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Der Jahrgang 2016

So langsam aber sicher wird es einmal Zeit, ein erstes Fazit über den aktuellen Jahrgang 2016 zu ziehen. Immerhin ist es jetzt bereits Juni…

Das letzte Jahr, also das was jetzt gerade auf Flaschen gefüllt und auf den Markt gebracht wird, hatte es in sich. Nie zuvor gab es einen höheren Infektionsdruck in Sachen “falscher Mehltau” – Peronospora – wie im Jahr 2016. Es hat geregnet, geregnet und geregnet. Und zwischendurch hat es dann auch gerne einmal geregnet. Es war zum verzweifeln, wenigstens im Frühjahr bis in die ersten Sommermonate. Selbst unser hiesiges Weinbauamt konnte sich nicht an eine vergleichsweise Situation erinnern – und die können sich dankenswerter Weise eigentlich immer an alles erinnern. Der Druck war so stark, dass sogar einige ökologisch arbeitende Weingüter sich entschlossen, wieder umzustellen. Die Angst, die komplette Ernte zu verlieren war schlicht zu groß. Ein Horrorszenario allenthalben überall. Dabei spielte es am Ende kaum eine Rolle, ob ökologisch oder konventionell gewirtschaftet wurde. Wer zu spät kam, wem der Dauerregen einen Strich durch die “Spritzrechnung” machte, der bekam eine Problem. Zum Glück drehte sich das Wetter im Verlauf des Sommers dann nachhaltig. So nachhaltig, dass es an manchen Stellen sogar beinahe zu trocken wurde. Das sind eben diese Wetterextreme, mit denen wir es heute leider zu tun haben. Und die werden nicht weniger. Leider. Seit 2010 wird es von Jahr zu Jahr spezieller.

Der Wetterumschwung im Sommer hat den Jahrgang in jedem Fall gerettet. So viel kann man wohl ruhigen Gewissens sagen. Genau genommen wurde am Ende doch noch alles gut. Weitestgehend. 2016 ist anders. Ganz anders als die bisherigen “Zehnerjahre”. Es ist ein extrem fruchtiger Jahrgang. Alles duftet und riecht viel expressiver, als sonst. Bei den früh geernteten Weinen ist die Säure durchaus präsent, bei den später geernteten eher weniger. Mir persönlich kommt das beim Riesling sehr entgegen. Das mit der wenigeren Säure. Die bin ich wohl auch nicht ganz alleine… Die Weine, die ich bis jetzt probieren konnte, sind ziemlich saftig und dicht. Ganz besonders die fruchtigen Kabis (ich rede hier natürlich vom Riesling) finde ich extrem animierend. “Animierend” könnte überhaupt das Wort für den 2016er werden. Die Weine machen bereits jung Spaß und was in Sachen Grosse Gewächse in den Fässern liegt, was ich auch bereits bei Kollegen probieren durfte, ist vielversprechend.

Ob 2016 ein großes Jahr werden wird, vermag ich aktuell nicht einzuschätzen. Die Zeit wird es weisen. In Sachen Jahrgangseinschätzung habe ich mich schon öfter mal getäuscht. Insbesondere die letzten sieben Jahrgänge sind doch schon sehr spannend und im Nachhinein kam da in Sachen Entwicklung doch einiges anders, als gedacht und prognostiziert. Wie grandios entwickeln sich manche 2010er, die quasi schon vor dem Erscheinen tot gesagt waren. Und 2013 scheint mir auch ein wirkliches großes Potenzial zu haben. Am Ende ist es wie beinahe immer. Egal wie schrecklich das Jahr und wie groß die Sorgen waren – es wird Wein.

5 Kommentare zu “Der Jahrgang 2016

  • Helmut O. Knall

    Nach den Verkostungen in Österreich (Wachau, Kamp-, Krems und Traisental, sowie Leithaberg) kann ich unseren Winzern nur gratulieren. So Manches finde ich sogar eleganter und finessenreicher als 2015.

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  • ws

    Stimme in allen Punkten dem Autor Würtz zu.

    ME. wird Trocken / Kabinett, ggfls Trocken / leicht angereichert, der Wein des Jahrgangs in D. Wegen der zum Teil arg geringen Säure ist er schon “rtd” (“ready to drink”) – abweichend zum 2015, der freilich ganz andere Qualitäten hat.

    Bei Restsüße wird es schwieriger. Da ist der 2015 klar besser.

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  • EC

    Viel aus 2016 habe ich immer noch probiert, aber was ich aus D im Glas hatte, war für mich -allgemein betrachtet- schöner als vieles, was das gehypte 2015er Jahr so gebracht hat. Denn da war mir vieles zu breit, die Säurestruktur kam einfach häufig nicht an die Lebendigkeit der kühleren Jahre heran. Das Gesagte gilt vor allem für die unteren und mittleren Qualitäten, die “großen” Sachen sehe ich nochmal ein bißchen anders. Die machen auch als 2015er im Mittel deutlich mehr Spaß, aber so weit wie die zum Großteil schon sind, denke ich, daß die ihren Zenit recht früh erreichen werden (oder schon erreicht haben) und dann recht schnell abstürzen. Ich bin gespannt, ob die “großen” 2016er Weinchen dann wieder ein bißchen mehr Anlauf brauchen und sich dann vielleicht auch wieder etwas filigraner zeigen. Es bleibt spannend…

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