiose Bedingungen habe ich ansonsten nur noch bei der „Weltwoche“ in der Schweiz erfahren. </em></p>
<p>Würtz-Wein: Du bedauerst also das Ende des &#8220;Marktführers&#8221;?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Aber natürlich. Viele Leser bedauern das Ende des Wein Gourmet. Sie mochten die Fotos und das Papier und die Möglichkeit, im Heft zu schmökern und sich hier und da auch inspirieren zu lassen. Möglich, dass sich Weinfreaks vom Wein Gourmet weniger gut informiert fühlten. Doch da sich einige von ihnen untereinander gut vernetzt haben, muss die Zeitschrift, die sie positiv überraschen könnte, erst noch erfunden werden, am besten von ihnen selbst. Von den anhaltenden Schwanengesängen auf die Printmedien halte ich indes nichts. Diese werden sich eine leicht abgeänderte Rolle suchen – und fröhlich weiterleben, weil sie unersetzlich sind.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Kann man vom Weinjournalismus eigentlich leben?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Nun, ich lebe und mit mir meine Familie. Wenn auch in Lüneburg und nicht mehr in Deutschlands schönster Stadt – Hamburg. Eine arbeitende Frau schadet überdies nicht. </em></p>
<p>Würtz-Wein: Wie siehst Du die Zukunftsperspektiven Deiner Zunft? Wird sich hier grundsätzlich etwas verändern?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Es wird sich sicher etwas ändern. Wir werden rarer und virtueller. Vielleicht sterben wir hierzulande aber auch aus. Damit meine ich jene Autoren, die sich bislang allein mit dem Schreiben über Wein ernähren können. Ohne permanente Bücherverkäufe oder die gelegentliche Annahme von PR-Jobs ist dies ohnehin kaum möglich. Womit wir wieder bei der Qualität wären. Sie muss uns bezahlt werden. Doch welcher Verlag leistet sich guten, unabhängigen Weinjournalismus? Antworten gerne gleich an mich.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Mario Scheuermann sagte kürzlich im Gespräch: „Der Gault Millau ist die Regierung und die anderen beiden (gemeint sind die Weinführer weinplus und Eichelmann. Anm. Würtz) sitzen auf den Oppositionsbänken.“ Siehst Du das ähnlich?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Über Regierung und Opposition entscheiden gemeinhin Wähler. Wer aber hat diese Guides gewählt? Es sind selbst ernannte, sich selbst legitimierende Führer, im Falle des Gault Millau sogar mit heiklen, um nicht zu sagen bizarren Verflechtungen. Doch wen führen diese Guides eigentlich? Ich hoffe niemanden. Andererseits wäre ein Weinland ohne Weinführer auch eigenartig.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Du zeigst ein großes Engagement für den Silvaner. Warum?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Es kam zufällig. Ich fand die Sorte auch nie besonders sexy. Als dann für „Wein spricht deutsch“ (Hg. Stuart Pigott, Scherz 2007) niemand über Franken schreiben wollte, habe ich gesagt, ich mach’s. Ich mag die Franken. Gute Typen. Ruhig, klug und tief, ziemlich ernst und doch humorvoll, wetterhart. Wenn man sich anhört, was sie zu sagen haben, wie sich ihre Geschichte und Kultur gestaltet hat, versteht man auch ihre kontinentalen Weine besser. Und die Silvaner, die hier erzeugt werden, sind einfach tolle Weine und weitaus besser als das Renommee der Sorte. Und da ich nicht immer Riesling trinken mag oder Pinot oder Tannin, hat der Silvaner die Lücke besetzt. Er ist gut zu meinem Gaumen. Er streichelt mich. Tucholsky hätte mich beneidet.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Wo wachsen deiner Meinung nach die besten Silvaner in Deutschland?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Sorry, aber ohne Zweifel in Franken. Warum? Weil sie dort alles aus der Sorte rausholen und ihr eigenes Schicksal, ihre weinfränkische Identität mit dem Silvanersverknüpfen. Er steht in Franken in den besten Lagen. Silvaner Grands Crus gibt es weltweit nirgendwo anders. Ähnlich komplexe, aber nicht zuletzt klimatisch bedingt ganz anders geartete Sylvaner finde ich noch im Elsass, wo nur noch 1300 Hektar Sylvaner stehen. Darunter aber Rebstöcke, die 70 bis 80 Jahre alt sind und selbst aus Massenselektion stammen. Diese Trauben haben einen völlig anderen Geschmack, was sich natürlich auch auf die Weine auswirkt. Derart alte Reben haben wir in den reinlich-bereinigten deutschen Fluren leider nicht. Der älteste Silvanerweinberg, von dem ich weiß, ist 60 Jahre alt. Entsprechend arm ist aber auch das genetische Material. Übrigens, Eure rheinhessischen Flachlandsilvaner sind auch nicht übel. Aus dem Roten Hang, wo einst feinrassige, elegante Silvaner wuchsen, ist die Sorte ja zugunsten des Riesling fast ganz verschwunden. Im Wonnegau sind mir die Silvaner oft zu wuchtig. Ein Problem übrigens, das auch die Eisacktaler (Südtirol) kennen. Aber mit ihren komplexen, mineralreichen Böden bewahren sie sich doch eine immense Spannung und bleiben trotz ihrer Fülle angenehm zu trinken. Besonders elegant und feinfruchtig können aber auch Württemberger Silvaner geraten, etwa von der sich auf Jurakalk erhebenden Schwäbischen Alb. Und herrlich sind die Silvaner vom Kaiserstuhl, saftig die vom Löss, nervig jene vom Vulkangestein.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Du hast einen ziemlich umfassenden Überblick über die internationale Weinszene. Wie siehst Du den Stellenwert des deutschen Weins im internationalen Vergleich?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Herausragend, was den Riesling angeht. Die Leute jenseits der Grenzen vergöttern deutschen Riesling. Weißburgunder und vielleicht sogar Silvaner könnten noch an Bedeutung gewinnen. Und der eine oder andere Spätburgunder – sofern die Winzer einsehen, dass rauchige Fassnoten nichts Burgundisches sind, sondern nichts weiter als rauchige Fassnoten, denen nicht selten ein zu trocknendes und bitteres Tannin folgt. Auch in Sachen Fruchtfeinheit und Fruchtfrische besteht hierzulande noch Diskussionsbedarf.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Ist der deutsche Wein Deiner Meinung nach konkurrenzfähig? Wo liegen die Fehler?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Klar ist er, wenn er gut ist, konkurrenzfähig – und in Sachen Riesling oftmals sogar konkurrenzlos. Der Fehler besteht darin, dass es noch immer viel zu viele grauenvolle Weine gibt, die leider auch getrunken werden. Und zu viele gute, von denen wir noch gar nichts wissen.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Wie ist Dein Verhältnis zum VDP, wie schätzt Du deren Arbeit ein?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Wir kennen uns, sind aber nicht intim. </em></p>
<p>Würtz-Wein: Stellt der VDP tatsächlich die qualitative Spitze des deutschen Weinbaus dar?</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Auch wenn es zahlreiche Top-Betriebe gibt, die nicht VDP-Mitglied sind, so bleiben die Prädikatsweingüter doch ein starker, weltweit beachteter und geschätzter Verband mit starker Präsenz im In- und Ausland sowie einer beachtlichen, auch für die Renaissance deutscher Weinqualitäten mitentscheidenden Historie. Der VDP bündelt immerhin rund 240 Mitgliedsbetriebe. Dass dabei der eine oder andere vorangeht, während andere hinterherlaufen, ist normal. Aber die Richtung stimmt. Der Einsatz für höchste Weinqualität ist jedenfalls beispielhaft, auch wenn ich mir hier und da wünschen würde, dass die einzelnen Betriebe zu mehr Individualität angespornt werden anstatt sie auf Linie zu bringen.<br />
</em><br />
