Alles über Wein und den Rest der Welt…

Wildes Österreich

Seit dem letzten Jahr, es ist hier nachzulesen, entdecke ich mehr und mehr den österreichischen Wein für mich. Stück für Stück tauche ich ein und beim Tauchen habe ich etwas gefunden. Ein Stück junges und wildes Wein-Österreich und um das geht es heute.

Gäbe es Facebook nicht, es würde mir etwas fehlen. Ich gebe es gerne zu. Mir würden sicherlich nicht die ganzen absurden Diskussionen und vielen multiplen Persönlichkeiten fehlen. Das ganz sicher nicht! Aber einige, zahlreiche, ganz viele Menschen würden mir fehlen. Einer davon wäre Urban Stagaard. Gäbe es Facebook nicht, ich hätte ihn und seine Weine wahrscheinlich nie entdeckt. Und da würde mir dann wirklich etwas fehlen. Urban ist Schwede und Österreicher, Winzer, sieht klassisch Rockabillylike aus und macht atemberaubende Weine. Bio, versteht sich. Manchmal auch “orange” (maischevergorene Weißweine) und beinahe immer atemberaubend. Ja, eine Wiederholung. Was gut ist, kann man gar nicht oft genug wiederholen. Im Juni, anlässlich der “Vievinum”, sehen wir uns. Urban und ich und noch einige andere. Und um die “Anderen” geht es jetzt. “Österreichs junge Talente”. Wilde Talente. Einige möchte ich bereits heute vorstellen.

20140510-182705.jpgGinge es nach dem Etikett, ginge das gar nicht, dieses Etikett von Elisabeth Rücker. 2009 Riesling Alte Reben, “Elisabeth”. Ein wenig einladendes Etikett. Quitschgelb, ein Rebstock – karg. Zwei Trauben angedeutet – karg. Die üblichen Infos, dazu ein EAN und ein QR-Code. Wenn ich letzteren scanne komme ich mit meinem iPhone auf eine, für Mobilgeräte nicht optimierte, Seite. Alles völlig egal, denn aus dem Glas kommt alles, was ich brauche – und noch ein wenig mehr. Vollreife, gelbe Aromen, Druck und Körper, ein leichtes Bitterl (nicht unangenehm) und alles in allem etwas kontemplatives. Klingt blöd, ich weiß, ist aber so. Da ruht etwas in sich, im Glas, und vielleicht auch in dieser Elisabeth. Ich weiß es noch nicht, aber ich werde es herausfinden!

Sauvignon Blanc wird, leider, immer mehr zur Mode. Natürlich wächst der schon immer überall und historisch gesehen und überhaupt und blablabla. Sauvignon Blanc kann gut sein, muss es aber nicht. Die wirklich großen Sauvignon Blancs sind größer als groß und am liebsten sind mir eh die aus Südafrika. Der hier, macht da eine Ausnahme. 2013 Gaisriegel, Weingut Schauer aus Kitzeck in der Südsteiermark. Steiermark, logisch! Da wachsen natürlich auch irgendwie schon immer geniale SBs. Der Wein schreit, er brüllt und wütet aus dem Glas. Alles was ich am SB so mag ist da drin. Kräuter, Heu, Katze, ultrareife Stachelbeeren, jedes Klischee über diese Rebsorte wird bedient. Aber auf die allerangenehmste Weise. Der Wein hat eine irre Dichte und Reife und jeder Schluck ist ein Genuß! SO, genau SO muss Sauvignon Blanc sein – wenn ich bestimmen dürfte…

Bründlmayer…ein Name wir Donnerhall! Kennt man, schätzt man. Ein Bründlmayer steht jetzt vor mir. Allerdings ein anderer. Josef Bründlmayer aus Grafenegg. 2013 Neuburger, gemacht vom Junior Philipp, 23 Jahre alt. Neuburger ist eine autochtone Sorte, die wohl irgendwo aus der Wachauer Ecke kommt. Neuburger war mal eine sehr wichtige Rebsorte in Österreich, geriet aber in den letzten 20 Jahren mehr und mehr in Vergessenheit. Neuburger macht Arbeit, ist nicht ganz einfach und fault schnell. Da schlägt das Winzerherz eher weniger schnell. Bei diesem Exemplar schlägt mein Herz allerdings deutlich schneller. Ein Maul voll Wein, unglaublich saftig und süffig. Ganz sicher kein Grand Cru, aber ganz sicher ein großartiger Wein zum Spaßtrinken!

FofftoKeinen Spaß macht der 2011 Hundsberg, Grüne Veltliner von Uibel aus dem Weinviertel. Spaß wäre das völlig falsche Wort. Der Wein ist packend, fordernd und einnehmend. Der wirkt so, wie George Clooney, wenn er einen Raum betritt: einnehmend, ausfüllend. Ein Riese, eine Art Grüner Veltliner Hulk. Ganz dick und wehe, man kommt ihm dumm – er hebt dich hoch, er wirbelt dich durch die Luft und am Ende liegst Du am Boden. Großes Veltliner Kino – ich liebe es!

