Alles über Wein und den Rest der Welt…

Ein Frage des Stils…

Es ist Bewegung im Land, anders kann man es nicht sagen…

Manchmal ist es schon ganz praktisch, wenn ich als klassisches Landei in die Stadt komme. Dabei ist es eigentlich egal, ob es Berlin, München oder Hamburg ist. Hauptsache Stadt. In den Metropolen sind in der Regel die Trendsetter. Zumindest die, die alleine aufgrund ihrer schieren Anzahl auch einen einigermaßen nachhaltigen Trend generieren können. Sprich Weine kaufen und selbige auch trinken. In spürbaren Mengen, versteht sich! Im globalen Netz langt es manchmal das eine oder andere einfach nur oft genug zu wiederholen – und wiederholen zu lassen – um den Eindruck eines Trends zu erwecken. Nachhaltig ist das natürlich nicht immer. Zumindest nicht in Sachen Verkaufszahlen. Dazu gehört mehr, als eine gesteigerte Wahrnehmung in Freak-Kreisen. Wie sowas allerdings richtig gut funktionieren kann hat das Beispiel des Buhl´schen Sektes gezeigt. Nebenbei bemerkt. Man hätte meinen können, es gäbe nicht einen einzigen anderen Sekt auf diesem Weinplaneten. Das war richtig gut gemacht. Wie eben auch das Produkt richtig gut gemacht ist. Egal, ich schweife ab.

Wenn ich also so in der Großstadt stehe, mich in den Weinläden und Bars und Restaurants umschaue, dann stelle ich fest, dass da etwas in Bewegung ist. Natürlich bekomme ich das auch hier auf dem Land in meinem Alltag mit, aber eben nicht in der Gänze und auch mehr virtuell anstatt real und praktisch. Seit einiger Zeit, seit fünf oder sechs Jahren, gibt es viel Bewegung in der Welt des Deutschen Weins. Eine teilweise sehr eigenwillige und charaktervolle Art des Weins ist am entstehen. Der Wein, insbesondere der Riesling, wird manchmal etwas ruppiger, immer öfter immer weniger primärfruchtig, kühler, manchmal deutlich phenolischer – anders eben. Da wird mal lange eingemaischt oder auf der Maische vergoren und damit experimentiert. Da wird immer öfter auf Schönungen verzichtet, manchmal sogar auf das Filtrieren. Holzfässer halten wieder großflächig Einzug in die Keller. Und der eine oder andere setzt wieder auf Weine mit deutlich höherem Restzucker. Der klassische Kabinett, ich nenne so etwas “Frühstückswein”, wird ein Stück weit wieder salonfähig (Hurra!). Wein mit irgendwas um die acht oder neun Prozent Alkohol mit deutlicher Restsüße und gerne vibrierend in der Säure. Und ganz selbstverständlich wird das Öko-Thema zu einer ganz normalen Sache.

Es sind teilweise neue Dinge, die da passieren, teilweise ist es aber auch die Rückbesinnung auf etwas, was früher schon einmal gut und erfolgreich war. In jedem Fall heben sich diese Weine deutlich ab. Man könnte vielleicht sogar sagen, dass wir uns hier im Land in der Breite nunmehr gänzlich emanzipiert und wieder rekonstruiert haben. Und es ist schön, geradezu fantastisch, zu sehen, wie einige aus dem Handel und den Restaurants hier mitziehen.

Auf einmal gibt es Weinbars, die nur diese “anderen Weine” ausschenken. Andere, die bisher auf das klassische “Tut-nicht-weh-Sortiment” gesetzt haben, nehmen solche Weine als Ergänzung auf. In Restaurants wird zu diesen Weinen gekocht. Gerade letzteres macht unheimlich viel Spaß. Nach wie vor ist es so, dass Dir einer sagt: “Hier ist das Menü, überleg Dir mal, was dazu passt”. Teile der “neuen kreativen deutschen Küche” probieren erst den Wein und kochen dann dazu. Ich durfte so etwas gerade selbst in München erleben. es war ein Traum! Es versteht sich von selbst, dass nicht jeder etwas mit diesem, nennen wir es einmal “neuen Stil”, anfangen kann. Oder will. Aber es ist allemal spannend, solche Weine auszuprobieren.

Natürlich dominiert nach wie vor der Mainstream. Zum Glück ist zumindest der in Deutschland produzierte Teil dieses Mainstreams so, dass man eigentlich nicht motzen kann. Es ist beinahe alles gut trinkbar und die Zeit des fehlerhaften Weins ist mehr oder minder vorbei. Der allergrößte Teil der Deutschen Winzer produziert auf hohem handwerklichen Niveau. Vieles davon schmeckt gleich, aber das ist genau das, was der Markt in der Fläche verlangt. Alles in allem können wir hierzulande eigentlich ganz zufrieden sein. Es gab schon ganz andere Zeiten.

Und natürlich macht es auch überhaupt gar keinen Sinn, wenn jetzt auf einmal alle anfangen “anderen Wein” zu produzieren. jeder bitte so, wie er will. Am ende ist es eine Frage des persönlichen Stils…

Wer wissen will, was ich meine, dem seien folgende Weingüter zwecks ausprobieren exemplarisch empfohlen:

Ankermühle, Rheingau

Schätzel, Rheinhessen

Steinmetz, Mosel

Aßmuth, Pfalz

Enderle&Moll, Baden

2 Kommentare zu “Ein Frage des Stils…

  • EC

    Der Mainstream ist mir völlig Wurscht und stört mich nicht weiter, solange ich daran nicht teilhaben muß. Auch Trends sind mir egal, ich entdecke lieber für mich selbst, was schön und gut ist. Aber ich sauge begierig die vielen Anregungen -auch aus dem Netz- auf und lasse mich gerne das ein oder andere mal verführen, um so im besten Falle meinen (Wein-) Horizont zu bereichern. So freue ich mich über die Vielfalt, die in meiner näheren Umgebung (D, A, I) gerade herrscht und sich weiter ausbreitet.
    Ankermühle “Jesus” befindet sich übrigens gerade in der Kühlung und wartet…

    Reply

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