Alles über Wein und den Rest der Welt…

ALDI, LIDL, ALDI, LIDL

Die Überschrift ist google geschuldet…

Ich lese gerade bei den Kollegen von stern.de, dass ein großer deutscher Discounter die Wurst billiger macht. Noch billiger also. Kaum zu glauben, dass das überhaupt geht. Und dann steht da noch, dass sich der Agrarminister moniert, der Präsident des Bauernverbandes ebenso und natürlich auch der Tierschutzverband. Was ich aber nicht lese, höre oder sehe, ist unser Protest, der kollektive Aufschrei aller Verbraucher, der Aufruf zum Boykott und die fest erklärte Absicht zum Konsequenzvegetarismus! Warum eigentlich nicht? 

Weil es kein Schwein interessiert, wie das Schwein lebt. Das Schwein weckt nur Interesse, wenn es in der Auslage oder auf dem Teller liegt. Es sein denn, es heißt Hoeneß. Natürlich weiß ich, dass meine Blogleser anders sind. Die kaufen so etwas nicht – nehme ich einmal an – und von mir aus, dürft Ihr/Sie dann jetzt auch hier aufhören zu lesen. Alle anderen nicht. Ein Hoch auf SEO und Google, “die Anderen” finden nämlich auch hierher. Ich muss nur oft genug “Aldi” schreiben. Aldi, Aldi, Aldi, Lidl, Aldi…

Ich habe rein gar nichts gegen Discounter. Natürlich haben die Schuld, an vielem. Aber eben nicht an allem. Es wird niemand gezwungen, da einkaufen zu gehen. Nirgendwo steht, dass man jeden Tag ein Stück Schwein essen muss. Man kann, aber man muss nicht. Und natürlich trägt die Agroindustrie ihren Teil dazu bei. Es wird immer mehr und immer einfacher geerntet. Monsanto und Dupont tun alles, um das bäuerliche Leben zu erleichtern. Mit Erfolg, leider, wie man sieht. Gerade kürzlich erklärte mir einer, dass Glyphosat – auch besser bekannt als “Roundup”, die Arbeitsplätze der Winzer an der Mosel sichert. Ohne Roundup kein Weinbau in Steillagen. Das war sein Ernst… Manches Gift tarnt sich besser und kommt um die Ecke zu uns. Aberwitzige Mengen an Düngern beispielsweise, die jedes Jahr auf den Feldern ausgebracht werden und langsam aber sicher unser Trinkwasser verseuchen. Ist aber alles nicht schlimm, kaufen wir unser Wasser eben im Discounter für 17 Cent in der praktischen 1,5 Liter PET-Flasche. Die wird unter Umständen vielleicht auch später zum hübschen Fleece-Pulli. Wenn nicht, landet das Plastik im Meer. Macht aber auch nichts, der Fleece-Pulli-Gedanke hilft und beruhigt den letzten Rest Gewissen. Wenn das Zeug am Ende im Meer schwimmt, also quasi “aus dem Meer kommt”, ist es ja irgendwie wieder bio…

Ich habe da einen Kollegen im Netz, der kommt aus Österreich, und bei dem ist alles immer “typisch Deutsch”. “Ihr Deutschen”, “so etwas gibt es nur bei Euch Deutschen”. Das nervt, er nervt damit (sorry Knalli), aber leider hat er manchmal auch wirklich recht. “WIR DEUTSCHEN” sind schon ein merkwürdiges Volk, wenn es um unser täglich Brot geht. Wir fressen wie die Weltmeister, egal was, so viel wie reingeht, Hauptsache regelmäßig und billig. Wir haben immer für alles eine Ausrede: das Geld, der Stress, die Verkehrsanbindung, die Zeit, schlecht zu Fuß, ist mir egal, kenne ich nicht, alles Propaganda. Je nach Situation passt eines dieser Argumente eigentlich immer.