Würtz-Wein: Aktuell ist wieder einmal das „Komasaufen“ ein großes Thema in den Medien. Experten fordern drastische Steuererhöhungen auf alkoholische Getränke um dieses Phänomen unter Kontrolle zu bringen. Wie stehst Du zu dieser Thematik.</p>
<p><em>Stephan Reinhardt: Steuererhöhungen auf alkoholische Getränke zu fordern, um dadurch exzessiven Alkoholgenuss zu unterbinden, entbehrt nicht der Komik, hätte das doch kein Stammtisch abstruser formulieren können. Vielleicht sollten diejenigen, die das heute fordern, sich im Herbst auf dem Münchner Oktoberfest gleich nach dem Anzapfen des ersten Fasses in einer Ehrenloge zusammensetzen und bei ein, zwei Maß Freibier überdenken. Ich jedenfalls bin der Meinung, dass das Brauereiwesen und der Weinbau kulturelle Höchstleistungen sind, die eher gefördert als geächtet gehören. Warum wird in den Schulen nicht die Kunst des Schmeckens, des guten Geschmacks und des gepflegten Genießens gelehrt? Oder von der befreienden, lebensbejahenden Kraft erzählt, die ein gut gefülltes Glas klaren Weins haben kann? Anstatt von den Freuden wird immer nur von den Abgründen und Gefahren gesprochen. Kein Wunder, dass der eine oder andere seine von Cola und Schorlen begleitete Lebensangst ab und an mal k.o. trinken muss.<br />
</em></p>


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		<title>Steffen Christmann im Gespräch</title>
		<link>http://wuertz-wein.de/wordpress/2009/05/12/steffen-christmann-im-gesprach/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 May 2009 09:39:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> Nach mehreren Weinjournalisten und Kritikern kommt heute in unserer Reihe &#8220;&#8230; im Gespräch&#8221; ein Funktionär zu Wort. Steffen Christmann, Präsident des <a href="http://www.vdp.de/">VDP</a> (Die Prädikatsweingüter). Steffen Christmann ist eigentlich Jurist und leitet das familieneigene <a href="http://www.weingut-christmann.de/">Weingut A. Christmann</a> in Gimmeldingen in der Pfalz.<span id="more-433"></span></p>
<p><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//christmann.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-435" title="christmann" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//christmann.jpg" alt="christmann" width="250" height="152" /></a>Würtz-Wein: Steffen, Du bist seit knapp zwei Jahren Präsident des VDP (Die Prädikatsweingüter). Was hat Dich zu diesem Engagement bewogen, was sind Deine Wünsche und Ziele?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Aus meiner Erfahrung in der Pfalz kann der Weinbau einer Region und damit auch in ganz Deutschland nur voran kommen, wenn alle führenden Winzer an einem Strang ziehen, man sich einbringt und nicht jeder seinen alleinigen Vorteil sucht. Der VDP ist seit 100 Jahren ein Verein, der sich bewährt hat. Von Anfang an hat er Verantwortung für den gesamten Deutschen Weinbau übernommen.</em> <em>Unser augenblickliches Ziel ist neben dem Weiterentwickeln und Etablieren der internen Klassifikation, Einfluss zu nehmen, dass der deutsche Weinbau einen Ausweg aus der Sackgasse des 1971er Weingesetzes findet. In diese Themen stecken wir all unsere Kraft und Kreativität. Wir haben ein gemeinsames Ziel und dafür lohnt es sich, persönlich Energie und Zeit in den Verband zu stecken. Nach der großen Leistung meines Vorgängers Michael zu Salm-Salm, lies ich mich 2007 in die Verantwortung nehmen, um diese Arbeit fortzuführen und ihr neue Impulse zu geben.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Der VDP versteht sich als „Elite“ des deutschen Weinbaus. Warum?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Der VDP ist vor 100 Jahren bereits mit dem Ziel gegründet worden, die Wertschätzung und Qualität des deutschen Spitzenweins weiter zu entwickeln. Sich gegen alle Anfechtungen des Zeitgeistes, des Kommerzes und der Nivellierung von Qualität zu richten. Dieses Phänomen zieht sich durch die Geschichte unseres Verbandes wie ein roter Faden. Den Winzern des VDP war zu vielen Zeiten das gültige Weingesetz nicht konsequent genug. Nach einer Phase der Schwäche haben meine Vorgänger eine konsequente Qualitätspolitik nach Innen betrieben und so erreicht, dass deutscher Spitzenweinbau und die Mitgliedschaft im VDP nahezu deckungsgleich ist. Natürlich gibt es noch den einen oder anderen Winzer, der noch fehlt und bei einzelnen Mitgliedern muss qualitativ noch Manches passieren. Insgesamt haben wir hier aber sehr viel erreicht. Dieser Weg entwickelt sich sehr erfolgreich, so dass es auch außerhalb des VDP immer mehr Winzer gibt, die sich den vom VDP ausgelobten Qualitätsrichtlinien freiwillig unterwerfen. Deshalb verstehen wir uns als Vorbilder und Pioniere innerhalb des Deutschen Weinbaus im besten Sinne.</em></p>
<p>Würtz-Wein: In der VDP Charta heißt es: “Wir erzeugen Spitzenweine, die zu den besten Weinen der Welt zählen“. Woher kommt dieses Selbstverständnis und wie rechtfertigt ihr das?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Ich selbst würde mich als „weinfanatisch“ beschreiben. Große Weine aus der ganzen Welt zu probieren und zu trinken ist für mich eine Leidenschaft. Hierdurch und durch meine Auslandsreisen bekomme ich jedesmal bestätigt, dass deutsche Weine zur absoluten Weltspitze gehören. Frage Fachleute, die einen noch größeren Überblick weltweit haben: diese werden Dir das alles bestätigen. Gleichzeitig bekommen wir stets Signale, dass unsere Weine im internationalen Vergleich noch extrem preisgünstig sind. Gerade während der Vorpremiere der GROSSEN GEWÄCHSE, die jedes Jahr Ende August stattfindet, reisen viele Journalisten und Händler aus der ganzen Welt extra nach Wiesbaden, um bei dieser Premiere dabei zu sein. Allein das stetig anwachsende internationale Interesse an diesen Weinen belegt unsere Stellung.</em></p>
<p>Würtz-Wein: In Eurer Klassifikation sprecht Ihr von „ökologisch verantwortlichem Weinbau“. Was hat man sich darunter vorzustellen? Wäre es denn nicht wünschenswert, wenn alle VDP Betriebe zertifiziert ökologisch arbeiten würden?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Spitzenweine können nur im Einklang mit der Natur erzeugt werden. Davon sind wir alle fest überzeugt. Aktuell gibt es im VDP eine gewaltige Entwicklung hin zu biodynamischem und ökologischem Weinbau. 26 Prädikatsweingüter betreiben aktuell Ökoweinbau. Diese bewirtschaften 20% der deutschen Ökoweinfläche. Ein überproportionales Engagement, wenn man bedenkt, dass bundesweit nur 4% der Rebfläche im Besitz von VDP-Gütern sind. Der Bio-Gedanke hat große und facettenreiche Ausrichtungen. Alle VDP-Winzer beschäftigen sich mit dem Erhalt und der Pflege ihrer Weinberge. Alleine deshalb, weil die meisten von ihnen ihre Weinberge an die nächste Generation vererben werden. Da sind langfristige Entscheidungen gefragt. Ob, wie und wann man seinen Betrieb auf eine ökologische Wirtschaftsweise umstellt, bleibt allerdings jedem selbst überlassen, da auch die Herausforderungen und Schwierigkeiten von Region zu Region äußerst unterschiedlich sind. Allerdings führt die Vorbildwirkung dazu, dass das Interesse daran in unserem Verband rapide steigt. Im Frühjahr 2009 hat es dazu schon einen Workshop für VDP Winzer in Geisenheim gegeben.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Ein viel diskutiertes Thema in der deutschen Weinwelt ist die EU-Weinmarktreform. Welche Chancen bieten sich Deiner Meinung nach dem deutschen Weinbau durch diese Reform? Wo siehst Du die Reform kritisch oder gar skeptisch? Glaubst Du, dass durch die totale Marktliberalisierung, die ja der eigentliche Kern der Reform ist, die deutsche Weinkultur gefährdet ist?