Alles über Wein und den Rest der Welt…

Von lieben Frauen und genervten Herren

Die ProWein ist vorbei, und wie immer war sie zu kurz und zu viel und zu lang und zu voll und zu leer und überhaupt “zu” was auch immer das Heer der dauernörgelnden Alleinstellungsmerkmalsucher so von sich zu geben hat. Geschenkt. Alles nix Neues. Spannend war sie für mich, denn ich gehe mit vielen Erkenntnissen nach Hause.

Wein ist irgendwie angekommen, Deutscher Wein sowieso. Nicht überall, aber an vielen Stellen. Vom reinen Wirkungsgetränk kaum zu unterscheiden und dafür eigentlich auch viel zu kompliziert, wird das Ganze doch Stück für Stück gesellschaftsfähig für die Massen. Wie anders ist es zu erklären, dass ALDI passend zur ProWein einen Pop-Up-Store eröffnet. Pop-Up und Discounter… wenn das mal kein Signal ist. In jedem Fall dürfte dem urbanen Hipster in dem Moment der Dutt verrutscht sein, als er zum ersten Mal von dieser Kombi erfuhr. Die Zeiten ändern sich. Es ist nicht mehr aufzuhalten.

Nicht aufzuhalten ist allem Anschein nach auch der Sinkflug der deutschen Weinexporte. Zumindest in der Menge. Im Wert steigen sie wohl. Was gar nicht einmal so schlecht klingt, ist natürlich so einfach nicht und hat massive Auswirkungen. Diese Woche kostete der Liter Müller-Thurgau im Fass 50 Cent. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wir nähern uns langsam den Milchpreisen an. Es bedarf keiner weiteren Erklärung, dass das nicht gut ist.

Leider sind wir Lichtjahre davon entfernt unsere 100.000 Hektar Weinberge hier im Land vernünftig in Flaschen vermarkten zu können. Der böse, böse Discounter und der böse LEH geben sich zwar Mühe, aber manches muss eben auch in den Export. Ein einstiger Exportschlager – die Liebfraumilch – schwächelt. Das ist wenig verwunderlich, denn was da teilweise in Flaschen abgefüllt wird, ähnelt einem weinhaltigen Getränk nur im Ansatz. Es sieht fürchterlich aus UND es schmeckt nicht. Warum das so ist, scheint keiner beantworten zu können. Nur das es so ist, darüber herrscht Einigkeit. Absurd!

Wenig für mich sinnvolle Antworten hatten diejenigen, mit denen ich während der ProWein über dieses Thema am Meininger Stand diskutiert habe. Wenigstens meinen sie aber zu wissen, wie man es ändern kann. Ein Konsortium muss her und eine gU Liebfraumilch – also eine Art Anbaugebiet – und überhaupt staatlich geregelt und dann noch mit einer Agentur beworben. Ach ja, und zwei Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz sollen auch noch fließen um das Ganze überhaupt erst einmal zu beleuchten. Steuergelder. Prima… Immer schön nach dem Motto. und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann gründe ich einen Arbeitskreis. Der geneigte Leser bemerkt bestimmt schon seit einigen Sätzen meine Aversion. Ich kann und will die nicht leugnen. Eine gU Liebfraumilch… ich frage mich, wie man auf so etwas überhaupt kommen kann. Wir haben ganz andere Sorgen. Und überhaupt, wie konnte es denn erst so weit kommen?

Natürlich muss etwas getan werden. Natürlich ist das Image der Liebfraumilch zerstört. Und gerade deshalb müssen da jetzt eben die ran, die damit nichts zu tun hatten. Aber bitte nicht staatlich verordnet und/oder gefördert. Initiativen sind gefragt. Von solchen, die den Markt und den Wettbewerb kennen. Der Hammel und ich, beispielsweise mit unserem kleinen Liebfraumilch Club, den wir gerade gegründet haben. Der wird ganz sicher den Deutschen Export nicht retten. Aber wenn er zum Nachdenken und Tun anregt, dann ist doch schon viel geholfen. Wenn nicht, dann eben nicht. Es kann aber hinterher keiner sagen, wir hätten es nicht versucht. Wer auf Facebook ist, findet das Ganze hier. Wer nicht auf Facebook ist, wird sich noch einige Tage gedulden müssen.

Dass das Ganze Sinn macht, hat mir übrigens die Probe mehrerer Weine aus der Kategorie Liebfraumilch gezeigt. Mertes hat einen, der heißt “winemakers choice”. Ein Wein aus der größten Kellerei Europas. Der war gut. Null Fehler, süffig und keinerlei Trinkwiderstand. Im Gegenteil! Es geht also. Auch in ganz großen Mengen. Und der vom Hammel geht sowieso. Den sollte man mal probiert haben. Andere wiederum zeigen, dass es eben nicht geht. Lieblos zusammengerührtes, seelen- und geschmackloses Zeug von genervten älteren Herren, denen es völlig egal ist, ob das passt oder nicht. Hauptsache die Marge stimmt. So war das nix und so wird das auch nix mehr werden. Da hilft dann weder ein Konsortium, noch eine gU.

Geworden ist die Sache mit den Orangeweinen. Nebenbei bemerkt. Das hat mir eine weitere Diskussion auf der ProWein gezeigt. Orange ist irgendwie normal – außer für die, die nicht wollen. Wobei ich besser sagen sollte: die andere Art Wein  zu machen wird immer normaler. Wenn die ganze Orange und Naturweingeschichte eines ausgelöst hat, dann ist es die Bereitschaft nachzudenken und sich mit Dingen zu beschäftigen, die anders sind. Maischestandzeit, etwas Maischegärung, BSA, wenig Schwefel. All das ist beinahe schon Standard in der herkömmlichen Weinbereitung für Spitzenweine geworden. Das konnte ich bei der Diskussion erkennen und das sehe ich regelmäßig, wenn es um VDP.GROSSE GEWÄCHSE geht. Natürlich sind das nicht auf einmal alles Orangeweine oder dergleichen. Aber gerade einige Komponenten kommen doch immer häufiger zum Tragen. BSA beim Riesling ist auf einmal kein Sakrileg mehr. Und wo ich hinhörte, die Nachfrage nach diesen anderen Weinen steigt. Das freut mich. Und wie!

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