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„Erstes Gewächs“ Rheingau am Scheideweg

von Oliver Bock

Nichts könnte den „Absturz“ des Ersten Gewächses Rheingau (EG) nach dem Ausscheren der VDP-Betriebe hin zum GG drastischer (grafisch) verdeutlichen als die Produktionsziffern: Statt mehr als 160.000 Liter wie noch beim Jahrgang 2012 werden in dieser (geschmacklich!) trockenen Spitzenweinkategorie jetzt nur noch knapp 31.000 Liter erzeugt. 26 Betriebe schaffen (mit 32 Weinen) damit zusammen noch nicht mal eine Menge, wie sie Schloss Johannisberg ganz alleine (als GG) erzeugt. Was sagt uns das für die Zukunft, 15 Jahre nach der Einführung? Wenig Verheißungsvolles. Die Probe der 2014er Ersten Gewächse förderte in diesem Jahr eine stark heterogene Qualität zutage. Rund ein Drittel der Weine ist recht gut gelungen, reicht aber in der Spitze m.E. nicht ganz an die sehr guten GGs im VDP Rheingau heran. Ein Drittel der EGs liegt im brauchbaren Mittelfeld, ein Drittel wäre besser nicht gezeigt worden in der Vinothek von Schloss Schönborn, das bekanntermaßen turbulente Zeiten (hoffentlich endgültig) hinter sich hat. Der Weg zurück in den VDP scheint aber weit, und noch weiter ist er wohl für Schloss Reinhartshausen, das sich erst gar nicht mehr an der Erzeugung Erster Gewächse beteiligt! Was das soll, das bleibt bislang Gegenstand von Spekulation. Vermisst habe ich übrigens auch Chat Sauvage, Koegler, Trenz und einige andere Güter…, bsp. auch das Bischöfliche Weingut, Hanka, Corvers-Kauter, aber das ist ein anderes Thema…)

Zurück zur Präsentation. Weinbaupräsident Peter Seyffardt (selbst VDP und 2015 mit dem erstem und bisher einzigem Gewann-GG Schlenzenberg) kündigte zu meiner Verwirrung an, er arbeite an der „langfristigen Zusammenführung“ von EG und GG nach dem Wechsel der Rheingauer VDP-Betriebe von EG zum GG. Das ist eine Kehrtwende. Das hätte man aber auch gleich haben können! Damit scheint absehbar, dass der Verband vielleicht doch noch den gravierenden Fehler der Vergangenheit korrigiert, auf einem (zunehmend im Markt bedeutungslosen) „Ersten Gewächs“ zu beharren und nicht ein „Großes Gewächs Rheingau“ neben dem VDP.GG aus Großer Lage zu etablieren. Also erst hott, und dann wieder hüh ?!? Dann aber bitte mit überarbeiteten Richtlinien, mit gesetzlich trockenen Weinen und einer strengen Jury. Und bei der Gelegenheit: Die Gewanne hätten selbstredend mit (strengen)  Qualitätsanforderungen versehen werden müssen (bei gleichzeitiger Streichung der überflüssigen Großlage! ) Wo bitte, setzt der Verband denn die Leitlinie „Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“ mit verbindlichen Vorgaben an die Mitglieder durch? Nirgends.

Und nun zu den Weinen selbst. Ohne Zweifel muss künftig strenger probiert und (wieder) mehr ausgesiebt werden. In diesem Jahr wurden 4 (vier!) Weine abgelehnt. Vor zehn Jahren waren es 35 von 104, 2012 sogar 66 von 145, die durchfielen !!!!. Das ist beachtlich! Es hilft der Region wenig, wenn Weine durchgewunken werden, die das nicht verdient haben. Beachtlich auch, dass – genau anders als bei der Rheingauer Schoppentrophy – bei den Spitzen der untere Rheingau die Nase vorn hat.

Und hier die Tops unter den Ersten Gewächsen Rheingau 2014 (die Reihenfolge ist keine Rangfolge, herausragende Überflieger gab es diesmal nicht…)

Laquai Lorcher Schlossberg

Mohr Lorcher Kapellenberg

Altenkirch Lorcher Pfaffenwies

Goldatzel Winkeler Hasensprung

Sohns Geisenheimer Kläuserweg

Schönborn Rüdesheimer Schlossberg (und NUR Schlossberg)

Schumann-Nägler Geisenheimer Rothenberg

Abel Oestricher Lenchen

Heinz Nikolai Erbacher Steinmorgen

Himmel Hochheimer Kirchenstück

Ein Kommentar zu “„Erstes Gewächs“ Rheingau am Scheideweg

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