Alles über Wein und den Rest der Welt…

Pizza – Pasta – Basta!

Ein neuer Mitschreiber ist angekommen. Ein Wein- und Käsefreak. Chris T- Gampe aus Berlin. Früher hat er mal “was mit Medien” gemacht, jetzt isst und trinkt er. Oder so… Und weil er die Tage so schön beim Kollegen Kaiser geschrieben hat, habe ich ihn gleich mal hierher geholt :-)

 

Italiener können Rotwein, Pizza und Pasta…..eh BASTA, aber Weißwein? BITTE NEIN! – von Chris T. Gampe

So und nicht anders sieht meine, zugegeben primitive, Meinung aus, wenn es um die weißen Tropfen aus Bella Italia geht. Ich kann es nicht ändern. Selten hatte ich etwas im Glas, was mir in Erinnerung blieb oder gar so vorzüglich schmeckte, dass ich den Namen des Winzers wissen wollte. Einen gibt es und den kennt ihr alle, deswegen muss ich ihn nicht nennen… Was also Tun? Dumm sterben werde ich sowieso, dieser Zug ist abgefahren. Ich entschließe mich den „White Italians“ noch mal eine echte Chance zu geben.  Da ich null Ahnung von dieser Materie habe und ein eingeschworenes Mitglied im Rieslingswingerclubs bin, gebe ich die Auswahl der Weine gezielt in andere Hände. Ich lasse mich beraten, überraschen und mir ein Paket schicken. Wozu gibt es schließlich Weinversender… Der Paketzusteller tut mir leid, ehrlich gesagt. Ich wohne im Sechsten Stock. Ohne Aufzug…

Pinot Bianco „Sirmian“ 2013 Nals Margreid

Der erste Wein, der für mich zur Lehrstunde ausgesucht wurde, ist der „Sirmian“ Pinot Bianco 2013 von Nals Margreid. Die Trauben dieses Lagenweins, der Lage Sirmian, wachsen an südlichen Hängen in 600 Metern Höhe in der Region Trentino-Südtirol. Für die Reifung des Weines wählt der Kellermeister Harald Schraffl eine Kombination aus Stahltank und großem Holzfass.
In der Nase treffe ich als erstes auf reife, gelbe Äpfel die gerade frisch vom Baum gefallen sein könnten. Passend dazu gesellen sich etwas trockenes Laub (Heu), Orangenschalen, feine Blüten und Ananas hinzu.
Am Gaumen kommt er dank der knackigen Säure frisch und mineralisch rüber. Das ist absolut Spitze. Ich bin überrascht und beeindruckt zu gleich. „Weiter so!“, denke ich und muss freudig schmunzeln.

TiefenbrunnerMüller-Thurgau , „Feldmarschall von Fenner“, 2013 Tiefenbrunner, Alto Adige-Südtirol

Um meiner Skepsis nun hoffentlich doch etwas Bestätigung zu geben, nehme ich als zweite Flasche zielsicher den Müller-Thurgau aus dem Eisschrank.
Müller-Thurgau und Italien passen etwa so gut zusammen wie Mettwurst und Dolce Vita denke ich und schenke mir etwas zögerlich ein.
Ja was ist denn hier los???
Ein Bouquet Garni bestehend aus Jasmin, Thymian und Salbei kommt mir direkt entgegen, dann etwas weißer Pfeffer und Weinbergspfirsich. Ich muss das sofort probieren. Die tragende Säure verbindet den ganzen Saft zu einem wunderbar, rassigen und trockenen Wein. Alles Müller oder was? Ich bin geradezu euphorisch. Das ist der beste Müller-Thurgau, den ich je getrunken habe. Trinkspaß und Trinkfluss vom Allerfeinsten. Ich will nie wieder Riesling trinken. Nur noch das. Nur noch Feldmarschall. Ich muss mich beruhigen. 100Prozent MTH, 1.000 Meter über dem Meeresspiegel, 100 Prozent Handlese, 100 Prozent GEIL!
Ich muss eine Pause machen, meine Sinne beruhigen…

