Alles über Wein und den Rest der Welt…

Grosse Gewächse 2015 – Teil 2

Es geht ohne Umschweife direkt weiter…

Mosel- Riesling

Mein heutiger Tag beginnt mit einem 5er-Flight Heymann-Löwenstein. Es ist neun Uhr. Also ziemlich früh. Aber was mir da beim in das Glas riechen bereits entgegenweht, lässt mich direkt wohlig erschaudern. Der Kirchberg ist eher der Purist. Stahlig und fest. Der Stolzenberg hat mehr Kraft und die Säure ist pointierter. Der Röttgen strahlt aus dem Glas und im Mund und brennt sich ein. Der Uhlen Blaufüsser Lay” hat einen wunderbaren und ganz feinen Stinker und wirkt mächtig, dabei zieht eine großartige Phenolik am Gaumen. Und schlußendlich rundet der geradezu feinstofflige Uhlen “Laubach”, mit etwas mehr Zucker das Ganze ab. Eine bärenstarke Kollektion. Weine mit grandiosem Potenzial und enorm viel Spaß! Herausragend!

Es sieht so aus, als sei das eine gute Idee gewesen, den Tag  mit der Mosel zu beginnen. Clemens Busch lässt meine freudige Erregung weiter steigen. Der Marienburg mit seiner zarten, beinahe schon femininen Anmutung, dem Anklang von gelben Früchten und dem feinen aber festen Kern, setzt bereits zu Beginn ein deutliches Zeichen. Der Marienburg “Rothenpfad” ist noch fester, zupackender und enorm saftig. Der Marienburg “Fahrlay” wirkt noch etwas saftiger und animierender und bereits deutlich fertiger. Straff einerseits, den Mund wässrig machend andererseits. Und final setzt der expressive und sehr konzentrierte Marineburg “Falkenlay” dem Ganzen die Krone auf. Auch hier kann man nicht anders, als von einer grandiosen Kollektion mit herausragendem Potenzial zu sprechen. Großartig!

Ich bin großer Loosen Fan, das ist bekannt. Und das Treppchen bestätigt mich direkt darin. Kräuterwürzig, etwas cremig und mit einer wunderschönen Balance und weichen Säure. Toll! Der Prälat gewohnt ausdrucksstark, aber in diesem Jahr auch eine Spur runder, cremiger, fertiger, kräftig in der Anmutung. Der Würzgarten ist, so erscheint es mir wenigstens, als solcher sofort erkennbar. Sehr ausdrucksstark, etwas süßer als sonst, meine ich, aber extrem schlüssig und harmonisch. Die Sonnenuhr wirkt zwar nich sehr verschlossen, lässt aber großes erahnen. Looses herausragender 15er Kollektion wird bestens abgerundet durch den Domprobst. Trocken, stofflig, fest und tief!

Hier steht eine, aufgepasst, “2014 Wehlener Sonnenuhr Alte Reben Reserve GG” von S.A. Prüm. Ein guter, ein hervorragender Wein. Aber was ist das für eine Bezeichnung? Und trocken ist der Wein auch nicht… Wie gesagt, ein toller Wein, aber den gesamten Rest verstehe ich nicht. Wegelers Sonnenuhr tröstet mich darüber hinweg. Saftig, animierend. Gut. Gleiches gilt für den Josephshöfer von Kesselstatt. Macht Spaß, ein hervorragender Wein.

Liesers Himmelreich ist so ungemein elegant, so fein und dabei doch so stoffig. Extrem vielschichtig mit wunderschönen Zitrusaromen. Ein phänomenaler Wein! Fest in der Struktur und dennoch extrem animierend. Groß!

Die Juffer von Fritz Haag ist bärenstark. Tief, dunkel, extrem salzig, fest und lang und irgendwie so, als ob man alles sofort austrinken müsste. Wenn man dürfte. Also ich…

Haarts Goldtröpfchen ist ein Anwärter auf meinen Lieblingswein. Dicht, mineralisch (ich habe es benutzt, dieses böse Wort) und mit enorm viel Potenzial! Spielerische Leichtigkeit, gepaart mit viel Seriosität. Ein phänomenaler Wein. Und dann noch der Grafenberg. Absolut trocken, toller Zug und tolle Länge. Fest und dicht und dabei null aufdringlich. Zwei ganz herausragende und große GGs von Haart. Und dann noch der Ohligsberg, man könnte fast meinen der hätte Tannine. Irre. Dabei auch wieder absolut trocken mit moderater Säure und irgendwann – garantiert – enormen Trinkfluss. Châpeau für die tolle Kollektion, ohne Zucker und ohne dabei auch nur im Ansatz plump zu sein!

