Alles über Wein und den Rest der Welt…

Neues von den Weinführern

Im letzten Jahr hat der “falstaff” seinen Weinführer auf den Markt gebracht. Die Aufregung war groß, denn nur wer zahlt, steht da auch ausführlich drin. Insbesondere schreibende und Wein verkostende Kollegen der Mitbewerber haben sich ereifert und dem Ganzen die unabhängige Seriosität abgesprochen. Abrakadabra, der Rest zieht nach…

 

Heute hat der Heidelberger Mondo Verlag, bei dem der “Eichelmann” erscheint, eine Mail verschickt. Der Inhalt ist ganz simpel: Ab sofort ist eine Teilnahmegebühr fällig. 125,21 Euro sind für eine Teilnahme zu entrichten. Des Weiteren gibt es unterschiedliche Marketingpakete mit bis zu 20 Büchern. Wirklich interessant ist der Hinweis in der Mail unter Punkt 2:

“ Wir bieten Ihnen Marketingpakete an, mit denen wir Ihnen, neben Materialien, die Sie in Ihrer Kommunikation und Werbung einsetzen können, insbesondere das Nutzungsrecht an ihrem Eintrag übertragen (nach dem Urteil des Oberlandesgerichtes München zur Verwendung von Zitaten aus Verlagserzeugnissen ist zukünftig ein Zitieren nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages möglich).”

Das heißt für mich, wer zwar mitmacht, aber kein Marketingpaket kauft, darf nicht zitieren. Ergo muss das kleinste Marketingpaket mindestens her und das kostet 199 Euro. Was bringt mir ein Eintrag in einem Weinführer, wenn ich ihn nicht zitieren darf? Hunderte Pressespiegel müssen umgeschrieben werden. Ich sehe sie schon, die Abmahnwelle… Nebenbei bemerkt finde ich diesen Hinweis in der Mail, sagen wir mal, eher “ungeschickt”.

Ich muss zugeben, ich kann nicht anders, als laut lachen. Wenn ich mir vor Augen führe, wie da einige in der causa “falstaff” Zeter und Mordio geschrien haben. Eben auch solche, die für andere Weinführer schreiben… Was wurde, gerade auf Facebook, den “falstaff”-Leuten mangelnde Unabhängigkeit unterstellt. Es entbehrt nicht eines gewissen Witzes. Ich bin mal gespannt, wie diese Herrschaften jetzt demnächst argumentieren… Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, wird wohl auch beim Gault Millau über neue Einnahmemöglichkeiten nachgedacht.

Fakt ist, der “falstaff” hat im vergangenen Jahr die Büchse der Pandora geöffnet. Es hat den Anschein, als hätten alle nur darauf gewartet. Fakt ist aber auch, dass jetzt wirklich jedem klar werden muss, dass man vom Verkauf dieser Weinguides nicht leben kann. Mich wundert das ehrlich gesagt nicht!

Ist das jetzt das Ende der unabhängigen Weinkritik? Ich weiß es nicht, ich bin gespannt. Aber in jedem Fall ziehe ich den Hut vor dem “falstaff”. Die haben direkt, und ohne Umschweife und ohne Pseudogeschwätz vom Untergang der Unabhängigkeit, die Sache klar kommuniziert! Ob man das gut findet oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Auf die Argumentation der anderen bin ich jetzt echt einmal gespannt…

Und am Ende muss ich mich mal selbst zitieren:” Für die anderen Guides ist das Ganze natürlich ein Signal und eine interessante Entwicklung. Ich bin gespannt, ob diese auch irgendwann einen “Obolus” für die Teilnahme verlangen werden. Der “Falstaff” könnte der Wegbereiter dafür sein.” Steht hier!

 

 