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Das neue Bezeichnungsrecht bietet die historische Chance, klare und allgemeinverständliche Regelungen zu treffen, die Produzenten wie Konsumenten zugute kommen. Darin sehe ich die große Chance dieses neuen Gesetzes. Allerdings ist diese Chance gekoppelt an eine wichtige Entscheidung: die neuen Bezeichnungen müssen unbedingt an klare Ertrags- und Qualitätsrichtlinien gebunden werden. Je enger die Herkunft, desto strikter die Beschränkung. Sowohl Winzer, also auch Weintrinker müssen sich auf die Aussagen auf den Etikett verlassen können. Nur dann ist diese Chance positiv genutzt, die deutsche Weinkultur, die in den letzten Jahren trotz der gesetzlichen Reglungen wieder an gloreiche Zeiten anknüpfen konnte, weiter voran zu bringen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Was zeichnet für Dich überhaupt die deutsche Weinkultur aus?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Aus Deutschland kommt eine großartige Vielfalt von Weltklasse Weiß- und zunehmend auch Rotweinen. Geprägt durch eine einzigartige Lagenkultur. Wir wissen seit vielen 100 Jahren, welches Stück Erde, welcher Weinberg sich ideal für die Erzeugung bestimmter Weine eignet. Ein unglaubliches Kapital in einer immer industrielleren Welt.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Wenn Du die drei größten Fehler des deutschen Weinbaus in der Vergangenheit aufzählen müsstest, was wären die?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Das Weingesetz von 1971 eröffnete folgende Problemfelder, die es den Weinliebhabern im Laufe der Jahre schwer machte, aus einem vielfältigen und unübersichtlichen Angebot, die besten deutschen Weine zu identifizieren.<br />
1. Durch die großräumige Zusammenfassung und damit Sozialisierung von Lagen, hatten die Lagen ihre Aussagekraft und damit ihre Wertigkeit verloren.<br />
2. Die traditionellen Qualitätsbezeichnungen wurden völlig nivelliert und haben damit ihre Qualitätsaussage verloren.<br />
3. Lange Jahre hat der Technikglaube zu Weinen geführt, die nur noch farblose Abbilder ihrer großartigen Vorfahren waren.</em></p>
<p><em>Diese Fehlentwicklungen wurden von den  Qualitätserzeugern in den letzten Jahren weitgehend korrigiert. Der VDP ist Speerspitze und Motor dieser Entwicklung. Teilerfolge sind erzielt worden, aber die Arbeit wird weitergehen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Wie sind solche Fehler in Zukunft zu vermeiden?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Sicherlich werden wir, wie jede Generation, in bester Überzeugung auch Fehler machen. Doch dürften wir durch unsere eindeutige Qualitätsorientierung, durch klar definierte Wein-Typen in der Klassifikation, die jeweils von ihrer Herkunft geprägt sind, und den größeren internationalen Überblick, den wir haben, weniger Gefahr laufen, Fehler diesen Ausmaßes zu wiederholen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Wie siehst Du die Chancen des deutschen Weins generell. Ist er wettbewerbsfähig auch abseits des Ultra-Premium-Segments, dass der VDP für sich mit beansprucht?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Natürlich birgt ein immer globaler werdender Markt andere Herausforderungen für einen Winzer, als noch vor 40 Jahren. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir in Deutschland vor allem aufgrund unserer optimalen Bedingungen für fruchtig, elegante Weißweine, handwerklich gemachte Weine, die ihre Herkunft zeigen, immer einen Markt finden werden. Wer eine gute Arbeit macht, wird auch immer jemanden finden, der dies zu schätzen weiß. Auch außerhalb des Ultra Premium Segments.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Ganz anderes Thema jetzt: Ihr habt kürzlich eine neue Kommunikations-Kampagne realisiert. Man sieht einen finster dreinblickenden Türsteher, einen eher martialisch wirkenden Adler und eine offensichtlich betrunkene junge Dame, die mit ihrem Schuh versucht, eine Flasche aufzumachen. Das wirkt, freundlich ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig. Bisher war die Kommunikation des VDP doch eher konservativer. Woher kommt dieser Sinneswandel und was versprecht Ihr Euch von diesem Stil?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Dass Werbung nicht immer „everybodys darling“ ist und sein kann ist klar. Uns ist bewusst, dass diese Kampagne die Gemüter erregt hat. Das war auch Sinn und Zweck des Ganzen.<br />
Wir haben bewusst versucht, mit dieser Kampagne zu zeigen, dass der VDP zwar Hort der Tradition im deutschen Weinbau ist, gleichwohl aber Winzer und auch Kunden moderner geworden sind und durchaus auch ein wenig Selbstironie vertragen. Dass dies nicht jeder versteht, war auch von Anfang an klar.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Es wird viel diskutiert über das Thema „Wein im web 2.0“ und das Sterben der Printmedien. Wie siehst Du diese Entwicklung? Nimmst Du eine Veränderung in der bisherigen Weinmedienlandschaft wahr und wie beurteilst Du diese?</p>
<p><em>Steffen Christmann: Natürlich spielt web immer mehr eine Rolle, aber genauso wie viele nicht auf ein gutes Buch verzichten möchten, möchte man auch ein Weinmagazin in Händen halten und es durchblättern können. Ich denke, dass die neuen Medien das Alte nicht ganz verdrängen werden. Veränderungen wird es natürlich geben, diese zeigen sich ja jetzt schon. Aber Stillstand wäre Rückgang – und das wollen wir alle nicht – in keiner Hinsicht.</em></p>


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		<title>Marcus Hofschuster im Gespräch</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 10:08:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute in unserer Reihe &#8220;&#8230;im Gespräch&#8221;, der Chefredakteur und Chefverkoster der Internetplattform <a href="http://www.wein-plus.de/">&#8220;Wein-Plus&#8221;, </a>Marcus Hofschuster. Wein-Plus war das erste reine Internetportal zum Thema Wein und vor vielen Jahren auch ein sehr lebendiges Forum. Heute sind die wesentlichen Bestandteile von Wein-Plus zahlreiche Weinführer und Magazinbeiträge, deren Lektüre allerdings ein kostenpflichtiges Abonnement voraussetzt. Marcus Hofschuster gehört zu den Gründern von Wein-Plus. Vom Anfangs gerne belächelten &#8220;Freak&#8221; hat er sich heute zu einer ernstgenommenen Größe im Metier gemausert.<span id="more-372"></span></p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-373" title="hofschuster" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//hofschuster.jpg" alt="hofschuster" width="128" height="96" />Würtz-Wein: Du bist der Chefredakteur von Wein-Plus und als solcher auch der Chefverkoster der Weinführer auf Eurem Portal. Wie sieht denn der Alltag eines Chefverkosters aus?