Alles über Wein und den Rest der Welt…

Michel Rolland

Es gibt Menschen in der Weinwelt, die wollte ich (und will ich immer noch) schon immer einmal kennenlernen. Einer davon ist Michel Rolland, der berühmteste Oenologe der Welt, DER “Flying Winemaker”. Ein Mann, der über 200 Weingüter auf allen Kontinenten berät und der reihenweise 100-Parker-Punkte-Wein zu verantworten hat. Da saß ich also neben ihm und war gespannt.

 

IMG_1944Michel Rolland ist in Deutschland um sein Buch zu promoten. “Wein. Mein Leben”, heisst es. Ein Titel, mit dem ich mich übrigens auch anfreunden könnte, würde mich einer nach meinem Leben fragen. In völlig anderen Dimensionen, versteht sich! Erschienen ist es hierzulande im “Tre Torri Verlag” des umtriebigen Weinverlegers Ralf Frenzel. Ich habe das Buch gelesen, abends in der Badewanne. Es ist, wie der Kollege Oliver Bock hier schon schrieb, kein Buch der leisen Töne, Zurückhaltungen und adliger Noblesse. Es ist von der ersten bis zur letzten Seite eine deutliche Aussage. Typisch Bordelaiser…. ;-) Da zeigt einer, was er meint zu können und zu haben, ist stolz darauf und sagt das auch in aller Deutlichkeit. Das ist ganz sicher für den einen oder anderen ungewohnt, unmöglich, angeberisch oder gar eitel. Ich nehme das einfach zur Kenntnis. Wer etwas geleistet hat, darf damit umgehen wie er will und wie es für ihn passt. Wer bin ich, dass ich mich als Richter über Attitüden und Befindlichkeiten aufspielen dürfte. Meine Welt ist das freilich nicht, das dürfte klar sein. Aber diese andere Welt kann ich ohne Probleme akzeptieren.

Viel wichtiger als Rollands vorhandene, nicht vorhandene und unter Umständen auch dutzendweise angedichteten Attitüden, finde ich eigentlich seine Arbeit. Wenn man das Buch liest, könnte man schnell zu dem Schluss kommen, dass Mr. Rolland eigentlich alles erfunden und entdeckt hat, was die moderne Oenologie ausmacht. Zumindest war er irgendwie immer daran beteiligt. “Wein machen nach Rezept”, könnte man das Ganze spöttisch umschreiben. Von seinen vielen Kritikern auch gerne “parkerisierte Weine” genannt, hat Rolland allem Anschein nach eine Erfolgsformel in Sachen Wein entdeckt, entwickelt, erfunden – wie immer man es auch nennen will. Wenn ich mir die Weine anschaue, die da auf dem Tisch standen und die ich verkosten konnte, dann glaube ich nicht, dass hier einer, in dem Fall Michel Rolland, nach “Schema F” vorgeht.

Alle Weine waren eigenständig und grundverschieden. Außer der Farbe gab es keinen roten Faden. Der Bordeaux schmeckte wie ein Bordeaux, der Ornellaia wie ein Ornellaia eben schmeckt (2009 – genial!) und der in Freakkreisen höchst umstrittene “Monteverro” war einfach nur gut gemacht. Gerade Letzterer ist definitiv ein sehr guter Wein. Vielleicht fehlt ein wenig die Emotion, das mag sein, aber an Qualität mangelt es hier ganz sicher nicht. Natürlich gibt es in Italien unzählige Weine zu entdecken, die aufgrund ihrer Authentizität und ihrer Fähigkeit einen zu packen und mitzureißen, mehr als erwähnenswert sind. Aber um diese Weine geht es in dieser speziellen Welt nicht.

Die Welt derjenigen, die einen Michel Rolland engagieren, definiert sich über das Prestige, vielleicht auch noch über den Preis. Letzteres ist messbar. Prestige übrigens auch, es drückt sich in Parker Punkten aus. Schön muss es sein und es darf gerne auch blinken. Wenn es dann noch auch noch sehr gut ist, ist es annähernd perfekt. Monteverro ist quasi ein Musterbeispiel für diese Welt. Nebenbei bemerkt kann man das auch wunderbar trinken.

Neben dem Monteverro stand ein 2010 Moulin Riche auf dem Tisch. Auch ein Rolland Projekt und in diesem Fall eines ganz nach meinem Geschmack. Ein durch und durch solider, grundehrlicher Bordeaux. Ein Kind des Jahrganges mit dieser unbeschreiblich genialen Säure. Ein “Bauernwein”, und das ist ein Kompliment. Ein Wein der – egal ob Mittags oder am Abend – auf dem Tisch steht und getrunken wird. So ganz ohne Blaupause und Konzept. Der Gegenentwurf zu Monteverro und genau das Gegenteil dessen, was Rolland immer vorgeworfen wird. Ein durch und durch kompromissloser Wein mit Null “Chichi-Faktor”.

