Alles über Wein und den Rest der Welt…

Vievinum 2016

Eine der schönsten Weinveranstaltungen der Welt beginnt und der Anfang könnte gar nicht besser sein… Salon-Vertikale nennt sich das Ganze und ich probiere mich einmal quer durch die Jahrzehnte!

2000 Smaragd Ried Loibener Berg von F.X. Pichler ist mein erster Wein des Tages. Geht gut los. Jener F.X. über den in den letzten zwei Jahren kleinere Wölkchen zogen und dem daraufhin der ein oder andere Nerd die Liebe entzog. Ich nicht. Taufrisch ist dieser Grüne Veltliner, keine Spur von übermächtig trotz der 14 Umdrehungen. Di esind perfekt eingebunden und das kleine Bitterl hintenraus animiert mich zum sofortigen Schlucken. Geht gut los die Sache hier, wird aber im Desaster enden, wenn das so weitergeht. Bevor ich es vergessse: die innere Dichte des Loibener Bergs ist phänomenal!

Der Pollerhof… Nie gehört, noch nie getrunken. Sieht so aus, als hätte ich da was verpasst. 2000 GV Röschitzer Königsberg “Extrem”. Etwas grüner Tee, ein Hauch von Tabak, Weihrauch und irgendein Tick einer nicht näher zu definierenden Frucht. Tolle Säure, leichter als der Pichler, aber auch sehr gut.

1997 (mein erstes Berufsjahr im Weinbau) GV Kremser Gebling von Sepp Moser. Knochentrocken. So mag ich das. Zupackend, glasklar mit enormer Säure. Kräuter, ein Hauch von Anis, enormer Trinkfluss, schöne Länge. Ein Musterbeispiel!

Ganz anders der GV von Karl Diewald. 1996 Spätlese Großriedenthal Ried Wadenthal. Soll mal einer sagen, Deutsche Weinbezeichnungen wären lang und kompliziert… Taufrisch, mit einem Hauch von Filz. Kein Zucker, aber dafür Säure. Und wie. 9,1 Gramm steht da auf dem Zettel und die schmeckt man auch. Genial gut. Null breit oder mastig und so gar nicht langweilig. Ein Purist. Ich mag das – meine Nachbarn nicht! Auch der 96er von J. und R. Topf bläst in ein ähnliches Horn. Nicht ganz so hoch in der Säure aber auch taufrisch und animierend. Für mich wird immer klarer: Veltliner mag Säure und ich mag Veltliner wenn er die hat!

Der älteste GV, den ich heute noch bekomme, ist der 1990 “Matthias Corvinius” von Schneider im Weinviertel. Alle anderen sind aus. Der Andrang hier war wohl zu groß – wundert mich nicht. Moderat im Alkohol – der wäre heute ja sowas von trendy – knochentrocken und animierend in der Säure. Ein leichter Wein im allerbesten Sinne. Wirkt sehr frisch. Der erste GV, bei dem ich Pfeffer wahrnehme. Das ist kein großer Wein, gar nicht. Ein Trinkwein, Basis sozusagen und für das Alter kann man nur den Hut ziehen. Kompliment!

Honig, Zitronengras und “Duschdas” (die älteren Leser kennen das noch) und irgendwie erinnert mich das Ganze an Schokostäbchen mit Orangenfüllung. Die Rede ist vom Riesling Smaragd Ried “1000-Eimer-Berg S. Donna” Das heißt tatsächlich so… Aus 2005 ist der und gemacht hat ihn Sighardt Donaubaum in der Wachau. Ist echt nicht schlecht, aber irgendwie verwirrend. Ich kann den Wein nicht wirklich einordnen, trinken will ich ihn aber trotzdem.

Der 2004 Riesling Weinzierlberg “Priorissa” – Mannomann, was Namen  - vom Kremstaler Josef Schmid riecht nach Kakaopulver und Pfeffer. Wie pfeffrige Schokolade. Angenehm trocken, eher kühl wirkend und durchaus noch jung.

Mein Wein dieses Flights ist der 1998 Riesling Kremser Weinzierlberg von Aigner. Filligran, frisch, leicht salzig mit einer feinsten Säure. Kein Schwergewicht, eher einer im Weltergewicht. Ich mag das und ich glaube, dass das alles noch einiges an Potenzial hat. Vielleicht mag ich aber auch den 1997 Riesling Steiner Grillenparz  vom Weingut der Stadt Krems lieber. Der hat Anflüge von Heu und Gras und erinnert an Weine vom Schiefer, wenngleich ich glaube, dass es den da gar nicht gibt. Muss ich schnell mal googeln… Gneis und Glimmerschiefer. Na also!!! Manchmal habe ich das Gefühl, man/ich kann den Boden doch irgendwie erschmecken. Es ist und bleibt verwirrend. Der Wein ist in jedem Fall klasse!

Südfrankreich! Es ist verrückt, was man manchmal sofort assoziiert, wenn man in ein Glas riecht. Beim 2003 Hochsulz Sauvignon Blanc von Walter Skoff erinnert mich an Südfrankreich. Warum auch immer. Irgendwie aauch an Muscheln. Ich mag den Geruch. Dann aber kommt der Knüppel in Form vom Alkohol. Knapp 15 Prozent schlagen im Mund ein wie ein Bombe. NIchts für Sissies, eher für Drucktinker und nicht wirklich rebsortentypisch. Dennoch interessant Auch wenn das nicht meiner ist. Eher meiner ist der 2002 Moarfeitl Sauvignon Blanc von Neumeister. Ein Hauch von Barrique, perfekt eingebunden, stoffig und ordentlich lang. Eher dekadent als puristisch. Kann man auch mal haben!