Schloss Liesers Niederberger Helden ist, wie schon die Jahre zuvor, ein Held. Im wahrsten Sinne des Wortes. So viel Stoffigkeit, so viel Saftigkeit so eine wunderschöne gelbe und zeitgleich würzige Frucht. Fantastisch!

Van Volxems Goldberg… stringent, unglaublich reif, großer Stoff. Volz wirkt im ersten Moment verschlossen, aber nur in der Nase. Im Mund eine unfassbare Kühle Anmutung, dabei lang und saftig. Und der Scharzhofberger thront über allen mit seiner monumentalen Ausstrahlung. Null Fett, nur Eleganz und eine Art Druck, die vom ersten  Moment an packt. Bliebt extrem lange am Gaumen und erzeugt eine warmes und wohliges Gefühl!

Der Altenberg von Othegraven ist kein Wein auf den ersten Blick. Beim zweiten oder dritten aber schon. Sehr verschlossen ist er noch und am Anfang lässt er nur erahnen, was da noch kommt. Aber dann kommt es. Da steckt ein großes Gerüst drin. Einer für in den Keller – so wie es eigentlich sein muss. Der Bockstein ist ganz anders. Offen, beinah tropisch in der Fruchtanmutung und dabei sehr klar. Brillant!

Die Kupp von Lauer würde ich wohl mittlerweile auch blind erkennen. So viel Frische wie in diesem Jahr, hatte er aber bisher noch nicht. So was animierendes, ich würde am liebsten die Flasche nehmen und mich in die Sonne setzen und sie leert trinken. Der Schonfels ist Wahnsinn. Stark. Hammer. Tief gestaffelt, so viele geschmackliche Ebenen, wie ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Enorm lang, dicht im Kern, am Gaumen quasi angekettet. Ein ganz grosses Grosses Gewächs. Und dann noch der Saarfelser mit seiner Würzigkeit, seiner herben Stringenz und einem wunderbaren Bitterle. Fantastisch. Lauer marschiert weiter unaufhörlich Richtung absolute Spitze. Was für ein großartiger Winzer!

Mit dem warmen und fruchtigen (Cassis) Abtsberg, der ewig lang am Gaumen steht und dem beinahe schon prickelnden Herrenberg – eine Wein, der auf der Zunge tanzt, zeigt Maximin Grünhaus – von Schubert warum sie völlig zu Recht im VDP sind. Die Weine gehören zur Spitze.

Fazit: Die Mosel schießt in diesem Jahr den Bock ab. Für mich ist das die homogenste und beste Kollektion in Sachen GGs. Es fehlt schwer einen besonders herauszuheben. Es ist schlicht und ergreifend beinahe flächendeckend fantastisch! Ich überlege die Tage noch einmal, wer denn am Ende mein Favorit sein könnte…

Mittelrhein – Riesling

Saftig und jetzt schon sehr trinkig ist Müllers Engelstein. Ein eher dickerer Vertreter, aber sehr seriös. Sehr gerade, glasklar sind die beiden Ratzenberger Weine. Der St. Jost eher auf der fruchtigen und die Wolfshöhle mehr auf der festen und phenolischen Seite. Beides sehr gut. Im Hahn von Jost ist der kräuterwürziger Vertreter. Alles sehr homogen.

 

Ahr – Spätburgunder

Meyer-Näkels Kräuterberg punktet mit seiner feinen Säure, seinen extrem reifen Tanninen und einer beinahe schon herben Schönheit. Unnahbar wie eine Diva, aber toll. Der Pfarrwingert wird dominiert von weißem Pfeffer und Röstaromen – ein spannende Kombination. Sehr verschlossen noch, aber man kann durchaus erahnen, wohin die Reise geht. Stoddens Hartberg riecht nach Bitterschokolade (mein Nachbar meint Nussschokolade…). Ein extrem ruhender und fester und verschlossener Wein. Ähnlich der Mönchberg vom Deutzerhof. Allerdings hat der Aromen von Minze und Speck.

