Alles über Wein und den Rest der Welt…

Glyphosat und kein Ende

Ich schicke es direkt voraus – falls es einer noch nicht weiß – ich bin gegen Glyphosat und ich würde es, wenn ich es könnte, verbieten. Es  könnte überhaupt alles ganz einfach sein, wäre es nicht durch und durch emotionalisiert.

Wenn es um das Thema Glyphosat geht, jagt neuerdings eine Studie die nächste. Die einen kommen zu dem Schluss, dass es wohl nicht krebserregend ist, die anderen subsumieren, dass es wohl doch krebserregend ist. Beinahe immer kommt dabei das Wort “wohl” vor. Man achte einmal darauf… Diese Woche entscheidet nun die EU über eine erneute Zulassung und da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass eine neu Studie erscheint.  Wäre ich in der Pro- oder Kontra-Lobby, hätte ich natürlich auch dafür gesorgt, dass gerade noch rechtzeitig eine neu Studie erscheint. Die sagt nun: alles halb so wild – die Dosis macht das Gift. Eine alte Binsenweißheit, an der sicherlich etwas dran ist. “Pestizide seien per se toxisch”, meint eine Expertin der WHO und mahnt zum verantwortungsbewußten Umgang mit dem Zeug. Natürlich hat sie recht. Genau so haben aber auch alle Gegner recht.

Mir persönlich fällt es schwer herauszufinden, wem ich glauben soll. Mein Misstrauen gegenüber Monsanto und Co. ist hoch. Die Tatsache, dass die milliardenschwere Industrie ganz gezielt mit Lobbyisten alles so beeinflusst, dass es für sie passt, macht es mir nicht leichter. Kurzum: ich glaube denen keine Wort. Profit war schon immer wichtiger als Verbraucherschutz. Und das unser Verbraucherschutz der Industrie gegenüber sehr freundlich eingestellt ist, ist auch nicht wirklich neu. Auf der anderen Seite bringt mich aber auch das hysterische Untergangsgekeife der Öko-Talibane nicht wirklich weiter. Die sind mir zwar deutlich sympathischer, als die Monsanto-Typen, aber auch hier erwarte ich Fakten. Ich frage mich also, auf welcher Basis da die Tage in Brüssel etwas entschieden wird? Geht es um Fakten? Gibt es die überhaupt? Oder geht es nur darum, dass man auf denjenigen hört, der am geschicktesten manipuliert?

Auch im Weinbau wird Glyphosat verwendet. Nicht nur in den Steillagen, in denen keine mechanische Arbeit möglich ist und somit das “Unkraut” mit der Hacke entfernt werden muss – was ein aberwitziger Arbeitsaufwand wäre. Leider eben auch in den flachsten Flachlagen. Es ist einfach günstiger – der Arbeitsaufwand geringer. Wie lässt sich das argumentieren? Natürlich mit den geringen Preisen, die aktuell gerade Fassweinwinzer erzielen. Mancherorts sind die geradezu ruinös. Warum sind die so gering? Weil wir in den letzten Jahren enorm an Fläche in den Regalen verloren haben, beispielsweise. Weil der Export nach Russland eingebrochen ist. Weil wir noch nicht einmal die Hälfte des Deutschen Weinkonsums mit unseren Weinen abdecken. Es fehlt die Nachfrage, ergo ist der Preis im Keller. Das ist die eine Seite der Medaille. Und natürlich haben wir das Problem, dass dem Konsument das Ganze auch nichts wert ist. Billig muss es sein. Der Rest ist egal. Es gibt keine echte Wertschätzung für unsere Produkte. Ein ewiges Thema – leider!

Die Welt besteht allerdings nicht nur aus Fassweinwinzern. Glyphosat wird auch von denjenigen benutzt, die hohe Preise für ihre Flaschen erzielen. Man fahre einmal sehenden Auges durch das Bordelais. Da sieht es teilweise aus wie in einer Mondlandschaft. In Deutschland ist es nicht ganz so schlimm, aber auch bei uns werden flache Lagen, in denen “Grand Crus” produziert werden, mit Glyphosat behandelt. Ich kann das nachvollziehen, der Aufwand ist geringer und der Kostendruck unter dem wir alle stehen wird immer höher. Ich kann es aber nicht verstehen. Es geht anders und es ist nicht kompliziert. Wichtig in diesem Zusammenhang ist immer: es ist erlaubt. Es ist nicht verboten. Wer Glyphosat benutzt, tut nichts illegales. In manchen Diskussionen hat das leider oft einen anderen Anschein.