Dabei sind wir doch so konsequent. Alles was wir Deutsche machen, machen wir gründlich und richtig. So ist zumindest unser Ruf. Unsere Massentierhaltung ist ganz sicher gründlich. Da entkommt kein Schwein, und wenn, dann höchstens in die Mülltonne! Dann muss es aber schon so arg ramponiert gewesen sein, dass es erstens als Schwein kaum noch erkennbar und zweitens als Hackfleischsupersonderangebot in der Theke selbst für den härtesten Gewinnoptimierer nicht mehr tragbar war. Es interessiert uns nicht, am Ende kann da drin sein was will. Im Zweifelsfall auch Frosch. Wir kaufen es, wir fressen es. “Wir”, der überwiegende Teil der Deutschen. Natürlich nicht “Ihr”, die “Ihr” meinen Blog lest…

Es ist schwer zu verstehen, zumindest für mich. Eine Kochshow jagt die andere. Kein Boulevardblatt kommt ohne Rezepte und nützliche Tipps aus. Alles, was sich im Netz um das große Thema “Essen” dreht, ist ein Klickerfolg – gleich nach Schnäppchen und Porno. Einmal im Quartal wird das Ganze mit einem hübschen Skandal garniert. Und was passiert? Nichts! Rein gar nichts! Das Zeug wird gekauft. So richtig interessiert sich dann doch keiner dafür. Wäre es anders, hätten diese Produkte keinen Erfolg.

So sind wir dann also, “wir Deutschen”. Wir ereifern uns, wir regen uns auf, wir können alles und das am liebsten besser. Und wenn etwas nicht passt, dann machen wir das passend und wer da nicht mitzieht und auffällt, den hängen wir am liebsten auf. Je höher umso besser. Alle Politiker, den Hoeneß sowieso. Den Löw auch, wenn er uns nicht endlich wieder zum Weltmeister macht. Den Idioten, der seinen Hund verprügelt und in seiner Grenzdebilität das Video davon auch noch auf Facebook stellt. Der wird gelyncht, was ganz einfach ginge, denn der nächste Grenzdebile hat die Adresse von dem Kerl auf Facebook veröffentlicht. Und das alles bei garantiertem flächendeckenden Mindestlohn, nur nicht für die armen Rumänen, die in den Fleischfabriken für 1,50 Euro in der Stunde die Schweine zerschneiden, die nicht im Müllcontainer, sondern auf unseren Tellern landen. Sonst wird das tägliche Fleisch schnell teurer und mit leerem Magen schimpft es sich so schlecht.

 

38 Kommentare zu “ALDI, LIDL, ALDI, LIDL

  • FE

    Die deutsche Fleischindustrie wurde mit viel politischem Willen als feste wirtschaftliche Größe (Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Stärkung des ländlichen Raums) etabliert. Hier wurde seit den 50ern auf ein Bedürfnis (>Hunger) reagiert und sukzessive ein Bedarf (>mehr als nötig) geschaffen. Unterfüttert mit wissenschaftlichen Gutachten (>gekauft). Vergleichbar mit: Kellereibedarf, Automobilindustrie, Textilbranche, Energieversorgung. Es ist die Fratze des Wirtschfatswunders, die uns da immer noch anglotzt.

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  • steven

    Ohne Glyhosat gäbe es in Rheinhessen und der Pfalz keine Familienbetriebe (Weingüter)
    mit mehr als 25 ha Rebfläche – auf 5-10 Gemeinden verteilt.
    ohne festangestellte Arbeitskräfte – leider die Wahrheit!!!

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    • Schumann

      Sehr schön, Das Zeug hat Monsanto entwickelt und vermarktet es unter dem Namen Round up in den USA. Das gleiche Unternehmen hat im Vietnam Krieg die USA mit dem Entlaubungsgift “Agent Orange” versorgt. 1926 sollte Monsanto übrigens zum erstenmal zerschlagen werden, warum nur?

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    • sauschwob

      was willst du uns damit sagen?
      brauchen wir familienbetriebe ohne festangestellte arbeitskräfte mit über 20 ha?
      wenn es sich mit weniger fläche nicht lohnt dann kann man es mit der direktvermarktung bleiben lassen
      ausserdem finde ich es toll wenn ein familienbetrieb arbeitsplätze schaffen kann und dann eben auch mehr fläche hat. aber das geht auch ohne glyphosat