 

Rheinhessen – Spätburgunder

Was sich bereits im letzten Jahr andeutete, setzt sich in diesem Jahr fort. In der ehemalig berühmten Pinot Destination Ingelheim tut sich was im Hause Neus. Ein sehr kühler Pares, dicht und fest – und ein sehr seriöser, in der Anmutung unmoderner Horn. Zwei sehr eigenständige Weine, die zeigen, dass es auch ohne Überkonzentration geht. Sehr gelungen.

Kranzberg von St. Antony lässt schon geruchlich viel erahnen. Kühl in der Anmutung, elegant, keinerlei Übertreibung, großes Pinot Kino. Und der Paterberg top mit seiner fantastischen Säure das Ganze noch etwas.

Gutzler beide Pinots sind extra kühl – das mag ich. Das Brunnenhäuschen ist der kräftigere der beiden. Die Säure beim Morstein ist perfekt, der ganze Wein schlicht extrem elegant. Null Fett, null holzlastig, klasse.

Keller ist eine Liga für sich, auch beim Pinot. Getragen von einer grandiosen Säure, hat der Wein eine seidige Samtheit, eine Eleganz, wie sie hierzulande selten zu finden ist. Es zeigt sich wieder einmal, dass solche elegante Monumente annähernd nicht zu topen sind. Keller macht es vor. Wie immer!

 

Pfalz – Spätburgunder

Der 2013 Kirschgarten von Kuhn steht im Glas wie eine Eins. Auch hier wird deutlich, wie sehr Säure einen Pinot nach vorne bringt. Extrem frisch und elegant und mit hohem Trinkfluß.

2011 Im Sonnenschein von Rebholz ist extrem konzentriert, ohne dabei langweilig zu sein. Die Säure steht, die Tannine sind reif, der Wein am Beginn einer Trinkphase, ellenlang und extrem tief gestaffelt. Großer Stoff!

Becker stellt drei Weine vor. Alle drei sind großartig. Der 2013 Heydenreich spielt auf der Zunge. Die Säure vibriert, die Gerbstoffe reiben, alles ist in einem Fluß, Überkonzentration und Schokoröstaromen sind Fehlanzeige. So geht Pinot! Der 2013 Kammerberg bringt viel Druck mit, aber den puffert die Säure und der 2013 Sankt Paul, mit seinen seidigen Struktur hat den Saft. Drei eigenständige und große Vertreter dieser wunderbaren Rebsorte.

 

Franken – Späturgunder

Zweifelsohne gehört Fürst zu den Granden des Pinots in Deutschland. Das zeigt er auch in diesem Jahr. Der Schlossberg ist kraftvoll, dicht und fest in seiner Struktur. Noch sehr verschlossen, aber das gehört bei einem 14er auch so. Der Centgrafenberg mit seiner feinen Grafitnote ist etwas verspielter, vielleicht auch eleganter und die Säure ist präsenter. Der Hundsrück ist gewohnt tief, etwas weicher, sehr rund und ausgewogen. Die Säure spitzelt sich an den Seiten durch. Hammerwein!

Der Schlossberg von Baltes hat all das, was ich von einem Pinot erwarte. Finesse, keinerlei Überkonzentration, nix mit Schoko und Co. Allerfeinste Säure, grandioses Länge – der hört nicht auf zu schmecken! Und schlußendlich Luckert, mit einem ganz eigenen, sehr natürlich wirkenden Stil,der mir extrem entgegenkommt.

Fazit: Die Franken können auch in 2014 Pinot. Und wie!

 

Rheingau – Spätburgunder

Künstler setzt 2014 im Reichestal auf Frische und Säure, das macht sehr viel Spaß. Die Hassel von Lang ist dicht und saftig.

Der Berg Schlossberg von den Staatsweingütern hat das Zeug zu einem Monument. Säure, wunderbare Gerbstoffe, Kühle und feinste Frucht. Riesenpotenzial! Noch monumentaler ist der Höllenberg. Eine faszinierendsten Herkünfte für Pinot in Deutschland. Unverkennbar. Cassis bis zum Anschlag, Stringenz und Länge und Potenzial für Jahrzehnte. Ein großer Wein!

