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Rheingau fordert Oregon …

…zum Pinot-Noir-Vergleich und hat unter dem Strich die Nase vorn. Das zumindest war das Ergebnis einer außergewöhnlichen Verkostung im Weingut Schön in Rüdesheim Aulhausen, bei der 24 Pinots der Jahrgänge 2002 bis 2012 in die Gläser von 14 Weinnasen ausgeschenkt wurden.IMG_2800Insgesamt verbindet den Staat im pazifischen Nordwesten der USA mehr mit dem Rheingau als es auf den ersten Blick erscheint. Die Rebfläche ist mit rund 3000 Hektar annähernd gleich, die Temperaturen sind gemäßigt, längere Hängezeiten am Stock möglich, die Jahrgangsunterschiede beträchtlichen und die Mehrzahl der Rebstöcke wächst zwischen 100 und 300 Meter über NN. Zudem gilt in beiden Regionen Burgund als Benchmark.

Doch ans Eingemachte (allesamt Spätburgunder trocken):

Weingut Künstler: 2002 Reichestal *** Magnum

Weingut Hans Lang: 2002 Johann Maximilian R 

Weingut Hans Lang: 2003 Johann Maximilian R

Thomas Winery: 2003 Dundee Hills 

Künstler hat die Nase vorn, zumal beide 2002er eher durch Eleganz, kühlen Zug, Weichheit, Komplexität und zartem Holzeinsatz überzeugen, während die 2003 wärmer, dicker, voluminöser und würziger daherkommen. Der Oregon-Wein wäre in einer Blindprobe nicht zu erkennen gewesen. Gleichwohl zeigt sich schon bei diesem Wein, dass die Amerikaner sehr zurückhaltend mit Schwefel umgehen, was dem Wein keineswegs hilft…. 2003 Dundee Hills erwies sich jedenfalls schon als Wein „auf der Kippe“.

Weingut August Kesseler: 2005 Höllenberg

Weingut August Kesseler: 2007 Höllenberg

Weingut Schön: 2007 Rüdesheim Berg Schlossberg Auslese

Weingut Schön: 2010 Rüdesheim Roseneck Barrique

2007 ein ganz großer Pinot von Kesseler, 2005 mit hoher Reife und typischer Veilchennote knapp dahinter. Erstaunlich, wie fein sich der Schön´schen Wein aus 2007 präsentierte, der IM EDELSTAHL ausgebaut wurde, mit seiner Konzentration, Reife, Säure und der Wucht von Aromen aber eine der Überraschungen des Abends war…

Domaine Drouhin: 2010 Dundee Hills Laurene

Cristom Winery: 2010 Willamette Valley Sommers Reserve

Bischöfliches Weingut: 2011 Assmannshäuser Pinot Noir S

Bischöfliches Weingut: 2011 Rüdesheimer Pinot Noir S

ein höchst erstaunliches Quartett, bei dem Weinmacher Peter Perabo über Oregon die Oberhand behielt. Vor allem der Rüdesheimer Pinot bestach durch tolle Balance, Feuer, Intensität und Finesse; der Assmannshäuser mit der betörenden Veilchen-Note, die einst schon die Krone-Spätburgunder auszeichnete und differenzierte! Der Cristom-Pinot war (bis dahin) mein Oregon-Favorit, sehr fordernd und animierend, dicht und vielschichtig: Domaine Drouhin leider mit leichtem Korker….

Weingut Schön: 2011 Rüdesheimer Berg Schlossberg Auslese

J. Christoph Winery: 2011 Dundee Hills

J. Christoph Winery: 2011 Chehalem Mountains Nuages

J. Christoph Winery: 2011 Eola-Amity Hills Lumiere

Gleich vorweg: Dieser Pinot von Schön ist derzeit der strahlendste Diamant seiner Kollektion (über den viel zu niedrigen Preis sprechen wir hier erst gar nicht…!) und er gehörte ohne Zweifel zu den bestbewertesten Weinen des Abends. Der Geheimtipp schlechthin. Ansonsten zeigte sich hier wie dann auch in den Folgeflights, dass die Oregonwinzer mit dem Jahrgang 2011 ein echtes Problem hatten, das näher zu definieren uns von hier aus leider nicht möglich ist.