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Der Alltag sieht ziemlich genau so aus, wie sich der „Titel“ anhört: Verkostung. Nachdem ich früh meine Mails abgearbeitet habe, beginne ich normalerweise zwischen 9.00 und 11.00 Uhr mit dem Probieren. Die meiste Zeit ist auch mein Kollege Karl Bajano anwesend, ein Oenologe aus Wien, der um die gleiche Zeit zu verkosten beginnt. Unser dritter Degustator hat uns leider zum 1. Mai verlassen. Ein wesentlicher Teil aller probierten Weine steht am Abend oder am nächsten Tag zu einer zweiten Verkostung an. Hierbei werden die Proben von allen Verkostern nach Weintyp (rot, weiß, rosé, schäumend, trocken, süß, edelsüß) getrennt und jeweils nach Punkten sortiert ein zweites Mal probiert. So fallen nicht nur qualitative Abweichungen und Veränderungen der Weine nach Luftzufuhr sofort auf. Auch eventuelle Schwankungen der einzelnen Verkoster werden so schnell erkannt. Entgegen den Aussagen mancher Punktegegner ist eine konsistente Bewertung von Weinen auch von verschiedenen Verkostern allerdings durchaus möglich, sofern die Parameter klar und die Degustatoren fähig und ausreichend gut ausgebildet sind. Mit Konsistenz meine ich eine Abweichung von maximal einem Punkt im Hundert-Punkte-System. Zwischendurch korrespondiere ich mit Produzenten oder kümmere mich um administrative Aufgaben. Die anfallende Schreibarbeit (Magazinartikel, zusammenfassende Jahrgangsportraits für die einzelnen Produzenten etc.) muss ich normalerweise aufs Wochenende oder in die späte Nacht verschieben. Sie kommt derzeit leider immer etwas zu kurz.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Im Gegensatz zu anderen Weinführern probiert Ihr ja quasi täglich. Ist das nicht ein wenig viel?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Es ist meiner Ansicht nach erheblich vernünftiger, täglich eine überschaubare Anzahl an Weinen zu probieren, als schubweise große Mengen. Im Übrigen gewährt gerade die tägliche Übung eine stabile Verkostungspraxis. Ohne körperliche Fitness wird es allerdings schwierig.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Alle Weine werden bei Euch „blind“, das bedeutet verdeckt probiert. Was ist dabei Deiner Meinung nach der Vorteil?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Wer wirklich glaubt, unbeeinflusst offen probieren zu können, unterschätzt den Einfluss seines Unterbewusstseins. Ein Wein, den ich mit einer unterbewussten Erwartungshaltung probiere, wird mit Sicherheit immer anders abschneiden als einer, den ich ohne Kenntnis des Etiketts beurteile. Hier rede ich jedoch nur von wertender Weinkritik, die meiner Ansicht so neutral und unbeeinflusst ablaufen sollte, wie nur irgend möglich. Ein mehr epischer Weinjournalismus, der bis ins Detail auf Weingutsphilosophie, Böden, Lagen, Klima und Tradition eingeht, ist ein ganz anderes Thema. Man sollte diese beiden Herangehensweisen nicht vermengen. Das Argument, ein Wein könnte nicht richtig beurteilt werden, wenn man die Philosophie seines Produzenten und die Bedingungen seines Entstehens nicht bis ins Detail kennt, will ich nicht gelten lassen. Wenn ein Wein nicht gut ist, lässt sich seine mangelnde Qualität auch nicht durch eine besondere Winzerphilosophie oder ein ungewöhnliches „Terroir“ entschuldigen. Selbstverständlich sollte man sich mit den verschiedenen Weinstilen der Welt auskennen und Mängel von charakterlichen Eigenheiten unterscheiden können. Ohne jahre-, besser jahrzehntelanger Erfahrung geht das nicht.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Es wird ja immer wieder gerne über die Befähigung von Weinverkostern und Journalisten diskutiert. Was befähigt Dich denn dazu, in diesem Metier tätig zu sein?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Vieles habe ich bereits genannt: neben den grundsätzlichen sensorischen Fähigkeiten – die jedoch die Mehrzahl der Menschen erlernen könnte – spielt lange Erfahrung und vor allem Unvoreingenommenheit eine wichtige Rolle. Hier wird auch das Erlernen schwierig: wer sich nicht für die verschiedensten Stile und Charaktere gleichermaßen interessieren kann oder wer allzu klare Geschmackspräferenzen hat, wird sich auch dann nicht zum Verkoster eignen, wenn er über eine weit überdurchschnittliche Sensorik verfügt. Als ich begann, mich für Wein zu interessieren, war ich weitgehend frei von lenkenden Einflüssen, weil sich in meinem ganzen Umfeld niemand für das Thema interessierte. Auch die Weinliteratur habe ich erst viel später entdeckt. Vielleicht hilft mir diese anfängliche Freiheit heute, jedem Weinstil, auch eher unkonventionellen und fremden sensorischen Eindrücken, unvoreingenommen entgegenzutreten. Ich erlebe immer wieder, dass auch erfahrene Verkoster ins Schwanken geraten, wenn sie in internationalen Verkostungsjurys sitzen und auf ihnen wenig bekannte Weintypen treffen. Sie nehmen die ihnen bekannten Weine und ihre Geschmackscharakteristika als Maßstab und bewerten nicht selten alles negativ, was davon zu sehr abweicht. Wir beobachten das ja auch bei deutschen Rieslingfreaks: Weißweine, die nicht die Säure oder die präsente, oft leicht süßliche Frucht eines deutschen Rieslings haben, werden schon allein deshalb geringer geschätzt. Ich glaube und hoffe, dass mir diese Schwäche &#8211; eine Schwäche, wohlgemerkt,  nur im Hinblick auf den Beruf als professioneller Verkoster, nicht für den Konsumenten &#8211; weitestgehend fehlt.</em><br />
Würtz-Wein: Du warst der erste Verkoster, der in Deutschland jemals einem trockenen Wein die magischen 100 Punkte verliehen hat. Dafür wurdest Du damals stark kritisiert. Kurz danach hast Du in einer öffentlichen Blindprobe auf einem Podium mit anderen Kollegen diesem Wein deutlich weniger Punkte gegeben. Die Schadenfreude war damals natürlich groß. Bereust Du im Nachhinein diese 100 Punkte?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Nicht im geringsten. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diesen Wein inzwischen im Glas hatte. In fast allen Fällen war der Wein so unvergleichlich gut, dass man sich nach dem Leeren der Flasche schwer tat, einen anderen Wein zu finden, dem man noch etwas abgewinnen konnte. Einige wenige Flaschen waren jedoch in ganz ähnlichem Zustand wie bei besagter Probe. Man bedenke auch, dass die damalige Verkostung nur als grobe Einleitung und Grundlage für ein nachfolgendes Gespräch über verschiedene Herangehensweisen bei der Verkostung dienen sollte. Die Bewertungen der Runde waren nie zur Veröffentlichung gedacht, was angesichts der eher ungeeigneten Bedingungen (die Beteiligten reisten in aller Frühe an, im Raum wurde geraucht, die Verkostung wurde sehr zügig und eher oberflächlich durchgeführt) auch geboten war. Nach dem Ergebnis von Künstlers Goldkapsel sah die Sache auf einmal ganz anders aus: die Zeitschrift hatte ihre „Sensation“. Weder die Konterprobe noch die Entwicklung an der Luft waren noch von Interesse, sie wurden eher gezielt ignoriert, um die Sensation nicht zu verwässern. Dabei war völlig klar, dass einer der letzten beiden Weine dieser Verkostung die im Vorfeld lebhaft diskutierte 100-Punkte-Goldkapsel war. Auch erkannte ich beide Weine eindeutig als Rheingauer (und sagte dies als einziger Teilnehmer der Runde auf Anfrage vor der Aufdeckung auch deutlich). Es wäre also ein leichtes gewesen, eine „Sicherheitswertung“ über 90 abzugeben, um sich möglichst keine Blöße zu geben, aber diese Flasche gab nun einmal nicht mehr her und genau das ist es ja, wofür ich mich immer einsetze: eine neutrale Beurteilung des Weins im Glas ohne Rücksicht auf das Etikett. Leider war der tatsächliche Zustand der Flasche nie Gegenstand der Debatte.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Glaubst Du es ist wichtig Weine zu bepunkten, oder gäbe es auch eine alternative Bewertungsform?