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    • Jürgen

      Glyphosat ist etwas für Faule Bauern, die kaum noch bezug zum Produkt und zu ihrer Herstellung haben. Es gibt dutzende Beispiele von großen Weingütern die auf Herbizide verzichten und stattdessen eine mechanische Unterstock Bearbeitung wählen. Die Kosten hierfür sind (wenn man sie auf die Flasche runter rechnet) ausserordentlich gering und umso größer das Weingut ist, desto geringer fällt der Unterschied aus.
      Die höheren Sprungfixen kosten bei einer mechanischen oder neuerdings auch thermischen Unkrautbehandlung lassen sich umso besser verteilen je mehr produziert wird.
      Es geht nur darum möglichst schnell fertig zu werden und mit den Kollegen zur Kollegenprobe zu gehen. Aber diese Spaltung zwischen Bauern und intressierten Landwirten/Weinbauern wird immer deutlicher je mehr man die Fachpresse liest und sich mit Kollegen unterhält. Der eine will nur schnell schnell fertig werden und seine Plörre an den Mann bringen und der andere möchten den Beruf leben und möglichst das Beste für sein Produkt erreichen, auch unter Kostengesichtspunkten.

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    • Ragerman

      Glyphosate ist der Welt-Bestseller unter den Herbiziden. Weil damit so ungeuer vield Geld verdient wird ist kein Weg zu teuer um den Absatz weiterhin zu erhöhen. Einer dieser Wege ist die finanzielle Einflussnahme auf die Forschung, welche irgendwann einmal, so geht die Sage, unabhängig war………..Ein anderer Weg ist die Unterdrückung von Forschungsergebnissen die den Herstellern der Herbizide nicht genehm sind. Oder der Rufmord von Wissenschaftlern die noch ein Gewissen haben. Jemand der sagt dass die Kritik an Glyphosate “fachlich” nicht gerechtfertigt ist sollte vielleicht erst mal seine Hausaufgaben machen. Dann können wir mal weiter diskutieren…..

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      • Dirk Würtz Post author

        @Ragerman
        Es ist immer wieder erstaunlich, wie tief das alles in den Köpfen der Anwender sitzt! Monsanto und Co, habe über Jahrzehnte hinweg ganze Arbeit geleistet. Leider!!!

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  • Pelli

    sehr schön geschrieben Dirk…
    “Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten, würde keiner mehr Fleisch essen”.

    Menschen haben keinen Bezug mehr zu dem was sie als Nahrung zu sich nehmen…oder womit sie ihre Grundbedürfnisse decken. Das was da in den meisten Fällen auf den Tisch kommt ist ein Haufen Müll und hat mit dem ursprünglichen Begriff Fleisch nichts mehr zu tun..Mir unbegreiflich warum für die Produktion von Müll Lebewesen benutzt werden. Wenn es Hauptsache billig sein soll, dann wäre es doch sinnvoller irgendein Dingsbums Produkt in Labor herzustellen mit irgendwelchen Geschmacksstoffen..Fleischdingsbums mit Vanillegeschmack..Fleischdingsbums mit Balsamico Geschmack..etc. Hauptsache auf dem Etikett steht irgendwas mit “Fleisch” drauf…Es ist schon sehr krank wie viel Macht diese Fleischlobby hat..Warum nur? In der Wirtschaft müssen sich Unternehmen auch etwas einfallen lassen, um konkurrenzfähig zu sein…mit innovativen Ideen, nicht mit Billig…nicht mit der Ausbeutung von Tieren und Menschen

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  • steven

    Wiso ist das Unsinn? Das ist leider die Praxis! Kann aber auch Ignoriert werden.
    Diese Betriebe gibt es und es werden immer mehr!
    25-40 ha Weinberge und mehr. Die Bodenbearbeitung ist voll meachnisert,
    da gehört der Glyhosat einsatz einfch dazu. Die Handarbeiten werden von Rumänen
    gemacht, wohlgemerkt es wird auf jegliche festangestellte verzichtet um Kosten zu reduzieren.
    Wie sollen die ohne Roundup auskommen???

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    • Dirk Würtz Post author

      @Steven
      Indem sie mit der Scheibe fahren, beispielsweise. Ich Kenne genug Betriebe mit 50 ha und mehr auf viele Gemeinden verteilt, die das so machen. Wir übrigens auch. Du Kannst das immer mit einem anderen Arbeitsgang kombinieren. Hier bei uns in der Gegend, in Rheinhessen, mit diesen Böden gibt es 0,0 Argumentation für Glyphosat. Da kann ich die an der Mosel schon viel eher nachvollziehen