Mindestens genau so liebe ich den Grünen Veltliner Sonnenkäfer Reserve aus dem Kamptal vom Weingut am Berg. Der Wein hat ein sensationelle Eleganz, einen Hauch von weißen Pfeffer, eine annähernd perfekte Säure und trotz seiner 14(!) Prozent eine sagenhafte Leichtigkeit. Dadurch hat er auch das, was einen Wein wirklich ausmacht – Trinkfreude. Es wird immer deutlicher, Veltliner wird mehr und mehr zu meiner Rebsorte. UNd wenn wir schon einmal dabei sind, dann bleiben wir doch direkt bei dieser wunderbaren Rebsorte.

2013 Schafberg, Weingut Nimmervoll, Wagram. Nimmervoll…was ein Name… Meine erste Assoziation ist so simpel wie logisch: guter Wein, nimmervolles Glas. Klar, dämlich, ich weiß. Aber der Wein ist in der Tat richtig gut. Er ist ganz klar und präzise, ganz kerzengerade. Die Säure ist präsent und animierend. Saftig ist das alles und hat ebenfalls hohen Trinkfluß. Passt!

Fowwwto“Wolferl” lese ich auf dem Etikett des nächsten Weines und muss automatisch lachen. “Wolferl”… “Franz”… “Sissi”… Ein Hoch auf mein österreichisches Kopfkino. Natürlich hat “Wolferl” nichts mit Mozart zu tun. “Wolferln” nennt man das einsammeln der bei der Ernte übersehenen Trauben. Klingt komisch, ist es aber nicht. Der Wolferlwein ist eine alte Tradition. Das Ganze hier im Glas ist ein gemischter Satz und es ist gut. Es ist verdammt gut. Grüne und leicht grasige Aromen dominieren, etwas Stachelbeere und herrlich süffig. Mein Wein für den Rest des Abends!

Und jetzt? Jetzt nehme ich den Wolferl und eine Flasche Steinzeug von Urban und schaue mir den Eurovision Song Contest an. Und ich freue mich über diese großartrigen jungen Talente, die wahrlich wilden Wein machen. Nichts, was sich heute Abend probiert habe ist brav oder riecht auch nur im Ansatz nach Mainstream. Alles ist so, wie ich es mag – anders. Über den Urban und seinen Wein gibt es demnächst übrigens einen extra Beitrag, ebenso über zwei besondere Rotweine. Ach ja, den ESC gewinnt heute ganz sicher ein Österreicher. Der ist auch anders und richtig klasse! Ein Hoch auf Conchita Wurst!

6 Kommentare zu “Wildes Österreich

  • gerhild Magerl

    In bezug auf diesen Wein und Winzer stimme ich im vollem Umfang zu! Auch wenn ich wohl eine der Persoenlichkeiten bin, deren Kommentare Herr Wuerz immer loescht! :-) :-) Ich wollte hierbei anmerken, dass man “Platzhirrschtum” auch zu den multiplen Persoehnlichkeitsstoerungen zaehlen kann.:-) Sicher kann Mann hier viel veroffentlichen und diskutieren wenn man dikutieren will. Die Oesterreicher sind jedenfalls klasse!!! Und Conchita Wurst auch! :-)

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  • DER VIERENDER

    Zum Weingut Elisabeth ist zu sagen, dass das hier abgebildete Weinetikett eines aus der alten Serie ist. Im Vorjahr hat Elisabeth Rücker für Ihr Weingut neue Weinetiketten designed und die entsprechen genau dem Wein, dem Stil und der Lebenseinstellung von Elisabeth!

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    • Dirk Würtz Post author

      @Vierender
      Ja, das habe ich heute auch schon gehört und wenn ich in Wien bin werde ich ein Foto machen und natürlich online stellen

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  • Dr.Schweingel Dieter

    Die ETIKETTEN sind mir WURST . .wenn ein ansprechender Tropfen in der Flasche ist !

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  • Alex Schilling

    Endlich! “kontemplativ”. Ein so wunderbares, in der Weinsprache viel zu selten genutztes Wörtchen. Weitab von flachsinnigen Begriffen wie “Charisma” oder gar “intellektuellem Wein”.

    Grüße,
    Alex.

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  • Rheinhessen Meister

    Ich habe ja gar nichts gegen diese(n) Conchita Wurst, aber ich frage mich warum
    der Song Contest – Song- heißt wenn es um die beste Show geht.
    Euro-Show-Contest wäre viel ehrlicher!!!

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