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Eltz – eine Legende

Weingüter kommen und gehen. Manche vermisst man mehr, andere weniger. Schmerzlich vermisst wird sicherlich das Weingut der Grafen von Eltz in Eltville.
Eltz Weine haben einen Ruf wie Donnerhall in der Weinwelt. Wer gereifte Rieslinge mag, wer große gereifte Rieslinge mag kann gar nicht anders als ein Eltz-Fan zu sein. Seit 1976 existiert dieses Weingut nicht mehr, und genau dieses „40-jährige Jubiläum“ war der Grund einer großen Probe.

eltz2Was die Probe besonders machte, war die Anwesenheit des Grafen Karl Graf Eltz mitsamt Gemahlin und drei Söhnen. Eine Premiere sozusagen. Abgerundet durch den ehemaligen Wirtschaftsdirektor des gräflichen Weingutes Günther Ringsdorf und einem der großen Kenner der gesamten Thematik, den Weinkommissionär Joachim „Agi“ Ress. Mehr Kompetenz in Sachen Eltz an einem Tisch zu versammeln ist wohl kaum möglich. Zumindest dann nicht, wenn es um Informationen aus erster Hand geht. Ich gebe es gerne zu, ich war schwer beeindruckt.

Warum es das Weingut nicht mehr gibt ist eine längere und komplexere Geschichte, die es demnächst in der „Efillee“ von mir zu lesen gibt. In der Kurzversion, die der ganzen Sache sicherlich nicht zu 100 Prozent gerecht wird, geht sie ungefähr so: das Weingut war in Schieflage – wie so viele andere adelige Weingüter im Rheingau auch. In der Regel frisst spätestens das Dach der Burg das Geld auf. Und wenn man von den umliegenden Bewohnern keine Steuern mehr erheben kann, wird es eben schwierig. Dazu kam ein extrem schlechtes Investment in die Warenhausgruppe „sb-Mehrwert“. Deren Niedergang ein veritabler Skandal und Wirtschaftskrimi war.

Zum Glück für den Grafen – und die gesamte Region – kam die Rettung in Form des geplanten vierspurigen Ausbaus der Bundesstrasse. Diese sollte durch Eltville, direkt am Rhein und entlang der Eltz´schen Burg gehen, was ein Desaster gewesen wäre. Für dei Region und den Grafen. Der Graf verkaufte seine ganzen Weinberge dem Land und stellte so zum Einen sicher, dass die Strasse eben nicht am Rhein entlang gebaut wurde, sondern um Eltville herum geführt werden konnte. Zum Anderen waren die Erlöse wohl gut genug, um den wirtschaftlichen Schaden, der durch die „sb-Mehrwert“ Pleite entstand abzufangen. Das Weingut war damit allerdings Geschichte. Alles in Allem kein ungewöhnlicher Vorgang in der Marktwirtschaft. Der eine kommt, der andere geht.

Was relativ normal klingt, ist für den Weinfreund natürlich ein Desaster. Es ist absehbar, dass es irgendwann keine Eltz Weine mehr geben wird. Auf 15.000 bis 20.000 Flaschen schätzten der Graf und die versammelten Experten den weltweiten Vorrat noch ein. Das ist nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, wie beliebt das Ganze ist. Freilich verfügt der Graf noch über eine Schatzkammer. Die ist legendär – und fest verschlossen. Leider. Dem Eltz Freund bleibt also nichts anderes übrig, als zu kaufen, was der Markt noch hergibt. Hamsterkäufe. Dass sich das lohnt, hat die Probe beeindruckend gezeigt.

eltz5Eltz war zu seiner Zeit eine Benchmark, ein Leuchtturm in Sachen Qualität. Unangefochten an der Spitze im Rheingau und auch in der restlichen Republik immer unter den Besten. Ein Preis nach dem anderen wurde gewonnen und irgendwann kam der dezente Hinweis, man möge doch einmal bei diversen Prämierungen pausieren, die anderen müssten auch einmal eine Chance haben. Dabei reden wir natürlich von Weinen, die nicht trocken waren. Das war die große Expertise derer von Eltz. Ab Kabinett aufwärts wurden quasi Legenden produziert. Legenden, die heute noch im Glas stehen, wie eine Eins. Und damit jeder weiß, was ihn erwarten könnte, hier die ausführlichen Verkostungsnotizen. Noch eine kleine Anmerkung: 1976 bis 1979 wurde die Weine von Ringsdorf bei Langwerth von Simmern produziert. Das war quasi die Phase der Abwicklung. Aus diesem Grund steht auf den Etiketten auch nicht mehr “Gräflich Eltz´sche Güterverwaltung”, sondern “Güterverwaltung Schloss Eltz”.

eltz31947 Eltviller Mönchhanach Riesling Kabinett
Goldgelb im Glas, etwas rauchig und tabakig. Sehr schlank und jugendlich wirkend, dabei präzise, geradlinig und sauber. Hoher Trinkfluss!

