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Paukenschlag beim Gault Millau

Der Gault Millau – einer der großen Weinführer im Land – erscheint ab sofort in einem neuen Verlag. Und nicht nur das, es gibt eine neue Chefredaktion und jede Menge Bewegung. Enorm viel Bewegung…

“Die Bibel des Deutschen Weins”… so wurde früher das Buch beworben, steht vor massiven Veränderungen.

Es gab Zeiten, insbesondere in den 90igern und im letzten Jahrzehnt, da war das sicherlich irgendwie auch zutreffend. Das mit der Bibel. Der Gault Millau war das Standardwerk in Sachen Weinkritik, geprägt insbesondere durch Armin Diel und seine Co-Chefredakteur Joel Payne. Diel ist seit einigen Jahren nicht mehr an Bord – warum kann man hier im Blog einfach finden und lesen. Vermeintlicher Auslöser war die Tatsache, dass der Verlag eine Art Gebühr in Form eines Marketingpaketes eingeführt hatte. Daraufhin regte sich Widerstand, insbesondere von einer Gruppe herausragender Winzer, in Form eines offenen Briefes. Man protestierte und drohte mit Boykott. Diel, der nichts mit diesem Paket zu tun hatte und es auch nicht wollte, nahm seinen Hut. Tatsächlich ging es am Ende nur darum. Diel sollte weg. Er war vielen zu mächtig und damit ein Dorn im Auge geworden.Schnee von gestern. Seitdem ist viel passiert. Einfacher wurde es nicht.

Fakt ist, es ist nicht wirklich einfach einen wirtschaftlich erfolgreichen Weinführer auf den Markt zu bringen. Warum das so ist, ist relativ schnell beantwortet: der Markt ist klein. Vielleicht sogar zu klein. Ein so spezialisiertes Werk, wie der Gault Millau eines ist, ist ein Nischenprodukt. Geld ist damit kaum zu verdienen – wenigstens nicht so, wie es bisher gemacht wurde. Das Buch erscheint einmal im Jahr und wenn es erscheint, sind viele Weine des aktuell bewerteten Jahrgangs bereits ausverkauft. Wenig Mehrwert also für den Käufer. Es gibt keinerlei begleitende Maßnahmen um das Buch herum und die App ist nicht wirklich der Rede wert (und das ist die denkbar freundlichste Beschreibung). Die Zielgruppe des Buches ist mehr oder minder beinahe identisch mit denjenigen, um die es geht – die Winzer. Die wiederum nutzen das Buch gerne und viel. Insbesondere dann, wenn die Bewertungen dementsprechend ausfallen. Wenn nicht, dann nicht. Ein, nebenbei bemerkt, beliebtes und oft gesehenes Phänomen. In Winzerkreisen ist das Buch entweder unabdingbar und weltweit führend, oder belanglos und grundsätzlich falsch. Die Meinung steht freilich immer im engen Kontext mit der eigenen Bewertung. Das ist übrigens menschlich. Und manchmal auch nachvollziehbar. Das ein oder andere Urteil im Buch war und ist doch schon immer Gegenstand hitziger Diskussionen gewesen

In den letzten Jahren hat der Gault Millau gefühlt doch einiges an Bedeutung verloren. Nicht zuletzt auch durch die immer stärker werdende Konkurrenz. Insbesondere der “falstaff” gewinnt im direkten Vergleich zunehmend an Boden. Das liegt natürlich nicht zuletzt auch an der Tatsache, dass der “falstaff” eben nicht nur ein Weinführer, sondern auch ein regelmäßig erscheinendes Magazin ist. Zudem hat der “falstaff” hier in Deutschland von Anfang an auf ein sehr kompetentes und in der Szene gut vernetztes und anerkanntes Verkosterteam gesetzt. Man kennt sich, man respektiert sich. Das machte das Ganze von Anfang an transparent. Das hilft.

Und dann ist da natürlich noch das Netz. Im Netz ist “weinplus” sicherlich Marktführer. Dieser Weinführer ist in Sachen schierer Größe und Vollständigkeit kaum zu überbieten. Dazu kommt die Tatsache, dass er deutlich  schneller und meist auch aktueller ist, als die Printkollegen.

Und es gibt Facebook. Auch wenn das einige immer noch nicht realisiert haben – was kaum noch nachvollziehbar ist – die Sau, die durch die Weinführer getrieben wird, ist auf Facebook in der Regel schon längst geschlachtet und Geschichte. Natürlich nicht immer. Aber immer öfter. Zudem ist die Zielgruppe doch deutlich breiter, als die eines Buches.