Was ist nun die Konklusion?

Für mich persönlich ist die ganze Angelegenheit relativ einfach. Zumindest in der Kernaussage. Ich möchte nichts zu mir nehmen, was Glyphosat enthält. Egal wie hoch die Konzentration ist. Mir ist es geradezu egal, wie hoch die Konzentration ist. Warum sollte mich das auch interessieren. Ich will kein Gift konsumieren. Leider kann ich mir das nicht aussuchen. Glyphosat ist allem Anschein nach überall, selbst im Trinkwasser. Das ärgert mich ganz kolossal. Ich will selbst entscheiden können, was ich in welcher Dosis zu mir nehme. Diese Entscheidungsfreiheit habe ich nicht. Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass ich nur die Wahl zwischen dem kleineren Übel habe, sprich mich nur auf “wohl” unbedenkliche Dosierungen verlassen kann. Und da schließt sich wieder der Kreis. Wem soll ich denn nun glauben? Welche Studie ist die richtige? ich weiß es nicht. Und solange mir das keiner wirklich unemotional und nüchtern und sachlich beantworten kann, steht für mich persönlich fest, dass ich dieses Zeug nicht will. Eine Benutzung kommt so oder so nicht in Frage. Das ist für mich schon lange klar.

Zum Thema gibt es hier einen guten Beitrag auf SPON

25 Kommentare zu “Glyphosat und kein Ende

  • Steillagenwinzer

    Was Flachlagen angeht, stimme ich Ihnen zu. Auch wenn ich finde, dass nicht nur der Konsument frei entscheiden darf, sondern bitteschön auch der Bauer.
    Aber wie schlagen Sie vor, sollen die Winzer terrassierte Weinberge z.B. an der Mosel, in denen kein maschinelles Arbeiten möglich ist, bewirtschaften? Mit Hacke oder Motorsense? Ersteres ist wie Sie selbst sagen ein aberwitziger Arbeitsaufwand, der in der Praxis nicht umsetzbar ist. Zweiteres ist sicher auch nicht umweltfreundlich und ebenso wenig in der Praxis umsetzbar.
    An den Brachen dieser wertvollen Kulturlandschaften wird man nachher die Konsequenzen eines pauschalen Verbots von Herbiziden sehen. Übrigens genauso wie das pauschale Verbot des Spritzhubschraubers. Ich finde, man muss hier absolut differenzieren.

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  • Torben

    Und wer meint Bio ist herrlich unaufgeregt gesund ….. Wie sagte neulich jemand : Bio bedeutet , dass die Reben unten schwarz vom Diesel Ruß und oben blau vom Kupfer sind . Wer sich auskennt , weiß das es stimmt . Das ist weder umweltfreundlich noch gesund . Warum ich das schreibe ? Weil die Alternative zu glyphos vielleicht die schlimmere ist … Stichwort Erosion . Das schlimmste was dem Boden und der Erde passieren kann. Schlimmer als glyphos ……..

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    • Dirk Würtz Post author

      Lieber Torben,
      zahlreiche Ökos arbeiten in der Steillage und von Erosion ist nichts zu sehen. Und wer sich auskennt müsste eigentlich wissen, dass der von Dir zitierte Spruch kompletter Blödsinn und pure Polemik ist. Das sind, mit Verlaub, ewig gestrige Sprüche von vor 20 Jahren, als öko noch skeptisch betrachtet wurde

