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VDP.GROSSES GEWÄCHSE 2014 – Fazit

Zwei Tage intensives verkosten und live-bloggen sind vorüber. Ich habe alles probiert, was ich probieren wollte, Zeit also, für ein Fazit.

Der Jahrgang 2014 war, zumindest für mich, eine der größten Herausforderungen seit langer Zeit. Es regnete, es hagelte und es war warm. Das alles zusammen ist eine denkbar schlechte Kombination. Es war schnell klar, das nur penibelste Selektion zu wirklich guten Weinen führen konnte. Egal ob an der Basis oder an der Spitze. So wurde es auch allenthalben annähernd überall gemacht. Ich bin permanent im Weinberg, ich kann sehen, was die Kollegen tun.

Es war auch schnell klar, dass das was geerntet wurde, ganz anders war als das was 2013 geerntet wurde. 2013 fehlte es oft an dem nötigen Quäntchen Reife, insbesondere was die Säure anbelangt. Die war 2014 vom ersten Tag der Lese an anders. Genauer müsste es eigentlich, dass die aggressive Äpfelsäure deutlich niedriger und die Weinsäure höher war. Das hilft, und das merkt man den 2014ern an. Grundsätzlich würde ich aber meinen, dass wir in Sachen Grosses Gewächs mittlerweile so oder so einen Standard erreicht haben, bei dem man sich auf die Spitzenerzeuger mehr oder minder blind verlassen kann. Großartige Aussetzer gibt es da nicht. Egal wie das Jahr ist. Was sich ändert ist die Menge der erzeugten Flaschen.

Was es natürlich gibt, sind unterschiedliche Geschmäcker. Das wurde mir in den letzten beiden Tagen wieder einmal sehr deutlich. Was der eine mag, mag der andere so gar nicht. Was es auch gibt sind unterschiedliche Wahrnehmungen und unterschiedliche sensorische Fähigkeiten. Das ist in keiner Weise wertend gemeint, es ist lediglich eine Feststellung. Es ist beispielsweise schwierig das Potenzial eines Weines erschmecken und einordnen zu können. Es gibt sehr geübte Verkoster die das können, andere können das gar nicht. Und schlussendlich gibt es so etwas wie Präferenzen. Der professionelle Verkoster lässt sich nicht vom Etikett beeinflussen, anderer schon. Man kann das alles zusammen fassen unter: es menschelt…

Zu den wesentlichen Punkten

Die Region, die mich am meisten erfreut hat war in diesem Jahr Franken. Das hat alles durch die Bank weg Spaß gemacht. Ganz besonders hervorheben möchte ich hier die Weine von Horst Sauer, Rudolf May, Paul Fürst und Weltner. Die sind alle nahezu perfekt (zumindest für mich).

in Rheinhessen kommt mein unumstößlicher aktueller Favorit in diesem Jahr von der Rheinfront – wohlwissend, dass noch einige Wein fehlen. Deswegen auch “aktuell”. Es ist Johannes Hasselbach vom Weingut Gunderloch. Seit einigen Jahren ist er auf dem Weg ganz eigenständige und hochwertige Weine zu produzieren. Jetzt hat er mit den 14er GGs noch einmal einen draufgesetzt. Das Pettenthal gehört für mich zu den besten GGs in diesem Jahrgang überhaupt.

Die Kollegen aus der Pfalz, rund um Forst haben eine Kollektion atemberaubender Weine hingelegt. Allen voran Bassermann-Jordan. Noch nie habe ich derartig grandiose GGs aus diesem Weingut probiert. Gut sind die ja eigentlich immer. Verlässlich vor Allem. Aber 2014 ist in diesem Weingut ein ganz großer Wurf. Was Reichsrat von Buhl macht ist mindestens genau so atemberaubend. Größere Präzision geht kaum noch. Bürklin-Wolf ist gigantisch, vielleicht sogar mit dem größten Potenzial.Auch Christmann und Rebholz strahlen in diesem Jahr um die Wette. Man kann dort bedenkenlos kaufen. Alles.

