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Neuer Weinführer!

Wenige Dinge in der Weinwelt werden kontroverser diskutiert, wie Weinführer, Kammerpreismünzen und Wettbewerbe. Damit ist nun Schluss! Ab sofort gibt es ein neues einheitliches und gesetzlich geregeltes Bewertungssystem.

“Wir sind froh und erleichtert, nach all den Jahren des Durcheinanders nun ein sinnvolles und für alle gültiges System der Weinbewertung gefunden zu haben. 89 Punkte beim einen und 98 Punkte beim anderen Weinführer. Wer soll das verstehen? “, erklärt Minister Wissing gestern, anlässlich der Präsentation des neuen Projekts “Landesverordnung Weinführer” gegenüber zahlreichen Vertretern der Presse und des Weinbaus. “Nach langjährigen Verhandlungen und duchdiskutierten Nächten sind wir nun endlich so weit”, so der Minister weiter, “eine neue Ära der Weinbewertung beginnt!” Wie das Ganze bald aussehen soll, wurde anschaulich in einer zweieinhalbstündigen Powerpoint Präsentation erklärt.

Künftig gibt es ein “Neun-Sterne-System”, dass dem Konsument Klarheit darüber geben soll, was ihn im Glas erwartet. Dabei sind neun Sterne die Bewertungsbasis und je besser das Weingut wird, umso weniger Sterne stehen am Ende. “Die Sterne werden nicht etwa entfernt. Das könnte falsch verstanden werden”, erklärt der Vorsitzende des zuständigen Arbeitskreises, Gault Millau-Herausgeber und Chefredakteur Joel Payne, “sie werden quasi invers, sprich inhaltlich, leer”. “Neun leere Sterne, und der Konsument weiß sofort, dass es sich um einen außergewöhnlichen Wein der Spitzenklasse handelt”, fügt Marcus Hofschuster, Chefredakteur von “weinplus” hinzu. Auch er engagiert sich in diesem Projekt.

Wirklich bemerkenswert ist die Tatsache, dass tatsächlich annähernd alle Weinkritiker, Journalisten, Blogger und Publizisten, gemeinsam an diesem neuen System gearbeitet haben. Einzig die Zeitschriften “selection” und der “Weinwisser” haben sich nicht angeschlossen und beharren weiterhin auf ihre Sonderstellung als reichweitenstärkste Weinmedien.

Axel Biesler, selbst gelernter Winzer und beim “falstaff” zuständig für den Weinführer, erklärt: “Es war an der Zeit, alles zusammenzulegen. Das geht natürlich nur, unter neutraler Aufsicht.” So war die Idee einer länderübergreifenden “Landesverordnung  Weinführer” geboren. Minister Wissing stellte insgesamt 5,5 Millionen Euro für eine zweieinhalbjährige Machbarkeitsstudie zur Verfügung. “Der Steuerzahler ist hier in der Pflicht”, erklärt Wissing, “schließlich geht es hier um nichts weniger, als die Bewertung von Weinen”.

Die Teilnahme ist für alle Winzer verpflichtend. “Für uns war es wichtig, dass dieses Vorhaben auch tatsächlich überall ankommt und auch wirklich jeder mitmacht”, erläutert Steffen Christmann, Präsident des VDP. “Wer nicht mitmacht, muss mit empfindlichen Strafen, seitens der Behörden rechnen”, so der Präsident weiter. Überwachen wird das Ganze künftig eine direkt an die Weinkontrolle der Länder angeschlossenen Kommission. Wer den Gesamtvorsitz – und damit die Oberaufsicht – übernimmt, ist noch nicht final geklärt. “Wir sprechen derzeit mit zahlreichen Vertretern aus Politik UND Weinbau”, merkt Minister Wissing an. Er selbst präferiere Armin Diel. “Diel hat über Jahre beim Gault Millau gezeigt, wie es geht”, meint Wissing. Als weiterer heißer Favorit wird die noch amtierende Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, gehandelt. Sie bringe die notwendigen Führungsqualitäten mit, wird im Mininsterium kolportiert. Weitere mögliche, extrem geeignete, Kandidaten könnten aus dem Dunstkreis der “Hauptsache Wein” Gruppe auf Facebook kommen.