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Selbstverständlich gäbe und gibt es alternative Bewertungsformen, aber die Punktbewertung hat zwei gravierende Vorteile, die allerdings kaum etwas miteinander zu tun haben. Der erste ist profan, aber deshalb nicht weniger maßgeblich: Punktbewertungen werden gelesen. Die meisten Leser haben offenbar großes Interesse an den Zahlenspielen. Zudem hilft eine Punktnote bei der Orientierung im Pool tausender jährlich verkosteter Weine ganz erheblich. Es ist wohl kaum jemandem zuzumuten, alle Verkostungsnotizen zu lesen, um sich die womöglich interessanten Weine herauszupicken. Punktnoten helfen schon sehr dabei, je nach Anspruch und Geldbeutel eine Vorauswahl zu treffen. Der Zweite Vorteil eines Punktesystems ist der Zwang zum genauen Hinsehen. Habe ich fünfzig Punkteschritte statt drei, fünf oder zehn, muss ich mich erheblich mehr konzentrieren, um eine konsistente Bewertung zu gewährleisten. Eine Bewertung mit null bis drei oder fünf Sternen, Gläsern, Flaschen oder was auch immer, würde mir die Arbeit erheblich erleichtern, würde mich auch wesentlich weniger angreifbar machen; aber die Gefahr wäre groß, dass ich mir die Weine mit der Zeit weit weniger genau ansehen würde als bisher, was sich letztendlich auch auf meine Bewertungstexte und die Qualität meines Urteils insgesamt auswirken würde.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Von Weinkritikern und Journalisten hört man immer wider gerne folgenden Satz: „Seit ich mit dem Winzer xy geredet habe, macht er seinen Wein ganz anders“. Glaubst Du an einen derartigen Einfluß? Wie schätzt Du Dich selbst und Deinen „Einfluß“ in der deutschen Weinwelt ein?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Einen Einfluss hat die Weinkritik ganz ohne Zweifel, nur ist der sicher in den meisten Fällen nicht ganz so direkt und offensichtlich – und auch nicht immer positiv. Ein Winzer, der Weine nach dem vermeintlichen Geschmack eines Kritikers produziert und dabei seine Herkunft, seine Traditionen und seine Überzeugungen verleugnet, macht einen Fehler. Es wird ihm wohl auch nie gelingen, auf diese Art einen erstklassigen Wein zu produzieren. Ein selbstkritischer Produzent wird von ehrlicher und offener Kritik, sofern sie berechtigt ist,  jedoch in den meisten Fällen profitieren und diese Kritik auch in seinem Sinne zu nutzen verstehen. Ich selbst habe nur in wenigen Fällen in direkten Gesprächen mit Produzenten bewusst und vom Winzer auch gewollt Einfluss genommen und damit dazu beigetragen, dass die Weinbereitung verändert wurde. Da ich mich immer wieder gegen zu massiven Holzeinsatz oder auch zu viel Zucker in nominell trockenen Weinen einsetze, bin ich natürlich auch immer froh, wenn ich einen Rotwein auf den Tisch bekomme, der nach seiner Herkunft und seinen Rebsorten schmeckt statt nach Holz, ebenso erfreut mich ein durchgegorener Riesling (sofern er auch gut ist), aber ich kann kaum beurteilen, ob mein ständiges Lamento auch nur das Geringste mit diesen für mich positiven Veränderungen zu tun hat, oder ob der Winzer einfach selber keine rußig-röstige Holzbrühe mehr auf dem Esstisch stehen haben will, sondern Wein, den er auch trinken mag.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Das Internetportal weinplus ist nach eigenen Angaben das meistgelesene deutschsprachige Weinportal. Worauf beruht diese Einschätzung?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Wir lassen Leseraufkommen und Leserverhalten von der <a href="http://www.ivw.de/">IVW</a> prüfen</em><em>, können uns hier also auf völlig neutrale Zahlen stützen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Betrachtet man sich Eure Seite einmal näher, fällt auf, dass sie eher im Web 1.0 angesiedelt ist. Ist das noch zeitgmäß? Wird es hier demnächst Änderungen geben?</p>
<p><em>Markus Hofschuster: Das Web 2.0 ist eine Ergänzung zu Web 1.0, es macht Letzteres aber nicht überflüssig. Seriöse und umfangreiche sowie in die Tiefe gehende Information lässt sich aus meiner Sicht im Mitmachweb kaum realisieren. Änderungen wird es auch bei Wein-Plus geben, aber wir werden sicher auch weiterhin im Web 1.0 verwurzelt bleiben. Es dürfte auch kaum im Interesse unserer Leser sein, das zu ändern.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Du arbeitest seit vielen Jahren für ein Internetmedium, das zu Anfang gerne von den „Alteingesessenen Print-Kollegen“ belächelt wurde. Was entgegnest Du diesen Kritikern heute?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Wir wurden anfangs tatsächlich kaum ernst genommen, aber das änderte sich schnell. Es war schon interessant zu beobachten, wie freimütig die gedruckte Fachpresse in den Anfangszeiten über uns berichtete und wie hartnäckig sie uns im Gegensatz dazu in den folgenden Jahren totschwieg, als wir zu einer ernsthaften Gefahr für die Printmedien wurden. Selbst wir sahen allerdings damals die rasante Entwicklung zu unseren Gunsten nicht voraus. Natürlich macht sie uns nicht unglücklich, aber sie halst uns auch mehr Arbeit auf, als wir uns freiwillig antun würden&#8230; Wir hatten es also von Anfang an nicht mit Kritik zu tun, sondern mit Geringschätzung, später dann eher mit Furcht, jetzt, so hoffe ich, vielleicht auch ein wenig mit kollegialem Respekt. Die einzige ernstzunehmende Kritik, die ich an der Tatsache höre, dass wir nur noch im Internet veröffentlichen, ist die, dass man unsere Publikationen nicht mit ins Bett oder aufs Klo nehmen kann. Die ist natürlich absolut berechtigt. Deshalb lese ich mein Tageszeitung auch noch von Papier ab, nicht vom Bildschirm.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Das web entwickelt sich sehr rasch. Zur Zeit wird gebloggt und getwittert was das Zeug hält. Warum beteiligst Du Dich daran nicht?</p>
<p><em>Marcus Hofschuster: Weil mir schlicht die Zeit fehlt. Ich sitze den ganzen Tag in der Redaktion am Rechner und komme während meiner normalen Arbeitszeiten noch nicht einmal dazu, die Schreibarbeit zu machen, die ich machen müsste. Eigentlich sollte ich mich sofort bei allen Produzenten entschuldigen, die noch immer kein 2007er Jahrgangsportrait haben. Für einen Blog bleibt da kaum Luft und für das zwangsläufig oberflächliche Geschnatter im Twitter-Universum erst recht nicht. Zudem war ich in Sachen Außen- und Selbstdarstellung (trotz meiner „Nebenbeschäftigung“ als Rocksänger) noch nie besonders gut.. Mir fehlt offenbar ein wenig das kommunikative Talent. Ich habe nicht alle paar Minuten einen wichtigen Satz parat, den ich unbedingt sofort in die weite Welt hinausblasen muss.<br />
</em></p>


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		<title>Mario Scheuermann im Gespräch</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 13:08:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In meiner Reihe &#8220;&#8230;im Gespräch&#8221; kommt heute der nächste Weinkritiker und Journalist zu Wort, Mario Scheuermann. Er gilt als Pionier in Sachen &#8220;Wein im web&#8221;. Mario Scheuermann ist seit 2002 unter Anderem Betreiber des Weinforums &#8220;<a href="http://www.talk-about-wine.de/">talk-about-wine</a>&#8220;, das mit knapp 3.000 Mitgliedern eines der größten und ältesten Internetforen zum Thema Wein darstellt. Scheuermann bloggt seit vielen Jahren beispielsweise auf seinem &#8220;<a href="http://drinktank.blogg.de/">drinktank</a>&#8221; und dem &#8220;<a href="http://bordeaux.blogg.de/">planet bordeaux</a>&#8220;. Er gilt als profunder Kenner der internationalen Weinszene, ist Autor zahlreicher Bücher und Veranstalter des Hamburger Weinsalons. Mario Scheuermann steht aber auch oft aktiv im Mittelpunkt kontroverser Diskussionen, insbesondere dann, wenn es um das beliebte Thema &#8220;Profis vs. Amateure&#8221; geht.<span id="more-335"></span></p>