Die Württemberger haben mir am meisten Spaß gemacht. Eine Region, die keiner wirklich auf dem Schirm hat. Da enstehen mittlerweile großartige Rieslinge, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Pinots und Lemberger so oder so. Mein Coup de Coeur geht an das Weingut Beurer.Ich kannte die bislang nicht, ich werde das umgehend ändern. Jeder der in Wiesbaden vorgestellten Weine war der Hammer! So viel Charakter auf einmal habe ich überhaupt noch nie erlebt. Mein Höhepunkt der vergangenen zwei Tage!

Die Mosel hat mich in diesem Jahr ebenfalls rundweg begeistert. Allen voran Lauer mit seinen sensationellen Rieslingen und Schloss Lieser. Überhaupt empfand ich das gesamte Niveau der Mosel klasse.

An der Nahe war ich, ich glaube das ist das erste Mal, restlos im Schäfer-Fröhlich-Taumel. Die Weine sind allesamt brillant (zumindest für mich) und das Goldloch von Diel ist das beste Goldloch aller Zeiten

Über meinen Rheingau kann und will ich nicht viel sagen, außer: es macht Spaß. Meine Empfehlungen dazu stehen im gestrigen Teil 2.

Fazit

Das VDP.GG ist auf einem guten Weg. So viel ist sicher. Das Interesse an diesen Weinen ist gigantisch. Selbst im Ausland spielen die GGs zunehmend eine Rolle. Sie sind eine Art Aushängeschild, wenn man so will. Sie sind Botschafter bester Herkünfte. Als solche sollte man sie auch verstehen. Sie werden an Bedeutung mehr und mehr zunehmen. Das ist das, was ich auch im Ausland oft zu hören bekomme. Ob es so kommen wird, werden wir sehen. Dazu gehört natürlich auch ein funktionierender Sekundärmarkt. Den gibt es für diese Weine bisher nur in einem klitzekleinen Ansatz. Ich glaube, ich bin überzeugt davon, dass sich das ändern wird.

Ich werde natürlich in den nächsten Monaten immer mal wieder diese Weine nachprobieren und ich bin gespannt, wie sie sich entwickeln werden. 2014 ist aber in jedem Fall ein Jahrgang, der vor 2013 und 2012 einzuordnen ist. Ob er ein ganz großer wird, weiß ich nicht. Dafür ist es noch zu früh. Zu den kleinen Jahrgängen wird er jedenfalls nicht gehören. Müsste ich eine  Prognose abgeben würde die jetzt wie folgt aussehen: 2014 ist in in der Phalanx der 2004er und 2008er einzuordnen. Viel Potenzial!

Und wie in jedem Jahr geht mein großer Dank an alle Mitarbeiter und Helfer des VDP, die diese Probe zu einer der phänomenalsten in der Weinwelt machen!

9 Kommentare zu “VDP.GROSSES GEWÄCHSE 2014 – Fazit

  • Michael Albert

    Lieber Dirk Würtz,
    wie immer wunderschön zusammengefasst und klasse zu lesen, vielen Dank!
    Für mich jedes Jahr ein Lese-Muss und Anregung zur Verkostung und Kauf.

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  • Sigbert Frisch

    Ja, sehr schön und sehr leidenschaftlich. Aber dass 2014 besser sei als 2012 halte ich für falsch.

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  • Jens

    Wenn im schwierigen Jahrgang so tolle Weine entstehen, was kommt dann erst in einem großen Jahr ? Aber bei den Klimakapriolen kommen vielleicht keine perfekten Rieslingbedingungen mehr ……..2015 wird hoffentlich nicht wie 2003 …

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  • Frank Steinseifer

    Ich habe die Seite erst vor ein paar Tagen entdeckt – wenn es den Blog nicht geben würde, er müsste erfunden werden! Als begeisterter Riesling-Fan (vor allem Bürklin-Wolf/Pfalz, Breuer/Rheingau, Clemens Busch/Mosel, Kesselstadt/Mosel und Domaine Albert Mann/Wettolsheim im Elsaß) habe ich die VDP-Jahrgangsbeschreibungen mit Begeisterung gelesen. Informativ, unterhaltsam, in den Beschreibungen nachvollziehbar – kurzum: Chapeau!

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