 

Württemberg – Spätburgunder

Dautels Schupen ist ein wahres Cassis-Monster – unfassbar wie konzentriert das aus dem Glas springt. Im Geschmack nicht minder, übrigens. Sehr gerade, stringent und formwahrend. Tolle Säure – ein wirklich beeindruckender Wein. Der Forstberg ist der etwas bravere, aber nicht minder gute. Zwei sehr gelungene Pinots.

Adlinger hat einen beinahe animalischen und kühlen Gips, der ganz zarte kräuterige Anklänge hat. Ein Wein, mit dem man sich lange beschäftigen kann und auch sollte. Der ist eher für das literarische Quartett, als für die Sportschau. Sehr gut!

Grafit, Minze, tolle Säure und sehr viel und tiefe Dimensionen hat der Lämmer vom Schnaitmann. Da kann man lange reinriechen, ohne dass es langweilig wird. Sehr offen das Ganze. Die Burghalde von Haidel hingegen ist total dicht und verschlossen und braucht Minuten im Glas um sich ein wenig zu öffnen. Dann trägt eine sehr feine Säure diese wunderbaren Wein.

Fazit: Württemberg bleibt für mich die Region, die mir in den letzten Jahren mit die meiste Freude macht. Hier tut sich was!

 

Baden – Spätburgunder

Sehr schön heuer, der Königsbecher von Heitlinger. Ziemlich straff und klar und präsent in der Säure. Kein Konzentrationsmonster, sondern ein Feingeist.

Seit Jahren, nein Jahrzehnten mittlerweile schon, ist Huber einer der mit Abstand besten Winzer in Sachen Rotwein im Land. Sein 1995 Reserve war mein Erweckungserlebnis in Sachen Pinot aus Deutschland. Bernhard Huber verstarb und sein Sohn führt das Weingut weiter. Und wie! Es ist nicht nur erstaunlich, es ist geradezu grandios wie und auf welchem Niveau er das macht. Der feinwürzige und fast kaminrauchige Bienenberg steht monumental im Glas – und im Mund. Die Säure ist ein Traum! Der Schlossberg mit dem von mir so geliebten kleinen Tönchen nach Gummi meißelt sich förmlich in meinen Mund und die Sommerhalde, noch viel verschlossener als die beiden anderen, schaut von einer anderen Ebene aus zu. Alles hat Zug, und wie. Alles hat Grip. Und alles hat Größe! Ein Erlebnis, jeder einzelne Wein. Und keiner sollte in einem guten Keller fehlen!

Hegers Schlossberg ist sowas wie eine Bank. Quasi. Jahr für Jahr durch und durch solide, verlässlich und absehbar gut. Ich mag das. Man kann sich auf Heger verlassen! Und dankenswerter Weise hat der Wein Säure. Der Pinot aus dem Vorderen Winklerberg hat etwas mehr Dampf und ist in der Säure nicht ganz so präsent – aber er hat eine wunderbare Balance.

Fazit: Mir persönlich gefällt im aktuellen Jahrgang die Tatsache, dass weniger auf Kraft und Druck, sondern mehr in Richtung Frische und Säure fokussiert wurde. Das trifft meine Vorlieben sehr. Huber überstrahlt alles!

 

Württemberg – Blaufränkisch

Lemberger oder Blaufränkisch? Das wird wohl mehr und mehr zur Frage. Ich tendiere zu Blaufränkisch. Die Ösis sind damit extrem erfolgreich, warum nicht partizipieren? Am Ende ist das natürlich egal. Jeder so wie er will!

Drautz-Able zeigt einen sehr festen, monumentalen, dichten und gerbstoffigen Scheuerberg. Ein wahrlich dickes Ding mit einem sehr festen inneren Kern und einer tollen Säure. Ziemlich faszinierend!

Mit etwas Pfeffer und Minze kommt Aldingers Lämmler ins Glas – dazu noch ein ganz zarter Hauch von Bitterschokolade. Ganz feine Struktur, tolle Säure und jetzt schon großer Trinkfluss. Schnaitmanns Lämmler hat diese Minze auch, ist aber in der Säure kräftiger und insgesamt etwas konzentrierter. Spannend ist zu sehen, dass es in beiden Weinen einen erkennbaren roten Faden gibt. Das ist toll!

