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Viel Kork, wenig Genuss: Spätlesen 25 years after….

Riesling Spätlesen 25 Jahre danach: Viele Korkschmecker und wenig Trinkfluss: Mehr als 30 fruchtsüße Riesling-Spätlesen des seinerzeit gut bis sehr gut bewerteten Jahrgangs 1990 von ausschließlich renommierten deutschen Erzeugern – das versprach einen spannenden und zugleich genussvollen Abend im kleinen Kreis. Das Ergebnis indes war recht ernüchternd: nur eine Handvoll Weine haben den Trinkspaß tatsächlich über ein Vierteljahrhundert bewahrt. Ansonsten viel Kork und manch “anstrengender” Tropfen. Einige Lehren daraus liegen sofort auf der Hand:  11777998_1432027327126824_1431212536_nAuch (edel-) süße Riesling-Spätlesen guter Jahrgänge sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Ermuntern wir Weinfreunde die Winzer, auf Schraubverschlüsse zu setzen. Trinken wir die Weine, solange sie Freude bereiten und lassen wir sie nicht so lange im Keller liegen. Alter allein ist eben kein Qualitätsmerkmal. Und Ihr, liebe Winzer: spart nicht so sehr mit Zucker und Schwefel!

Weinsammler Hans Onstein hatte bei Achim von Oetinger im Rheingau mit tatkräftiger Hilfe von Alex Jung zur Probe geladen. Nicht blind, was in diesem Fall auch wenig Sinn gemacht hätte. Insgesamt zehn Flights wurden verkostet mit jeweils 3-4 Spätlesen von der Saar, von der Ruwer, von der Nahe, aus dem Rheingau und von der Mosel.

Das ernüchternde Fazit vorweg: Rund ein Drittel aller Weine war mehr oder weniger stark durch Korkschmecker verdorben bzw. nicht mehr angemessen verkostbar. Mancher vermochte zwar den Weinen “am Kork vorbei” ihre Klasse zu erkennen (vor allem Karthäuserhof, Künstlers Herrnberg), aber insgesamt ist diese Quote ein nicht akzeptables Desaster! Leute, geht in Euch und in Eure Weinkeller!

Die (leider zu wenigen) Höhepunkte der Probe: Maximin Grünhäuer Abtsberg von Schubert erwies sich als ausgezeichneter Wein mit einer Fülle exotischer Frucht (Maracuja), mit würzigen Kräuternoten und packender Säure. 91 Punkte. Rauenthaler Rothenberg von August Eser mit viel Dörrobst am Gaumen, lebendiger Säure, gutem Nachhall und gutem Zug. 92 Punkte. Weingut Dr. Loosen mit dem Erdener Treppchen, mit 92+ Punkte durch seine strahlende Art, feine, exotische Frucht, gute Säure und Eleganz – für mich der Sieger des Abends. Daneben noch sehr, sehr gut: Erbacher Marcobrunn von Schloss Reinhartshausen: klar, präzise, fest, gute Säure-Süße-Balance, feinfruchtig, lecker, sehr trinkfreudig. 91 Punkte. Mehr davon!

11749528_1432039443792279_394303220_nDas führt mich zu einer besonderen „Probe in der Probe“: Es standen alle 6 Marcobrunn Spätlesen jenes Jahres (Reinhartshausen, Knyphausen, Oetinger, Langwerth, Schönborn, Staatsweingüter) zum direkten Vergleich auf dem Tisch. Allerdings konnte mich neben Reinhartshausen allenfalls noch Langwerth (Bluecap) überzeugen.

Neben den erwähnten vier „Siegern“, von denen man gut und gerne eine Flasche leeren würde, gefielen mir noch der Saarburger Rausch von Forstmeister Geltz-Ziliken, das Goldloch von Diel, der Goldatzel von Eser (Johannishof), der Walkenberg von Toni Jost sowie die Sonnenuhr von Joh. Jos. Prüm (den sahen manche zugegeben auch weiter vorn…)

Unter dem Strich aber war ich dennoch ein wenig enttäuscht von der geringen Haltbarkeit vieler Weine und entsetzt von der Fehlerhaftigkeit der Korken. Weiter bemerkenswert war, dass einige Weine nach dem Luftkontakt unglaublich schnell zerfielen oder vom Sauerstoff regelrecht zerstört wurden. Die Experten werteten dies als Folge eines seinerzeit zu zurückhaltenden Umgangs mit Schwefel. Auch erwiesen sich Restzuckerwerte mancher Weine von 30 bis 40 Gramm in der Regel (Ausnahme Mosel) als zu wenig, um Trinkfluss über Jahrzehnte zu bewahren. Ein gute Portion Restzucker (vielleicht so 70-80 Gramm) tut den Spätlesen langfristig gut. Am Ende aber zu viel Schatten und zu wenig Licht.

2 Kommentare zu “Viel Kork, wenig Genuss: Spätlesen 25 years after….

  • Jens

    Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Auch gute Spätlesen sollten nach 10 Jahren getrunken sein. Weiteres Warten wird selten belohnt. Der Anteil korkschmecker war bei mir aber nicht so hoch oder ich habe ihn nicht erkannt ….

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  • Claus Nielsen aus Dänemark

    Habe eben den Dönnhoff Oberhäuser Brücke Spätlese 1989 und 1990 getrunken. Beide waren hervorragend! Ich habe noch zwei von beiden übrig – hoffentlich hatte ich nicht nur Glück bei der ersten Verkostung….

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