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Ernte 2017 – Finale

Die Ernte 2017 ist eingebracht – bei uns und wohl bei allen anderen auch. Zeit für ein erstes Fazit.

Dieser Tage ist ein neues Phänomen festzustellen. Aber vielleicht fange ich erst mit dem alten und ganz typischen Phänomen an. Das des “Jahrhundertjahrgangs”.

Während allerorten die meisten Winzer stöhnen, ob des Ergebnisses der 17er Ernte, beginnt gleichzeitig das Schönreden. Mindestens auf ähnlich hohem Niveau, wie das Jammern. Dabei wäre das gar nicht nötig. Das Schönreden. Berichten wie es war, genügt im ersten Schritt. Und mit ordentlichen Weinen im kommenden Jahr überzeugen, wäre der darauf logisch folgende Schritt. Es gibt so oder so keine schlechten Jahrgänge mehr. Dazu aber später.

Als neues Phänomen gesellen sich die supergescheiten Internetfreaks dazu, gerne im Hauptberuf Bänker oder Beamter – Berater sowieso, die Dir dann unisono und wie aus der Pistole geschossen erklären, dass Du eh keine Ahnung hast und dass Du so oder so die Leute undifferenziert informierst – damit wollen sie eigentlich ausdrücken, dass Du sie verarschen willst, weil Du eh alles schönredest um möglichst viel Profit zu machen. Du, also der Winzer. Gerne auch Du, der Journalist, der mit den Winzern ja in einem Boot sitzt. Als irgendwie Abhängiger. Lügenpresse halt… Da erklärt dann einer, der im Besten Fall einmal einen Eimer Trauben irgendwo mitgeerntet hat demjenigen, der das ganze Jahr nichts anderes macht als Trauben und Wein zu produzieren, wo der Hammer hängt. Vor Allem eben, wie was zu schmecken hat, weil es ja ganz falsch produziert ist. Besonders “schön” wird es dann, wenn Weine aus dem Vorjahr aufgrund von extremen Regen, als typisch für ein Jahr mit extremen Regen eingestuft werden. Selbst dann, wenn es knochentrocken war. Und wenn man dann erklärt, dass es knochentrocken war und genau dies das eigentliche Problem an der ganzen Sache war, kommt in der Regel nichts oder ein “das meine ich ja”…  Ja, ich gebe zu, manchmal ärgert mich das und dann entstehen eben solche Sätze… Im Grunde genommen verstehe und akzeptiere ich das Ganze durchaus. Es ist ein altes und bekanntes Phänomen. Wir haben Millionen von Fußballtrainern und TV-Moderatoren, die allesamt “Wetten das…” um Galaxien besser moderiert hätten als Gottschalk. Und Lanz sowieso. Selbst dann, wenn sie weder jemals an einen Ball getreten, geschweige denn vor einer Kamera gestanden haben . Aber auch das bekommt man erklärt. Also warum man weder an einen Ball getreten, noch jemals vor einer Kamera gestanden haben muss um das zu können. Und so haben wir eben mittlerweile auch jede Menge Superwinzer und Weinmacher. Mich erinnert das ein wenig an diejenigen, die am lautesten gegen Flüchtlinge wettern, obwohl nicht ein einziger in der näheren Umgebung lebt. Okay, ich gebe zu, dass das jetzt polemisch und unangebracht war. Emotional in jedem Fall. Nüchtern und sachlich betrachtet weiß ich, dass das alles dazu gehört. Und das ist auch gut so.. Das Thema Wein hat sich in der kleinen Blase des “special interest” demokratisiert. Wir wollten das so. Ich wollte das in jedem Fall so und jetzt ist es so und ich fühle mich wohl dabei.

So, und nun zum Jahrgang 2017!

Der ist in jedem Fall eines, nämlich mengenmäßig klein. Und zwar überall in Europa. Das ist Fakt und an diesem Fakt gibt es nichts zu rütteln. Natürlich hat der ein oder andere gut geerntet – im Gesamten ist es dennoch einer der kleinsten Jahrgänge seit Jahren. Man nennt das einen “neidischen Herbst”. Warum man das so nennt ist klar. Wenn es wenig gibt und einer hat mehr,als der andere, ist der andere eben neidisch. Wie im normalen Leben auch…

Was die Qualität angeht, kann man wenig sagen. Frost und Hagel, beinahe überall, haben allen zu schaffen gemacht. Nicht nur in der Menge, sondern auch in der Entwicklung und der späteren Reife der Trauben. Die Ernte begann überall sehr früh, auch hier bei uns im Rheingau. Der Hagel vom 1.August hat uns sehr zu schaffen gemacht. Insbesondere die Tatsache, dass es danach niemals wieder wirklich trocken wurde hat die Situation enorm verschärft. Da die Trauben in diesem Jahr sehr kompakt waren, setzte dadurch auch sehr früh die Fäulnis ein. Alles nichts Neues und schon oft da gewesen. Die letzten Jahre waren immer irgendwie schwierig und dennoch kamen tolle, ja sogar große Weine dabei heraus. Und da sind wir dann auch direkt bei meiner obigen Aussage: “Es gibt so oder so keine schlechten Jahrgänge mehr”. Im Ultra-Premium-Segment spielt der Jahrgang beinahe, die Betonung liegt auf “beinahe”, keine Rolle mehr. Die Winzer sind heutzutage top ausgebildete Spezialisten, die es verstehen Jahr für Jahr sehr gute Weine zu produzieren. Mit Schwankungen, versteht sich, aber allesamt immer auf einem hohen Niveau. Ob der Spitzenwein aus der Lage xyz dann am Ende 92 oder 95 Punkte hat ist so oder so nur eine Petitesse am Rande.

Viel wichtiger sind die Weine an der Basis, also das, was man so normal trinkt. Das, womit der Unterhalt bestritten wird – das täglich Brot quasi. Da war 2016 beispielsweise hier sehr nützlich. Insbesondere wegen der moderaten Säure. Riesling ist eine tolle Rebsorte, die göttlichste wenn es um Weißweine geht. Aber eben auch die mit der aggressivsten Säure. Da hilft weniger Säure enorm… In 2017 wird die Basis sicherlich deutlich mehr Säure haben, aber das wird nicht das Problem werden. Die fehlende Menge wird es sein. Und wie! Kaum einer lebt vom Verkauf von Grossen Gewächsen. Leider. Da sind uns die vielen Châtöchen in Frankreich deutlich voraus. Mein einziger Trost in diesem Fall ist die Tatsache, dass die in 2017 auch wenig geerntet haben. Auch wenn ich das natürlich keinem wünsche und auch für die Kollegen schlimm finde.

Fazit?

Kleine Menge, viele Probleme, aber alles noch möglich. Und ganz sicher werden auch in 2018 großartige Deutsche Weine auf dem Tisch stehen. Warum auch nicht! Und immerhin gab es mal wieder schöne Trauben für edelsüße Weine. Also solche mit Säure. Ein Trost!

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