Cameron 2011 Arley´s Leap

Cameron 2011 Clos Electrique

Soter 2011 Mineral Springs Ranch

Evening Land 2011 Eolay-Amity Hills Seven Spring Vineyard

Nun, wir wollen immer höflich bleiben: Cameron war in beiden Versionen allenfalls einen Probeschluck wert… mit diesem Bukett hätte es wohl kaum eine deutsche AP-Nummer gegeben…. Evening Land mit einem ganz bösen Bökser (brrrr!)… Soter als Held eines sonst erbärmlich schwachen Flights recht ordentlich mit gutem Körper, Dichte, Druck und langem Nachhall

Cristom 2011 Willamette Valley Eola-Amity Hills

Thomas 2011 Dundee Hills

endlich zwei recht schöne, sehr fruchtbetonte und intensive schmeckende Pinots, an denen man sich einen Abend lang erfreuen könnte… dabei Cristom als überzeugender Sieger durch Länge, Frucht, Mineralität und Eleganz…..

Weingut Künstler: 2012 Hochheimer Stein GG

Bischöfliches Weingut: 2012 Assmannshäuser Pinot Noir S

Bischöfliches Weingut: 2012 Rüdesheimer Pinot Noir S

Weingut Schön: 2012 Berg Schlossberg Auslese

ein eindrucksvoller Flight… vor allem Künstler hat wirklich alles, was ein großer Pinot Noir braucht. Tolle Balance, fein nuanciert, nahe an der Perfektion! Die beiden Perabo-Wein von verlässlich hoher Qualität und mit typischer Handschrift, dabei mit leichtem Vorteil für den Rüdesheimer. Schön einmal mehr einen Überraschung aus dem Edelstahl mit guter Säure, aber noch zu jung!

Domaine Drouhin 2012 Dundee Hills

Bergström 2012 Willamette Valley AVA Cumberland Reserve

Ende gut, alles gut… an dieser Stelle für Oregon. Der Drouhin ist ein wirklich großer Burgunder mit festem Zug, Druck am Gaumen, Trinkfluss und Trinkfreude, eine echte Granate. Bergström nur wenig dahinter, aber ein wenig zu viel Süße am Gaumen stört dann doch den Gesamteindruck. Der besagt, dass die Rheingauer Pinots denen aus Oregon auf Augenhöhe gegenüber stehen…. mindestens. Gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis und an den offenbar enormen Jahrgangs- und Qualitätsschwankungen in Oregon mag der Griff zum Rheingauer vermutlich der „sicherere“ sein….

6 Kommentare zu “Rheingau fordert Oregon …

  • Pierbattista

    Schade, den Vergleich mit folgenden Weingütern hätte mich interessiert:
    Shea Vineyards
    Ken Wright
    Domaine Serene
    Stoller
    Willakenzie
    Cathedral Rigde
    um nur einige zu nennen.
    Wie auch immer, war bestimmt sehr informativ die Probe, blind hoffe ich doch.

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    • Rheingauer Weinschmecker Post author

      Tja, die wahrlich ALLUMFASSENDE IDEALE Probe ist immer schwierig… natürlich hätte man aus dem Rheingau noch Chat Sauvage, Krone, Domäne Assmannshausen, Robert König und noch den einen oder anderen mehr hinzustellen können… aber das war mit 24 Weinen dennoch sehr informativ, wirklich. Übrigens haben wir uns diesmal bewusst gegen einen Blindprobe entschieden, weil das Erkenntnisinteresse ein wenig anders gelagert war, als “blind” einen Sieger zu küren und sich überraschen zu lassen…. ansonsten steht ja alles im Blog….

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    • Rheingauer Weinschmecker Post author

      tja, ….nein, aber es saßen auch wirklich keine Etikettentrinker am Tisch….

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  • Sigbert Frisch

    Hm, mich interessiert, was die Oregon-Winzer mit dem Jahrgang 2011 für ein Problem hatten. Das konnte ich bei Proben bisher gar nicht feststellen. Auch von J. Christopher habe ich schon einen Wein aus 2011 probiert, er hieß Nugats und gefiel mir ausnehmend gut.

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    • Rheingauer Weinschmecker Post author

      tja, über das Problem wüssten wir auch gern Näheres, die Schwäche etlicher Weine aus 2011 – 2010 und 2012 jeweils deutlich besser – lassen auf ein schwieriges Jahr schließen, vielleicht vergleichbar mit 2006 bei uns…. Zudem schien uns der Schwefeleinsatz einiger Weingüter übertrieben zurückhaltend… mit vielleicht genau deshalb besonderen Problemen in einem schwierigen Jahrgang… aber wie immer gibt es auch einige Güter, die alle Klippen umschifft haben… 2011 in Oregon und eben auch 2006 in Deutschland

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