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  • EC

    Es gibt auch Winzer, bei denen sieht es zwischen den Reben mit voller Absicht aus wie bei Hempels unter’m Bett. Da sieht man die Rebstöcke kaum. Und die Ergebnisse in der Flasche sind absolut bemerkenswert.
    Mir ist klar, daß ich als Nicht-Winzer hier im Detail nicht fachlich qualifiziert mitreden kann, ich sehe nur von außen, was anscheinend auch geht, wenn man will. Aber bei solchen Hilfsstoffen, egal ob natürlichen oder industriellen Ursprungs, bin ich nun mal der konservativen Meinung, daß das nicht auf die Flächen gehört, solange nicht sicher ist, daß die negativen Begleiterscheinungen vernachlässigbar sind. Gehandelt wird aber zur Zeit immer genau andersherum: solange nicht offiziell und höchst richterlich festgestellt wurde, daß etwas schädlich, wird das Zeugs von einem großen Teil der Landwirte ohne Rücksicht auf Verluste ausgebracht, weil’s die anderen ja schließlich auch machen.
    Aus der Oberpfalz weiß ich von Landwirten, die zwei Schweineställe haben, einen für die Vermarktung, einen für den Eigenbedarf. Da scheint man zu wissen, was manche Stoffe anrichten und das will man zumindest sich selbst nicht antun…

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  • Michael

    schön, wie man sich innerhalb der Winzerschaft durch ein kleines Thema gegeneinander aufhetzen lässt. Der Böse benutzt Glyphos und macht keinen Hehl draus, der Gute schimpft öffentlichkeitswirksam auf den Bösen und benutzt es auch (oder einen anderen Wirkstoff). Bald gibt’s ja endlich 2 getrennte Ministerien für Bio und konventionell. Die politische Durchschlagskraft für alle sinkt. Teile und herrsche…Winzer sind immernoch Hornochsen, die man vor seinen Karren spannt…Grüße von einem Winzer

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  • Helena

    Lieber Dirk,

    ich stimme Dir völlig zu – jeder sollte das Recht haben, selbst zu entscheiden, giftige Substanzen im Essen, Wasser, Bier und Wein zu haben, oder nicht. Die oft in diesem Zusammenhang gebrauchte Aussage “die Menge ist unbedenklich” ist so unverschämt, verantwortungslos wie lächerlich, denn sie stützt sich immer auf die derzeit “offizielle” Einschätzung, dass Glyphosat für Menschen weitestgehend unbedenklich sei. Das erste Patent von Glyphosat bezieht sich derweil auf seine Eigenschaft als selektiv und sehr effektiv gegen genau die Darmkaterien wirkendes Antibiotikum, mit denen Danone & co durch fragwürdige Joghurtdrinks viel Geld verdienen – weil sie für die Gesundheit unerlässlich sind.
    Die Kernfrage bei den gegenläufigen Aussagen ist: “Wer sagt was?” Die Wissenschaftler des IARC (die der WHO zugehörogen Organisation, die sich mit dem Thema Krebs explizit auseinandersetzt) halte ich für unabhängig. Dazu gab es eine Stellungnahme von Wissenschaftlern, die nachweislich mit Monsanto in Verbindung stehen. Unsere Bundesbehörde für Risikobewertung (BfR) darf man hinsichtlich der Konklusion “pro Glyphosat” durchaus mit der Agrarlobby in Verbindung bringen. Schließlich ist alles andere als das Totalherbizid unbequem und, wie Du geschildert hast, teurer für den Landwirt. Hinter der aktuellen Stellungnahme “pro Glyphosat” steht u.a. die FAO – und diese Organisation verfolgt sicher nicht in erster Linie Verbraucherschutz.
    Für mich ist die Sachlage klar. Die Veröffentlichungen, die “pro Glyphosat” sind, verfolgen das Interesse, den aktuellen Status Quo konventioneller Landwirtschaft zu verteidigen. Um jeden Preis. Auch um den Preis, dass eines der hauptsächlich eingesetzten Mittel Krebs verursacht, das Erbgut schädigt, sich im Körper anreichert (sonst könnte Muttermilch keine höhere Konzentration ausweisen als Urin) und mit Alzheimer und ADHS in Verbindung gebracht wird.
    Die Art und Weise, wie die Behörden und die Politik mit dem Thema umgehen, lässt tief blicken und demonstriert, wie die Prioritäten tatsächlich gesetzt werden. Adios, Demokratie.