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  • Knalli

    Dirk, manchmal könnt ich sich abbusseln. Und natürlich gibt’s das alles auch in Österreich, aber eben nicht so konsequent.
    Und – es gibt Gott sei Dank erfolgreiche Gegenbewegungen. Nirgendwo gibts mehr Bio-Betriebe. Es gibt wöchentlich mehr Direkt-Angebote. Mein fleisch kann ich mir am Biohof ansehen, wenn ich will, bis zur Schlachtung. Und dieses Viech teile ich mir dann mit einer gewissen Anzahl von anderen. Seltsamer weise ist das gar nicht so arg teuer, wie ich vermutet hätte. Meine Kartoffeln und Zwiebeln kaufe ich längst beim Bauern, der jeden Mittwoch früh, die Wirtin ums Eck beliefert. Und zahle sogar weniger als beim Discounter. Und mein Knoblauch kommt jetzt auch nicht mehr aus China oder Argentinien, sondern vom Bio-Weingut Ploder-Rosenberg in der Steiermark. Den Rest kaufe ich im Supermarkt ums Eck. Der gehört inzwischen auch zu Rewe. Hat aber ein völlig anderes Angebot. Das geht eben bei uns. Bei meinem Bruder in München verzweifle ich jedes mal, wenn ich einkaufen gehen will.
    Also, schreib viele solche Artikel, dreh viele Spots. Vielleicht gehts ja dann auch bei euch leichter. Schaden täts nix.
    Und nur so nebenbei. In den 90ern haben unsere Winzer auch alle fleissig RoundUp verwendet. Heute ist ein Grossteil davon allerdings längst Bio-zertifiziert. Geht. Auch in schwierigen Lagen. In allen Grössenordnungen. Einer dieser Gruppen heisst nicht umsonst Respect.
    Gruss. knalli.

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  • Guido

    …. so typisch deutsch ist das gar nicht. Nebenbei sind wir der grösste Fleischexporteur in der EU, scheinen also auch noch anderen Lust auf unseren Fleischmüll zu haben. Ich stehe auch immer verwundert vor den Werbeplakaten, 1 Kilo Schweinefleich 3,98 Euro. Ziehst du da die MwSt, den Gewinn vom Discounter, vom Händler und vom Fleischbetrieb ab, dann hat das Fleisch zum Schluss fast nichts gekostet. Mein Metzger sagt immer, alles fing damit an, als Frau Dr. mit Ihrem Benz auch zum Aldi gefahren ist und sich nicht mehr dafür geschämt hat. Gott seit Dank gibt es aber noch ein paar gute Metzger, doch die werden mit immer neuen EU Auflagen langsam platt gemacht. Alte Metzger machen zu, da Sie plötzlich neue Auflagen erfüllen müssen, die tausende an Euro kosten und das obwohl sie schon 20 Jahre lang so gearbeitet haben.

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  • Klaus Feldkeller

    Lieber Dirk Würtz,
    leider nur ein “Aufmerksamkeitsökonomie”-Beitrag: Hysterismus und Alarmismus pur. Neben den altbekannten wohlfeilen Thesen über uns geizige Deutsche hätte mich als Leser wirklich interessiert, wer denn genau “roundup” benutzt, anstatt wilde Gerüchte in die Welt zu setzen. Zitat: “Gerade kürzlich erklärte mir einer, dass Glyphosat – auch besser bekannt als “RoundUp”, die Arbeitsplätze der Winzer an der Mosel sichert.” Zitat-Ende
    Unerträglich ist im übrigen der Elitismus von Kommentoren wie “Knalli”, die in ihrer Selbgerechtigkeit gottgleich das wahre Geniesser-Leben predigen.
    Und hier schliesst sich der Kreis: Beitrag und viele Kommentare leisten keinerlei aufklärerischen Erkenntnisgewinn, sondern spiegeln die eigene Selbstgewissheit wider: Edler als die dumme Masse zu sein. Statt emotionaler Empörungs-Schauspielerei wäre weniger mehr gewesen. Zum Beispiel Ross und Reiter beim Einsatz von Herbiziden zu nennen.

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    • Dirk Würtz Post author

      Lieber Klaus Feldkeller,
      “Empörungs-Schauspielerei”…hahahaha, der ist echt gut! Das ist natürlich auch Quatsch, denn meine Empörung ist echt und nicht geschauspielt. Garantiert bin ich nicht “edler als die dumme Masse”. Im Übrigen würde ich solche Begriffe NIEMALS verwenden. Solche Konklusionen Ihrerseits sind schlicht falsch . Zum Thema “Roundup” empfehle ich einen Spaziergang durch die Weinberge.
      Ansonsten, steht es Ihnen natürlich völlig frei, meine Meinung hier zu kritisieren oder nicht zu lesen und die Ihrige ebenfalls zu publizieren. Am Ende geht es doch immer um den Diskurs, oder nicht?

