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Herkunft Südafrika – Fazit

Nachdem ich mich nun mehrere Tage intensiv mit dem Thema “Single Vineyard” und damit mit dem Thema “Herkunft” beschäftigt habe, nachdem ich probiert, geschwellt, getrunken und gespuckt habe, wird es nun Zeit für mein ganz persönliches, restlos subjektives, Fazit.

 

Wer mich kennt, wer meinen Blog und meine Arbeit verfolgt, der weiss, dass “Herkunft” für mich eines der zentralsten Themen überhaupt ist. Ich habe das Wort “Terroir” aus meinem Wortschatz gestrichen und durch den Begriff “Herkunft” ersetzt. Natürlich ist mir völlig bewusst, dass dieser Begriff nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Dass er ganz sicher demnächst das gleiche Marketingfriedhofschicksal erleidet wie der Begriff “Terroir”. Dennoch benutze ich ihn. Noch!

“Single Vineyards” aus Südafrika waren für mich Neuland  :-) . Ich stehe zu dieser Lücke. Schließlich kann ich beim besten Willen nicht alles kennen. Einen klitzekleinen Teil dieser Lücke habe ich jetzt gestopft. So viel zumindest, dass ich mir ein erstes Urteil bilden kann. Es fällt mir schwer, meine Vorstellung von Herkunft auf die Weine aus Südafrika, die ich dieser Tage probiert habe, zu übertragen. Ich habe ganz viele Dinge wahrgenommen, insbesondere das, was wir “Mineralität” nennen. Ich mag das und es beeindruckt mich. Als ich dann noch die Information über bestimmte Bodenarten bekam, erschien mir das alles völlig schlüssig. Ins Grübeln kam ich dann, wenn ich feststellte, dass die Machart – also der technische Ablauf – in den Vordergrund rückte. Gerade über diese Abläufe hatte ich beispielsweise eine ausgedehnte Diskussion mit meinem Mitverkoster H.O. Spanier. Für mich ist die Sache eigentlich relativ einfach. Ein Wein ist immer geprägt von seiner Machart – was sonst. Im Idealfall ist die Machart so, dass sie den Charakter des Stückchens Land, auf dem die Trauben gewachsen sind, nicht zerstört. Die Machart unterstützt, hilft und bewahrt. Besser gesagt: sie soll unterstützen, helfen und bewahren.

Südafrikanische Weine waren für mich bisher immer etwas anderes als die Idee eines “Single Vineyards”. Sie waren immer mehr Marke und Idee, als Herkunft. Natürlich verbinde ich mit dem so typischen Geruch eines Sauvignon Blancs sofort dieses wunderschöne Land. Wenn ich Stachelbeere rieche, sehe ich mich immer Groot Constantia vor mir. Dieser wunderschöne Platz mit der beinahe unbeschreiblichen Aussicht – ein Stückchen Paradies. Ganz sicher kann man das “Herkunft” nennen. Aber so ist natürlich viel zu unpräzise und viel zu schwammig. Zumal es mehr Emotion als Erklärung ist. Wenn es um deutschen Wein geht ist das viel einfacher. Zumindest für mich. Ich kenne die Lage, ich kenne die Machart (Handschrift) und damit kann ich das Ganze schnell einordnen und wenn es sein muss auch bewerten. Natürlich spielt da die Emotion auch eine Rolle. Hin und wieder sogar die gewichtigste. Dennoch bleibt es präzise und sehr kleinteilig. Ich glaube, genau das ist es nicht, worum es bei den “Single Vineyards” unbedingt geht.

Es geht natürlich um die Herkunft in Bezug auf die Lage. Es geht um eine Idee. Vielleicht sogar um einen Aufbruch. Aber nicht so eng, wie wir das kennen. Wahrscheinlich ist es gar nicht nötig, jeden einzelnen Quadratmeter südafrikanischen Weinlandes zu kategorisieren und als “Lage” zu klassifizieren. Bisher, so glaube ich, ging es mehr um Rebsortenprofile und um den idealen “Blend”. Ein idealer “Blend” ist der (subjektiv) perfekte Verschnitt mehrerer Weine. Natürlich weiss der südafrikanische Winzer genau, auf welchem Boden was am besten wächst. Jeder Winzer auf der ganzen Welt weiss das. Mit diesem Wissen und den jeweils besten einzelnen Partien hat er dann eben seinen Wein gemacht.  Bei den “Single Vineyards” zählt wohl der Gedanke: “Hier habe ich ein besonders Stück Land und so stelle ich mir meinen Wein von dort vor!”

Die Weine, die ich in dieser Woche probiert habe, waren allesamt sehr eigenständig. Teilweise ganz anders. Gerade letzteres ist für mich das untrügliche Indiz dafür, dass die Idee “Single Vineyard” funktioniert. Ich konnte deutlich feststellen, dass sich die Weinmacher viele Gedanken über ihre Arbeit gemacht haben. Dass versucht wurde, Ideen “schmeckbar” zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich weiss nicht, ob ich jetzt künftig in der Lage sein werde, den “Pofadderbos” herauszuschmecken. Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Was ich aber immer wiedererkennen werde, ist das besondere Moment dieser Weine. Und darum geht es am Ende doch auch.

5 Kommentare zu “Herkunft Südafrika – Fazit

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