    Wer Bio kauft, vermeidet Glyphosat im Essen mit hoher Wahrscheinlichkeit – aber ganz ausschließen kann man es dank Abdrift und der schieren Einsatzmenge leider nicht, wie die Untersuchung zu Glyphosat in kalifornischen Weinen gezeigt hat. Hier waren auch der bio-Wein und der bio-dyn Wein betroffen, wenn auch mit deutlich geringeren Rückständen. Über Ursachen, wie das Zeug überhaupt auf die bio und bio-dyn Weinberge kam, wird spekuliert. Dazu gehört: reichert sich an und ist ca. 20 Jahre lang aktiv, gelang ins Bewässerungswasser, Abdrift vom Nachbarn.
    Die Rückstände, die in kalifornischen Weinen gefunden wurden, sind wesentlich geringer als die, die greenpeace letzte Woche in deutschen Weinen aufgetan hat – wem das ein Trost sein sollte.
    Mein Fazit: Bitte kein Glyphosat und bitte kein TTIP.

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  • Michael

    Helena: mit Verlaub – der Konsument hat schon entschieden: er möchte Wein für durchschnittlich 3 Euro die Flasche haben und kauft diesen auch reichlich. Sobald sich innerhalb der Konsumenten eine Mehrheit bildet, die für Wein ab 50 Euro die Flasche ausgibt, kann man diskutieren, ob die erreichte Spanne beim Winzer nicht dazu ausreicht etwas mehr pro Flasche in den Umweltschutz zu investieren. Das ist Demokratie & Marktwirtschaft.
    Bin kein Glyphos-Anhänger, aber man sollte die Realität bei all seinen Forderungen nicht so ganz aus den Augen verlieren…fahrt weniger Auto, kauft Wein beim Winzer, die Wurst beim Fleischer, das Brötchen beim Bäcker, meckert nicht über “teuer”, dann wird das schon wieder. Ist nicht gerade so, dass Winzer auf Kosten der Umwelt zum Milliardär werden…

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  • Jungwinzer

    Ich habe vor 5 Jahren mit der Betriebsübernahme den Glyphosateinsatz um mehr als 70% reduziert. Ich träume auch von einem kompletten Verzicht. Leider war der Betrieb gerade mal bei 20% Flaschenweinvermarktung und das im unteren Preissegment. Heute komme ich auf 80% Flaschenweinvermarktung, allerdings durch starke Ertragseinbußen in den letzten drei Jahren . Das Weingut ist also schlicht vom Fassweingeschäft abhängig gewesen. Selbst bei höchsten Erträgen und minimalem Arbeitseinsatz komme ich auf 1,50/l netto Produktionskosten in der Flachlage. Bei Dornfelder, Portugieser, Müller-Thurgau und Huxelrebe wohl gemerkt. Hier kann man 15.000l / ha ernten. Derzeit bekomme ich für den Liter Fasswein dieser Sorten zwischen 0,40 Euro und 0,80 Euro. Ein Glyphosatverbot zum jetzigen Zeitpunkt würde meine Existenz nicht nur bedrohen, es wäre mein aus. Die nächste Investition wird ein Unterstockgerät für 6500 Euro. Vorrausgesetzt mein 29 Jahre alter Traktor geht vorher nicht kaputt.
    Noch niemals in unserer jungen Geschichte wurde so verantwortungsbewusst mit Pflanzenschutzmitteln umgegangen wie heute, trotzdem wird die Landwirtschaft verteufelt wie noch nie. DIESES JAHR WIRD WEGWEISEND FÜR UNSERE ZUKUNFT WERDEN. DAZU BRAUCHT MAN NUR MAL AUF DEN BENACHBARTEN BAUERNHOF ZU FAHREN. UNSERE LANDWIRTSCHAFT STEHT VOR DEM AUS UND ALLES WAS DIE MENSCHEN INTERESSIERT UND AUFBRINGT IST GLYPHOSAT. DICKES AUTO FAHREN, I-Phone und MAC ZU HAUSE, AM WOCHENENDE AUF DEM TEUREN WEBERGRILL DIE 20 cent BRATWURST GRILLEN UND WELTVERBESSERER SPIELEN. VIELEN DANK DEUTSCHLAND!!

