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Der Jahrgang 2015 – update

Wie in jedem Jahr wird orakelt, vorhergesagt und Stellung bezogen, wie er denn so ist, der aktuelle Jahrgang. Wie immer, ist es viel zu früh -und auch nicht.

 

Es gibt Dinge, die sind unkaputtbar. Jahrgangsprognosen gehören ganz sicher auch dazu .Entweder ist alles super toll oder super schlecht. Und falls es doch irgendwie etwas dazwischen sein sollte ist es oft nebulös und vom Marketing beherrscht. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Oder könnte zumindest so einfach sein. Man muss es nur differenziert sehen.

An der Basis, also das was es jetzt bereits in Flaschen zu kaufen gibt, ist alles wie immer. Jahrgangsunterschiede in der Fläche, also im Bereich unter fünf Euro, sind irrelevant. Da geht es nicht um Geschmack, das geht es um Menge. Um Regalplätze und dauerhafte Verfügbarkeit. Da wird Wein auf ordentlichen Niveau gemacht. So wie jedes andere Produkt eben auch. Ist das nicht verfügbar, wird es ausgelistet und durch etwas anderes ersetzt.

In der anderen Weinwelt, in der Premiumweinwelt in der wir hier uns alle bewegen, sieht das Ganze etwas anders aus. Da ist noch relativ wenig vom 15er gefüllt und bei einigen gärt es so oder so noch (so wie bei uns beispielsweise). Und obwohl das so ist, geistern schon die ersten “Fakten” und statements durch die Welt. Durch die Netzwelt versteht sich. Gestern sprach einer von einer Art “Säureproblem”. 2015 hätte wenig Säure. Als jemand der im Rheingau Wein macht, reibt man sich da verwundert die Augen. Wenig Säure? Quatsch! Und was ich so von den Kollegen in Rheinhessen und an der Nahe höre ist es da ähnlich. 2015 erscheint als ein ziemlich perfektes Rieslingjahr. Zumindest analytisch. Moste mit bis zu 95 Oechsle und 10 Promille Säure sind, wie gesagt analytisch, annähernd perfekt. Genaugenommen traumhaft. Schaut man sich die alten Aufzeichnungen an, ist das wie 1971. Und das war nicht so schlecht…

Ob das am Ende alles auch schmeckt, werden wir sehen. Es ist, wie ebenfalls bereits gesagt, viel zu früh.Natürlich war 2015 ein trockenes und warmes Jahr und natürlich sind wir Rieslingmenschen sehr focusiert auf die kühleren Jahre. Aber 2015 ist kein 2003. DA waren die Säuren niedrig. Und selbst da gibt es Exemplare, die heute dastehen wie eine Eins! Nicht alle, aber manche.

Es ist also eigentlich alles wie immer. Geduld ist angesagt. Auch und gerade von denen, die es eigentlich wissen müssten. Ich weiß ja, das ganz viele am liebsten bereits kurz vor Weihnachten den neuen Jahrgang hätten – in Flaschen und mit einer perfekten Prognose über deren Entwicklung ;-) Spaß beiseite, so geht das natürlich nicht. So ging es noch nie. Und den ambitionierten “Hobbyunkern” empfehle ich etwas Geduld und die Lektüre der einschlägigen Berichte, beispielsweise über die Ernte hier bei mir im Blog. 2015 ist bestimmt vieles, aber garantiert kein Problemjahrgang. Warum auch? Und nur weil wir mal nicht um jede einzelne gesunde Traube kämpfen mussten, heißt das noch lange nicht, dass das alles nix wird. Im Gegenteil! Abgerechnet wird zum Schluß

4 Kommentare zu “Der Jahrgang 2015 – update

  • EC

    Ein bißchen 2015 habe ich schon probiert. Bereits Mitte Dezember 2015. Bei der Adventsverkostung bei einem meiner Weinhändler. Er sagte, daß viele Winzer von den Abnehmern geradezu dazu gedrängt wurden, mit den 2015ern möglichst früh auf den Markt zu gehen, weil aufgrund der teils geringen 2014er Mengen nichts mehr verfügbar war. Ich habe Weine von Stahl, Pfaffmann und Angerer probiert, aber nur der GV “Kies” von letztgenanntem Winzer hat auch in diesem frühen Stadium schon Spaß gemacht. Die anderen waren einfach unfertig. Aber man kann sagen, daß es zumindest bei diesen Weinen kein Säureproblem gibt. Und in Athen habe ich noch zwei 2015er probiert, auch sehr schön, aber das ist ein anderes Thema…

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  • jens

    Von der Witterung her kommt 1991 vielleicht am Nächsten. Ich habe 1991 als nicht besonders gutes Rieslingjahr in Erinnerung. Aber das ist auch schon so lange her ……warten wir mal ab. Weinhändler aus dem Saargebiet spricht schon wieder vom Jahrhundertjahrgang und man soll kaufen, solange es noch was gibt :-)
    Wie immer hilft nur selbst probieren, denn Geschmäcker und Interessen der Beteiligten sind unterschiedlich. Winzer und Händler müssen vor allem immer den aktuellen Jahrgang verkaufen, somit darf von der Seite sicher keine Objektivität erwartet werden. Sobald der aktuelle Jahrgang ausverkauft ist, kann man dann auch offener sprechen, ohne das eigene Geschäft zu gefährden. Der Winzer muß schliesslich auch schwierige Jahrgänge verkaufen und wir Verbraucher sollten da ruhig auch ein bisschen helfen.

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  • Michael

    Ich kann mich kaum an ein Ernte- & kellermässig einfacheres Jahr erinnern. Mir kommt es eher so vor als suche jemand mühsam ein Haar in der Suppe…10 war schwierig, 13 war schwierig…aber 15 war bzw ist weit über der Messlatte…

    Gruß von der Mosel

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