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      • Klaus Feldkeller

        Lieber Dirk Würtz,
        nehme Ihre Einladung zum Diskurs gerne auf. So würde ich gerne einmal einen Spaziergang durch die Wein-Anpflanzungen von Balthasar Ress unternehmen, um meinen Horizont in Sachen Schädlingsbekämpfung und Düngung zu erweitern, um Ihre Thesen zu Monsanto und Dupont zu verifizieren.
        Übrigens: auch ich kann mich empören, immer dann, wenn ich für dumm verkauft werden soll. Mein Vorschlag: Empören Sie sich doch einmal über dreistes Marketing! Etwa von Balthasar Ress. So zur Philosophie des Hauses: “Heimatwein – nur die Herkunft zählt.” Ob damit der Wein der erwiesenermassen traditionsreichen Anbau-Insel Sylt gemeint ist ?!? Achtung: Letzter Satz ist ironisch gemeint.
        Beste Grüsse aus Bornheim
        -Klaus Feldkeller-

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        • Dirk Würtz Post author

          Lieber Herr Feldkeller,
          dann sind Sie hiermit herzlich jederzeit eingeladen zu kommen und wir machen gemeinsam eine große Tour durch die Weinberge. Wenn Sie möchten gerne das Ganze auch noch einmal bei uns in Rheinhessen. Schrieben Sie mir einfach eine Mail mit Terminvorschlägen. Und natürlich geht es um Heimatwein, selbst auf Sylt, wenngleich das gar nicht einfach ist. Lesen Sie noch einmal die Definition dieses Begriffes und das ist klar, dass das auch für Sylt zählen könnte.

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          • Klaus Feldkeller

            Lieber Dirk Würtz,
            danke für die Einladung. Ich komme darauf mit Sicherheit zurück – spätestens Ende Juni persönlich beim Vinocamp.
            Übrigens: So wie zwischen uns soeben stelle ich mir persönlich eine Blogger-Diskussion vor: Auch hart in der Sache, durchaus provokativ, aber nicht beleidigend.
            Beste Grüsse
            -Klaus Feldkeller-

  • Michael

    Ihr Lieben Weltverbesserer,

    Grubdsätzlich bin ich einer von Euch, ich kaufe nicht bei Aldi und Lidl, kaufe meine Weine gerne direkt beim Winzer, das Fleisch beim Biometzger usw.
    Warum? Weil ich:
    a) davon überzeugt bin, das richtige zu tun und
    b) es mir noch leisten kann, sowohl zeitlich als auch finanziell.

    doch machen wir uns nichts vor, wir sind alle auf die eine oder andere Weise privilegiert.

    heute in der Grosstadt frisst die Miete bei vielen Menschen über 50% des Einkommens, permanent steigende Kosten der Mobilität, der Energie und der Kommunikation kommen hinzu – ohne das geht unser Leben aber bei den meisten einfach nicht mehr. Wer heute eine Familie mit 2,3 Kindern durchzubringen hat, der hat wenig Spielraum um sich um die ökologische Seite oder die Arbeitsbedingungen anderer zu kümmern. Nur ein konkretes Beispiel dazu: Mieterhöhung im Mietspiegel von HH für Altbauwohnungen 2013 = 15% – meine Nachbarn mit 3 Kindern bricht so etwas fast das Genick.

    Die Zunahme der Weltbevölkerung ist ein weiteres Thema, dass man bei der Diskussion nicht außer Acht lassen kann. Heute hungern weniger weltweit, obwohl die Zahl der Meschen explodiert, das lässt sich nur mit ökologischer
    Landwirtschaft nicht realisieren.

    Und das Deutschland Bashing in diesem Zusammenhang verstehe ich gar nicht. bin aktuell in Spanien, hier sind Lebensmittel beim Bäcker und im Supermarkt noch billiger, Bioladen findet man erst gar nicht, auch wenn man lange sucht. auf dem Land ist es auch nicht besser, denn die Landwirtschaft ist hier ausbeutend ohne Ende. Und wer einmal in Australien oder den USA war, der weiß, dass sie uns alle in Europa für völlig bekloppt halten, was unseren Splin mit ökologischer Landwirtschaft angeht.
    Bitte nicht falsch verstehen, ich bin grundsätzlich für bessere
    Konditionen für alle, insbesondere für unsere Umwelt, aber ein Allgemeins Lidl und Aldi Bashing inkl. Der Käufer dort bringt nichts, denn viele könnten ohne die Discounter in Deutschland nicht satt werden. DAS ist der eigentliche SKANDAL.

