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Jahrgang 2016 – (m)ein erster Eindruck

Selten habe ich so vor einer Ernte gezittert wie in diesem Jahr.Eigentlich noch nie, ehrlich gesagt. Schuld war das Wetter, der Regen und der fasche Mehltau.

Das Jahr 2016 werde ich ganz sicher so schnell nicht vergessen – aus mehreren Gründen. So viel Regen zur falschen Zeit, so viel falscher Mehltau – eine Infektion nach der anderen – und die damit einhergehend Befürchtung alles zu verlieren. Fürchterlich. Ich kannte das in dieser Form bisher nicht und möchte es auch bitte nicht mehr erleben müssen. Mein ewiges Motto ist zwar “Einfach kann jeder!”, aber man kann es auch übertreiben mit den Herausforderungen. Und das Ganze auch noch  in dem Jahr, in dem wir komplett und zertifiziert auf Öko umstellen. Schlimmer hätte es kaum noch kommen können. Theoretisch…

Wie sehr die Theorie oftmals von der Praxis entfernt ist, zeigt 2016 beeindruckend. Meine Angst war unbegründet. Wir haben zwar sehr wenig Pinot Noir geerntet, leider. Beim Riesling hingegen sieht es bisher gar nicht so schlimm aus, wie befürchtet. An manchen Stellen hängt zwar extrem wenig, an anderen dafür wieder deutlich mehr. Alles ist irgendwie in der Balance – und das ist gut so. Die Moste schmecken prima, auch das ist beruhigend. Über die Qualität lässt sich freilich wenig sagen. Eines muss ich allerdings anmerken, auch auf die Gefahr hin ein wenig vorschnell zu sein: ich habe selten so schöne Trauben gesehen, wie in diesem Jahr. Irre!

Die Säuren sind ziemlich niedrig. Das Ganze könnte also ein konsumentenfreundliches Riesling-Jahr geben. Säure ist ja nach wie vor das, was den meisten Leuten zu schaffen macht, wenn es um Riesling geht. Das wird 2016 sicherlich nicht zum Problem. Wer jetzt daraus ableitet, dass eine zu niedrige Säure ein Problem geben könnte, dem sei direkt gesagt, dass dies nicht der Fall ist. So niedrig ist sie auch wieder nicht.

Vorletzte Woche hat es zwar gewaltig geregnet, aber die Tatsache, das es extrem kalt wurde, entschärft das viele Wasser das da kam auch wieder. Natürlich sieht man jetzt immer häufiger Trauben, die aufplatzen und beginnen erste Anzeichen von Botrytis zu zeigen. Auch das ist relativ überschaubar und normal und kein echter Grund zur Sorge. Ja, ich bin ziemlich entspannt im Moment. Das kann sich natürlich noch ändern, keine Frage… Ich hoffe aber mal, mein Gemütszustand bleibt so, wie er jetzt gerade ist.

Dass es auch anders geht, sehe ich jeden Tag. Nicht jeder hatte Glück in diesem Jahr. An Manchen Stöcken hängt nicht eine einzige Traube und das liegt nicht daran, dass die früher geerntet wurden… Dieses Jahr hatte alles zu bieten. Regen, Frost und Hagel. Ein veritabler Horror. Und deswegen sind meine Gedanken und besten Wünsche ganz besonders bei meinen Kollegen, die es ganz schlimm erwischt hat. Beispielsweise Uwe Schiefer. Der steht vor dem Totalverlust. Ein fürchterliches Szenario, welches keinem zu wünschen ist. Damit er sein Weingut nicht zumachen muss, hat er ein Crowdfunding gestartet, das ich gerne unterstütze. Wer helfen will, hier gibt es alle Infos!

6 Kommentare zu “Jahrgang 2016 – (m)ein erster Eindruck

  • Daniel Bayer

    Klingt nach einem harten Kampf! Wie hast du dich dieses Jahr gegen den “falschen Mehltau” zur Wehr gesetzt? Welche Mittel und Maßnahmen hast du eingesetzt? Gerade Bio Betriebe haben es da ja nicht leicht und werden hinsichtlich ihrer einzusetztenden Pflanzenschutzmittel, starkt eingeschränkt. Allein auf Kupfer zu setzten wird wohl nicht aureichen?

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    • Dirk Würtz Post author

      @Daniel Bayer
      Kupfer und viel zur Pflanzenstärkung. Das A und O war aber der Zeitpunkt. Einmal verpasst und es war aus. Wir kamen im Pinot mal zu spät und das war es dann auch gewesen.

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  • Henrik Bergemann

    Sehr geehrter Herr Würtz, nach Ansehen des verlinkten Films zum Crowdfunding vom Weingut Schiefer hatte ich eigentlich nicht den Eindruck, dass es dabei darum geht, die Schliessung des Weingutes zu vermeiden…

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  • Sigbert Frisch

    Wie hoch ist denn aktuell bei Euch die Säure beim Riesling? Wie hoch sind die Mostgewichte? Und was erwartet Ihr realistischerweise?

    Ich drücke Euch jedenfalls die Daumen,
    Sigbert

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    • Dirk Würtz Post author

      @Sigbert
      Mostgewichte sind aktuell zwischen 88 und 94 und die Säure zwischen 7,5 und 9,5

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  • Wein-Phantasien

    Hallo Herr Würtz,
    erstmal Kompliment für den inhaltlich sehr ansprechenden Blog.
    Gelten die beschriebenen widrigen Bedingungen in diesem Jahr für den Großteil der Weinerzeuger im Rheingau oder hat es Ihr Weingut sehr lokal und punktuell getroffen?

    Bester Gruß
    Boris

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