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2400 Euro für 80 Jahre alten Pinot

Sehr beachtlich: Die Frühjahrs-Weinversteigerung im Kloster Eberbach war für die Hessischen Staatsweingüter an diesem Wochenende die erfolgreichste Auktion seit dem Jahr 2001. Geschäftsführer Dieter Greiner berichtet von einem Nettoumsatz (ohne Mehrwertsteuer) in Höhe von 97.300 Euro. Erstaunlich: Den Höchstpreis erzielte kein Riesling, sondern ein 80 Jahre alter Rotwein. Schmeckt der noch, werden sich viele fragen? 6288b5273ccacb7a00eef6f188e8b422Natürlich, denn alle Raritäten werden vor einer Versteigerung vorverkostet (und neu etikettiert). Insofern ist sicher, dass der Wein nicht “hinüber” ist. Im Gegenteil. Solche alten  Weine können großen Genuss bereiten. Ich hatte schon einmal das Vergnügen, bei einer Umkork-Aktion von Trockenbeerenauslesen der  Staatsweingüter der Jahrgänge 1910 und 1911 dabei zu sein, und ich war baff erstaunt, wie „jung“ und gut diese am Gaumen waren. Bsp. 1910 Hocheimer Riesling TBA…. der Wahnsinn. Aber zurück nach Eberbach.

Der gute Tagesumsatz war nicht in erster Linie den hohen Preisen für einige wenige Unikate zu verdanken, sondern vor allem der guten Nachfrage nach jüngeren Weinen. Greiner sprach deshalb von einer „außerordentlich anspruchsvollen und genussreichen Versteigerung“ mit fast 500 Zuschauern im Dormitorium des Klosters. Der Spitzenpreis wurde für den diesjährigen Benefizwein (Erlös zugunsten des Vereins „Kinder- und Jugendtelefon Wiesbaden“) erzielt: Der 1935er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Rotwein war einem unbekannten Weinfreund  immerhin 2400 Euro wert. Dazu kommen noch die Mehrwertsteuer und die Provision für den Kommissionär.

Eine 1935er Rüdesheimer Hinterhaus Riesling Auslese wurde von Auktionator Leo Gros nach einem Bietgefecht für 1550 Euro zugeschlagen. Bemerkenswert auch die 63 Euro für einen jungen 2012er Assmannshäuser Höllenberg „Mauerwein“. 42 Euro gab es für das 2005er Riesling Erstes Gewächs aus der Lage Rauenthaler Baiken. Gute Steigerungsraten von 50 Prozent und mehr gab es für junge Kabinettweine der Spitzenlage „Steinberger“.  Insgesamt hatten die Staatsweingüter 33 Lose im Angebot, die zwischen einer und 360 Flaschen umfassten. Darunter waren viele Jubiläumsjahrgänge wie 1995, 1985 und 1975. Eine 1995er Hochheimer Domdechaney Riesling Trockenbeerenauslese (18 Flaschen) wurde für (je Flasche) 160 Euro versteigert, ein 1985er Bensheimer Kalkgasse Riesling Eiswein (24 Flaschen) und ein 1975er Steinberger Riesling Beerenauslese Eiswein (24 Flaschen) jeweils für 151 Euro.

Für die Staatsweingüter war die Aktion also durchaus lohnend, wenn auch nicht mehr als ein attraktiver Tagesumsatz (Jahresumsatz 11 Millionen Euro). Ob und wie die Versteigerungen im Rheingau aber weitergehen, vor allem die des VDP im Herbst, muss sich zeigen. Interessent: Weingut Robert Weil hat 2014 so wenige edelsüße Weine geerntet, dass das Wenige ausschließlich versteigert werden soll… das könnte interessant werden…

8 Kommentare zu “2400 Euro für 80 Jahre alten Pinot

  • EC

    Ich kann mich noch gut an eine Blindverkostung von einem Petrus und einem Castello Luigi Besazio erinnern, dabei fiel die flapsige Bemerkung, daß der Petrus aufgrund des Preises ja jetzt 17 mal besser schmecken müsse als der Castello Luigi. Das Rennen ging dann aber nur sehr knapp aus.
    Das ist halt dann doch ein Bereich, in dem die Preise nicht aufgrund einer sauberen Aufwandskalkulation bzw. Qualitätsbewertung entstehen, sondern das ist Subjektivität bzw. Irrationalität pur. Oder das Ausnutzen der Möglichkeiten des Marktes. Was wiederum legitim ist.
    Nicht daß ich was dagegen hätte, die Käufer entscheiden ja schließlich aus freien Stücken, ob sie so viel Geld für eine Flasche Wein ausgeben möchten. Aber trotz aller Freude am Genuß guten Weins ist das ein Bereich des Weinmarktes, dem ich nur kopfschüttelnd gegenüber stehe.