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    • Dirk Würtz Post author

      @Jungwinzer
      Die Zukunft des Deutschen Weinbaus hängt nicht vom Glyphosat ab. Sie hängt davon ab, wie sich der Strukturwandel weiter vollzieht. Wir können nicht in den Wettbewerb mit den Ländern, die deutlich billiger produzieren. Wir können überhaupt nicht billig produzieren – wie du ja eindrucksvoll selbst erklärst. Und genau DAS ist das Thema. Deutscher Wein sollte, wenn er tatsächlich überleben will, nicht weniger als sechs bis sieben Euro am Ende in der Fläche pro Flasche kosten. Dann haben alle was davon, auch Du. Leider ist den Deutschen das Produkt nicht wirklich etwas wert, einerseits. Und andererseits ist die Lieferantentreue auch nicht besonders ausgeprägt. Irgendeiner wird es schon billiger verkaufen, darauf können sich viele Kellereien verlassen. Ich glaube nicht, dass wir auf Dauer 15.000 Liter Huxel Landwein vom Hektar brauchen. Ich glaube wir brauchen handwerklich einwandfrei hergestellte Qualitätsweine aus sinnvollen Rebsorten,klassischer gut gemachter mainstream, massenkompatibel mit ansprechendem Design. Damit, da bin ich mir sicher, kann sich der Deutsche Wein in der Breite so positionieren, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist. Dazu müssen aber auch mehr Flächen her, auf denen das möglich ist.

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      • Stephan

        Hallo Dirk,

        wen meinst Du mit dem Satz “… andererseits ist die Lieferantentreue auch nicht besonders ausgeprägt”?
        Den Einkäufer der Discounterkette oder den privaten Kunden?
        Als ich mit dem Weintrinken anfing, da las ich in einem Buch, dass der Weintrinker die Weingüter besuchen solle wie ein Schmetterling die Blüten. Es gibt halt zu viele gute Weingüter in Deutschland und zu viele Weine, die mir schmecken. Mein Weinetat verteilt sich wie folgt: Rund 50% landen bei dem Weingut, bei dem ich seit 1991 Kunde bin. Die Winzerfamilie weiß das zu schätzen. Diese Familie aber weiß auch, dass ihre Rieslinge eben anders schmecken als Rieslinge vom Mittelrhein und von der Mosel, die ich auch gerne mag. Und einen Spätburgunder Weißherbst produzieren die auch nicht, ich brauche aber einen guten als Essensbegleiter. Und so geschieht es, dass die anderen 50% meines Weinetats wie ein Schmetterling mal dort und dann woanders landen. Plattformen wie Vicampo und Wirwinzer erleichtern mir das ungemein.

        Und was hat das mit Glyphosat zu tun? Nun, die Winzerfamilie, die 50% erhält, die nutzt kein Glyphosat mehr und hat sein einigen Jahren auf Bio umgestellt. Und die anderen 50% werden zumindest in Weine investiert, deren Endverbraucherpreis in der Regel nicht unter 8 Euro liegt, häufig aber im zweistelligen Bereich, so dass ich mir einbilde, dass da eine auskömmliche Marge auch für den umweltbewussten Erzeuger drin ist.

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  • Steillagenwinzer

    Da hat doch Winzer Michael Recht. Ich bin ebenfalls kein Anhänger von Glyphosat, hasse aber eine Pauschalisierung seitens praxisferner Personen und Politiker.

    Seitens Verbraucher und Lebensmittelhändler heißt es immer “der unwissende Verbraucher muss vor allem geschützt werden”. Am besten mit ausgiebiger Deklaration auf der Verpackung oder durch Einschränkungen der Produktion per Gesetz. Die Produzenten werden oft regelrecht in die Ecke von Betrügern gestellt.
    In der Realität liest aber erstens fast niemand die Verpackungen und zweitens ist fast niemand bereit, einen fairen Preis für Nahrungsmittel zu bezahlen. “Regionalität” und “Bio” kaufen doch viele nur, wenn es preisgleich mit konventioneller Ware (egal woher) ist.
    Selbst zählt man natürlich immer zu den anderen und muss sich nicht an die eigene Nase packen. Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen! Es liest ja auch niemand die BILD und es hat auch niemand die AfD gewählt.