Haidle setzt auf Zeit. So kommt es mir vor. Sein Mönchberg “Berge” ist ein Langstreckenläufer mit einer beinahe aberwitzig genialen Säure. Mehr geht kaum. Für mich perfekt. Bei allem Druck und aller Kraft, die dieser Wein hat, macht die Säure ihn doch so wunderbar elegant. Riesen Potenzial! Der Mönchberg “Gernhalde” wirkt offener aber nicht weniger mächtig. Er malmt sich in den Gaumen und bleibt da in aller Seelenruhe hängen. Haidle hat zwei wirklich große Weine in die Flasche gebracht. Bravo!

Ganz fein ist Dautels Michaelsberg. Sehr frisch und klar wirkend – die Säure bringt es – und irgendwie spielerisch, leicht und tänzelnd. Natürlich bei aller Seriosität. Toller Wein!  Graf Adelmanns Oberer Berg setzt sehr ausdrucksstark auf reife rote Beeren.

Fazit: Wie schon an anderer Stelle erwähnt: Württemberg macht Spaß. In diesem Jahr hat Haidle leicht die Nase vorne.

 

Franken – Silvaner

Zweimal Stein, zweimal kühle, beinahe salzige Spannung im Glas. Das Bürgerspital vielleicht etwas dicker, als der Hofkeller. Letzterer dafür trockener anmutend. Beide top!

Am Lumpen 1655 von Horst Sauer hat echte Klasse. Fein, mit herausragender Struktur. Kühl und lang. Aus der gleichen Lage kommt von Rainer Sauer ein ebenbürtiger Vertreter, der mir zwar einen Ticken süßer vorkommt, was mich aber überhaupt nicht stört. Der Stein von Ludwig Knoll ragt durch seine rauchige Anmutung heraus. Fest, extrem kräftig – ein Drucktrinkerwein mit großem Potenzial!

Bickel-Stumpf brilliert mit feinster Kräuteraromatik im Mönchshof. Ein enorm saftiger Wein mit einer sehr reifen Säure. Animierend durch und durch und ganz sicher für viele Jahre lagerbar. Der Wein hängt ewig am Gaumen und meißelt sich mit seiner Gelbfruchtigkeit tief in den Gaumen ein.

Luckerts Maustal ist eine eigene Dimension. Der Wein ist anders, als die anderen. Großartig in seiner gesamten Konstruktion und inneren Dichte. Cremig, aber nicht breit. Fein aber nicht dünn. Ziemlich perfekt das Ganze.

Weltners Küchenmeister “Hoheleite” wird auch immer mehr zur Benchmark. Viel Zug, wunderbar trocken und herrlich lang. Jahr für Jahr ein Highlight.

May… Letztes Jahr bereits besungen, ist auch in diesem Jahr bei den Allerbesten. Der Rothlauf mit seiner feinen Feuersteinaromatik und der salzigen Textur und der wunderbaren Säure steht wie eine Säule. Klar. Pur. Rein. Der Langenberg “Himmelspfad” hingegen hat feine Kirschnoten, zitronige Anklänge, etwas Birne, eine wunderbare Phenolik und ist einer der besten Silvaner, die ich bisher getrunken habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das besser geht. Und es hört nicht auf zu schmecken. Ewigkeit. Auf der Zunge und am Gaumen und eigentlich in meinem ganzen Körper.

Fazit: Tolles Jahr für den fränkischen Silvaner. Das zweite in Folge!

