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Jahrgang 2014 – Südtirol – Finale

Armin Kobler zieht ein Fazit der diesjährigen Ernte in Südtirol.

 

Meine Prognosen von damals haben sich schlussendlich doch bewahrheitet: die merkbare Wetterbesserung ab Anfang September hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die qualitativen Verluste in den schwierigeren Gegenden in Grenzen gehalten haben und in den bevorzugten überhaupt nicht feststellbar sind. Innerhalb der Betriebe selbst und auch im Vergleich zwischen den Weinbaugegenden galt heuer das Prinzip, wer später dran war, hat gewonnen. Je späterreifender die Trauben und Gebiete waren, desto besser haben sie die früheren Schlechtwetterphasen überstanden und von der späteren Schönwetterperiode profitiert. Wer Anfang September sich nicht von der kollektiven Panik hat mitreißen lassen und die Nerven behalten hat, der konnte zumeist, natürlich nach arbeitsaufwendiger Selektion und dementsprechenden Mengeneinbußen, gute Trauben zu Wein verarbeiten. Natürlich darf dabei nicht vergessen werden, dass bei den frühreifenden und daher von allen Widrigkeiten betroffeneren Lagen zumindest die doppelte Lesezeit notwendig war.

Im Keller hingegen müssen sich die Kellermeister, für viele ist es das erste Mal, mit Säurekorrekturen beschäftigen. Ich freue mich schon jetzt auf die Vergleichsverkostungen in einem halben Jahr und später. 2014 wird auf Grund seiner zu erwartenden extrem heterogenen Weinqualitäten sensorische Achterbahnen bieten. Wen wundert es, dass die Betriebe der nicht oder weniger betroffenen Gebiete sich energisch wehren, dass ein ganzer Jahrgang pauschal schlecht geschrieben wird.

Innerhalb des vom extremen Sommerschlechtwetter betroffen Nord- und Mittelitalien wird sich die qualitative Schere zwischen den Betrieben sehr weit öffnen. Zwischen jenen, die extremes Pech hatten und zudem nicht im Weinbau die Arbeitskapazitäten zur Verfügung stellen wollten oder konnten, sowie mengenorientiert gelesen haben. Und jenen, welche eher Glück hatten und mit vermehrter Handarbeit sich gegen die Widrigkeiten stemmen konnten und qualitativ gelesen haben, werden sich unverkennbare Unterschiede zeigen. Einmal mehr wird deutlich, dass es keine zusammenfassende Beurteilung eines Weinjahrgangs geben kann. Auch nicht bei den vermeintlich guten.

Ein Kommentar zu “Jahrgang 2014 – Südtirol – Finale

  • EC

    2010 ist ja auch als schlechtes Jahr verschrien, aber ich habe aus diesem Jahr einige erstaunliche Gewächse probiert, die ganz klar zeigen, daß man auch unter schwierigen Bedingungen große Weine schaffen kann. Allerdings trennt sich in solchen Jahren bezüglich der Winzer vielleicht die Spreu vom Weizen deutlicher als sonst.
    Ich habe mich im Herbst etwas mit Stephan Sölva aus Kaltern bezüglich der Widrigkeiten bei der diesjährigen Lese unterhalten. Ich bin gespannt, was die Kellerei draus macht und werde im nächsten Jahr seine (und andere) Erzeugnisse sicher mit viel Interesse und Genuß probieren.

    Reply

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