    Lieber Herr Würtz, ich bin übrigens immer noch gespannt auf Ihre Antwort zum Thema Unkrautbekämpfung in Terrassenlagen.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Steillagenwinzer
      Habichtskraut, beispielsweise. Kenne ich von einige Kollegen, funktioniert gut.
      “Fast niemand liest Verpackungen”, schrieben Sie. Genau das ist es ja. Einerseits laufen die Verbraucherschützer annähernd Amok in Sachen Bezeichnungen, andererseits ignoriert der Verbraucherschutz die Tatsache, dass es beim Thema Glyphosat mehr als eine Studie gibt, die die Industrie bezahlt hat. Das finde ich nur schwer verständlich. Demnächst kommt die Nährwerttabelle auf das Etikett, aber die wirklich wichtigen Dinge interessieren den sogenannten Verbraucherschutz allem Anschein nach nicht. Dass das kaum einer liest, ist allerdings richtig.

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  • EC

    Wenn man die Kommentare hier so liest, dann komme ich mir fast wie der Muster(wein)verbraucher vor: zahlt im Durchschnitt einen 2-stelligen Betrag pro Flasche und die kommen auch noch mehrheitlich aus D bzw. zu 85 % aus dem deutschsprachigen Raum. Und Etiketten lese ich auch noch und stelle nicht gerade wenige Produkte nach der Lektüre wieder zurück ins Regal. Allerdings bringt das Lesen von Weinetiketten relativ wenig, da erfahre ich nur, daß Schwefel und Alkohol drin ist (ganz wichtig hier!) und im besten Fall noch was über die Bewirtschaftungsart.
    So jemand wie ich nützt dem 15.000 l/ha-Winzer aber nichts. So wie ich das sehe, gibt es beim Wein zwei Lager: die, die eine gewisse Qualität erwarten und dafür im Durchschnitt sicher die oben genannte 6 bis 7 Euro-Marke regelmäßig überschreiten (da ungefähr liegt auch der Durchschnittspreis für Weine, die beim Weinfachhändler oder direkt ab Hof verkauft werden) und die, für die Wein nicht mehr als Wasser oder Bier bedeutet und sich vornehmlich am Preis beim Discounter orientieren. Dazwischen gibt es nach meiner Einschätzung nicht so viel. Auch viele Verbraucher, die ganz bewußt nur “bio” kaufen, greifen am liebsten bei der 2,99 Euro-Flasche zu, weil in erster Linie “bio” wichtig ist, Herkunft oder gar Geschmack sind da sekundär, Hauptsache, es steht groß BIO drauf. Ob meine Beobachtungen im Kleinen sich auf die Situation in D einfach hochskalieren lassen, weiß ich nicht. Aber ich komme damit doch zu dem gleichen Schluß wie Dirk Würtz, nämlich daß die Bedienung des riesigen low-level Weinmarkts in D (da wird sich auch nicht viel bzw. schnell was dran ändern) aufgrund der Konkurrenzsituation insbesondere mit Spanien hierzulande keine Zukunft hat.
    Ich bin echt gespannt, was da in den nächsten Jahren passieren wird, aber ich kann da nur zuschauen und weiter guten Wein aus D kaufen…

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  • Michael

    @Jungwinzer: kleiner Ratschlag von einem Kollegen: lass den “Huxelschiss” sein. Das “Geschäft” ist Vergangenheit und kommt nicht wieder. Verkaufen, Stilllegen oder…Schont auch den Traktor und er läuft noch etwas länger;) Konzentriere Dich auf das, was Du GERNE machst und womit Du glaubst in Zukunft profitabel sein zu können. Die Masse wird nicht Dein Heil sein.

    @Dirk: was meinst Du mit “dazu müssen mehr Flächen her”?

    @EC: sehr löblich erstmal. Es gilt dennoch zu bedenken, dass von den 6,- Euro die Du beim Fachhandel ausgibst lediglich 3,- Euro beim Winzer ankommen. Nur mal so als Anstupser;)

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    • Dirk Würtz Post author

      @Michael
      Ich halte das aktuelle Weinbergs- und Pflanzrechtsystem für falsch. Habe ich ja auch schon ganz oft hier im Blog thematisiert. Ich würde neue Flächen zulassen, auf denen in einer Art Coop Trauben produziert werden können aus denen dann andere Wein machen können. Das würde, meiner Meinung nach, den Druck aus den Spitzenlagen nehmen. Auch aus den Steillagen. Die würde ich durch klare Profile versuchen zu stärken. Die können auf keinen Fall im Billigsegment unter acht Euro landen. ich weiß, eine Utopie…

