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Jahrgang 2014 – Pfalz update 1

Volker Benzinger, alias “Meister B” über den aktuellen Stand…

 

Benz3Wenn ich so mit dem Traktor meine frisch geernteten Trauben durch die Weinberge nach Hause schaukele, nehme ich allerlei Veränderungen wahr, die in den letzten drei Wochen entstanden sind. Mit rasender Schnelligkeit sind fast alle Weinberge abgeerntet, größtenteils mit der Maschine, ganz vereinzelt nur mit der Hand. Eile war geboten, weil keiner wusste, wie sich das Desaster mit der Kirschessigfliege weiterentwickelt und weil unsere glorreichen Beratungsstellen, die bereits im Sommer wissen konnten, dass da was auf uns zukommt, mit ihren Informationen auch nicht gerade zur Deeskalation beigetragen haben. Geruchlich nehme ich immer noch vereinzelt einen Hauch von Vinaigrette wahr der mancher Weinbergszeile entströmt oder von einem Haufen Dornfelder kommt, der mitten auf einer gerodeten Rebfläche liegt.

Die weißen Trauben sind fast alle geerntet, vor allem der Riesling, der wie im letzten Jahr Probleme hatte mit Haarrissen, abgedrückten Beeren und dadurch bedingt auch etwas Botrytis und Essigfäule. Die Burgundersorten haben durch die etwas härtere Schale länger durchgehalten, wir selbst sind gerade bei einem 50 Jahre alten Grauburgunder, der bei einer guten Menge nach Selektion von ca 20 Prozent faulen Trauben eine tolle Qualität liefert. Im Endspurt beschäftigen wir uns jetzt mit Spätburgunder, Cabernet Franc, Sauvignon und Merlot. Die sind noch einigermaßen gesund, müssen jedoch bei der Lese selektioniert werden.

Die Mengen sind bei allen Sorten etwas höher als 2013 bei auch etwas höherer Qualität in Grad Öchsle gemessen. Alle von uns geernteten Trauben hatten braune Kerne, waren also physiologisch reif und hatten als Beere oder Saft einen ausgeprägt intensiven Fruchtgeschmack.Die Säure war anfangs etwas hoch, jedoch moderater als 2013 und bei den spät geernteten Sorten mit 9,0 und manchmal etwas darunter ausgesprochen akzeptabel.

Die Kirschessigfliege ist momentan kein Thema mehr, es ist nachts angenehm kühl und die späten Sorten sind wahrscheinlich durch die etwas stabilere Schale widerstandsfähiger. Wir selbst haben ausnahmslos alle unsere Trauben am Stock entweder vor der Ernte oder bei der Ernte selektioniert, was uns ausgesprochen gesundes Lesegut beschert hat, das wir ideal verarbeiten konnten. Basisweine konnten wir mit der Maschine ernten, alles andere wurde und wird noch von Hand erledigt.
Ohne Selektion von Hand wäre dieser Herbst mehr noch als 2013 für uns zum Desaster geworden. Die Herausforderungen waren immens, im Endeffekt aber konnten wir sie bewältigen und wurden mit vielversprechenden Qualitäten belohnt, von denen wir hoffen, dass sie sich als Wein auch so weiterentwickeln.

Aus einem nun wieder etwas stressfreieren Leiningerland grüßt Sie Ihr “Meister B.”

 

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