Alles über Wein und den Rest der Welt…

Ein Burgunder – und was für einer!!!

Ich muss nicht weiter erwähnen, dass meine Liebe dem Riesling gilt. Und dem Pinot. Was auch sonst. Für mich sind das die beiden herausragendsten Rebsorten der Welt, der Galaxie, des Universums. Dennoch geht nichts über einen großen Burgunder. Aus dem Burgund, versteht sich. Deswegen heißt es ja auch Burgunder. 

Eines vorweg: Für mich ist das Burgund einzigartig. So wie es die Mosel ist. Vergleiche mit deutschen Chardonnays oder ähnlichen Gewächsen erschließen sich mir nur selten, meistens gar nicht. “Oh, ist der burgundisch!” im Kontext mit einem Chardonnay aus der Pfalz ist was genau? Eine Feststellung? Ein Kompliment? Eine Relativierung à la “oh, so schlecht ist der gar nicht”? Ein Pfälzer Chardonnay ist und bleibt ein Pfälzer Wein. Was auch sonst und im Übrigen ist das bereits ein Kompliment. Vorausgesetzt er schmeckt. Es ist klar, worauf ich hinaus will – ich mag diese Vergleiche nicht. Besser gesagt, halte ich sie für nicht zielführend. Schon gar nicht, wenn man versucht, mit Herkunft zu punkten und sich darüber letztendlich zu unterscheiden. Gerade beim Chardonnay ist das wichtig. Der wächst nämlich überall, außer am Nord- und am Südpol. Was im Burgund so genial sein kann, kann anderswo mal eben schnell ganz belanglos sein. Nicht schlecht. Belanglos.

Es ist schwierig, zumindest für mich, im Burgund etwas zu finden, was wirklich neu ist. Ich gebe zu, ich bin lange schon kein Insider mehr, sondern lediglich interessierter Wegtrinker. Das hat mehrere Gründe. Den Überblick zu behalten ist kompliziert und ich bin beschäftigt genug hier in Deutschland, den Überblick zu behalten. Des Weiteren sind selbst die guten Einstiegsweine oftmals extrem sportlich bepreist, sodass sich das einfache Wegtrinken auch nicht sonderlich lustig gestaltet. Das Burgund ist mehr die “posh-Region”. Zumindest für mich. Ich liebe es, aber es bleibt den besonderen Anlässen vorbehalten. Wenn kein GG zur Hand ist… ;-)

Zum eigentlichen Thema

Ich habe kürzlich einen Burgunder entdeckt, den ich keinem vorenthalten will. “Entdeckt” ist vielleicht nicht dir richtige Umschreibung. Ich wurde während des Kartenspielens – Skat versteht sich – auf den Wein aufmerksam gemacht. “Trink das. Das ist top. Kann man nicht kaufen!”, war die kurze und knappe Ansprache meines Gastgebers und Mitspielers. Da ich seinen Geschmack kenne und seine Expertise in Sachen große Weine dieser Welt eine herausragende ist (eine der herausragendsten die ich kenne), gab es für mich keinen Anlass, seiner Aufforderung nicht nachzukommen. Es war wie annähernd immer, wenn es um große Weine geht – er hatte recht. Der Wein war ein Knaller. In heutigen Zeiten blieb da nur eines: Foto auf Facebook in unserer Weingruppe posten und den passenden Teaser dazu wählen. Der ging so: “Vergesst Coche-Dury….”. Wann immer man den magischen Namen “Coche-Dury” in Weinkreisen im Netz postet, wird alles zum Selbstläufer. Man könnte es durchaus hysterisch nennen. Ich finde es witzig und könnte mittlerweile auf sämtliche nachfolgenden Reflexe wetten. Dazu postete ich noch: “Leider nicht zu kaufen”. Das war mehr Anreiz als Feststellung, denn “nicht zu kaufen” gibt es nicht. Alles ist zu kaufen, die Frage ist nur immer wo und für wie viel Geld. So war es auch. Ein befreundeter Weinhändler machte sich direkt auf die Suche und jetzt steht das Zeugs auf dem Tisch. So! Von wegen gibt es nicht, lieber Kartenmitspieler… :-) :-) :-)

narvaux“Les Narvaux” heißt der Wein, es ist ein Meursault aus dem Jahr 2010 und gemacht hat ihn ein Holländer… verehrte Holländer, Glückwunsch! Wenn das schon mit dem Fußball nicht mehr so richtig klappt, auf diesen Wein könnt ihr stolz sein. Zum einem Teil natürlich nur, schließlich wächst der ja in Frankreich. Der Wein wird auf einer mikroskopisch kleinen Fläche von ungefähr einem halben Hektar hergestellt und eigentlich nur in Holland vermarktet. Eigentlich. Der Winzer ist eigentlich Journalist und heißt Karl de Graaf. Da ich zu überbordender Euphorie im ersten Moment der Geschmacksglückseeligkeit neige, habe ich gestern mit den Kollegen noch einmal eine Flasche probiert.

Der Wein ist die Ausgeburt an Finesse und Frische, ohne dabei die notwendige Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Er hat Druck und Zug und obwohl das Holz deutlich ist, ist es niemals aufdringlich. Man könnte es als perfekt eingebunden bezeichnen. Er ist leicht kräuterwürzig, hat ganz zarte dezente Anklänge von frischer Vanille und einen Hauch von Zitrusfrüchten. Rund, perfekt, harmonisch und taufrisch ist er. Der Trinkfluss ist gigantisch, die Flasche war ruckzuck leer. Wer ein echten Stückchen Burgund im Glas haben will, ist hier goldrichtig. Kostet um die 50 Euro und ist jeden Cent wert. Den Wein gibt es bei K&M Gutsweine in Frankfurt. Allerdings nicht im shop. Einfach eine Mail schicken oder anrufen. Es lohnt sich. Versprochen!

 

 

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