Manna„Manna“ Bianco Cuvée 2012, Franz Haas, Südtirol

In der Hand halte ich die Cuvée „Manna“ von Franz Haas. Ein Verschnitt aus Riesling, Gewürztraminer Spätlese, Chardonnay und Sauvignon Blanc. OHA! Der Riesling und der Gewürztraminer werden im Stahltank ausgebaut. Den Chardonnay und den Sauvignon lässt Franz Haas in kleinen Eichenfässern (Barrique) reifen.
Die Weinberge liegen auch hier wieder 240 bis 850 Meter über dem Meeresspiegel. Die Bodenformationen reichen von Sand- und Tonböden, bis hin zu Kalkgestein. Auch die mikroklimatischen Bedingungen vor Ort bieten gute Voraussetzungen für einen guten „Stoff“.
In der Nase rieche ich zuerst etwas Kardamom und nussige Nuancen, sowie einen leichten Rosenduft. Die kräftige und goldgelbe Farbe rührt unter anderem auch vom Barriqueausbau her, welcher aber sehr behutsam und dezent durchgeführt wurde. Vanille und Holzhammer sucht man hier „Gott sei Dank“ vergebens. Nach und nach verändert sich die Nase und es kommen reife Birnen und in Butter geschwenkte gelbe Äpfel sowie der Duft von Mandeln hinzu.
Am Gaumen wieder eine frische Säure, die mit der ganz leichten, süßlichen Spitze perfekt harmoniert und einen schönen Schmelz bildet. Der Wein ist nicht „nur“ zum Wegschlabbern. Er verdient ein ordentliches Essen dazu. Sushi schreien die Einen, gebratenen Zander die Anderen. Da gerade Pilzsaison ist, wünsche ich mir noch das Eine für mein vollkommenes Glück:
Tagliatelle mit frisch angebratenen Pfifferlingen (OHNE SAHNESAUCE!!!), dafür mit dem „Manna“ kurz ablöschen, etwas Blattpetersilie und fein gehackten Knoblauch unterheben und statt dem guten alten Parmeggiano Reggiano einfach in Butter geschwenkte Semmelbrösel darüber geben. Für den Frischekick noch etwas Orangenabrieb hinzufügen. Was aber auch super geht sind Kässpatzn mit Speck und Zwiebeln! Die mache ich mir gleich!
Pizza, Pasta eh BASTA? Von wegen! Es ist immer gut und wichtig, offen für „Neues“ zu sein. Ein Leben ohne italienische Weißweine? Für mich ab jetzt undenkbar!

 

17 Kommentare zu “Pizza – Pasta – Basta!

  • johann bauer

    na ja, südtirol ist nicht gleich italien. dass ersteres hervorragende weine hervorbringt ist ja wohl ein alter hut.
    und schon mal was von weien weinen aus friaul gehört, oder von einem san giovanni della sala….

    für einen einstand hätte ich mir mehr erwartet…

    aber wollen wir mal nicht so sein. herzlich willkommen !

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  • Stan Moretti

    Schade um die Zeit die ich mit lesen verbraucht habe .. überflüssiger Unsinn und dem Würtz Blog nicht würdig. Wie schon ein paar Vorgänger frage ich mich auch was Pizza und Pasta mit Südtirol gemein haben. Alles Käse Herr Käseverkäufer …

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    • klara panther

      habe gerade den Artikel gelesen, hat gar nicht so viel zeit gekostet, guter Lesefluss mit guten weinen die gut beschrieben sind!
      wenn Sie stilsicher stilistische Mittel wie die gewählte Überschrift in Ihrer Form nicht erkennen, liegt dies nicht am Schreiberling sondern ihrer Einfältigkeit ;) ich bin übrigens fan ihres differenzierten und konstruktiven feedbacks :D

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  • olifant

    So, so,
    da “… gebe ich die Auswahl der Weine gezielt in andere Hände. Ich lasse mich beraten, überraschen und …”.
    Ja, wer hat denn da die Auswahl getroffen … alles Weine denen ich schon seit Jahren beste Qualität (aufgrund stetig wiederkehrender Selbstversuche) unterstelle – überraschend also nicht, weder die Auswahl noch deren Qualität. Aber es gäbe in Südtirol noch einiges Mehr zu entdecken, sowohl im Mainstram, als auch gegen den Strich gebürstet.
    Aber ist ja auf jeden Fall schon mal ein Anfang.

    Und eine Anmerkung für alle Kritiker der Titelzeile. Auch wenn sich die Hälfte der Südtiroler nur als Südtiroler und nicht als Italiener fühlt, was regional und historisch ja durchaus plausibel und legitim erscheint, so können auch die Südtiroler ganz hervorragend, nebst hervorragender gehobener Gastronomie, auch Pizza und Pasta, so denn die ganze Region aus der Fusion von mediterranen und alpinen Einflüssen durchdrungen ist.

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  • Bertha

    Na, das war doch mal eine erfreuliche Weinverkostung. So muss das sein: Immer offen sein für Neues! Der Feldmarshall klingt besonders klasse.
    Ich habe mal vor vielen Jahren, als mich eine Reise nach L’Aquila führte, in einem Restaurant den besten Weißwein meines Lebens getrunken. Allerdings habe ich damals dummerweise vergessen, nach dem Namen zu fragen. Erst viel später dachte ich wieder an diesen edlen Tropfen. Doch meine Recherchen (und Importbestellungen) haben mich bislang nicht zur Lösung dieses Rätsels geführt.

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  • EC

    Bin erst jetzt über diesen Artikel gestolpert. Er ist auch deshalb für mich bemerkenswert, als daß ich alle 3 Weine gut kenne, davon 2 (Sirmian und Feldmarschall) schon über viele Jahrgänge hinweg und ich mindestens genauso begeistert von den Weinen bin.

    Aber es gibt noch viel mehr schöne weiße Sachen aus I!
    Les Crêtes – Valle d’Aosta
    Pojer e Sandri – Trentino
    Montenidoli – Toskana
    Raccaro – Friuli
    Tenuta di Fessina – Sicilia
    Suavia – Veneto
    um nur ein paar weiße Spitzenwinzer gemäß meiner persönlichen Erfahrung zu nennen.
    Never give up trying!

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