Ich gebe es gerne zu, mich hat das irritiert. Ich wollte wissen, was der rote Faden ist, die Intention, sein Credo. ”Evolution nicht Revolution”, meinte Michel Rolland, “das nutzen, was da ist”. Was soll ich sagen, das ist natürlich alles völlig richtig. Unspektakulär ist es noch dazu. Man könnte es auch übersetzten mit: “Wir kochen auch nur mit Wasser”. Vielleicht trifft es das sogar am besten. Das würde er so sicherlich niemals sagen, aber ich verstehe es so.

Was bleibt, von so einem Abend mit so einem Tischnachbar? In erster Linie viele Fragen. Rolland ist ein Vollprofi, jede Antwort ist routiniert, politisch korrekt. Einmal blitzt die Emotion auf. Dann, als ich ihn fragte warum er dem Autor des Filmes “Mondovinio” ein ganzes Kapitel gewidmet hat. Ein Kapitel, dass mich irritiert, weil es mehr eine Abrechnung als eine Erinnerung ist. Es ist ihm anzumerken, dass er verärgert, sicherlich sogar getroffen war. Immer noch ist. Wir reden auch nicht wirklich darüber. Es ist der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt dafür. Vielleicht ein anderes Mal. Ich hätte noch einige Fragen. Insbesondere zum Bordelais

IMG_1939Die schweren Zeiten der Region sind ganz hervorragend in seinem Buch beschrieben. Die mediokren 70iger Jahre mit all den schwierigen Jahrgängen, der große Wandel, der durch den herausragenden Jahrgang 1982 kam. Die darauf folgende Kontinuität, der Einzug moderner Technik, das Besinnen auf die wirklichen Werte im Weinbau, die Konzentration auf den Geschmack der Traube. Das alles ist ganz sicher auch mit seinem Namen und seiner Arbeit verbunden. Darüber hätte ich sehr gerne sehr viel mehr erfahren.

Er ist nicht unsympathisch, dieser Michel Rolland. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass ich eine Woche mit ihm in Urlaub wollte. Ich habe Respekt vor seiner Lebensleistung. Enorm viel Respekt. Und genau das ist es, was den Umgang mit den Rollands und Parkers dieser Welt auszeichnen sollte. Es macht keine Sinn auf Rolland oder gar auf Parker zu schimpfen. Erst recht dann nicht, wenn man, warum auch immer, der Meinung ist man könnte das alles so oder so viel besser. Gerade bei dem Kritisieren von Weinen ist der Satz mit all seinen Variationen “Parker hat keine Ahnung”, ganz sicher einer der am meisten benutzten. In einem Atemzug Rolland als “Coca-Cola-Wein-Designer” zu bezeichnen passt dann auch sehr gut. Neid ist kein guter Berater und das Gönnen von Erfolg durchaus auch etwas erbauendes.

 

P.S. Hier noch ein vier Jahre alter Beitrag zu Parker

6 Kommentare zu “Michel Rolland

  • christoph hammel

    wirklich gute & vor allem faire beschreibung . den erfolg , den er unzweifelhaft hat , braucht er nicht zu rechtfertigen . niemand bräuchte seine weine zu kaufen . tun die leute aber . in der mikroskopisch kleinen welt der weinerzeuger ist neid , missgunst und borniertheit ein ständiger begleiter und ausdruck dessen ist seine weine als
    ” coca – cola ” weine zu bezeichnen . das musste auch robert mondavi zb gegen sich bzw seine weine halten lassen . wer wollte ernsthaft einem robert mondavi die liebe zum wein absprechen ?

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  • Meister B.

    Respekt an den Autor, der es verstanden hat, die Verdienste und die Bedeutung eines außerordentlichen Menschen zu beschreiben und zu würdigen, ohne mit kritischen Anmerkungen hinterm Berg zu halten.

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  • Christian G.E. Schiller

    Die Story von Michel Rolland ist eigentlich die Geschichte von Michel und Dany Rolland. Dany und Michel haben sich bei der Önologie Ausbildung kennengelernt, haben zwei Kinder zusammen und arbeiten bis heute zusammen. Das findet alledings in Michel’s Buch kaum Erwähnung.

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  • Michael Wagner

    bei allem “Respekt” vor dem Erfolg des “Meisters”, sollte man nicht vergessen, dass er das Wein-Machen im Sinne von “Wein entsteht im Keller, nicht im Weinberg” quasi erfunden hat.
    Erfolg ist ne schöne Sache und ich will auch keine Debatte über die “Schmackhaftigkeit” des Rolland-Styles führen – Respekt habe ich dennoch eher vor anderen Winzern…

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