Alles über Wein und den Rest der Welt…

Ein Holländer im Burgund

Schon einmal etwas von der Domaine de la Monette gehört? Nein? Macht nichts, ich kannte die auch nicht. Die Bourgogne bietet doch noch einige Überraschungen. Man muss sie nur suchen…

Die Geschichte klingt beinahe schon klassisch: Gelangweilter und restlos vom Beruf enervierter ITler verkauft seinen Laden und weil er schon immer ein Faible für Wein hatte, kauft er sich eben ein Weingut. Das ist nicht wirklich neu, trotzdem immer wieder spannend. In diesem Fall geht es um den Niederländer Roelof Ligtmans-Steine und sein Frau Marlon.

Nicht nur die Passion für Wein war da, sondern auch ein Vorliebe für Frankreich. Die beiden hatten ein Ferienhaus in Morvan. Was für den Deutschen Mallorca ist, ist für viele Niederländer Morvan – abseits vom Ballermann, versteht sich. Nach dem Verkauf seine Firma suchten er und seine Frau ein Jahr lang das passende Objekt. Dass das Weingut im Burgund sein muss war klar, von Anfang an. Beaune und Umgebung war zu teuer, das wurde ebenfalls schnell klar. Die Preise die hier aufgerufen werden sind so astronomisch wie illusorisch zugleich. Und so landeten die beiden in Mercurey. Südlich von Beuane, in Richtung Macon an der Côte de Chalonais. Hier ist die Welt – in Sachen Preise – noch einigermaßen in Ordnung.

Auf La Monette wurde im Jahr 1995 zum letzten Mal Wein gemacht. Die Weinberge waren verpachtet, die Gebäude restlos heruntergekommen. Ein großes Projekt. Die beiden gingen es an. Gründlich! Dabei machen es die Franzosen Quereinsteigerin nicht unbedingt leicht. Wer ein Weingut betreiben will, muss Winzer sein. Roelof musste die Schulbank drücken und begann eine Ausbildung zum Winzer. “Dabei wurde mir schnell klar, dass ich biologisch arbeiten will”, erklärte der jugendlich und dauerfröhlich wirkende “Weinmigrant”. Auf den eineinhalb Hektar, auf denen die beiden begannen wurde also alles von Anfang an ökologisch bewirtschaftet. Seit 2010 ist das Weingut zertifiziert. Mittlerweile bewirtschaften sie sechs Hektar. “Mir war schnell klar, dass eineinhalb Hektar nicht langen”, erklärt Roelof. Durch die Lehmann Krise brach für einige Kollegen im Burgund der Weinabsatz in den USA zusammen. Roelof konnte auf einmal günstig Weinberge kaufen. Des einen Freud, des anderen Leid. So läuft es in der Marktwirtschaft. Und er plant noch eine Hektar hinzuzunehmen.

monette1Wie man im Burgund empfangen wird, will ich von ihm wissen. Noch dazu als Ausländer und das im so konservativen Weinbau. Er lacht. Nein, er strahlt. Und dann sprudelt es aus ihm heraus. Voll integriert sei er, geradezu gefreut hätten sie sich als er kam. Tipps gab es ohne Ende. Und Hilfe. Jetzt gibt er zurück. Er ist enorm engagiert in der Gemeinde, organisiert maßgeblich das St.Vincent Fest – eine Art Erntedank. Das größte im Burgund mit Tausenden von Besuchern. Der ganze Ort ist geschmückt. An unzählige Tannenbäumen hängen Tausende von selbst gebastelten Blumen.  Typisch französisch, leicht übertrieben, aber herzlich. Und er bringt seine Expertise als ehemals erfolgreicher Unternehmer ein. Er lebt in Mercurey, er lebt es quasi. Das wird überdeutlich. Und seine Weine leben das auch. Sie sind auf eine gewisse Art euphorisch. Das macht es gerade mir so sehr sympathisch.

Der einfache 2015 Bourgogne Aligoté “Les Potets” für um die neun(!) Euro ist ein wunderbar frischer und restlos unkomplizierter “Spaßwein”. Fest in der Struktur und trotzdem beinahe spielerisch. Trinken und Spaß haben. Ganz anders, aber nicht weniger gut, ist der 2015 Mercurey blanc “Les Obus”. Unglaublich dicht und reif, ein Hauch von Holz, Mund wässernd und mit einer feinen Säure. Die Weißweine sind schlicht fein und typisch. Die Rotweine brillieren sogar.

monette3Der 2014 Mercurey “Les Sauts Muchiau” ist ein Wein mit enorm viel Potenzial. Etwas minzig und Anklänge von Weihrauch, tolle reife Tannine und eine annähernd perfekte Säure. Viel Wein für gerade einmal 15 Euro. Und was das Potenzial der Weine Roelofs angeht, zeigt der 2011 Mercurey “Les Bourguignon” eindeutig wo der Hammer hängt. Extrem kühl wirkend mit einem Hauch von Filz und Erdbeere, steht der Wein wie eine Eins im Glas. Ganz klassisch wirkt er, enorm saftig ist er und ellenlang. Fantastischer Stoff, ich kann es gar nicht anders sagen. Der Preis ist geradezu lächerlich. 14,00 Euro ab Weingut. Mehrere Kilometer weiter nördlich, würde ein vergleichbarer Wein ein Vielfaches kosten!

In Deutschland gibt es die Weine hier. Man muss sich aber erst registrieren.

 

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