1962 Eltviller Klabspflicht Riesling Kabinett
Viel Heu, Stroh und Beichtstuhl – wer mal in einen drin war, weiß was ich meine. Die Säure steht wie gemeißelt und verleiht dem Wein eine enorme Frische. Keinerlei Anzeichen von Müdigkeit. Großes Kino aus einem typischen “neidischen Jahrgang”

1979 Rauenthal Rothenberg Riesling Kabinett
Wirkt, auch wenn das komisch klingt, noch sehr unruhig.Nicht unbedingt ausgewogen und eher grün und kurz. Einfach aber ok.

1953 Kiedricher Sandgrub Riesling Spätlese
Riecht etwas nach nassem Holz, Unterholz und Pilzen. Mit der Zeit kommt viel Minze dazu. Der Wein ist sehr hell und wirkt extrem trocken. Tiptop im Zustand, ultra frisch und einfach nur wunderbar zu trinken!

1964 Rauenthaler Baiken Riesling Spätlese
Aus diesem fantastischem Jahrgang kommt ein beinahe bernsteinfarbender Wein, der so konzentriert und dick ist, dass das Prädikat Spätlese wie eine eher deplazierte Tiefstapelei wirkt. Es gibt kaum ein Zweifel daran, dass das Ganze eigentlich eine  Beerenauslese war und abgestuft wurde. Die grandiose Säure trägt den Wein maßgeblich mit und Alles in Allem ist das Ganze extrem lang und tief. Ein Monument, ein dickes!

1975 Eltviller Sonnenberg Riesling Spätlese
Nicht ganz klar, etwas pilzig wirkend mit Nuancen von Minze und Paprika. Im Geschmack hingegen extrem straff und frisch wirkend. Das Alter ist dem Wein nicht anzumerken. Er wirkt extrem stabil und zeigt ganz am Ende sogar noch so etwas wie Finesse.

1959 Rauenthaler Gehrn Riesling Auslese
Nussig, rauchig und ein Hauch von Filz – wie bei Tennisbällen. Mit der Zeit kommen Kaffee- und Schokoladenaromen, kandierte und karamellisierte Früchte und Honig. Ein großer Wein, ein ganz großer mit einer schier aberwitzigen Länge

1696 Rauenthaler Baiken Riesling Auslese
Riecht im erstem Moment nach kaltem Kamin. Die Säure steht beinahe extrem vor und das Ganze wirkt sehr kühl. Ein eher leichter und feiner Vertreter

1971 Rüdesheimer Berg Roseneck Riesling Auslese
Sehr hochfarbig und im Geruch an Zedernholz erinnernd. Dazu weiße Blüten und Rosenwasser. Elegant ohne Ende und dabei irgendwie orientalisch anmutend. Erinnert an Curry und Pfirsich. Toll!

1970 Eltviller Sonnenberg Riesling Eiswein Auslese
Sehr fein, an Nimm2 und rote Früchte erinnernd. Tolle Textur, wunderbar ausbalanciert. Wie immer in solchen Jahren – größere Menge, viele Kabis – perfekt für Eiswein

1972 Eltviller Sonnenberg Riesling Eiswein Auslese
Extrem hochfarbig mit Röstaromen und einem Hauch von Brühwürfel. Etwas oxidierter, als alle anderen. Im Geschmack allerdings eher frisch und lebendig und fein und elegant

1973 Eltviller Sonnenberg Riesling Eiswein Beerenauslese
Ein Feuerwerk an Karamel und Pfirsich. Nach einigen Momenten kommt die Säure angeschossen und gräbt sich tief rechts und links in die Zunge. Extrem frisch und jugendlich und schlicht grandios. 1973 war eine spannendes Jahr. In der Säure vergleichbar mit 1996, das heißt es wurden edelsüße Weine für die Ewigkeit produziert. Man nennt den Jahrgang übrigens auch den “Schwimmbadjahrgang”…

1970 Eltviller Sonnenberg Riesling Beerenauslese
Eher ockerfarben mit viel Minze und weißem Pfeffer. Schlank und in der Säure sehr fein, gar nicht dick und breit.Ein großer Wein für dieses Jahr

1973 Eltviller Sonnenberg Riesling Beerenauslese
Sehr hochfarbig und im Geruch deutlich zurückhaltend. Wirkt ziemlich breit und eher süßlich. Die gewohnte Finesse fehlt und eine leicht laktische Note macht das Ganze noch breiter

1976 Eltviller Sonnenberg Scheurebe Beerenauslese
Den Wein gab es außer der Reihe. Er hat eine ganz fantastische Länge und Dichte und enorm viel Zug. Wenn man weiß, dass es Scheu ist, schmeckt man es. Wenn nicht, dann nicht… Feinstes Bitterle am Ende.

1962 Eltviller Sonnenberg Riesling Trockenbeerenauslese
Beinahe kaffeebraun und nicht mehr ganz klar. Erinnert an Haribo Colorado.Super konzentriert und unendlich lang. Ein Potpourri aus tropischen Früchten, gepaart mit einer extrem feinen und animierenden Säure. Groß!

Anmerkung:
Alle Weine kamen aus dem gräflichen Keller

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