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  • Jungwinzer

    @Dirk und Michael: Der Huxel wird gehegt und gepflegt weil ich die 0,75l Flasche für fast 6 Euro verkaufe und mehr an dem Wein verdiene als an einem Cabernet Sauvignon für 16.00 Euro die Flasche.
    Jede Sorte hat irgend wo seine Stärke und lässt sich zu einem spannenden Wein ausbauen. Natürlich hängt die Zukunft des Weinbaus nicht vom Glyphosat ab. Mir geht es einzig und alleine um die Entscheidungsfreiheit und genau da fordere ich ebenso unabhängige Prüfberichte über Spritzmittelrückstände. Die Lebensüberwachung spricht von Glyphosatrückständen in Konventionellen Weinen von unter 1 Mikrogramm, also 1 Millionstel Gramm. Das können überhaupt nur eine Hand voll Labore in Deutschland messen.
    Für mich gehört das Zeug auch weg. Aber ich muss darauf hin arbeiten es vollständig weg zu lassen. Dazu gehört eine Jahrelange Entwicklung meines Betriebes. Ein Verbot würde nur bedeuten auf teurere Herbizide zurück zu greifen die am Ende kein Stück besser sind. Wir müssen an der Wertschätzung für Landwirtschaftliche Erzeugnisse arbeiten. Das geht nur in dem man mal realistisch die Konventionelle Landwirtschaft in Deutschland und deren positive Entwicklung betrachtet und hervorhebt. Daneben gehören schwarze Schafe die Biowein usw in deutschen Discountern anbieten, und den Preis von 1,49 Brutto damit rechtfertigen, dass man in Italien wegen des Klimas nicht spritzen müsste, aus dem Verkehr gezogen. Die ganze Diskussion um das Glyphosat ist nur ein weiterer Tritt zwischen die Beine unserer Landwirte. Also Winzer mit Flaschenweinvermarktung sind wir ja da fein raus. Jeder kann auf alles verzichten und alles bewerben. Ich mache mir Sorgen um die kleinen Bauern die gezwungen sind weit unter dem Produktionskosten zu verkaufen. Jedes Jahr fordern die Verbraucher mehr und mehr aber bezahlen immer weniger. Groß angelegte Werbekampagnen müssen her. Meinetwegen Geld für Betriebe die auf Glyphosat verzichten und Investitionförderun für Maschinen die eben eine Mechanische Bearbeitung erlauben.

    Ich kann meine Weine ruhigen Gewissens nicht nur verkaufen sondern auch trinken. Weil ich in wenigen Jahren so viel für Nachhaltigkeit und Umweltschutz im Betrieb umgesetzt habe, dass ich trotz dem einmaligen Glyphosateinsatz im Jahr einfach Stolz bin auf 130.000 qm etwas für die Umwelt zu machen und nicht nur drüber zu reden. Aber alles braucht Zeit. Ohne Lottogewinn muss erst das Produkt mehr an Wert gewinnen und sich gut verkaufen, danach kann alles umgesetzt werden. Umgekehrt funktioniert es nicht weil man Geld eben erst ausgeben kann wenn man es verdient hat und nicht schon vorher!

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  • Michael

    ja nu…wenn du es schaffst 15000 Liter Landwein für 120.000 Euro zu vermarkten, dann sieh zu dass Du Dir ohne großes Gejammer nen neuer Schlepper und nen Unterstockmulcher zulegst. Die armen Fassweinwinzer werden Deinem Beispiel bald folgen und alles wird gut…

    Reply
  • LG

    “Ich will kein Gift konsumieren.” Klingt zunächst logisch. Demnach könnte man auch vom Konsum von C2H6O, Ethanol, abraten. Vulgo: Alkohol. Der soll auch im Wein vorkommen und wird als Lebergift eingestuft. Übrigens, rein was die subjektive Wirkung anbelangt, so wäre eine Angabe auf der Flasche, welche Volumenkonzentration Ethanol beinhaltet ist, sicherlich durchaus abschreckend (und dürfte wohl irgendwann als Segnung der EU-Weisen beschlossen werden, nebst Warnfotos o.Ä.).

