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Roter Riesling – Klima-Riesling?

Allendorf hat ihn schon, aber auch G. H. von Mumm und Baron Knyphausen, Freimuth und Corvers-Kauter, und nicht zu vergessen der mit dieser Rebsorte führende Erzeuger weltweit: Die Bergsträßer Winzergenossenschaft. Der Rote Riesling kommt, und wenn Rheinland-Pfalz nicht so pingelig auf die formelle Zulassung des Bundessortenamtes warten würde, wären es noch mehr, denn mehr als 80 Rheinland-Pfälzer Winzer wollen auf zusammen 40 Hektar mit Rotem Riesling experimentieren… 

RRDas ist das Ergebnis eines ersten Symposiums über diese Variante der Rheingauer Leitsorte, das die Hochschule Geisenheim gemeinsam mit Slow Food Rheingau veranstaltet hat. Dabei war viel vom „Klimariesling der Zukunft die Rede“, weil die Sorte angeblich eine Woche später faul wird als der Weiße Vetter. Denn Riesling ist nicht gleich Riesling. Es gibt nicht nur mehr als 60 Klone, die im Weinberg jeweils unterschiedliche Erträge bringen, sondern auch zahlreiche Spielarten und Mutationen. Zu ihnen zählt der „Rote Riesling“, der anders als der weithin verbreitete Weiße Riesling eine rötliche Beerenhaut aufweist. Solche Variationen sind keine Seltenheit. Viele Rebsorten und ihre Abarten haben „Vornamen“, die ihre Unterscheidung erleichtern, beispielsweise Blauer und Grüner Silvaner, Gelber und Roter Muskateller, Weißer und Grauer Burgunder. Roter Riesling ist insofern eine Besonderheit, weil er als Urform des Rieslings gilt und als autochthone Variante mehr Aufmerksamkeit verdient. Das meinen nicht nur die Rebenzüchter der Hochschule  Geisenheim, sondern auch die Slow-Food-Bewegung. Dass rund 200 Zuhörer den größten Hörsaal der Hochschule füllten, übertraf nicht nur die Erwartungen der Veranstalter sondern gibt ihnen auch Hoffnung, dass Roter Riesling eine Zukunft in den Weinbergen hat.

Hans-Rainer Schultz, Klimaforscher und Präsident der Hochschule Geisenheim, sieht im Anbau des Roten Rieslings eine Möglichkeit, die biologische Vielfalt im Weinbau zu stärken und sich für die Herausforderungen des Klimawandels besser zu wappnen. Schultz warnte vor einem weiteren Verlust genetischer Vielfalt in der Landwirtschaft. Ulrich Steger von Slow Food Rheingau sagte, Roter Riesling sei „nicht so säurebetont“ wie sein weißer Bruder und wegen seiner etwas anderen Eigenschaften auch eine „Versicherung gegen den Klimawandel“. Steger lobt das regionale Profil dieser Rebsorte als Kontrapunkt zu internationalen Massensorten, aber er gab auch zu: „Verbraucher lieben keine unbekannten Sorten.“ Slow Food hofft, dass Roter Riesling bundesweit bald auf 50 Hektar angebaut werden. Bislang liegt der Schwerpunkt mit 30 Hektar ganz klar in Hessen, davon entfallen fast acht Hektar auf die Bergsträßer WZG. Im Rheingau gehörte der Mittelheimer Winzer Matthias Corvers zu den Pionieren, die den Anbau von Rotem Riesling forcieren und damit auch Geld verdienen wollen. Corvers stieß bei der Suche nach alten, kleinbeerigen Klonen auf den Roten Riesling und entschied, ihn 2004 anzupflanzen. Ihn hatte der intensive  Geschmack und die andere Säurestruktur überzeugt dieser alten, autochthonen Sorte überzeugt. Geschmacklich  tendiere der Wein mehr zu „weißen Früchten wie Birne und werde als „zarte Variante“ des „normalen“ Rieslings wahrgenommen. Für Bergsträßer Rebenveredler Reinhard Antes fallen die Weine stoffiger und extraktreicher aus.

Die Probe von gut einem Dutzend Weine belegte das nicht ganz. Die Weine von G.H. von Mumm, Prinz (Hallgarten) und Corvers gefielen mit am besten, erstaunlich gut der gereifte RR der Hochschule aus dem Jahrgang 2004. Es scheint aber, dass der RR sehr gut für feinherbe Tropfen geeignet ist, aber weniger für die Spitzenprodukte wie trockene GG…. Ob das seine Verbreitung wirklich fördert, bleibt spannend…

 

5 Kommentare zu “Roter Riesling – Klima-Riesling?

  • Florian Lauer

    Ich denke gerade in einem Jahr, in dem sich die Kirsch-Essig-Fliege (die wir alle in diesem Herbst sehr lieb gewonnen haben) rote Trauben und deren Beeren als neues Ziel in deutschen Weinbergen auserkoren hat, ist es nicht ganz so einsichtig den weißen (sagen wir mal für das Viech “weniger Attraktiven”) Riesling gegen einen in Zukunft anfälligen Konterpart einzutauschen.

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    • Rheingauer Weinschmecker Post author

      Die Anfälligkeit von RR gegenüber der Kirschessigfliege ist trotz der roten Haut noch ungewiss…. die Winzer berichten bislang von keiner erhöhten Anfälligkeit…. vielleicht schreckt die Säure ab….

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  • Steven

    Warum setzt man nicht noch mehr auf Chardonnay???
    Der hat das Wetter sehr gut überstanden! Es gibt jedes Jahr gute Qualitäten und
    die Menge ist auch OK! Er wird nicht gelb und hat auch immer genug Säure.
    Chardonnay ist mehr als Weißburgunder plus Säure!!

    Reply
  • Pingback: Das Presseecho auf das Symposium Roter Riesling | Slowfood Rheingau

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