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Heiner heißt er, ist Bürgermeister, im Weingut an der Ecke

Der Gampe darf heute mal wieder. Dieses Mal mit Weinen aus einem Weingut, dessen Macher ich schon eine Ewigkeit kenne. Heiner Maleton. Pfälzer im rheinhessischen Exil…

Heiner Maleton -unbearbeitet-Heiner Maleton ist die hübschere Ausgabe von Lemmy. Lemmy ist der Bassist und Leadsänger von Motörhead, der mit der Warze, falls den jemand von Euch nicht kennen sollte. Heiner ist Winzer, Oenologe und Chef vom Dienst im zwölf Hektar großen Weingut Bürgermeister Carl Koch aus Oppenheim in Rheinhessen.

Mitte des 19.Jahrhunderts erfand Friedrich Koch ein Verfahren, um Chinin aus der Chinarinde fabrikmäßig herzustellen und stieg mit seiner Chininfabrik zum Weltmarktführer auf. Als der Markt für Chinin zusammenbrach, gründete sein Sohn Carl Koch, der Bürgermeister und Patriarch mit gutem Gewissen, 1888 das Weingut. So steht es im Internetlexikon geschrieben. “Patriarch mit gutem Gewissen”, das ist feinste Wikipedia-Poesie.

In diesem Internetz werden Heiners Weine schon seit geraumer Zeit ordentlich gefeiert. Gefeiert ist übrigens das bessere Wort als gehypt. Wir haben ja in Deutschland, im Weininternet, schnell etwas gegen einen Hype im Gegensatz zu einem Shitstorm. Den beherrschen wir. Wenn einer etwas gut macht, schlimmer noch, etwas besser macht als andere, werden wir schnell argwöhnisch. Es darf nicht sein, was nicht sein kann! Ich meine: Weine darf man feiern. Wenn sie außergewöhnlich sind, müssen sie sogar gefeiert werden. Je öfter, umso besser!

Jahr für Jahr ausverkauft?

Viele Winzer in Zeiten von Facebook, Instagram und Co. haben angefangen, ihr Marketing selbst in die Hand zu nehmen. Das ist gut. Hilft es aber auch? Man findet ihre Weine in jeder Weingruppe, permanent, doppelt und dreifach! Doch sind sie deswegen alle ausverkauft? Nein, nicht immer! Geiler Stoff, doch keiner bestellt? Das kann passieren. Da ist doch etwas faul… Leider weiß ich darauf keine Antwort.

Eines aber weiß ich ziemlich genau. Wir brauchen Winzer mit Eiern! Winzer, die keine Kommerz-Brause produzieren, die eh schon jeder kennt und keiner mehr trinken will. Winzer, die eben auch einfach nur aus Liebe zum Wein, Wein machen. So wie die Weine, die Heiner Maleton macht. Die von Carl Koch.

Ab jetzt wird getrunken. Nein gesoffen. Denn die Weine, die Heiner als Bürgermeister kreiert, sind wahre Saufweine. Das ist nicht abwertend, sondern vielmehr aufwertend gemeint. Was will ich mit einem Wein, der bereits beim ersten Glas keinerlei Anzeichen macht, mich zu einem zweiten zu animieren…

Ich eröffne die Spiele mit dem Riesling Sackträger „R“ 2013

Diese Spätlese wurde nach optimaler Reife erst spät auf die Flasche gezogen. 2013 ist momentan der aktuelle Jahrgang. Oldschool und trotzdem sehr puristisch. In Puderzucker karamellisierte Apfelscheiben und zarte Aromen vom Weinbergspfirsich verströmen ihren Duft im Glas. Am Gaumen dann trocken, straff und maskulin. Ein richtiges Zugtier, das den Aromenpflug von gelben reifen Steinfrüchten unermüdlich über den Acker zieht. Für schlappe 11€!! Wonderbra!

Weiter geht es mit dem CruX Riesling 2013. Ein Wortspiel, welches das Wort Cru sowie den Buchstaben X, der für die Lage Oppenheimer Kreuz steht, beinhaltet. Dieses Kreuz ist anbetungswürdig! Am ersten Tag Aromen von weißer Schokolade und Eiswaffeln. Nach ein bis zwei Stunden gesellen sich dann Mandarinen, reife Birnen und Düfte von grünen Bananenschalen hinzu. Das macht richtig Spaß! Mit noch mehr Luft rieche ich Haselnüsse und zerstoßene Boskop-Äpfel. Eine rheinhessische Seiltänzerin, die ihre Birnenfigur dezent und sehr sexy einzusetzen weiß und bewusst mit dem gradlinigen Säurejongleur flirtet. Kawumm, was für ein Wein!

Den Abschluss macht der Silvaner 2013 Candel Blanc aus der Einzellage Kandelweg. Kurz nach dem Öffnen zarte Gerüche von Dosenmilch und Haferflocken. Nach zwei Stunden Belüftung kommen fruchtige Noten von weißen Johannisbeeren und Physalis. Später dann Tonic und Eisen sowie etwas Earl Grey Tee. Der Wein ist so trocken wie die Haut einer 70 jährigen mallorquinischen Bäuerin!

Es wird auch jetzt wieder viele geben, die mir die Lobhudelei und die ganzen Superlative, die ich geschrieben habe, vorwerfen werden. Was soll ich machen, wenn jemand etwas besonders gut kann, dann muss ich es herausbrüllen. Wie ein einfacher Marktschreier. Ganz ohne Neid und ohne Hype. Aus der puren Bewunderung heraus. Danke Bürgermeister, meine Stimme hast du!

Die Weine gibt es direkt hier. Aber Vorsicht, nicht erschrecken…

P.S.Vielen Dank an Frau Mangold für das sehr gelungene Foto!

 

 

4 Kommentare zu “Heiner heißt er, ist Bürgermeister, im Weingut an der Ecke

  • Stephan Buse

    Aber so was von….
    Am Pfingstsamstag auf der Weinprobe im Weingut probiert u.a.:
    2014er GoldbergVariationen, eine vielschichtige weiße Burgundercuvee, die in vielerlei Hinsicht mit den Crus aus Burgund konkurrieren kann, aber nicht im Preis. Was ich jetzt gar nicht so schlimm finden kann.
    2014er richtig “trockener” Grauer Burgunder, stilistisch ziemlich anders als die GoldbergVariationen, aber klasse! Reif, wenig Säure, noch weniger Süße.
    Und für den Durst zwischendurch der 2014er Hausgarten, Riesling mit etwas Gewürztraminer, “halbtrocken”, schöne Säure, und sicher schnell ausverkauft.

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    • Stephan Buse

      Ein Fehler ist mir passiert: Beim Grauburgunder handelt es sich um den Jahrgang 2013, nicht 2014, der an Pfingsten 2015 noch im Fass lag.

      Reply
  • Pingback: Man trinkt Deutsch – Teil 5 – Man of the Match: Heiner M. | Flüssige Freundlichkeiten

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