    Was die toxikologisch spezifische Wirkung unter Bezugnahme auf die letale Dosis anbelangt, so seien die beiden Freunde einmal verglichen:

    Ethanol:
    3.450 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral)
    7.060 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)

    Glyphosat:
    > 10.000 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral)
    4.320 bis > 5.000 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)

    Bei Ethanol besteht die Wahlfreiheit des Konsums; ein Nachweis im Trinkwasser (je nach Stadt..) ist eher nicht gegeben.
    Bei Glyphosat ist immerhin der Ausdünnungsfaktor zu berücksichtigen.

    Mithin muss nicht alles gleich verboten werden. Glyphosat mutet nicht unbedingt sympathisch an, ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, bietet allerdings durchaus positive Anwendungsoptionen und dürfte bei reguliertem Einsatz in Relation keinen relevanten Schaden anrichten. Dosis facit venenum. Sic est.

    LG

    Reply
  • Lenz

    Sehr interessant fand ich Ihren Hinweis auf das Habichtskraut als Alternative zum Herbizideinsatz im Steillagen-Weinbau! Spontan ist mir das biologisch arbeitende Weingut Steffens-Kess eingefallen, dass mit Walderdbeeren als Bodendecker zu arbeiten scheint:
    http://www.steffens-kess.de/cms/tag/walderdbeeren/
    Meine Fragen sind nun: Glauben Sie, dass Walderdbeeren gleichwertige Bodendecker und somit eine gleichwertige Alternative zum Habichtskraut sind? Haben diese Bodendecker-Pflanzen ebenfalls positive Leguminosen-Effekte? Wäre es im Hinblick hierauf nicht besser Kleesorten (Gelb-, Weiß-, Arab. Schneckenklee usw.) als Bodendecker zu pflanzen? Kann man auch verschiedene Bodendecker kombinieren bzw. mischen, oder dominiert in einem solchen Fall die Pflanze mit dem stärkeren Wuchs die anderen, die Stück für Stück verdrängt werden?
    Viele Fragen, ich weiß, ich würde mich dennoch über ihre Antwort(en) freuen!
    Viele Grüße!

    Reply
  • Ferdinand

    Hallo Dirk,
    vielen Dank für den informativen Arikel! Ich habe mir auch viele Gedanken zum Thema gemacht und gehe da völlig d’accord mit dem, was du hier schreibst. Vor allem in deiner Konklusion finde ich mich sehr wieder. Den Artikel auf Spiegel Online werde ich mir nun auch einmal durchlesen.

    Vielen Dank und liebe Grüße,
    Ferdinand

    Reply
  • Stephan

    Das Weingut Tesch von der Nahe macht gerade auf einem Infoblatt zum Thema Glyphosat & Co zu Recht darauf aufmerksam, dass Glyphosat nicht nur vielleicht krebserregend sei sondern auch die Biodiversität massiv gefährde, da es durch die Vernichtung der Wildkräuter die Lebensgrundlage vieler Organismen im Ökosystem vernichte.
    “Die Arbeit unter den Rebstöcken wird bei uns mechanisch verrichtet. Diese Arbeitsweise lässt genug Lebensraum für die anderen Organismen im Weinberg.” Diese teure Methode schlage sich auch in den Weinpreisen nieder, so das Weingut.

    Reply
  • Udo Thiem

    Glyphosat schädigt das Bodenleben gleich in doppelter Weise: Einerseits wird möglicher Aufwuchs nahezu im Keim erstickt, soll heißen es entsteht keine organische Biomasse die z.B. von Würmern verzehrt und in Humus umgewandelt werden kann. Darüber hinaus nehmen Regenwürmer das Mittel über die Haut auf und gehen zugrunde. So gibt es auf Flächen auf denen Glyphosat angewendet wird weniger als halb so viele Regenwürmer. Sicher wirkt das Mittel auf andere Bodenlebewesen ähnlich schädigend.
    Zu den Kosten möchte: Ein Liter Glyphosat kostet nur rund 10 Euro,
    einen Liter des gleichen Mittels aus dem Trinkwasser herauszufiltern kostet 100 Tausend Euro, da liegen die tatsächlichen Kosten des konventionellen Weinbaus. Schließlich werden dort noch weitere unzählige Spritzmittel angewandt. Also setzen wir auf Biowein-Anbau, den konventionellen Weinbau können wir uns langfristig nicht leisten. Noch heute ist das seit langem verbotenes Atrazin im Wasser zu finden.

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