Das schönste Kompliment, das ich einem Wein machen kann ist, dass er mich packt. Vom ersten reinriechen ab bis zum letzten Moment den Schluckens. So einer ist der 2006 Sauvignon Blanc “Linea” von Plöder Rosenberg aus dem steirischen Vulkanland. Vornehmste Noten von Stachelbeeren und etwas Holz mit einer fantastischen Frische und dem sofortigen Trinkreflex. Trinkfluss auf höchstem Niveau.

Wenn ich etwas wirklich mag, dann ist es, wenn in einem Wein nicht nur die Herkunft (immer schwierig), sondern auch die Handschrift (viel einfacher) deutlich erkennbar ist. Bei Tement ist das so. Der 2007 Grassnietzberg Sauvignon Blanc von Tement zaubert mir vom ersten Moment ab ein Lächeln in das Gesicht. Kenne ich, mag ich. Mag ich weil es erkennbar ist. Ja, das ist redundant – macht aber nichts. Stachelbeere, Kräuter, alles rund und dezent. Der Wein ist dicht, hat Zug, packt vom ersten Moment an zu und will getrunken werden! Mache ich jetzt einfach mal. Die neun Jahre, die er auf dem Buckel hat merkt man ihm übrigens nicht an. Gar nicht. Ein beinahe zeitloser Wein.

Was die Weinwelt ausmacht, ist die Vielfalt oder anders ausgedrückt: die Welt ist bunt. Zierfandler ist etwas, was ich selten bis nie probiere, geschweige denn trinke. Jetzt sitze ich hier und sinniere über einen 2007 Mandel-Höh Zierfandler von Stadtmann aus der Thermenregion. Im ersten Moment, die allererste Assoziation, erinnerte mich an den kalten und gesüßten Pfefferminztee im Kindergarten meiner Tante. Kann außer mir natürlich niemand nachvollziehen. Pfefferminze sollte man sich in diesem Fall merken. Kräuterlikor ist die nächste Assoziation. Das ist dann eher für die Erwachsenen. Das Zeug hat 14 Prozent Alkohol, die gut weggepackt sind, Säure ist vorhanden – einen Tick mehr wäre schöner – und trinken will ich das auch. Ein harmonischer Wein mit ordenlicher Länge und einer interessanten Dichte. Spannend und saftig.

Und wenn wir schon einmal dabei sind: Gemischter Satz ist auch so etwas, was oft an mir vorbei zieht. Schade eigentlich. Wienningers 1999 Nussberg “Alte Reben” ist ein schönes Beispiel dafür, wie gut und lagerfähig ein guter Gemischter Satz sein kann. Knalltrocken mit ansprechender Säure und einer schönen Frische. 14 Prozent Alkohol sind ein Wort, passen aber gut in die gesamte Struktur. Ein sehr ansprechender Wein. Hier am Tisch enststeht gerade eine Diskussion darüber, nach was der Wein riecht. Mein Nachbar spricht von einem Fahrradschlauch. Was soll ich sagen, er hat recht… Der Wein ist bemerkenswert und faszinierend.

2001 Weißburgunder Steinbach von Lackner-Tinnacher ist ein ganz erstaunlicher Wein. Das Alter ist dem Wein in keiner Weise anzumerken. Er erinnert sofort an Malz, hat keinerlei Speck und ist das Gegenteil von aufdringlich. Er ist einerseits kühl, andererseits hat er eine ganz reife Gelbfruchtigkeit. Er ist viel filligraner als beinahe alles, was ich bisher an Weissburgunder getrunken habe. Dabei hat er eine so herausragende und erstaunliche Länge, wie es wirklich selten vorkommt. Im Mund legt sich eine Dichte über alles und auch hier ist es unmöglich festzustellen, dass der Wein immerhin schon 15 Jahre alt ist. Einer der faszinierendsten Weine der heutigen Verkostung und in Sachen Weissburgunder das Beste, was ich seit Jahren getrunken habe.

Chardonnay gibt es heute hier auch und einer sticht ganz besonders heraus, eigentlich zwei. Der erste kommt von Kollwenz und ist aus dem Ried Tatschler aus 2008. Eigentlich ist der mir zu süß, aber in diesem Fall läuft das gut. Er ist gefällig und geschmeidig und dabei aber nicht ordinär. Mainstream in Perfektion. Nicht meine Welt, aber absolut anzuerkennen. Kompliment! Der zweite ist dann wieder ganz aus meiner Welt. 2000 Chardonnay von Schönberger. Mein Nachbar erklärt mir gerade, dass das der Basser der EAV war.  Der Wein ist der Gegenentwurf zu Mainstream. Der hat Ecken und Kanten, Tiefe, das Holz ist speziell – aber speziell gut! Niemals würde ich den blind in diesen Jahrgang stecken – niemals! Er ist irgendwie auf dem Punkt, sprich trinkfreudig. Irgendwie bin ich mir aber auch sicher, dass der noch einmal ein Jahrzehnt übersteht. Herausragend und falls es den irgendwo zu kaufen geben sollte, kauft ihn! Und nebenbei bemerkt ist er ellenlang. Er hört gar nicht auf zu schmecken.

Zum Schluß noch einen Rotwein. Sankt Laurent. 2002 vom Stift Klosterneuburg. Ried “Stiftsbreite Ausstich”. Besser könnte es nicht aufhören. Das was ich an Rotwein liebe, die Säure, ist phänomenal. Ich will den sofort leertrinken nur alleine wegen der Säure. Dazu hat der Wein eine charmante Herbheit, Graffit, Rauch und etwas Schinken. Nichts davon ist laut, alles ist eher perfekt. Ein wunderschöner Wein. Nicht ultimativ lang, aber perfekt zum wegtrinken.

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