Alles über Wein und den Rest der Welt…

Rauhe Zeiten…

…kommen auf uns zu. Der Weinkonsum stagniert, irgendwie. Der Export geht zurück. Deutscher Wein verliert an Marktanteilen. Was tun?

Es gibt ja kaum etwas, was ich weniger leiden kann, als dieses: “Ich habe es ja schon immer gesagt”. Das klingt alt und unklug und überhaupt nicht sexy. Aber leider lässt sich diese schreckliche Plattitüde manchmal nicht vermeiden. Also: Ich habe es schon immer gesagt…

Im Deutschen Weinbau gibt es eine Art Krise, denn das untere Segment bricht weg. Ganz besonders im Export. Alles das, was wir die letzten Jahre gemeinsam an Fehler gemacht haben holt uns ein. Dabei haben “wir” es doch immer gesagt…Herjeh… da ist es schon wieder. “Wir” ist natürlich übertrieben. “Manche” und manchmal auch “ich”.

Die fetten Jahre im Export haben drüber hinweggetäuscht, dass wir eines nicht können – billig. Liebfraumilch, Blue Nun und Co. stagnieren nicht nur im Absatz, sie gehen dramatisch zurück. Das Image ist ruiniert. So gründlich, dass der Begriff “gründlich” schon beinahe untertrieben ist. Das Resultat ist unschön – freundlich ausgedrückt. Der Fasswein kostet in manchen Regionen quasi nichts mehr. Aktuell um die 50 Cent für einen Liter Müller-Thurgau. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Wein ist bald so billig wie Milch. Unfassbar eigentlich, aber irgendwie auch logisch. Dummerweise ist nach unten kein Ende in Sicht. Was wird wohl erst passieren, wenn ein mengenmäßig großer Jahrgang kommt? Ich will es mir nicht ausmalen. Das verrückte ist, dass es  selbst jetzt, bei diesen Preisen, immer noch einige Fasswein-Kollegen gibt, die ernsthaft behaupten, profitabel wirtschaften zu können. Das liegt vor Allem daran, dass das “Sich-Schönrechnen” eine handwerkliche Fähigkeit ist, die der Bauer beherrscht wie kein Zweiter.

100.000 Hektar Rebfläche stehen hierzulande. Und natürlich wird das nicht alles wildromantisch vom Winzer und dem freundlichen Fachhändler in der Flasche ab Hof vermarktet. Ein großer Teil wird im Fass gehandelt, per Vertrag oder auf dem Spot Markt. Manchmal wir die Qualität kontrolliert, manchmal nicht. Wein gibt es eigentlich immer irgendwo. Es gibt schlicht mehr, als getrunken wird. Selbst in kleineren Jahrgängen. Damit ist auch direkt klar, dass ein Ausweg aus dem Dilemma mal eben so schnell nicht sichtbar ist. Alle stecken irgendwie drin in dieser Spirale. Der Konsument will nicht viel zahlen, ergo auch die Kellerei nicht und der Winzer ist, bei derartigen Preisen, ebenfalls unmotiviert. Jeder schiebt die Schuld auf den anderen. Ähnlich wie bei der Milch. Oder dem Fleisch. Es ist immer die gleiche Leier. Leider. Und wenn es weniger Geld gibt, denkt sich der Winzer, dann mache ich eben noch mehr Fläche und kompensiere das Ganze durch mehr Menge. Die will am Ende aber auch keiner und schon schließt sich wieder der Kreis. Ein Ausweg ist kaum zu sehen. Was also tun?

Aktuell gibt es viele Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen. In Sachen Liebfrauenmilch, ich erwähnte es kürzlich, gibt es so eine Art halbstaatlichen Arbeitskreis. Witzigerweise sitzen da diejenigen mit drin, die viel dafür getan haben, dass es soweit gekommen ist, wie es gekommen ist. Egal. Die grundlegenden Fragen werden an andernorts beantwortet. Hoffentlich. Unser VDP.Präsident Christmann hat gute Ideen und Ansätze. Er will die Bezeichnungen vereinfachen und das Profil der Weine schärfen. Dazu ein anderes Mal mehr. Am Ende, glaube ich, hilft nur eines: Man muss sich auf das besinnen, was man am Besten kann. Wir können einiges hier:

Wir können außerordentliche Weißweine, vom Alltags- bis zum Spitzenwein. Wir können handwerklich einwandfrei hergestellte “Massenweine” für die Fläche ebenso, wie wir Grosse Gewächse können. Wir können aber nicht billig und schlecht und austauschbar. Das machen andere “besser”. Wenn einer Trauben produzieren kann, heißt das  im Übrigen noch nicht, dass er auch zwingend Wein produzieren und vermarkten kann. Wir können die Menschen für unsere Produkte begeistern – der VDP ist das beste Beispiel dafür. Da müssen wir weiter ansetzen. Das Profil muss geschärft werden und das geht nur miteinander. Was gar nicht geht, ist dieses ewige Geschimpfe auf die, die in der Fläche den Wein verkaufen. Wenn der LEH und der Discount morgen keine Lust mehr auf Deutschen Wein haben, können wir zumachen. Dann war es das mit den oben erwähnten 100.000 Hektar und der Weinkulturlandschaft. Ein Deutscher Wein im Regal in der Fläche für mehr als 5,00 Euro ist gut. Daran gibt es schlicht und ergreifend nichts zu kritisieren. Für mehr als 6,00 Euro ist das sogar schon sehr gut. “Gut” nicht, weil es toll schmeckt. “Gut”, weil es für den Deutschen Weinbau essentiell wichtig ist. Und wenn es dann noch “gut” schmecken sollte, ist alles toll…

