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VDP.GROSSE GEWÄCHSE 2016 Fazit

Nach zwei intensiven Tagen in Wiesbaden und einem Tag der Kontemplation hier nun mein ganz persönliches Fazit zu den VDP.GG und dem Jahrgang

Es ist, wie es ist. Ein Jahrgang wird an seiner Spitze festgemacht. Immer. An der Basis kann alles so toll sein, wie es will, oben spielt die Musik. Es gibt keine schlechten Jahrgänge mehr in der Spitze. Es gibt mal mehr, mal weniger Frucht. Die Säure ist mal präsenter, mal nicht. Diese Aufzählung könnte ich beliebig fortsetzen. Es gibt sicherlich Unterschiede in Sachen zu erwartender Reife – sprich Potenzial. Aber das hat, zumindest für mich – meist eher was von Kaffeesatzleserei. Ich schaue mir regelmäßig Prognosen über die Reifeentwicklung und Trinkempfehlungen an. In alten Weinführern und natürlich auch in meinen eigenen Aufzeichnungen. Besonders dann, wenn ich die entsprechenden Weine vor mir habe. Ganz oft muss ich schmunzeln. Weniger trifft öfter selten zu, als diese Prognosen. Geschenkt! Wichtig ist, dass der deutsche Spitzenwein – nicht nur der des VDP – sich auf einem sehr hohen Niveau bewegt. Der Winzer ist heute in der Lage mit annähernd allem umzugehen. Die Qualität stimmt. Die Quantität schwankt. Leider.

Ich tue mir persönlich mit der Einschätzung junger Jahrgänge immer schwerer. Ich weiß noch, wie ich 2004 als belanglos abgetan habe und heute ist das einfach nur einer der tollsten Jahrgänge dieses Jahrhunderts.Die Spitzen in 2010 sind grandios und gemacht für die Ewigkeit und irgendwann wird auch 2013 den ihm gebührenden Ruhm bekommen. Zumindest für den Riesling. In Sachen Pinot hat es ja beinahe jeder mittlerweile realisiert. 2016 ist für mich ein sehr spannender Jahrgang. Nicht überall, aber doch häufig. Ich mag die Phenolstruktur vieler Weine, ich hatte selten so viel Salz im Mund wie bei einigen 2016ern und die Säure, die zwar da, aber eben nicht aggressiv ist, kommt mir persönlich auch sehr entgegen. Ob der Jahrgang jetzt tatsächlich besser als 2015 ist, wage ich noch nicht final zu beurteilen. Ich habe einen Hauch von Idee, dass es so sein könnte. Wir reden in zehn Jahren noch einmal darüber.

Wie immer habe ich persönliche Lieblinge. Ich bin kein Weinkritiker und kann es mir deshalb erlauben, Lieblinge zu haben. Was nicht heißt, dass ich die anderen nicht mag. Ich freue mich über jeden guten Deutschen Wein. Ich bin Deutschwein-Lobbyist, quasi per Definition… ;-)

Ausgesprochen gut gefällt mir in diesem Jahr wieder einmal FRANKEN. Ich mag diese Mischung aus Klassikern und Individualisten. Wirsching ist bärenstark und setzt Ausrufezeichen sowohl mit den Rieslingen, als auch den Silvanern. Das Weingut Am Stein ist so ein Individualist und natürlich auch Luckert. Das macht alles viel Spaß. Besonders auch die Tatsache, dass die Franken seit einigen Jahren wirklich konstant auf einem immer weiter steigenden hohen Niveau “performen”. Schlimmes Wort, ich weiß. Aber es fällt mir gerade kein besseres ein.

In der PFALZ, an der Mittelhardt rund um Deidesheim, Wachenheim und Forst ist ein Epizentrum des herausragenden Weins. Von Buhl entwickelt sich unter Grosche und Kaufmann atemberaubend gut. Bassermann-Jordan will wohl so etwas wie der FC Bayern München der Mittelhardt werden und Bürklin-Wolf ist eh ein Denkmal. Die sympathischen Moosbachers haben grandiose 2016er GGs, Christmann glänzt und überhaupt gibt es da nichts, was man nicht empfehlen könnten. Das deckt sich mit dem Anspruch der Gegend.

Die Pinots von Becker sind Monumente, Dr.Wehrheim überrascht, Rebholz steht wie eine Eins, Rings wird immer faszinierender, Knipser ist auch eine Art Denkmal und wenn ich nicht aufpasse, hört die Aufzählung nicht mehr auf. 2016 ist die Pfalz einfach grandios. Für mich persönlich vielleicht sogar am grandiosesten von allen.

Die RHEINHESSEN sind, wie eigentlich immer, ebenfalls auf einem aberwitzig hohen Niveau. Wittmanns Kollektion ist Weltklasse. Die Rheinfront mithin das spannendste seit Jahren. Kühling-Gillot ist in 2016 in der Gesamtheit der Kollektion unschlagbar. Außer beim Pettenthal. Da setzt Keller neue Maßstäbe. Es ist kaum zu glauben, wie dieser Wein schmeckt. Gleiches gilt übrigens auch für Kellers Pinot. Wagner-Stempel setzt Ausrufezeichen, insbesondere mit dem Scharlachberg. Eine der spannendsten Lagen überhaupt, wie ich finde.

Die NAHE ist seit Jahren ein Art kleine Schatzkammer mit Ikonen des Weinbaus. in diesem Jahr ist für mich Schäfer-Fröhlich der Primus inter pares. Für mich ist das eine der besten Kollektionen überhaupt.

Exakt so geht es mir auch mit Van Volxem. Da ist alles auf einem atemberaubenden Niveau. An der MOSEL ist Haart mein Favorit. Und Schloss Lieser

Was ich auch sehr mag, ist die Entwicklung in Württemberg. Die wird leider kaum zur Kenntnis genommen. Zumindest nicht in der Breite. Das gehört unbedingt geändert!

Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich dreht sich aber um den Rotwein . Und das nicht erst seit den beiden Tagen in Wiesbaden. Es gibt zwei Arten von Wein. Den Spätburgunder und den Pinot (es geht mir jetzt nur um diese Rebsorte). Letzteres hat eine große Zukunft und setzt sich immer weiter durch. Frisch, nicht überkonzentriert, in der Säure markant, kühl anmutend, das Holz kaum spürbar und dicht und fest. Nichts mit Schoko und Kokos und moderner Art, die überall auf der Welt wachsen könnte. Immer mehr setzt sich dieser Stil in der Spitze durch. Lieber etwas früher geerntet, auf etwas Zucker verzichtet, dafür aber frisch. So wie es die ganz Großen im Burgund machen. Keller (Rheinhessen), Huber, Becker, Knipser und viele mehr stellen allesamt solche Weine auf den Tisch. Heger und Keller in Baden auch. Und auch Kloster Eberbach im Rheingau. Baltes sowieso. Überhaupt ist Baltes langsam aber sicher ein Gigant.

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Schluss, wie sehr ich 2016 bei den Weißweinen mag. Mehr als 2015 und 2014.

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