<p>Würtz-Wein: Sie gehören quasi zu den Mitbegründern des deutschen Weinjournalismus. Seit einigen Jahren betreiben Sie  mehrere blogs, das Weinforum „talk-about-wine“ und sind auch ein sehr aktiver Twitterer. Was ist der Grund für diese starke web 2.0 Ausrichtung? </p>
<p style="text-align: center;"><em><a href="http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.degustation.de/impressum/ms%2520portraet.jpg&amp;imgrefurl=http://www.degustation.de/impressum/Biogaphie.htm&amp;usg=__3ERIn3FOHyeVEgbxYK0FAxqcHZ4=&amp;h=200&amp;w=129&amp;sz=13&amp;hl=de&amp;start=6&amp;sig2=zguNKyR_FiW2cVUQaEcyqQ&amp;um=1&amp;tbnid=GyhiirZ8lVZbiM:&amp;tbnh=104&amp;tbnw=67&amp;prev=/images%3Fq%3DMario%2BScheuermann%26hl%3Dde%26rlz%3D1T4SKPB_deDE245DE246%26sa%3DN%26um%3D1&amp;ei=e2fwSe7ELcfflQe_m6TLDA"><img class="aligncenter" style="border: 1px solid;" src="http://tbn2.google.com/images?q=tbn:GyhiirZ8lVZbiM:http://www.degustation.de/impressum/ms%2520portraet.jpg" alt="" width="67" height="104" /></a></em></p>
<p><em>Mario Scheuermann: Kurz gesagt: meine angeborene und beruflich dann weiterentwickelte Neugier auf alles Neue. Länger erklärt: Ich habe in meiner jetzt über 40jährigen beruflichen Laufbahn die Entwicklung des deutschen Weinjournalismus, wie wir ihn heute kennen, miterlebt und an einigen Stellen auch aktiv mitgestaltet z.B. durch die frühe Forderung nach einer Klassifizierung für deutsche Weine, den ersten unabhängigen Weinführer oder die Übernahme des 20-Punkte-Systems von GM Anfang der 1980er Jahre für Wein und die Gründung des Comitées Erstes Gewächs etc.. Vorher  Als ich anfing, gab es eigentlich so gut wie keine Weinjournalisten. Es gab Verbandsblätter, in denen Fachartikel erschienen, und es gab Weinautoren, die haben aber meist Bücher geschrieben und eher selten in Tages- oder Wochenmedien publiziert. </em><em>Gelegentlich erschien auch mal in einem Nachrichtenmagazin wie Der Spiegel ein Weinartikel. Dafür gab es aber  nur drei Gründe: Politik, Wirtschaft oder ein Panschskandal. Weinnotizen wie sie heute überall publiziert werden erschienen so gut wie nie. Zeitschriften wie Feinschmecker, Alles über Wein, Gault Millau etc. gab es damals noch nicht. So wundert es mich auch nicht, wenn diese nach und nach auch wieder verschwinden. Möglicherweise waren sie nur eine kurzlebige Spezies, Ausgeburten des hedonistischen Lebensstils der 1970 bis 1990 er Jahre. </em><em>Man muss sich mal angesichts der heutigen Geschwindigkeit, mit der sich dank Twitter die Primeur News weltweit verbreiten, vorstellen, dass die ersten Notizen  über den heute legendären Mouton 1945 erst ab 1953/54 erschienen sind. Vorher hat niemand von diesem Wein wirklich Notiz genommen. </em><em>Als ich Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre bei Bessers bzw. Ullsteins Gourmet Journal und VIF als Redakteuer und später Ressortleiter und Chefredakteur arbeitete, war es zwar relativ einfach Restauranttester zu finden, aber Weinschreiber, die konkret über einen bestimmten  Wein kompetent schreiben konnten, die waren sehr rar. </em><em>Mit den ersten Weinzeitschriften und Weinführern setzte dann eine explosionsartige Vermehrung dieser Spezies an.  Quasi über Nacht fing jeder, der Rot- von Weisswein unterscheiden  konnte, an, über Wein zu reden und zu schreiben. Ich selbst habe mich 15 Jahre mit Wein trinkende,  lesend und reisend beschäftigt, bevor ich es gewagt habe, zum ersten Mal etwas über Weine zu publizieren. </em><em>Heute erleben wir das Entstehen einer dritten Generation der Weinpublizistik verbunden mit allen Geburtswehen. Weinverkostungen wurden ab den 1990er Jahren zu einem Gesellschaftsspiel, erst für ein paar gut betuchte Sammler und ihre Freunde und dann für  Jedermann. Dann kam der Boom der Weinkurse, die Schwemme der Weinakademiker und heute – so scheint es &#8211; wird Weinschreiberei zu einer Art Breitensport. Wie gut oder schlecht das für die Weinwelt ist, sei mal dahingestellt. Es ist jedenfalls genauso Ausdruck unserer demokratischen Welt- und Werteordnung wie die Tatsache, dass Aldi und Co mehr Weine vermarkten als jede andere Handelsschiene.  Demokratie ist gleich Fläche, Wein aber ist Hierarchie und somit eigentlich ein aristokratische Produkt.</em></p>
<p><em> </em>Würtz-Wein: Worin sehen Sie die Chancen für die deutsche Weinwirtschaft im  web 2.0? </p>
<p><em>Mario Scheuermann: Das ist sehr schwer abzuschätzen; denn niemand kann genau sagen wohin die Reise geht. Im Augenblick ist die Situation so, dass die deutsche Weinwirtschaft noch gar nicht so richtig im Web 1.0 angekommen ist. Sie verharrt noch in der Steinzeit des Internets.  Andererseits beschäftigen sich nicht wenige schon mit den Möglichkeiten, die ein Web 3.0 mit semantischer Suche bieten könnte.   </em> </p>
<p>Würtz-Wein: Hat Ihrer Meinung nach die deutsche Weinwirtschaft diese Chancen erkannt und nutzt sie diese auch?</p>
<p><em>Mario Scheuermann: Ganz klar: NEIN! Sie verschläft sie im Augenblick.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Vereinfacht ausgedrückt gibt es in der virtuellen Weinwelt zwei Lager: Die „Profis“ und die „Amateure“, wobei der Begriff „Amateur“ keineswegs eine Herabstufung ist. Durch den unmittelbaren und direkten Kontakt entstehen oftmals Reibungen. Insbesondere auch durch die oftmals leicht arrogante Haltung der „Profis“ gegenüber den „Amateuren“. Woran liegt das? Haben die „Profis“ Angst, ihre früher oft monopolistische Meinungshoheit zu verlieren?</p>
<p><em>Mario Scheuermann: Um ganz ehrlich zu sein sehe ich diese scharfe Trennlinie so nicht, auch wenn mir das einige Blogger immer unterstellen. Ich kenne Amateure – also Menschen, die sich aus Liebhaberei und nicht beruflich mit Wein beschäftigten – die haben von bestimmten  Ländern, Regionen oder Sorten  mehr Ahnung als viele Profis. Andererseits versteht nicht jeder Profi automatisch alles von Wein. Es gibt welche, die verstehen meiner Ansicht nach fast gar nichts davon. Diese Pseudo Profis sind  &#8211; wenn überhaupt &#8211; das eigentliche Problem, vor allem dann, wenn sie den Guru markieren. </em><em>Die Trennlinie, die hier angesprochen wird, heißt vielmehr gute und schlechte Verkoster. Aber auch diese Linie geht quer durch die Szene.  Ich kenne Amateure, die ganz exzellente Verkoster sind,  und solche, die es einfach nicht können, Dies gilt aber auch für die Profis. Das liegt daran, dass die körperliche Veranlagung, die sensorischen Fähigkeiten, sehr verschieden ausgeprägt sind.  Natürlich schmeckt auch der etwas, der in Wahrheit wenig schmeckt. Und das ist für ihn subjektiv 100 Prozent. Wie es ist, wenn man Geruchs- und Geschmacksinne hat, die sagen wir mal  zehnmal sensibler reagieren, kann der sich gar nicht vorstellen. Oder wenn gar jemand beim Riechen intensiv Farben erlebt oder Klänge. Für den, der das nicht kann, schwer vorstellbar. </em> </p>
<p>Würtz-Wein: In der Web 2.0 Weinlandschaft ist zur Zeit viel Bewegung, nicht zuletzt durch den Niedergang der Printmedien. Es gibt zahlreiche blogs, Twitterer und Foren. Haben die alle eine Zukunft, gibt es für Sie so etwas wie ein Leitmedium im Netz? </p>
<p><em>Mario Scheuermann: Nicht wirklich. Das Weinweb 2.0 ist ein chaotisches Konglomerat und ich finde das im Prinzip  auch gut so. Nur so werden kreative Kräfte freigesetzt. Bei den  älteren Formen wie Online-Foren gibt es schon gewisse Hierarchien. Da ist sicher das Parker-Forum das Maß aller Dinge.  Auch bei den Webseiten mit Nachrichten und den Email-Newsletter gibt es eine Reihe von viel zitierten Leitmedien. Aber alles andere ist erfreulicherweise im Fluss. </em> </p>