3 Kommentare zu “Rauhe Zeiten…

  • Stephan

    “Wir können aber nicht billig und schlecht und austauschbar.” Das gilt nicht nur für deutschen Wein, dass gilt ebenso für deutschen Stahl und deutsche Autos. Während der deutsche Stahl einen Großteil der Strecke auf dem Weg der Restrukturierung schon zurückgelegt hat, ganze Stahlhütten nach China verkauft oder stillgelegt wurden und im Grunde nur noch Spezialstähle zu auskömmlichen Preisen in Deutschland produziert werden können, sucht die deutsche Autoindustrie zwischen Elektromobilität und Abgasmanipulation noch die Richtung, in die sie sich entwickeln will, hat aber im Grunde auch längst erkannt, dass billig, schlecht und austauschbar nicht funktioniert.
    Und der deutsche Weinbau? 100.000 Hektar Rebfläche könnten schlicht zu viel sein um auskömmliche Preise für mindestens gute und individuelle Qualitäten zu erzielen. Vielleicht muss ein Teil der Rebfläche einer anderen landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden. Vielleicht muss ein Teil der deutschen Winzerschaft auch einsehen, dass es eigentlich nur zum Weinbauern reicht. Es gibt aber auch Meldungen, die Hoffnung machen. Folgende erschien ausgerechnet am 1. April diesen Jahres, so dass ich zuerst an einen Scherz glaubte. Es ist aber Ernst:
    Das VDP-Weingut Ratzenberger kauft knapp 10 Hektar der Lage “Rheindiebacher Fürstenberg” (korrekt: Oberdiebacher Fürstenberg):
    “Die Investition – die Rede ist von einer dreiviertel Million Euro – ist zweifellos eine in ein Generationenprojekt: »Die gesamte Familie steht dahinter. Wir haben zwei Töchter, und die jüngere war mit ihren 14 Jahren sogar mit dabei bei den Verkaufsverhandlungen.« Diese langfristige Planung hat auch die Grundstückseigentümer überzeugt: Mit Ratzenberger berücksichtigten sie nicht den höchsten Bieter, sondern denjenigen, der das überzeugendste Gesamtkonzept vorlegen konnte.” https://www.falstaff.de/nd/paukenschlag-in-bacharach/
    Nicht Flachlage, wo man auch Zuckerrüben anbauen könnte, sondern aufwendiger zu bewirtschaftende Steillage in einer nachgewiesen erstklassigen Lage. Das Weingut verdoppelt damit fast seine Rebfläche und wird für mittelrheinische Verhältnisse zu einem sehr großen Weingut.
    Offenbar weiß man in der Familie Ratzenberger, was man mit Trauben und Wein anfangen will und ich hoffe auf deren Erfolg, der nicht nur für den Mittelrheinweinbau wichtig wäre. Eins können die nämlich nicht: billig, schlecht und austauschbar.

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  • Helmut Knall

    Ich hab’s immer schon gesagt. Geiz ist nicht geil, sondern deppert.
    Und auf lang Sicht tödlich. Wirtschaftlich.
    Gestern im hiesigen Einkaufszentrum nahe Verona: Wein in der 0,75l Flasche, weiss wie rot, saubere Austattung, ordentliche, trinkbare Qualität um 0,99 Euro. Ja, das können andere besser.
    Traurig, dass wir da angelangt sind.

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  • EC

    Ehrlich gesagt klingt für mich das Thema “billiger Wein aus D” ein bißchen nach “wie reite ich ein totes Pferd?” Dieses krampfhafte Festhalten an einem Segment, das keiner auf Dauer sinnvoll bedienen kann, es sei denn, er lebt gerne am oder unter dem Existenzminimum, ist in meinen Augen reichlich sinnlos. Zukunft hat der, der die Marktgegebenheiten geschickt für sich nutzt und seine Produkte entsprechend ausrichtet, da gibt’s ja genügend positive Beispiele. Im Zweifelsfall muß man eben auch loslassen können und ggf. ein ganz neues Pferd satteln. Wenn dann in Zukunft deutlich weniger Fläche als die ca. 100.000 ha mit Reben bestockt wären, was soll’s? Zumindest soweit der Schwund durch den Wegfall eines Teils der “kleinsten Lagen” begründet wäre. Um die qualitativ ansprechende Seite des Weins aus D marktgerecht mengenmäßig herstellen zu können, reicht wahrscheinlich deutlich weniger Fläche. Und den Leuten, die Wein für 2 Euronen oder weniger / Flasche trinken, ist es wohl eh reichlich egal, wo der Saft herkommt.

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