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Doping mit Riesling… und es funktioniert!

Hurra. Der Ball ist nicht mehr ihr größer Feind. Doch die Mission „Titelverteidigung“ ist für die Fußball-Nationalmannschaft der Winzer bei der Europameisterschaft im Rheingau und in Rheinhessen auch nach zwei Auftaktsiegen dennoch eine harte Nuss, und das obwohl Riesling nicht auf der Dopingliste steht. Die Ungarn aber scheinen stark. Auch für Winzer ist das Kicken gegen einen Ball die „schönste Nebensache der Welt“. Dass die Qualität der Weine der mitspielenden Winzer ihr fußballerisches Können in aller Regel deutlich übersteigt… geschenkt! Beim Weinmachen Bundesliga, im grünen Weinelf-Trikot Kreisklasse A… so würde ich mal sagen. Seit mehr als zehn Jahren gibt es nun eine selbsternannte deutsche Weinelf, die am Fronleichnamstag  als amtierender „Europameister“ die „Winzer Euro 2016“ eröffnete. Ob die Titelverteidigung gegen die „Nationalmannschaften“ der Winzer aus der Schweiz, Österreich, Italien, Slowenien und Ungarn gelingt, zeigt sich erst am Samstag beim großen Finale in der Mainzer Coface-Arena, immerhin die Heimat von Bundesligist Mainz 05 (Geöffnet ab 12.30 Uhr, lohnenswert wohl allein wegen dem Weindorf….).

Zum Auftakt gegen Österreich steckte der deutschen Weinelf allerdings noch sichtlich zu viel Riesling in den Knochen. Der müde Kick in der ersten, von Fehlpässen geprägten Halbzeit, war für alle Fußballfreunde neben dem Platz wenig ansehnlich. Die Österreicher hatten sogar die besseren Chancen, ehe Fabian Schmidt vom Weingut Schmidt-Bercher für die Deutschen dann doch noch das erlösende 1-0 erzielt und der Badener Julian Semet (Tourismuswerbung Schwarzwald) kurz vor Schluss sogar auf 2-0 erhöhte.

Es geht inzwischen um mehr als nur Hobbyfußball, sondern um Marketing für den deutsche Wein: Die Seriosität des Weinmachens hat auf den Winzerfußball übergegriffen. Die Zeiten, als ich in der FAZ  unter einem Bild von deutlich übergewichtigen ungelenk aufspielenden Winzern wie Flankengott Joachim Heger und Libero Armin Diehl schreiben musste: „Die Wein-Elf und ihr größter Feind, der Ball“, sind Gott sei Dank vorbei. Heute gönnt sich kein Spieler mehr unmittelbar vor dem Anpfiff noch eine Bratwurst, wie es beispielsweise der heutige Teammanager und Künstler Michael Apitz vor einem wahrhaft denkwürdigen Debakel im April 2006 noch tat.

Damals, zwei Monate vor dem Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft,  blamierte sich der Kader der 30 Winzer, Weinfunktionäre, Weinwissenschaftler und Weinjournalisten im Geisenheimer Rheingau-Stadion mit einer am Ende noch schmeichelhaften 1:11 Niederlage gegen eine Auswahl des Frankfurter WM-Organisationskomitees. Es war der Beginn einer Rückbesinnung auf die Werte des Fußballs und das Wissen aller Winzer (hoffentlich!), dass nicht nur die Qualität im Glas, sondern auch die auf dem Fußballplatz entscheidend ist.

Von dem schon damals nicht ganz ernst gemeinten Motto “Elf Flaschen müsst ihr sein” ist heute keine Rede mehr. Stattdessen heißt es: „Die Wahrheit liegt im Wein und auf dem Platz“. Der Kader ist größer geworden, und die Trainer sind wählerischer. Guter Wein aus dem heimischen Weingut sichert keinen Stammplatz mehr. Zwischen 19 und 45 Jahre alt sind die Spieler heute. Der Oestricher Spitzenwinzer Andreas Spreitzer ist der älteste. Alle waren oder sind aktive Fußballer, auch wenn die Erfahrungen von der Oberliga bis zur Kreisklasse B reichen. „Wir nehmen keine Praktikanten auf“, sagt Spreitzer und nimmt für die Weinelf, deren Ehrenspielführer der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung ist, nicht nur Ehrgeiz, sondern auch eine gewisse sportliche Reife in Anspruch. Trainingslager und Sichtungslehrgänge gehören inzwischen zum festen Auswahlprozess der Mannschaft, deren Kapitän der rheinhessische Top-Winzer Philipp Wittmann ist.

Geblieben ist der wichtigste Teil jedes Matches, die dritte Halbzeit mit  einer Weinprobe, die länger als das vorangegangene Spiel dauert und bei der Trinkfestigkeit gefragt ist. Riesling wäre wohl auch bei dem von Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler geleiteten Auftaktspiel noch in minimalen Dosen nachweisbar gewesen. Für die Zuschauer immerhin standen jederzeit genügend Weine bereit, um sich bei Bedarf vom Spielgeschehen abzulenken. Nur gut, dass Riesling nicht auf der Dopingliste steht!

2 Kommentare zu “Doping mit Riesling… und es funktioniert!

  • Weindoper

    Also ich dope mich am liebsten mit Weinen wie Primitivo, Negroamaro oder Nero d Avola. ;)
    Zur Not wäre ich aber auch mit einem Amarone oder Barolo zu Frieden. Im Weinshop meines Vetrauens nehme ich mir dann auch noch Ripasso Shiraz oder Pinot Grigio mit.

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