Alles über Wein und den Rest der Welt…

Where the fuck is „Auli” ?

Der Rheingau besteht aus zwei Dutzend Weindörfern, von A wie Assmannshausen bis W wie Winkel, oder von Lorchhausen im Westen bis Wicker im Osten. Alle haben ihre Weinberge, nur eines nicht: Aulhausen. Und dennoch ist das oberhalb von Assmannshausen gelegene, liebevoll „Auli“ abgekürzte „Nest“ mit seinen rund 1000 Einwohnern einen Besuch wert. Denn (mehr als) drei der 1000 Bürger sind Winzer mit Ambitionen: Strieth, Schön, Friesenhahn. Nie gehört? Selbst schuld, aber eigentlich nicht zu verzeihen. Vor allem nicht denjenigen, die immer auf der Suche nach „Geheimtipps“ jenseits der (VDP-)bekannten Namen sind und gute Weine zum vergleichsweise kleinen Preis suchen.

Doch zuerst zum Ort und seinen Lagen. Aulhausen ist immerhin gut 900 Jahre alt. Es war als Ort der Töpfer bekannt und beherbergt heute mit dem St. Vincenzstift Aulhausen den größten  Arbeitgeber des Rheingaus. Weil sein südliches Ende quasi in Assmannshausen übergeht und auf den Höllenberg stößt (einen Steinwurf vom Ortsende residieren das VDP-Gut Robert König und die Assmannshäuser Domäne der Staatsweingüter), schlossen sich Assmannshausen und Aulhausen in den 1970er sogar zusammen. Es gab auch einmal Aulhauser Weinbergslagen. Gustav Lüstner schrieb über „Die Lagennamen des Rheingaus“ zu Aulhausen: „Die Weinberge liegen weitab vom Dorf im oberen Teil des Rüdesheimer Bergs“…. (heute teilweise wohl  Kaisersteinfels), und er nennt immerhin drei Lagen: Gibel (Leingipfel), Orlenz und Frenz… (heute Gewannbezeichnungen im Kaisersteinfels) Vermarktet wurden sie zuletzt wohl unter der Bezeichnung „Aulhauser Berg“…. Nach Recherchen des Weinbauamtes wurden große Flächen der Aulhäuser Lagen wohl von einem Winzer Henne bewirtschaftet wurden, der in Aulhausen beheimatet war, den Weinbau aber schon vor Jahrzehnten aufgab. Wie dem auch sei, auch wenn die Lagen des Orts heute keine Rolle mehr spielen, die Winzer tun es schon, und sie trumpfen mit Spitzenlagen auf, beispielsweise dem Rüdesheimer Berg.

Weingut Thilo Strieth

Die Wurzeln des nur knapp vier Hektar großen Weinguts reichen bis 1776 zurück. Von Mai bis September ist ein schöner, geruhsamer Weingarten geöffnet, wo sich die Weine besonders entspannt verkosten lassen. Trockene Basis ist der „Saxum“-Riesling, sozusagen der weiße Zweitwein aus dem Schlossberg – immer mineralisch, mit grünem Apfel, lebendiger Säure und fruchtbetonter Eleganz. Der weiße Primeur ist der 2015er Jungspund, ein von Hefe geprägter, junger, frecher, spritziger Botschafter der neuen Jahrgangs. Bekannt wurde Strieth mit seiner Interpretation eines Blanc de Noir – meist aus der Lage Hinterkirch – der klar wie ein Gebirgsbach die Kehle runterläuft. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Roten. Der eher leichtgewichtigte 2013 Assmannshäuser Frankenthal zeigt helles Rubin und offenbart am Gaumen viel Cassis und kräuterige Noten. 2014 Höllenberg dann mit klassischem Rubinrot, feinen Schiefer- und leicht Veilchen-Aromen, ein wenig speckig, noch recht verschlossen, rauchiger Abgang, leichte Bittermandelnote, sehr mineralisch, salzig kühl. Und dann der 2013 Schlossberg Pinot: grandioses Bukett, sehr burgundisch, fein, elegant, vielschichtig, komplex mit großer Zukunft (wie toll die Weine reifen zeigte übrigens bei meinem Besuch ein 2000er Frankenthal Spätburgunder mit nach wie vor erstaunlicher Präsenz trotz deutlich oxidativer Noten)

Weingut Michael Schön

Klaus Schön ist ein sympathisches Original, ein Schlitzohr, ein Qualitätsfanatiker, der sich aber häufig von Bauchgefühlen und Instinkten leiten lässt. In der schönen Gutsschänke (s. Rheingauer Weinschmecker) tafelt und trinkt es sich vortrefflich. Schön hat immer einige reintönige, fruchtbetonte, leckere Weißweine aus dem Bischofsberg und dem Drachenstein im Angebot, aber seine Spezialität sind die Rotweine aus Roseneck, Rottland, Drachenstein und vor allem dem Schlossberg. Die Schlossberg-Auslesen der Jahrgänge 2011 und 2012 sind jetzt auf dem Höhepunkt. Muss man getrunken haben!. Vielschichtig, kraftvoll und doch komplex mit großem Nachhall und feiner Würze. Auch Schön hat nur vier Hektar, aber was er daraus macht, das ist aller Ehren – und einen Besuch – wert.

Weingut Friesenhahn

Das gilt im übrigen auch für das kleine Weingut Friesenhahn, das Dirk Friesenhahn im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Weinberge liegen in den Steilhängen des Rüdesheimer Bergs. Aus vollreifem und gesundem Lesegut werden nach gezielter Ertragsbeschränkung sehr mineralische Weine erzeugt. Schnell ausgetrunken ist meist der stoffige Grauburgunder aus dem Drachenstein, der uns allerdings häufig nicht trocken genug ist. Unser Lieblinge sind der „Riesling Alte Reben Katerloch“ aus dem Drachenstein und der trockene Spätburgunder aus dem Barrique. Auch wenn die Wein-Bezeichnungen barock-althergebracht sind und die Qualitätspyramide nicht stringent ist (das gilt leider für alle Winzer in Aulhausen mit ihren trocken Auslesen ….), so zählt am Ende natürlich der Inhalt. Und der stimmt in „Auli“… auch ohne Weinberge.

7 Kommentare zu “Where the fuck is „Auli” ?

  • Michael Schmidt

    DEn Titel finde ich nicht gut. Legär geht auch ohne das f-Wort. Vielleicht ist es der Reiz des Neuen, aber “where the hell is Auli” wäre besser und nicht so vulgär. Da stehst Du drüber!

    Reply
    • Rheingauer Weinschmecker Post author

      sorry, aber das ist auch ein bewusster Bezug auf den neuen Strieth-Wein “Fuck off Intolerance”, mit dem er gegen Rassismus protestiert….

      Reply
  • Michael Schmidt

    ah so. Schade, dass die das so geschmacklos (oder gedankenlos) ausdrücken. Ich bin genauso gegen Rassismus wie gegen Verwahrlosung der Sprache. Ersteres ist total inakzeptabel, zweiteres total unnötig.

    Reply
  • Farbenfreundin

    … ach, dass gute alte f-Wort ist doch fast schon salon-fähig :-) Wusstet ihr, dass es im Coaching-Bereich sogar schon Workshops mit dem Titel “F** it”, um Burn-Out vorzubeugen?
    Darauf einen guten Roten – gerne aus Auli!

    Reply

Hinterlasse einen Kommentar zu Dirk Würtz Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>