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Der Guru im Rheingau

Nein, an Selbstbewusstsein mangelt es Michel Rolland wirklich nicht. „Ich werde Guru genannt… möglicherweise bin ich einer“, schreibt der weltweist einflussreichste Önologe, der sich selbst „Winzer, Berater und Assembleur“ nennt und mit der oben erwähnten Einschränkung „möglicherweise“ nur kokettiert.

IMG_1939Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen und zitieren aus seinem vom TreTorri –Verlag im Weingut Weil in Kiedrich jetzt offiziell vorgestellten deutschen Übersetzung seines Buches „Wein. Mein Leben“:

Ich begann mit Önologie, als noch nichts erfunden und erprobt war. Ich habe die bedeutenden Veränderungen im Weinbau und in der Weinbereitung in die Wege geleitet und begleitet. Ich habe Rebsorten verschnitten, die als nicht miteinander vereinbar galten, und ich habe vermeintlich unfruchtbare Böden entdeckt, auf denen heute stolze Rebstöcken wachsen.

Ja, der Winzersohn aus dem Libournais ist kein bescheidener Franzose. Sein Aufstieg begann mit der Weinlese 1973, als er in das Weinlabor von Jean Chevrier einstieg und es drei Jahre später ganz übernahm. Sein erster Beratungskunde war Chateau Dassault. Rolland setzt nach eigener Überzeugung als erster Önologie weltweit die automatische Weinanalyse durch und revolutionierte die Önologie. Er initiierte den Einsatz neuer Barriquefässer im Keller, denn „der Wein braucht es, wenn er sein Potential ausschöpfen soll.“ Rolland thematisierte auch als erster die Reife: „Ich sehe in die Beere hinein, wenn andere ihre Scheuklappen aufbehalten.“ Er führte die „grüne Lese“ in den Weinbergen ein, was er selbst „die wichtigste Erfindung der 1980er Jahre“ nennt, und ebenso das Entblättern. Er gab die Anregung für ein System der automatischen Temperaturkontrolle in den Tanks, „das war die nächste Revolution in der Welt der Weinbereitung“, und schließlich führte er das Entrappen von Hand an. Nebenbei senkte er nicht nur sein Golf-Handicap auf 18, sondern weitete seine Beratungstätigkeit weltweit  aus. 1986 waren es 86 im Bordeaux persönlich betreute Weingüter. Danach stellte er Mitarbeiter ein, expandierte global und sammelte in einem Jahr im Flugzeug 167 Bordkarten. Er und sein siebenköpfiges Team betreuen heute 240 Weingüter in 20 Ländern dieses Planeten! Schon 2001 kürte ihn der Wine Enthusiast zum „Önologen des Jahres.“

Der Vorwurf, er exekutiere in den Weingüter vor allem den Geschmack seines Freundes Robert Parker und sorge global für uniforme Pomerol-Weine, prallt an ihm ab. „Selbstverständlich wäre es ein Traum, in der ganzen Welt Pomerol herzustellen, aber ich bin noch vernünftig genug, um zu wissen, dass das unmöglich ist.“

Noch Fragen?

Im persönlichen Gespräch  in Kiedrich wirkte Rolland, der das allererste Mal im Rheingau war!,  freilich sympathischer als sei Buch, dessen Übersetzung nicht immer ganz gelungen scheint. Interessant waren die vorgestellten Weine mit der Handschrift des Gurus, vor allem 2009 Ornellaia und 2010 Chateau Moulin Riche. Monteverro und Terra de Monteverro muss man mögen… oder auch nicht. Ich fand den „Terra“ sehr elegant und geschmeidig.

(Michel Rolland: Wein. Mein Leben. Von Isabelle Bunisset, Tre Torri Verlag Wiesbaden 2014)

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