    Hasta pronto
    Michael

    Reply
    • Dirk Würtz Post author

      Lieber Michael,

      aktuelles Angebot von Aldi für Hähnchenbrustfilet heute, 100 Gramm 1,19 Euro, bei meinem Metzger, 100 Gramm 99 Cent, TÄGLICH frisch und aus kontrollierter Herkunft. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass das Zeug im Discounter billiger wäre. Die Kaufen nur viel, viel, viel billiger ein und maximieren größtmöglich.

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  • Till

    Danke Dir Dirk für diese offenen Worte,
    habe dazu schon einen Kommentar auf Facebook geschrieben.
    Fazit !!!! Bei allem liebt der Deutsche ” Made in Germany” auch oft,
    koste es was es wolle, sei es das Auto oder ähnliches, doch der Gedanke dies
    auch einmal auf unsere Nahrung zu übertragen fällt den wenigsten dabei ein.
    Auch die Einwürfe von Michael kann ich nur bedingt akzeptieren, warum nicht einmal
    Verzicht üben und dafür nur 1 x pro Woche ein tolles Stück Fleisch, eben wie von Ihm
    beschrieben dann vom Biobauern oder Bio-Metzger……ich bin noch damit groß geworden
    nur 1 mal in der Woche ein Stück Fleisch auf dem Teller zu haben und lebe Heute noch,
    also kann meine Ernährung ja auch nicht so falsch gewesen sein, denn ich erfreue mich
    bester Gesundheit !!! Und wir essen Heute auch vorwiegend Gemüse, Nudeln und Salat über die
    Woche.
    Und Apropos Bio-Dynamik…. Herr Feldkeller, diese betreiben Heute mehr Winzer als sich viele
    vorstellen können, wir kennen einige von Ihnen aus den verschiedensten Regionen des Weines und
    diese Winzer sind sehr stolz darauf in einem neuen Sinneswandel Ihren Wein anzubauen und zu keltern.
    Viele sind davon nicht Demeter zertifiziert wie z.B. P.J. Kühn aus dem Rheingau, doch Ihnen liegt inzwischen
    viel an Bio-Dynamischen Umgang und dem Umbau Ihrer Parzellen, auch wenn es oftmals nur durch Einbußen
    für Sie zu vollziehen ist.
    Auch ein Winzer wie Balthasar Ress nimmt momentan sehr arge Einbußen in Kauf zur Steigerung seiner Qualität,
    ( in den Medien vor Kurzer Zeit mehrfach berichtet)
    und eben evtl. nur einem agressivem Marketing und der Solidität des Unternehmens Dank ,kann die Familie Ress
    dies vielleicht ein wenig auffangen, ich persönlich empfinde da die tägliche Werbung im Fernsehen als wesentlich agressiver !!!!

    Reply
  • Till

    Hab ich doch so geschrieben Dirk ;) vielleicht liegst am Lesen
    “Viele sind davon nicht Demeter zertifiziert, wie z.B. P.J. Kühn aus dem Rheingau”
    Hab da vielleicht das Komma vergessen ;) sorry

    Reply
    • Dominik

      “Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten, würde keiner mehr Fleisch essen”. Das stimmt nicht ganz:
      http://www.welt.de/welt_print/vermischtes/article5745437/Live-aus-dem-Schlachthof.html
      Wobei es sich hier natürlich um einen Vorzeigebetrieb handelt.
      Ich habe aber selbst 4 Wochen auf einem Schweinemast- und zuchtbetrieb gearbeitet und esse trotzdem wieder Schnitzel im Restaurant, auch wenn ich nicht weiss wo es herkommt. Früher waren übrigens die Bedingungen auf den Bauernhöfen auch nicht besser, nur weil es kleinere Betriebe waren. Es gab zudem viel mehr Menschen in der Landwirtschaft die die Zustände kannten und trotzdem nicht zum Vegetarier wurden.