Lange Rede, kurzer Sinn…

Der Gault Millau erscheint in diesem Jahr in einem neuen Verlag. Im ZS Verlag. Neue Chefredakteurin ist Britta Wiegelmann. Sie ist keine Unbekannte. Vor einigen Jahren war sie bereits Chefredakteurin der “VINUM”. In ihre Zeit fiel eine deutliche Kursänderung im damals doch eher angestaubten Magazin. Ähnliches steht jetzt an. Sie hat großes vor. Vieles soll anders werden. Sehr vieles. Nicht direkt im ersten Jahr, dafür ist die Zeit wohl doch zu kurz. Grundlegend dann im kommenden Jahr. Wichtigste Änderung: ab 2018 wird das Ganze deutlich digitaler als bisher. Es wird auch Zeit!

Und natürlich bleibt auch ein Personalwechsel nicht aus. Vom bisher angestammten Verkosterteam bleibt kaum noch einer übrig. Eigentlich sind beinahe alle weg, zumindest fast alle Gebietsverantwortlichen – so hört man es die Tage auf den Fluren. Wiegelmann ist alleinige Chefredakteurin. Bisher hatte der Gault Millau zwei Chefredakteure. Carsten Henn hört ganz auf ebenso Joel Payne, der zunächst noch als Herausgeber im Gespräch war. Größer können Veränderungen kaum noch sein, man könnte das Ganze auch einen Paukenschlag nennen. Ich bin sehr gespannt, wie die “Szene” das aufnehmen wird. Ich bin mir sicher, dass es so ziemlich alle Reaktionen geben wird. Von Erstaunen, über Entsetzen bis hin zur Erleichterung dürfte alles dabei sein.

Fakt ist: eine Ära geht zu Ende. Das kann man wohl ohne Übertreibung so sagen – und eine neu bricht an. Ich für meinen Teil bin mir sicher, dass das Ganze einen positiven Charakter hat. Es wird Zeit für Veränderungen. Mal sehen, was die kommenden Tage noch so an Informationen mit sich bringen. Es wird spannend rund um den Gault Millau. Wieder einmal…

9 Kommentare zu “Paukenschlag beim Gault Millau

  • Serhat Aktas

    Ich persönlich bin sehr gespannt, was jetzt daraus wird! Nicht eine Veränderung, sondern eine Evolution ist bei Gault&Millau notwendig! Außerdem wünsche ich mir tatsächlich den wechsel einiger Gebietsverantwortlichen!

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  • Gregor Schup

    Es wird auch Zeit einmal was neues zu probieren,und auch anderen Winzern die Möglichkeit zu geben sich zu präsentieren,bis jetzt waren die Plätze vergeben ausser es hört jemand auf dann rückt einer nach wie vor 100 Jahren
    Probieren wirs einfach mal
    Lg Winzer Familie Gregor Schup

    Reply
  • Jerome Hainz

    Wer mag sich heute n0ch durch einen 1000 Seiten Wälzer blättern? Eine ordentliche App wäre ein Segen: schnell, übersichtlich, vollständig und mit guten Suchfunktionen. Das scheint aber keinem (noch) grossen Führer zu liegen, bei Michelin zB ist es kaum besser.

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    • Jürgen Brandt

      Lieber Herr Hainz,
      die App kommt. Im ersten Quartal 2018 wird sie bereit stehen. Eine englische Sprachversion ist in Planung. Herzlichst
      Ihr
      Jürgen Brandt von ZS

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  • Pingback: Paukenschlag Teil 2 – alter, neuer Weinführer bei der Vinum | Würtz-Wein

  • Frank Werner

    Wir sind gespannt auf die App. Das Buch in dieser Form wird nicht mehr lange überlegen, da die Internetkonkurrenz wesentlich aktueller und noch breiter aufgestellt ist. Auch im englischsprachigen Web findet man diesbezüglich hervorragende Quellen und Ratgeber, die es in ihrer Ausführlichkeit in DE so nicht gibt.
    Grüße
    Frank

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    • Jürgen Brandt

      Lieber Herr Wernber,
      Sie dürfen zurecht auf die App gespannt sein.
      In Ihrer Einschätzung zum Buch möchte ich Ihnen allerdings widersprechen.
      Ein Buch erfüllt Funktionen, die eine App oder auch Website – egal wie gut sie gemacht ist – nicht erfüllen kann. Ich bin daher überzeugt, dass unser Führer, im Rahmen der Übernahme durch ZS dieses Jahr inhaltlich wie optisch deutlich verbessert, auch die kommenden Jahre weiterhin viel gekauft und gelesen wird.
      Welche Internetkonkurrenz meinen Sie denn?
      Seien Sie aber getröstet: den Irrglauben zum schnellen Ende des Buches haben vor Ihnen schon andere vertreten – und ihr Urteil in den letzten Jahren revidiert. Todgesagte leben länger.
      Herzlichst
      Ihr
      Jürgen Brandt

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