Ich komme zum Schluß. Ich habe annähernd alles verkostet, was hier in den letzten zwei Tagen auf dem Tisch stand. Mit Ausnahme der Weiss- und Grauburgunder. Das ist nicht meins, da fehlt mir nicht nur der Zugang, sondern einfach auch schlicht die Kompetenz. Da aber meine Nachbarn alle von Hubers Chardonnay schwärmen, und Chardonnay durchaus in meiner Erlebniswelt vorkommt, werde ich den jetzt noch verkosten. Abschließend quasi. Der 2014 Bienenberg würde bei mir niemals in einer Blindprobe als badischer oder deutscher Chardonnay durchgehen. Ich würde den ganz oben im Burgund verorten. Irgendwo da, wo Coche-Dury ist. An der Spitze eben. Diese Finesse, diese Noblesse, die Säure, diese Eleganz… mir fehlen die Worte… Die kommen beim 2014 Schlossberg auch nicht direkt wieder… Noch etwas feiner und kühler, in der Säure aberwitzig elegant, in der gesamten Anmutung ein Wahnsinn. Noch nie im Leben, habe ich solche Chardonnays in Deutschland getrunken. Und für den Rest der Welt wird die Luft da auch ganz dünn. Bravo! Bravo! Bravo!

Das war es für dieses Jahr. Die Tage, wie immer, kommt dann noch das große Fazit.

 

 

9 Kommentare zu “Grosse Gewächse 2015 – Teil 2

  • Raimund Prüm

    Also lieber Dirk frag mich doch. Bist doch sonst nicht so. Du hast recht gesehen 2014 also 2 Jahre nahezu. Hat bis August 2015 gehören und im April 2016 von der Feinhefe abgezogen. Im Juli erst auf Flasche gezogen. Passt doch für Reserve. Steht noch nicht im Verkauf nur zur Vorstellung und auch in Berlin. Freut mich dein Kommentar. Grüsse auch. Raimund

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  • Gerlach

    Die Authentizität von Momentbeschreibungen bei Weinverkostunge ist nicht anzuzweifeln – aber für den Leser wirkt diese Aufeinanderreihung von Begeisterungseindrücken auf die Dauer zum einen ermüdend, da wahrlich wenig differenziert, zum anderen fehlt irgendwann die Glaubwürdigkeit, dass es so viel sensationell-tolle Weine im VdP gibt. Die ganze Live-Berichterstattung der einschlägigen VdP-Jubelperser bzgl. dieser Veranstaltung ist mir einfach zu übertrieben.

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  • jörn weier

    Kann gerlach nur zustimmen. Und es sind fast nur die “üblichen Verdächtigen”, die erwähnt werden. Auf die Dauer etwas unglaubwürdig.

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  • Stephan

    Der Mittelrhein kommt etwas kurz weg, Weine von Lanius-Knab werden gar nicht erwähnt. Sind die Weine so uninteressant?

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  • Frank

    Wer die beiden Texte aufmerksam durchliest, kann durchaus verschiedene Abstufungen von Begeisterung ausmachen ;-)

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  • Sigbert Frisch

    Jubelperser? Klingt doch recht anachronistisch – aus politischer Sicht.

    Wie schreibt der Würtz so weise im ersten Teil seines Berichts: “Ganz oben in der Spitze geht es nur noch um Nuancen. Die Kellers, Weils, Diels und Co. produzieren quasi wetterunabhängig… Welcher Wein, für wen und warum “groß” ist, ist so oder so restlos subjektiv. Meistens.”
    Und weil das so wahr ist, sollte jeder Parker-Jüngling (und in einigen Foren werden ja vor allem Punkte diskutiert) diese Sätze ins Goldrähmchem fassen. Wenn die Spitze – qualitativ und quantitativ – so groß und dicht beisammen ist, dann geht es nur um den eigenen Geschmack. Und weil man über den nicht streiten kann, werden derzeit über diese Weine Schein- und Ablenkungsdebatten geführt.

    Mir gefällt übrigens, mit welcher Begeisterung, die nie naiv ist, der Würtz schreibt. Denn nur um Spaß geht es. Und wer den noch nach einer so strapaziösen Probe hat, vor dem kann man eigentlich nur den Hut ziehen.

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  • MIchael Schmidt

    Also Kritik um der Nörglerei willen kann auch ermüdend sein. Die üblichen Verdächtigen? Ja und, dass sind halt die, die beständig guten Wein machen! Wo ist denn da das Problem? Und manche möchten es differenzierter… bei 400 plus Weinen in zwei Tagen. Klar geht es differenzierter, aber dann halt nicht so schnell. VDP Jubelperser brauchte es zumindest in 2015 beim Riesling kaum, obwohl….bei einem Produzenten stimme ich mit Dirk gar nicht überein, jedoch “de gustibus non est disputandum”.

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