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300 Punkte für Molitor!!!

Im wichtigsten Weinführer der Welt, Parker´s Wine Advocate, gab es am Freitag Abend so etwas wie einen Paukenschlag. Der für Deutschland zuständige Verkoster Stephan Reinhardt vergab gleich dreimal die Höchstnote von 100 Punkten für drei Riesling Auslesen des Moselweinguts Markus Molitor. 

navarra_banner_280x230pxAuslesen wohlgemerkt, keine Trockenbeerenauslesen, die ja traditionell die höchsten Punkte abräumen. Zumindest wenn es bisher um deutschen Wein ging. Das ist nicht nur bemerkenswert, es ist außergewöhnlich. Insbesondere auch deshalb, weil Auslesen tatsächlich auch getrunken werden. Trockenbeerenauslesen eher seltener – ich trinke eine in fünf Jahren. Wann auch und wozu auch und mit wem auch… Aber das ist eigentlich nur die Nachricht am Rande.

Dreimal 100 Punkte ist die Aussage, die Nachricht, für mich eine Sensation. Ich weiß gar nicht, wann ich mich das letzte Mal mehr über eine Bewertung gefreut habe, als über diese (und unsere 96 Parker Punkte neulich vielleicht ;-) )

Ich freue mich für Markus Molitor, den ich ob seiner aberwitzigen Passion enorm schätze. Er hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine unfassbare Arbeit abgeliefert, für die andere mehrere Generationen brauchen. Er bewirtschaftet ausnahmslos Steillagen, verteilt über die ganze Region, kleinteilig parzelliert mit einer Akribie und Akkuratesse, die es in dieser Perfektion nur selten gibt. Jahr für Jahr produziert er eine annähernd unüberschaubare Zahl an Weinen, die sich alle ausnahmslos auf einem atemberaubenden Niveau bewegen. Seit einigen Jahren sogar Pinots. Und auch die spielen in der Champions League. Und zwar ganz vorne!

Ich freue mich für den Deutschen Wein ganz allgemein. Solche Ergebnisse sorgen für weltweites Interesse in gigantischen Ausmaßen. Und das brauchen wir nach wie vor, auch wenn einige meinen, das sei nicht nötig. Oder nicht mehr. Parker, auch wenn Robert Parker selbst nicht verkostet, ist die Marke in Sachen Weinwertung weltweit. Eine sehr gute Benotung hat zählbare wirtschaftliche Auswirkungen und unschätzbare auf das Image. Das ist, zumindest in dieser Konstanz und diesem Umfang, bei keiner anderen Publikation weltweit der Fall. Ich freue mich, und wie, und kann es gar nicht oft genug betonen!

Man kann das alles getrost als historisch bezeichnen!

In die Freude mischt sich allerdings auch ein wenig Irritation und Nachdenklichkeit. Direkt nach dem Bekanntwerden der Wertungen entbrannten im Netz die Diskussionen. Inflationär hohe Punkte, alles nichts wert und absurd waren die Stichworte. Natürlich werden heute Punkte eher inflationär vergeben. Zum einen liegt das daran, dass annähernd jeder Wertungen zu allem abgibt. Zum anderen gibt es einen ganz deutlichen Hang zu Superlativen, maßlosen Überhöhungen und unreflektierten Jubelarien. So tickt die Welt. Nicht nur beim Wein, sondern generell. In Sachen Wein wiegt das vielleicht nur manchmal viel schwerer, weil es um Geschmack geht, weil es um Deutungshoheiten geht, weil es um Eitelkeiten geht und weil eigentlich jeder, der etwas schmecken kann, auch ein Meinung zu dem, was er schmeckt, haben und äußern kann. Ganz besonders im Netz. Die Demokratisierung der Weinmeinung kommt wie ein Bumerang zurück und wird zum Fluch. Eine Instanz wird angezweifelt. Ob zurecht oder aus niedrigen Beweggründen spielt keine Rolle. Denkmäler MÜSSEN eingerissen werden. So kommt es mir vor.

Parker ist ein Denkmal und an dem reiben sich schon immer einige. Insbesondere die Freaks. Die, die es besser wissen, weil sie es besser wissen wollen oder müssen. Oder die, die einfach einen anderen Geschmack haben. Oder die, die grundsätzlich eher die Zweifler sind. Oder die, die es nicht mögen, wenn andere wie Lemminge hinter einer Art Guru her rennen. Oder warum auch immer. Das ist alles akzeptabel. Zumindest solange es nicht dogmatisch und verbohrt ist. Momentan kommt mir das aber alles mehr wie ein Reflex, und nicht wie eine Reflexion vor.

Stephan Reinhardt ist für die Deutschweinabteilung bei Parker so ziemlich das Beste, was hätte passieren können. Er ist ein profunder Kenner, er hat enorm viel Erfahrung und er kann verkosten. Was ihn aber, zumindest für mich, ganz besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass er Weine unabhängig von seinen persönlichen Vorlieben bewertet. Man kann das sehr schön sehen, wenn man die Verkostungsnotizen liest. Das bekommt man natürlich nicht mit, wenn man nur auf die Punkte starrt… Ich könnte das übrigens nicht – meine persönlichen Vorlieben ausblenden.