      Reply
  • Michael

    Aaaalso: zunächst einmal oute auch ich mich solidarisch als Nicht-Discount-Käufer. Das hat tausende von Gründen, aber unterm Strich den wichtigsten: durch meine vertriebliche Arbeit im Weinbereich (…ich war jung und brauchte das Geld..) für diese beiden Händler. Wer ernsthaft glaubt, dass er dort qualitativ vergleichbare Erzeugnisse bekommt lügt sich leider in die eigene Tasche. Das steht natürlich in einem freien Land jedem frei, ändert aber nichts an den Tatsachen. Mit der Argumentation dass die günstigeren Einkaufskonditionen (wegen der Masse…) es den Discountern ermöglichen bei gleicher Qualität bessere Preise bieten zu können, fahre ich jeden der möchte gerne in 2 Minuten an die Wand…denn das ist das selbst ausgegebene Credo der Discounter, das, wenn man sich die Mühe macht genau hinzusehen, total Banane ist – es aber natürlich leichter macht sich selbst zu belügen (siehe oben, freies Land und so…)
    Mein zweiter Punkt: Glyphosat. Es gibt an der Mosel genauso viele oder wenige Winzer die es noch einsetzen. Das hat auch 0,0 mit Betriebsgröße zu tun, denn an der Mosel werden diese Arbeiten mechanisch im Lohn von Maschinenringen seit Jahren ausgeführt. Da macht ein Lohnunternehmen mehrere tausend Hektar alleine. Und das Gros der Winzer macht mit. Ist kostengünstiger – und da ist genau der Punkt.
    Ich weiß, dass die Rheinhessen auch gerne so gute Rieslinge wie an der Mosel hätten und mit allen Waffen kämpfen – bei dieser ist leider das Pulver nass;)

    Reply
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  • Heiner sonst keiner

    Lieber Herr Würtz,

    Hat dieser (zugegebenermaßen drei Monate ) Post, bzw. als triumphales “Deutschland ist doof” -Geseiher getarntes Discounter-Gebashe in Form einer Rundumkeule gegen die Gesellschaft eigentlich eine tiefere Bedeutung.

    Abseits der öden Plattitüden, wie maßlos, korrupt und kommerziell hier alles ist, konnte ich keine Linie, keine tiefere Bedeutung erkennen.

    Wirklich?

    Herzlichst
    Ein nicht regelmäßiger Leser (Gott bewahre!) ihres Blogs.

    Reply
  • Andree

    Nicht alles ist so, wie es scheint.
    Zitat:” Gäbe es keine Billig-Discounter, müsste der Staat Hartz IV aufstocken. Dann wären Steuererhöhungen wohl unvermeidlich. Im Ergebnis bliebe den Menschen weniger Geld fürs Essen. Aus dem Vorwurf, die Lebensmittel würden zu wenig kosten, spricht die Arroganz der Bessergestellten. Eigentlich ist es doch eine Errungenschaft, wenn auch die weniger gut Betuchten satt werden.
    Die ganze Billig-Diskussion ist doch nur billiger Klamauk. ”
    Mehr beim Deutschlandradio Kultur:
    http://www.deutschlandradiokultur.de/ernaehrung-unsere-lebensmittel-sind-nicht-zu-billig.993.de.html?dram:article_id=282617

    Reply
  • Strobl

    Durch Zentrifugenfleisch kann man ein Schwein zu 110 % nutzen, die Knochen, den Darm, die Sehnen.
    - Wie kommt es eigentlich, dass die Deutschen nur 2,57 € pro Flasche Wein im Schnitt ausgeben?
    - Wie wurde die Rebe gefüttert und vor Krankheiten geschützt, gedopt, geklont um Wechsle und Farbe jedes Jahr zuverlässig in grossen Mengen zu liefern?
    - Macht da etwa jemand auch noch aus Geläger und Sediment zusätzlich Alkohol in rot und weiß und den dann blank als wärs gelagert? (Früher gabs Buppes, Tresterwein, da konzentrierte sich das Arsen, dass im Weinberg eingesetzt wurde, schon mal auf. Wer diesen “Haustrunk” überlebte hatte auch seine Reben gut behandelt.)
    - Wie unterscheidet sich heutzutage der Alkohol aus Weinresten von dem hart erkämpften Kulturgut? Und warum ist da noch nicht mal Steuer drauf, wie auf den wertigen Produkten in Europa?
    - Ist der Wein oft nicht auch ein armes Sch – wein?

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