<p>Würtz-Wein: Wie wird Ihrer Meinung nach in Zukunft die „Wein-im-web 2.0-Landschaft“ aussehen?</p>
<p><em>Mario Scheuermann: Wenn ich das wüsste, würde ich mich sofort daran setzen, es zu realisieren. Das hängt sehr von der Weiterentwicklung der diversen Kommunikations-Tools und Social Networks ab. Eine konkrete Prognose traue ich mir da nicht zu. Nur soviel: die Online-Medien werden die Print-Medien auf fast allen Ebenen ablösen.  </em></p>
<p>Würtz-Wein: Sie prangern häufig den „Content-Klau“ an. Das heißt, bestimmte Inhalte werden, wohl ohne das Einverständnis der Urhebers, von anderen blogs übernommen. Sehen Sie das als konkretes Problem?</p>
<p><em>Mario Scheuermann: Das ist eine Unsitte, die sich im Internet breitgemacht hat, leider auch unter Bloggern. Ich finde das genauso grenzwertig wie das anonyme Publizieren im Internet. Man sollte korrekt zitieren oder verlinken und kompletten Content nur mit Erlaubnis und gegebenenfalls gegen Honorar  nachdrucken. Ich rede nicht von irgendwelchen Agenturmeldungen, sondern von eigenständigen Reportagen und Recherchen. Und man sollte seinen Blog mit einem kompletten Impressum versehen. </em></p>
<p>Würtz-Wein: Was halten Sie von Blindproben?</p>
<p><em>Mario Scheuermann: Wenig vor allem dann nicht, wenn sie für alles und jedes herhalten müssen. Blind verkostet haben früher eigentlich nur Makler oder Kommissionäre z.B. Fassmuster oder Weine der gleichen Sorte aus einer Region, um sich einen  Überblick  zu verschaffen. Händler haben einen Wein aus ihrem Sortiment blind mit denen von Mitbewerbern verglichen. Das war sehr eng zweckgebunden und machte da natürlich Sinn. Heute finde ich das z.B. bei Jury-Verkostungen sinnvoll. Ansonsten bin  ich ein Fan dessen, was ich eine akademische Verkostung nenne,  eine Überprüfung des Weins mit allen Sinnen und da gehört nun mal auch die Optik dazu und das Recherchieren von Fakten vor Ort oder in der Literatur. Meine Serie mit Verkostungen älterer Bordeaux-Weine  im Planet Bordeaux ist ein gutes Beispiel dafür, was ich meine. Dies verlangt natürlich nach einem hohen Maß an Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Ist es nötig Weine zu bepunkten? Was bringen diese Punkte dem Konsumenten?</p>
<p><em>Mario Scheuermann: Was Punkten den Konsumenten wirklich bringen, weiß ich nicht, aber es sind die Konsumenten, die uns mittlerweile fast alle gezwungen haben, das 100-Punkte-System zu übernehmen, weil sie vergleichbare Bewertungen haben wollen. Das verstehe ich einerseits und wenn man die einzelnen Verkoster und ihre individuelle Messlatte kennt, mag ich auch einen  Sinn darin zu erkennen, aber meist kennt  man diese Justierung nicht und dann wird’s problematisch. Ich kann z.B. die Noten von Kollegen wie Armin Diel und Peter Moser sehr gut einschätzen, auch die von Robert Parker oder René Gabriel. Manche andere Benotungen sind für mich dagegen eher rätselhaft.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Wie stehen Sie zu der Tatsache, dass mittlerweile jeder ambitionierte Weintrinker, mit eigener Plattform im Netz, Weine bepunktet?</p>
<p><em>Mario Scheuerman: Ich halte das zumindest für problematisch; denn schon die Profi-Punkte sind oft nicht vergleichbar. Um nicht wieder falsch verstanden zu werden: ich halte sehr viel davon, wenn ambitionierte Weintrinker sich im Internet über Weine äußern, sie beschreiben, erzählen, wann und wo sie sie getrunken, was sie dazu gegessen haben, was sie über den Wein, seine Stilistik etc.  denken. Aber  Bepunktungen halte ich für problematisch, weil vielen die Maßstäbe fehlen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man schon eine ganze Reihe von 100-Punkte-Weine getrunken haben muss und zwar, weiß und rot, süß und schäumend und möglichst mehrfach, um einen solchen Maßstab zu bekommen.  Wenn im Hochsprung der Weltrekord  bei 2.20 m liegt, muss ich halt da drüber springen. Darunter durchzulaufen gilt nicht.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Wir haben in Deutschland drei mehr oder minder maßgebliche Weinführer. Den Gault Millau, wein-plus und den Eichelmann. Wie würden Sie diese drei Publikationen gewichten, insbesondere nach ihrem Nutzen für den Konsumenten?</p>
<p><em>Mario Scheuermann: Ohne den Kollegen zu nahe treten zu wollen: der GM ist ganz eindeutig der Platzhirsch. Man könnte auch sagen, GM ist die Regierung und die beiden anderen sitzen auf den Oppositionsbänken.</em></p>


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		<title>Armin Diel im Gespräch</title>
		<link>http://wuertz-wein.de/wordpress/2009/04/15/armin-diel-im-gesprach/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 12:43:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Würtz</dc:creator>
				<category><![CDATA[...im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute setze ich die Reihe &#8220;&#8230;im Gespräch fort&#8221;. Diesesmal habe ich mich elektronisch mit Armin Diel unterhalten. Armin Diel ist Besitzer des <a href="http://www.schlossgut-diel.com/">Schloßgutes Diel </a>in Burg Layen, Journalist und Weinkritiker. Der von ihm mitverantwortete Gault Millau gilt vielen mittlerweile als ein Standardwerk des deutschen Weins. Armin Diel polarisiert. Über kaum einen Weinkritiker wird mehr geredet, als über ihn.</p>
<p><span id="more-298"></span></p>
<div id="attachment_299" class="wp-caption alignleft" style="width: 225px"><a href="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//ad-62.jpg"><img class="size-full wp-image-299 " title="ad-62" src="http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-content//ad-62.jpg" alt="ad-62" width="215" height="324" /></a><p class="wp-caption-text">Foto von Andreas Durst / ikonodule.de</p></div>
<p>Würtz-Wein: Du bist gelernter Jurist und Weingutsbesitzer. Was treibt Dich seit 25 Jahren an, auch als Gastronomie- und Weinkritiker journalistisch tätig zu sein?</p>
<p><em>Armin Diel: Als ich vor 30 Jahren im westfälischen Münster Jura studierte, war ich begeisterter Hobbykoch und ging zu Profis in die Küche, um meine Kenntnisse zu verfeinern. Bald darauf erhielt ich das Angebot der Münsterschen Zeitung, eine Serie über die besten Restaurants der Region zu schreiben. Das hätte ich besser lassen sollen, denn der Streit mit dem Wirt einer gastronomischen Touristenfalle, die auf den beziehungsreichen Namen Westfälischer Frieden hörte, bescherte mir einen zehn Jahre andauernden Rechtsstreit, der beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe allerdings mit einem Sieg der Pressefreiheit endete. Fast 20 Jahre habe ich Texte für den deutschen Gault Millau Restaurant Guide geschrieben, damit aber 2002 aufgehört. Anfang der 80er Jahre, also lange bevor ich das väterliche Weingut an der Nahe übernahm, begann ich über Wein zu schreiben: Mehr als zwei Jahrzehnte allein für Alles Über Wein, später dann für Capital, Vinum und Weinwelt. Seit 1994 bin ich gemeinsam mit Joel Payne Herausgeber des Gault Millau WeinGuide. Damals ging es uns ganz maßgeblich darum, das Ansehen des deutschen Weines zu fördern. Von einer Entwicklung, wie sie in der Zwischenzeit stattgefunden hat, konnte man damals nicht einmal ansatzweise träumen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Du hast einmal gesagt: “Ich schreibe nicht mit Parker, sondern mit Mont Blanc“. Da ging es zwar um Deinen Füller, aber die Anspielung auf Robert Parker, dem sicherlich einflussreichsten Weinkritiker der Welt, war offensichtlich. Wie siehst du Deinen Einfluss in der deutschen Weinwelt. Bist Du so etwas wie der „deutsche Robert Parker“?</p>
