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Der (Rüdesheimer) Berg ruft ….

Ein Loblied auf meinen Lieblingsweinberg! IMG_2205Der „Rüdesheimer Berg“ ist ein extremer Weinberg. Nirgendwo zwischen Hochheim und Lorch fallen die Rebzeilen steiler zum Rhein hin ab, nirgendwo im Rheingau wird es im Sommer heißer als in zwischen Rebstöcken nahe der trutzigen Burgruine Ehrenfels, und nirgendwo im Rheingau ist die Mühe der Winzer größer, das enorme Potential der Weinberge auf den abschüssigen Schiefer- und Quarzitböden zu nutzen. Das gilt für den Schlossberg, aber auch die beiden anderen Kernlagen des Rüdesheimer Bergs: „Berg Roseneck“ und  „Berg Rottland“.

In den vergangenen Jahrhunderten war stets vom „Rüdesheimer“ Wein die Rede. Ihre heutige Gestalt haben die drei Lagen erst im Zuge der Neuordnung der Weinberge 1971 erhalten. Goethe zählte den „Rüdesheimer“ mit dem „Hochheimer“ und dem „Markobrunner“ zu den drei gleichberechtigten „Magnaten“ des Rheingaus, unter denen es keine besondere Rangfolge gebe. Johann Kaspar Riesbeck war schon 100 Jahr zuvor zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt: „Der hiesige Wein wird ohne Vergleich für den edelsten rheingauer und aller deutschen Weine gehalten. Ich fand ihn auch viel feuriger als den Hochheimer.“ Auch Ernst Moritz Arndt bespricht den Rüdesheimer enthusiastisch: „Unter allen Rheinweinen hat dieser die meiste Kraft und Glut und Schwere und wird alt am teuersten verkauft, obgleich der Johannisberger, Markobrunner, Nierensteiner und Hochheimer früher lieblich werden. Damit ist das Richtige gesagt: Der Rüdesheimer Wein braucht seine Zeit, um sein Bukett und seine Aromen zu entfalten und zur Geltung zu bringen.

Das Potential des nach Süden ausgerichteten Weinberges ist unbestritten. Als extrem gilt der Rüdesheimer Berg auch deshalb, weil er durch seine Steilheit und seine geologische Formation sich meist konträr zum übrigen Rheingau verhält. Während in sonnenreichen Weinjahren im Rheingau eitel Freude herrscht, sorgen sich die Rüdesheimer  Winzer um die Trockenheit im Rüdesheimer Berg. Er kann „nasse Jahre“ sehr gut verkraften, denn der Boden hält die Feuchtigkeit kaum, sondern gibt sie in die Tiefe ab, und von den vorbeirauschenden Niederschlägen nehmen sich die tiefwurzelnden Reben so viel Feuchtigkeit auf, wie sie für die Nährstoffversorgung brauchen. Nun aber zum Besten, was dort an Riesling erzeugt wird:

Balthasar Ress: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland

Georg Breuer: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland

Josef Leitz: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland

Dr. Corvers-Kauter: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland „vom Schiefer“

Carl Ehrhard: 2005 und 2013 jeweils Roseneck Alte Reben
und Rottland Alte Reben,

dazu 1994 Roseneck Kabinett und Spätlese

Das waren die Weine einer imposanten Vergleichsprobe, die der Rottland – für mich überraschend – für sich entschied. Ein Knaller für sich ist das Rottland GG von Ress der sich noch vor den Breuer-Rottland schiebt. Auch der Rottland von Leitz gewinnt seine Vergleichsprobe gegen Dr. Corvers-Kauter, dessen Schlossberg aus dem Barrique höchst ungewöhnlich, aber zugleich sehr spannend ist. Der Schlossberg mag den größeren Ruf und vielleicht auch den längeren Atem haben, aber bei dieser Momentaufnahme war der Rottland kaum zu schlagen! Was für ein facettenreicher Berg….

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