Besonders stolz waren die Beteiligten auf das zukünftige Prozedere der Weinbewertung. “Wir haben uns gegenseitig tief in die Augen geschaut”, erklärt Carsten Henn, ebenfalls Chefredakteur des “Gault Millau”, “und kamen schnell zu dem Schluss, dass wir das Prozedere der Landesweinprämierungen übernehmen”. Eine sinnvolle und wohl überlegte Entscheidung, denn schließlich gilt die Landesweinprämierung als herausragend im Markt akzeptiert.

Die neue Landesverordnung Weinführer, kurz “Der Führer” genannt, tritt mit dem anstehenden Jahrhundertjahrgang 2017 in Kraft. “Alle beginnen bei Null, das war uns wichtig”, umschreibt Gerhard Eichelmann vom gleichnamigen gelben Weinführer. “Das Rennen um die Krone beginnt und in fünf Jahren werden wir die ersten Nullsterner haben”, so der sehr positiv und freudig gestimmte Eichelmann.

Große Erleichterung war allen Beteiligten anzumerken. “Der Druck ist raus”, so Hofschuster. Ähnlich sehen es auch die anderen Beteiligten. “Selbstverständlich stellen wir zu Beginn unsere Expertise und langjährige Erfahrung zur Verfügung”, ergänzt Payne, “aber ab 2018 sind wir dann mal weg.” Die führenden Weinblogger signalisierten ebenfalls ihr Entgegenkommen und stellen ab 1. April 2018 ihre drei Blogs ab.

4 Kommentare zu “Neuer Weinführer!

  • Dr. Günther Emlein

    Sauwitzig!!!!
    Dass man noch originelle Scherze zum 1. April erfinden kann, gefällt mir. Meist sind sie einfältig und gewollt, aber nicht gekonnt. Das hier fand ich richtig Klasse! So geht guter Journalismus! Die Weinszene ist von Ehrfurcht erstarrt bis zur Langeweile, hier knallt es richtig wie an Silvester! Die gemachten Hobelspäne kommen natürlich in den nächsten Rotwein, Barrique kann sich ja nicht jeder leisten…
    Gruß in die Runde

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  • GutWein

    …nach einem frühsommerlichen Abendessen und dem Genuß einer entspr. Flasche besten Weines (2012er Trousseau “Singulier” von St. Tissot) glaubte ich geschätzte 10 Zeilen lang an diese eigentlich wunderbare Idee… – die Hoffnung zerstob. Macht nix!

    Hm, wäre eigentlich eine gute Idee, oder?! Aber sowenig wir Einheitswein schätzen, sowenig wollen wir doch DIE Weinbewertung!

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  • Helmut Knall

    Endlich! Eine hervorragende deutsche Lösung.
    Ich kämpfe mich gerade durch Italien, da gibt es inzwischen ca. 250 verschiedene Weinguides.
    Oh, sorry, 251. Bei der ProWein wurde ja gerade noch einer vorgestellt. Warum man einen italienischen Weinführer in Deutschland auf der ProWein am Kalabrien-Stand vorstellt? Tja, dazu war die ProWein zu kurz. Aber es war tatsächlich kein April-Scherz. Es bleibt lustig.
    Und der Würtz bekommt die güldne Artischocke für den besten Erstapril-Schreiber der Branche. Danke.
    Saluti aus dem Süden. Knalli.

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  • WS

    Super! So geht wahrer Journalismus!

    Diese Souveränität kann keiner toppen. Was so qualitätspresse-stylistisch überzeugend geschrieben worden ist, muss inhaltlich richtig sein. 100 % seriös. Kein Zweifel

    Damit wird dieser entsetzlich ehrabschneidende “Lügenpresse” – Vorwurf doch endlich aus der Welt geschafft.

    Riesen-Sache. Ehrlich. Soo groß! Alles wahr! Ihr könnt mit echt glauben!

    Dirk Würtz zum Präsident der Bundespressekammer! Wählt Würtz!! Einstimmig!!!

    Wie? Die Bundespressekammer gibt es nicht? Egal. Auf solche Kleinigkeiten kommt es doch gar nicht mehr an…

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