<p><em>Armin Diel: Das mit dem Füller ist natürlich ein Jux, denn über die Bedeutung von Parker muss man nicht wirklich diskutieren. Er war der Erste, der Weine nach einem Punktesystem bewertete und dafür weltweite Aufmerksamkeit erregte. Unbestritten ist seine Kompetenz insbesondere für Weine aus Bordeaux, Kalifornien und aus dem Rhônetal. Das Urteil, welche Rolle mir dereinst im Hinblick speziell auf den deutschen Wein zukommt, möchte ich lieber anderen überlassen. In eigenen Obliegenheiten ist man nur selten ein guter Richter.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Ich habe Dich als durchaus streitbaren aber eigentlich immer fairen Kritiker erlebt. Was entgegnest Du denjenigen, für die Du eine Art Reizfigur bist und die Dir mangelnde Objektivität vorwerfen? Gehört das zum Job des Kritikers dazu, Derartiges auszuhalten?</p>
<p><em>Armin Diel: Ich war noch nie in meinem Leben objektiv, sondern in höchstem Maße subjektiv! Alles was mit sehen, Hören, Riechen und Schmecken zu tun hat, sind Sinneswahrnehmungen, welche die Summe ganz persönlicher Erfahrungen ausmachen, auf der Basis eines mehr oder weniger  ausgeprägten Talents. Die scheindemokratische Forderung nach Objektivität kommt mir manchmal vor wie der Tanz um die heilige Kuh. So mancher „objektive“ Verkoster hat sich am Ende als Eunuch erwiesen, weil er schlicht und einfach keine eigene Meinung hat. Auch bei der Buch- und Theaterkritik geht es nicht um Objektivität. Hätte ein solch polarisierender Rezensent wie Marcel Reich-Ranicki sonst je eine solche Bedeutung erlangen können? Ein guter Kritiker sollte allerdings möglichst unvoreingenommen sein und eben nicht bestehende Vorurteile kultivieren. Dass man bei alledem nicht „Everybody´s Darling“ sein kann, liegt in der Natur der Sache. Wer das nicht aushält, sollte besser etwas anderes machen.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Ein Kollege von Dir, Stuart Pigott, klagte einmal  in einem seiner Bücher über eine gewisse Übelkeit, die Du bei ihm hervorrufen würdest. Wie gehst Du mit Derartigem um, insbesondere dann, wenn es sehr persönlich wird?</p>
<p><em>Armin Diel: Dazu möchte ich mich hier nicht weiter äußern, es ist ja auch schon eine Weile her.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Der Gault Millau steht immer im Mittelpunkt. Was sagst Du zu den kritischen Stimmen, die behaupten, der Gault Millau wird hauptsächlich von Kollegen und nicht von Konsumenten gelesen? Worin siehst Du den Nutzen dieses Weinführers?</p>
<p><em>Armin Diel: Vom Nutzen des Gault Millau berichten uns in erster Linie die Winzer: Zahllose Kunden kommen mit dem Buch in der Hand ins Weingut, um besonders hoch bewertete Weine oder solche mit einem interessanten Preis-Leistungsverhältnis zu kaufen. Diese Weine sind im Gault Millau in roter Farbe hervorgehoben.</em></p>
<p>Würtz Wein: Wie siehst Du die Position des Gault Millau im Vergleich zu den beiden anderen größeren Weinführen von Eichelmann und von dem Internetportal WeinPlus? Gerade letzteres verkostet ja völlig anders als der Gault Millau, nämlich in so genannten „Blindproben“.</p>
<p><em>Armin Diel: Für jeden Führer gibt es offenbar ein Marktpotenzial, wobei man das Internet gewiss nicht unterschätzen darf. Uns überrascht, dass die einst heftige Kritik am Gault Millau deutlich abgenommen hat, seitdem es WeinPlus und Eichelmann gibt. Nun zu meinem Lieblingsthema: Die Bedeutung von Blindproben wird allgemein überschätzt, weil man glaubt, den subjektiven Faktor ausschalten zu können. Das ist aber Unsinn, denn persönliche Vorlieben oder Abneigungen etwa im Hinblick auf Säure, Süße, Alkohol und Schwefelgehalt bleiben dieselben, egal wie der Wein verkostet wird. Blindproben können allerdings geradezu notwendig sein, um eine endgültige Reihenfolge gleichartiger Weine festzulegen. </em></p>
<p>Würtz-Wein: Hin und wieder hört man von Dir kritische Worte zur Situation des deutschen Weinjournalismus. Wie stellt sich diese Situation für Dich da?</p>
<p><em>Armin Diel: Man mag es bedauern, aber Fakt ist nun einmal dass englische und amerikanische Autoren den Markt dominieren und Weinzeitschriften in Deutschland kein leichtes Dasein fristen. </em></p>
<p>Würtz-Wein: Was macht für Dich einen „guten“ Weinjournalist aus? Wie siehst Du die Zukunft dieser Branche hier bei uns im Land?</p>
<p><em>Armin Diel: Ich erinnere mich an köstliche Gespräche mit zwei durchaus namhaften Kollegen, deren Namen hier aber keine Rolle spielen: Der eine behauptete im Ernst einen angereicherten Wein von einem Naturwein mit gleicher Alkoholgradation unterscheiden zu können. Der andere hielt es partout für ausgeschlossen, dass ein Montrachet je chaptalisiert sein dürfe. Gute Weinjournalisten sind in der Tat rar gesät, übrigens nicht nur in Deutschland.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Du bist Besitzer des Schlossgutes Diel und seit Jahren Präsident des VDP Regionalverbandes an der Nahe. Alle reden momentan über die Erfolge auf den Exportmärkten. Wie schätzt du realistisch die derzeitige Situation des deutschen Weins auf dem heimischen Markt ein? Wird der nationale Markt durch den Exportboom vernachlässigt? Sind die Winzer zu sehr auf den Export focussiert und räumen hier kampflos das Feld?</p>
<p><em>Armin Diel: Der deutsche Wein profitiert besonders im Inland von seinem Ansehenszuwachs der letzten zehn Jahre, woran der VDP mit seiner Lagenklassifikation und dem Großen Gewächs einen ganz maßgeblichen Anteil hat. Da das Potenzial noch längst nicht  ausgeschöpft ist, werden die deutschen Erzeuger auch relativ elegant durch die aktuelle Wirtschaftskrise kommen. Erinnern wir uns: Ende der 60er Jahre verklappte die intellektuelle Elite Edelzwicker in ihren Blutbahnen, dann kamen Blanc de Blancs, Muscadet und Chablis in Mode. Deutscher Wein galt als süß und uncool. Mit Prosecco, Pinot Grigio und Gavi dei Gavi folgte in den 80er Jahren dann die lächerlich anmutende Malattia Italiana, die das kleine Fingerchen der Trendtrinker förmlich im rechten Winkel abstehen ließ. Wie gesagt: Da ist noch viel Luft nach oben für den deutschen Wein.</em></p>
<p>Würtz-Wein: Immer mehr Weinerzeuger drängen mit ihren Produkten in den LEH, also dorthin ,wo große Mengen an Wein verkauft werden. Auch Betriebe die zum VDP gehören. ALDI Süd hat jetzt gerade wieder Weine von zwei Mitgliedsbetrieben des VDP als Aktionsweine im Sortiment. Wie siehst Du diese Entwicklung?</p>
<p><em>Armin Diel: Viele Jahre waren süße deutsche Spätlesen für kaum mehr als zwei Euro die billigsten Weine im Regal. Nun schaffte es der Rheingauer VDP-Winzer Hans Lang bereits zum zweiten Mal, ALDI Süd einen von der Bezeichnung her eher einfachen Classic Riesling anzudienen, der dort stattliche 7,99 Euro kostet. Das ist eine Meisterleistung! </em></p>
<p>Würtz-Wein: Zum Abschluß: Wie stehst Du zu der Entwicklung des Themas „Wein im web 2.0“. Bist Du da auf der Höhe der Zeit? Hast Du Dir schon einmal überlegt, zu bloggen oder zu twittern? Sagen Dir die Begriffe social media und social networking etwas?</p>
<p><em>Armin Diel: Ich bin eher dabei mein Leben zu entschleunigen und mein Handy öfter mal abzuschalten. Dazu gehört auch, jeden Morgen eine gute Stunde durch den Wald zu walken, einmal in der Woche zur Gesangstunde zu gehen und so oft wie möglich zu Dirk Würtz zum Skatspielen</em> <img src='http://wuertz-wein.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>


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