Alles über Wein und den Rest der Welt…

Auflagen, Weinmagazine und überhaupt.

Wie immer, wenn ein Quartal zu Ende gegangen ist, veröffentlicht die “ivw” die Zahlen. Ich finde die immer spannend und interessant und deswegen gibt es die auch hier im Blog. Heute mit einem Ausblick auf das, was mir gefällt…

Zahlendschungel. So könnte man das alles nennen. Auflage, Verbreitung, harte Auflage, Leser pro Ausgabe. Es gibt so viele Zahlen, die irgendetwas aussagen. Ich habe da immer Schwierigkeiten  den Überblick zu bewahren. Mir gefällt die “harte Auflage”, also das, was tatsächlich zum realen Preis über die Theke oder an den Abonnenten geht. Die Zahl verstehe ich als Gradmesser der realen Nachfrage. Darüber kann man sicherlich anderer Meinung sein. Ich für meinen Teil kann die am besten deuten.

Dankenswerter Weise werden diese Zahlen immer auf “DWDL” ganz bequem und übersichtlich zusammengestellt. Zu finden sind die hier. Verglichen wird hier mit dem Vorjahresquartal. Der “falstaff” und “DER FEINSCHMECKER” haben zugelegt. Die “VINUM” und die “Selection” haben etwas eingebüßt. Alles in allem bewegt sich das Ganze mehr oder minder immer auf dem gleichen Niveau. Wer sich die Zahlen im einzelnen anschaut, der sieht, dass der “falstaff” im Vergleich zum ersten Quartal 2015 bei den Abos ordentlich zugelegt hat (12 Prozent). Die “Selection” verliert etwas an Abos – trotz der Unmengen an Freiexemplaren, die sie verbreiten. Das war es aber auch schon an interessanten Zahlen. Einige der Print-Titel tauchen gar nicht in der “ivw” auf. Meininger macht nicht mehr mit, die “FINE” (für die ich auch schreiben darf) ebenfalls nicht.

Tendenziell gibt es im Print seit Jahren eine Richtung und die geht konstant abwärts. Ist Print also tot? Ich dachte das eine Zeit lang, mittlerweile sehe ich das anders. Natürlich geht alles immer stärker in die elektronische Abteilung. Keine Frage. Print wird mehr und mehr zu etwas ganz speziellem. Wie eine Schallplatte. Beinahe schon extravagant, eine Art Avantgard. Aber auch nur dann, wenn es anders ist. Man betrachte sich nur die Neuerscheinungen und angekündigten Neuerscheinungen.

“enos” beipielsweise. Ein komplett anderes Weinmagazin. Anspruchsvoll, beinahe schon intellektuell. Abseits der üblichen Bewertungen und zigfach erzählten Geschichten wird Wein hier ganz anders transportiert. Es wird erzählt. auf hohem  Niveau. Und das scheint zu funktionieren. Nebenbei bemerkt ist das bei dem Staraufgebot an Autoren auch kein Wunder.

Die Tage macht die Kunde eines neuen Print-Projekts die Runde. “Schluck – das anstössige Weinmagagzin” nennt sich das Ganze. Es soll zweimal im Jahr erscheinen. Paul Truszkowski, einer der Herausgeber, spricht von einem “Indie-Magazin”, erstellt mit viel Liebe und Enthusiasmus. Das Ganze soll zweimal im Jahr erscheinen (das alleine schon klingt anders und sympathisch). Chefredakteur ist der wilde Klimek und die Liste der Autoren ist eine bunte Mischung aus Journalisten, Bloggern und Winzern. Ich gestehe, ich freue mich darauf und ich würde beinahe darauf wetten wollen, dass das Ganze ein echter Erfolg wird.

Kurzum: wenn es also tatsächlich Leute gibt, die sich an neue Printmagazine wagen, dann sicher deshalb, weil es einen Markt dafür gibt. Voraussetzung, wie gesagt, sie sind gut und anders. Noch ein Heftchen macht keinen Sinn und ist auch nicht erfolgreich. Das konnte man in der Vergangenheit ja auch beobachten. Selbst Altmeister Knall, ein Urgestein des Weinjournalismus, konnte seine “winetimes” als Print-Version nicht etablieren. Lediglich ein Heft erschien. Das zeigt, dass solche Projekte nur mit einem größeren Stab an Leuten und einem größeren Budget machbar sind. Dass sie machbar sind zeigen “enos” und demnächst “Schluck”

Nebenbei bemerkt ist “Schluck” ein wirklich witziger Name…

5 Kommentare zu “Auflagen, Weinmagazine und überhaupt.

  • Helmut O. Knall

    Die Idee, dass die Leser etwas mehr für das Blatt bezahlen, damit es nicht über Werbung und bezahlte Geschichten finanziert werden muss, gelang uns – zumindest vor zwei Jahren – nicht, wir haben damals keine tausend Leser geschafft, die bereit gewesen wären, 20,- pro Ausgabe zu bezahlen, obwohl wir zu einem Abo um 80,- drei Flaschen guten Wein mitangeboten hatten, welche ja eigentlich schon nahezu genau so viel wert waren.
    Wir haben daraufhin noch andere Finanzierungsmöglichkeiten überlegt, die sind nur deswegen nie aus der Testphase gekommen, weil ich dann aus privaten Gründen zurückgezogen habe. Wenn das alles mal erledigt ist, kommt es vielleicht mit einem anderes finanzierten Konzept wieder.
    Bis dahin drücke ich enos und Schluck die Daumen. Gute Konzepte sind es jedenfalls, würde mich freuen, wenn sie sich dauerhaft finanzieren liessen.

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  • Der kleine Muck

    Ich finde in den Printmedien ist ja immer nicht viel neues zu lesen. Es sind immer die alten Hasen die erwähnt werden. Aber nur selten ist etwas von den Winzern von morgen zu lesen. Die

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  • Der Weinmakler

    Ich finde in den Printmedien ist ja immer nicht viel neues zu lesen. Es sind immer die alten Hasen die erwähnt werden. Aber nur selten ist etwas von den Winzern von morgen zu lesen. Im Großen und Ganzen also nichts Überraschendes mehr. Ab und zu gibts dann mal ein Nachwuchstalent aber das wars auch schon. Die etablierten Zeitungen tun so als würde es nichts mehr zu entdecken geben, dabei kommen gerade in Deutschland so viele neue Talente nach oben. Egal ob Daniel Aßmuth, ein Weingut Thörle, Enderle & Moll, ein Karl May, ein Steinmetz, ein Anderas Durst, Schwedhelm usw. usw. usw. da muss ich nichts mehr über die vermeindlich Großen schreiben. Ist doch eh schon alles gesagt. Die haben ihre Schäfchen im Trockenen. Da strengen sich Klimek und Co. erheblich mehr an und werden dafür auch belohnt.

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  • Ferdinand

    Lieber Dirk,
    wieder ein sehr gut geschriebener und durchkompositionierter Artikel hier auf dem Blog – danke dafür! Ich selbst lese auch hin und wieder gern ein Printmagazin, finde aber, wie auch mein Vorredner, dass man mit Blogs im Bereich Wein/Lebensmittel/Kochen häufig besser beraten, da mehr ‘up to date’ ist. Ich finde diese Entwicklung allerdings sehr schade, denn man möchte schließlich nicht immer nur am Bildschirm lesen.

    Liebe Grüße
    Ferdinand

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  • Pingback: Die neue Weinpresse

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