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  • christoph hammel

    ich irre mich vielleicht , warscheinlich sogar definitiv , weil ich da jetzt so den professionellen einblick in die versteigerungsszene nicht habe . aber 2400 € für so eine flasche wein erscheint mir jetzt nicht so extrem . gerade wenn man an zb scharzhof denkt . ja , ja…ich weiß , das sind ewige , edelsüße , aber trotzdem . eine tba , 10 jahre alt , top gelagert etc . für 160 € , halte ich für eigentlich zu billig . nicht das wir uns falsch verstehen….ich bin kein snob…der durchschnittspreis in meinem weingut ist 4,60 der liter netto…..also gegen die vdp granden ein hartz 4 preis . aber gegen ettliche internationale weine , ist so eine riesling hammer tba , mit einer fast endlosen lebenserwartung , für 160 € ein schnäppchen finde ich ! übertreibe ich da ???

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    • EC

      wie gesagt, in diesen Bereichen regiert mehr die Subjektivität, insofern ist jede Einschätzung zum Preis genauso richtig wie falsch, je nach Sichtweise. Muß jeder selber wissen, ob er das für zu günstig, angemessen oder überteuert hält. Eine absolute Weisheit gibt es diesbezüglich meiner Meinung nach nicht. Und deshalb auch keine objektiv falschen Einschätzungen…

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  • Michael

    richtig schlimm nach unten gegriffen (auch wenn man eine Aufwandskalkulation ansetzt) finde ich persönlich die 75er (Eiswein und BA) für 151,- Euro. So ein Jahrgang, solche Weine…40 Jahre gelagert…meine Herren, das sind Mega-Schnäppchen.

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    • christoph hammel

      genau das meinte ich ! eine tba oder ein eiswein….so lange wirklich gut bewart bzw top gelagert für 150€ .
      ich will den umstand , das eine flasche wein 150 € kostet nicht klein reden , darüber lässt sich streiten . aber wenn , für was es plausible gründe gibt , eine flasche relativ junger petrus 2000€ zb kostet , dann ist vorher genannter ein echtes schnäppchen . mein gott….6 leute…jeder ein achtel…jeder 25€ …ich wäre SOFORT dabei !!!
      by the way….im KADEWE gibts eine neue weinbar . dort werden ettliche top premier gcc ausgeschenkt . start für 0.1 ist 99€ .

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      • EC

        Der einzige Grund, der mir einfällt, warum ein Petrus 2.000 EUR pro Flasche kostet, ist der, daß es einfach genügend Leute gibt, die bereit sind, diesen Preis immer wieder aufs Neue zu bezahlen. Jede Aufwandskalkulation käme mit Sicherheit zu einem signifikant anderen Ergebnis, selbst wenn die Erntehelfer allesamt promovierte Kräfte wären. Wahrscheinlich unter 100 EUR / Flasche bei einigermaßen realen Kostenansätzen, selbst wenn man den Aufwand für die Herstellung regelmäßig auf die Spitze treibt (z.B. Trocknung mit Hubschraubern vor der Lese und andere Scherze). Wenn nur die Hälfte des o.g. Preises beim Chateau ankommt, bleiben dem Weingut wenigstens 25 Mio. EUR pro Jahr, um den laufenden Betrieb zu finanzieren, was bei 11 ha Anbaufläche und nur einer hergestellten Sorte ganz gut auskömmlich sein dürfte.
        Dabei mache ich den Betreibern keinen Vorwurf, ich würde es wohl genauso machen, wenn ich in der glücklichen Lage wäre, ein Produkt verkaufen zu können, das sich im Wesentlichen über seinen Status in einem kleinen, aber zahlungskräftigen Teil der Gesellschaft im Wert bemißt.

        Was die 150 EUR für die TBA angeht, ist die Situation ja ein bißchen anders. Hier gibt ja nicht der Hersteller, respektive der jetzige Besitzer den Preis vor (allenfalls über den Startpreis, wäre interessant zu wissen, wo der lag, vielleicht bei 150 EUR und der einzige Bieter hat bei 151 EUR den Zuschlag bekommen?), sondern der Preis wird im Wesentlichen über die Bieter bestimmt. Und je nachdem wieviele Interessenten da sind und wo deren Limit liegt, hat man dann halt Glück, was den Preis betrifft oder auch nicht. Somit liegen auch diese Preise komplett im rein subjektiven Bereich.

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  • dont_think

    Erstaunliche Leserbriefe!
    Vielleicht ist den Meisten gar nicht klar, dass diese hochpreisigen Weine gar nicht zum Verzehr und Genuss gedacht sind, sondern, das es sich um Prestige- und Spekulationsobjekte handelt.
    Vergleichen wir es doch mal mit Gold: der Aufwand ist hoch, es zu gewinnen, aber wofür braucht man es außer zum Fensterglas beschichten und Elektronik-Platinen vor Oxidation zu schützen?
    Es ist gut, dass es solche Weine gibt – das lenkt das Augenmerk auf die Sorgfalt, die der Winzer das ganze Jahr lang aufbringen muss, um lagerfähige Weine zu erzeugen.
    Wenn Russen und Chinesen meinen, diese Weine trinken zu müssen, freut mich das umso mehr für den Erzeuger, der einen Bonus für jahrzehntelanges Qualitätsmanagement erhält.
    Letztendlich bleibt es doch immer “nur” eine Flasche Wein – der Konsument entscheidet, wie viel er dafür ausgeben will.

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