5 Kommentare zu “Neues von den Weinführern

  • Barrique-Haus

    Ich verstehe das sowieso alles nicht. Die Aufregung, die Missgunst und die Unterstellung der Nicht-Objektivität. Fakt ist, viele Weingüter brauchen wie alle anderen produzierenden Betriebe Werbung. Das Medium dafür sei mal völlig außen vorgelassen. Jahrelang wurde nahezu umsonst profitiert. Werbung umsonst. Punkte umsonst. Die Zeiten ändern sich. Konsumenten zahlen für Produkte, für Werbung und Information zahlen sie nicht. Der Free-Content ist allgegenwärtig. Also sind die Betriebe wohl oder übel in der Pflicht Werbekosten und Werbeflaschen einzuplanen. Es ist halt so. Punkt. Jeder muss die Entscheidung treffen, was er für sich als sinnvoll erachtet oder eben nicht. Geduld ist das zweite Zauberwort. Erst durch Präsenz an vielen Orten und Plätzen über mehrere Jahre werden die Betriebe von mehr und mehr potentielle Kunden gefunden. Direkt messbar ist das nicht, damit muss jeder ebenso leben. Es ist eine Investition in Vertrauen und Chancen, wie bspw. an der Börse. Man kann gewinnen oder verlieren. Wer nichts investiert wird nie gewinnen. Wer sich nicht bewegt, kommt nicht voran.

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  • Christopher

    Na ja, das ist mir dann doch jetzt wieder ein bisschen zu viel neoliberales Geklimper.
    Wein verkauft sich – zumindest auf dieser Familienbetriebsebene, über die wir hier sprechen – nicht über eine Selbstinszenierung in diversen Medien wie beispielsweise Mode, Autos oder andere Konsumgüter, sondern über den direkten Kundenkontakt (Weinproben, Jahrgangspräsentationen, Messen etc.) oder über Bewertungen in Print (Weinführer, Weinzeitschriften etc.) und online. Dafür haben diese Weingüter ja auch nicht erst mit Einführung derartiger “Startgebühren” in den Weinführern Hunderte Probeflaschen jährlich veranschlagen müssen, geschweige von Reisekosten oder Messegebühren, gegen die sich jetzt 125 oder auch 199 EURO lächerlich ausnehmen.
    Wenn man sich die einschlägigen Weinführer anschaut, darf man sich ja auch nicht wundern, dass man davon nicht mehr leben kann – das gibt es ja nun aktueller im Netz und könnte dort zudem noch deutlich optimiert werden.
    Als ich 2002 angefangen habe, mich intensiv mit deutschem Wein zu beschäftigen, war der GM durchaus eine erste Orientierungshilfe, aber nach drei Jahren sah ich keinen Grund mehr, mir jährlich dieses abgrundtief fad geschriebene Werk zu kaufen – und das gilt leider auch für die anderen Weinführer.
    Die Frage der (nicht vorhandenen) Objektivität war ja gerade beim GM aufgrund der professionellen Verstrickungen beider Herausgeber immer ein Thema, auf dem ich nicht mehr länger herum reiten möchte – ich frage mich nur, wie am Ende ein Weinführer den Status Quo des deutschen Weins in einem bestimmten Jahrgang darstellen können soll, wenn ein Dönnhoff oder Keller aus prinzipiellen Gründen keinen Bock haben, für Veröffentlichung oder Nutzungsrechte zu zahlen und deshalb an dieser Stelle fehlen.

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  • Johannes

    Es ist wie es ist. In der Zeit von Weinportalen, Weinforen und Weinbloggern ist diese herkömmliche Weinkritik und die Papierform nicht tot, aber nur eine von vielen Kanälen. Deshalb ist es logisch, das auch die Weinführer ihre Leistung häppchenweise zu Geld machen.
    Am Anfang der Googlezeit dachte ich übrigens, dass die Nischen schnell von den Big Playern (Hawesco und Co) geschlossen werden. Weil die effektive Werbung nur noch mit viel Geld machbar sei. Das Gegenteil ist wohl der Fall. Die Nischen scheinen sich auszubreiten. Die Aufmerksamkeit der potenziellen Kunden zerstreut sich. Die Zugriffszahlen/Auflagen sind da, aber eher klein. Der Umsatz daraus kommt, ist aber keine Lawine. Also ist man wieder in der Dorfwelt angekommen. Im globalen Dorf.
    Also muss man überall ein bisschen dabei sein. Virtuelle Hände schütteln. Geduldig gute Leistung/Service bringen, wie von Barriquehaus gesagt. Und die Preise der Vermarkter, die verlangt werden können, sind folgerichtig eher im unteren Bereich angesiedelt.
    Gute Leistung müssen auch die Weinführer bringen (also halbwegs objektive Weinkritik). Sonst geht der gute Ruf flöten (bzw. das Ganze wird nicht mehr als stimmig wahrgenommen) und das mühsam erarbeitete Patchwork-Marketing rechnet sich nicht mehr. Diese Gratwanderung kann man sehr gut bei Captn Cork beobachten.

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