Natürlich wird es immer, irgendwo, irgendwas zu kritisieren geben. Und ganz sicher darf man durchaus anzweifeln, ob es so etwas wie einen “perfekten Wein”gibt. Das ist Ansichts- und Geschmackssache. Für mich gibt es so etwas, für andere nicht. Und ganz sicher sollten wir uns ausgiebig und intensiv über Superlative und inflationäre Höchstbewertungen unterhalten.

Dann! Jetzt freue ich mich einfach nur für Markus Molitor.

P.S. Hier gibt es ein Video zu Molitor

3 Kommentare zu “300 Punkte für Molitor!!!

  • EC

    Auch wenn ich ja gar kein Süßer bin, und ein Parker-Fan bin ich auch nicht. Eigentlich überhaupt kein Punkte-Fan. Trotzdem finde ich es schon bemerkenswert, daß ein Weingut wie Molitor nach der ersten 100 Punkte-Bewertung vor ein paar Jahren damit quasi in die gleiche Liga aufrückt wie z.B. Vérité, nur daß die Weine (bis jetzt) keine 450 EUR pro Flasche kosten. Glückwunsch dazu!

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  • DerWeinLebhaber

    Hi Dirk,
    ich freue mich mit Dir das der Deutsche Wein so langsam Anerkennung auf der ganzen Welt bekommt und es ist nur ein problem was wir mit unseren Weinen haben und das ist der Preis . Unsere Weine werden einfach zu günstig verkauft auf dem internationalen Markt. Darum freut es mich das der Wein Papst die qwalität unserer gewächse und unses Kulturgutes erkant und gewürdigt hat, das ist der erste schritt zum Welt erfolg TopTop Molitor :-)

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  • Karl Richter

    Lieber Dirk,
    zu deinem Artikel kann ich eigentlich gar nichts mehr beisteuern. Toll! Auch ich habe mich am Freitag Abend riesig gefreut über diese sensationellen Bewertungen von Stephan Reinhardt, den ich vor ein paar Jahren auf einer Verkostung in Belgien kennengelernt habe. Stephan ist vollkommen zurecht beim Wine Advocate gelandet und hat mit seinen Bewertungen Großartiges für den Deutschen Wein getan – und damit meine ich nicht nur die 3 x 100 Punkte für Markus Molitor! Auch alle anderen Mosel-Winzer sollten vor Freude in die Luft springen und sich diese Wertungen an die Wand nageln!
    Im Hebst 1996 war ich das erste Mal in Zeltingen, um Molitor-Weine für unsere neu gegründete Firma zu verkosten. Vom ersten Schluck an war klar, dass hier ein Winzer saß, der tolle Weine machte, über die aber damals kein Mensch sprach. Seitdem haben wir jeden Jahrgang gekauft, ob trocken, feinherb oder fruchtsüß -auch wenn die deutsche Presse Markus Molitor jahrelang wie einen Aussätzigen behandelt hat! Auch das muss ich hier jetzt mal los werden!
    Bei der Jahrgangsverkostung im September letzten Jahres hat mir die brillante Serie Tränen in die Augen getrieben, ich habe irgendwann einfach aufgehört, Verkostungsnotizen zu schreiben – machte einfach keinen Sinn, weil ein Wein schöner als der andere war. Noch nie habe ich volle 100 Punkte gegeben, bei den *** Auslesen war Schluss bei 98, aber der Rest war eine sagenhafte Serie brillanter Rieslinge, Weißburgunder und Pinot Noirs, wie ich sie auf einem deutschen Weingut noch nie erlebt habe. Das ist bei Markus Molitor aber jedes Jahr so! – abhängig natürlich von Jahrgangsschwankungen.
    Ich liebe deutschen Riesling über alles, in all seinen Facetten und unterschiedlichen Geschmacksprofilen, trinke auch mit großer Freude Weine anderer – in der Vergangenheit gerade von der deutschen Presse weit höher gefeierten – Winzer. Weine von Markus Molitor aber, diesem positiv verrückten, der harte Jahre hinter sich und lange Zeit zu kämpfen hatte, um seine Weine an den Mann zu bringen, die trinke ich immer noch mit größerem Vergnügen, denn – und das gebe ich hier in aller Offenheit zu! – aus einer zuerst rein geschäftlichen Beziehung hat sich über viele Jahre eine Freundschaft entwickelt, die mir wichtig ist. Ich jedenfalls erhebe das Glas mit einem feinherben Kabinett aus der Zeltinger Sonnenuhr und freue mich wie ein Kind über diesen so unfassbar großartigen Erfolg. Ein Erdrutsch!
    Und komme mir niemand und zweifle an Stephan Reinhardts Verkostungskompetenz!

    Karl Richter

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