Alles über Wein und den Rest der Welt…

Welcome in Eltville, Eva Fricke!

Zurückhaltend, manchmal ein wenig scheu wirkend, aber gleichwohl sehr selbstbewusst und mit einer klaren Vorstellung von ihren Weinen und ihren Zielen, das ist Eva Fricke. Kaum zu glauben dass es jetzt schon zehn Jahre her ist, seit sich die gebürtige Bremerin in Kiedrich – zunächst im Nebenerwerb – den Traum vom eigenen Weingut erfüllte. Damals, im Jahr 2006, war sie noch Betriebsleiterin beim Rüdesheimer Weingut Leitz, wo sie nach dem Geisenheimer Weinbaustudium und einer ersten beruflichen Station bei J.B. Becker in Walluf ihren Ruf als überaus talentierte Weinmacherin festigte.

Aus einem Morgen Weinberg wurden bis heute 7,5 Hektar, und Fricke denkt in noch größeren Dimensionen. Bis zu zwölf Hektar sollen es werden. Der Betrieb ist vor wenigen Wochen von Kiedrich in die Eltviller Elisabethenstraße umgezogen, als Mieterin in zwei eher unscheinbaren Industriegebäuden. Gleichwohl wird sie weiter dem Kiedricher Weinbauverein angehören. Die neue Vinothek ist zurückhaltend modern und großzügig dimensioniert und passt mit ihrer Klarheit stilistisch ganz zu den Fricke-Weinen. Die Vinothek darf wohl auch als Zeichen verstanden werden, dass sich das Weingut mehr und mehr Privatkunden öffnen wird. Aber auch sonst ist das Weingut in Bewegung. In zwei bis drei Jahren soll die Ökozertifizierung abgeschlossen sein, ein Beitritt zu einem anspruchsvollen Verband wie Demeter scheint absehbar. Von Fricke wird auch in Zukunft noch einiges zu hören und viel zu schmecken sein.

Der Jahrgang 2014

Fricke3 Nicht-Rieslinge, 3 Ortsweine, 3 Lagenweine, dazu ein Gutswein und eine süße Spätlese, das ist – bis auf jahrgangsbedingte Ausnahmen – das Portfolio von Eva Fricke. Die bisherige Konzentration auf Großkunden und Wiederverkäufer sowie das ihr eigene Selbstbewusstsein spiegeln sich in Preisen von 14 Euro für Ortsweine und andere Rebsorten wider, die „Großen Gewächse“ aus der Lorcher Krone und dem Schlossberg stehen für 32 Euro in der Preisliste. Das ist vor allem für die Lagenweine mehr als angemessen.

2014 Lorcher Pfaffenwies Pinot Noir Rosé – Ein Rosé, ganz genau wie er für mich sein soll: betont trocken, nobles blasse Rosé, klare Schiefernoten, feine mineralische Art, gepaart mit Anklängen von Himbeere und Erdbeere in großer Balance und Haromonie, perfekt!

2014 Lorchhäuser Seligmacher Silvaner trocken – grüne Reflexe, sehr ausdrucksstark, expressiv, Stachelbeere am Gaumen, weiche Säure, sehr saftig

2014 Lorcher Krone Weißburgunder – leicht nussige Noten, sehr aromastark, opulent, fest, zugegeben: ich ziehe den Silvaner klar vor!

2014 Rheingau Riesling trocken – der Gutswein, teils aus zugekauften Trauben zwischen Walluf und Lorch, sehr mineralische, zurückhaltende Frucht, ein wenig Apfel und Zwetschge

2014 Kiedricher und 2014 Lorcher Riesling – die beiden Ortsweine… überraschend für mich: sie  liegen geschmacklich deutlich enger beisammen als geografisch, das Terroir (Quarz bzw. Schiefer mit Lössauflagen liefert die Erklärung), für mich hat überraschend der schon sehr zugängliche Kiedricher knapp die Nase vorn, mittelfristig scheint der Lorcher aber vielversprechender

2014 Lorcher Riesling off dry – ein Wein mir recht kühler, salziger Note und gutem Schmelz bei prägnanter, aber weicher Säure

2014 Lorchhäuser Seligmacher – sozusagen der „Charta-Wein“ im Sortiment, sehr würzig und süffig, gute Kraft und Fülle, hohe Trinkanimation, schlotzig, teils rote Früchte mit leichte Feuersteinnoten, sehr geschliffen, feine Säure-Süße-Spiel….

2014 Schlossberg Riesling – ein regelrecht „vibrierender“ Tropfen, salzige Note, saftig, strahlt in jeder Faser das Mittelrheintal als Herkunft aus, Anklänge von Stachel- und Johannisbeere, ob 20g RZ genau das richtige Maß sind, muss jeder für sich entscheiden, ich hätte ihn mir auch gut etwas trockener vorstellen können….

2014 Lorcher Krone trocken – Grazile Rieslingmajestät, vorwiegend gelbfruchtig, ein wenig Birne, aber auch Apfel,  weich und samtig, setzt dem ganzen Sortiment die Krone auf, phänomenal gut, sollte am besten dekantiert werden!

2014 Lorcher Schlossberg Riesling Spätlese – der einzige Süßwein bei Eva Fricke (sofern die Natur nicht auch mal eine Auslese spendiert), saftig, nicht über-opulente Art, schöner Nachhall, große Trinkfreude.

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