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Weinrallye #62 – Sind fünf Euro die Grenze des guten Geschmacks?

Heute ist wieder einmal Weinrallye und bei DEM Thema MUSS ich mitmachen… Gastgeber der heutigen Rallye sind die geschätzten Kollegen Montagstrinker… ;-)

 

Theoretisch, und wohl auch praktisch, ist gerade dieses Thema ganz sicher eines der meist diskutierten im Netz. Seit es das Netz gibt, seit es das Thema Wein im Netz gibt ist es eigentlich unausweichlich! Warum? Ganz einfach: die Deutschen trinken nun einmal mehrheitlich Wein unter dieser Preisgrenze. Und “unter fünf Euro” wird beinahe automatisch mit Wein aus dem LEH oder dem Discounter gleichgesetzt. Und schon sind wir mittendrin, im weltanschaulichen und natürlich gerechtfertigten Diskurs. Da bekommen die meisten “echten Weinliebhaber” direkt Schnappatmung. Skandal und Gammelfleich und Panscherei und überhaupt! Eigentlich ist aber alles zu dem Thema gesagt, was auch nur im Ansatz zu sagen ist. Wer seinen Wein im Discounter kaufen will, soll dies tun. Mein dringender Rat in diesem Zusammenhang ist: kauft deutschen Wein, da ist die Wahrscheinlichkeit einen handwerklich einwandfrei erzeugten Wein zu bekommen relativ groß. So lange das Wort “Qualitätswein” auf dem Etikett steht, ist das Ganze kontrolliert und macht ganz sicher nicht krank und immer häufiger schmeckt es auch…

Aber zurück, zum eigentlichen Thema: “Sind fünf Euro die Grenze des guten Geschmacks?”. Diese Frage ist, man verzeihe mir die deutlichen Worte, selten dämlich! Zumindest inhaltlich! So eine Frage kann nur ein echter Snob stellen… ;-) Natürlich, auch ich verstehe das, ist diese Frage eine Provokation und nichts anderes. Mir fallen aus dem Stehgreif Dutzende, viele Dutzende von Winzern ein, deren Einstiegsweine weniger als fünf Euro kosten. Wahrscheinlich sprechen wir hier von Tausenden von Weinen in diesem Segment. Ach was, Zehntausende! Sind die gut? Natürlich sind sie das! Nicht immer, aber immer öfter. Alleine bei mir im Ort, oder auch in Hattenheim im Rheingau, gibt es jede Menge solcher Weine. Teilweise sind die sogar richtig gut. Warum sollten sie auch nicht gut sein? Warum sollte man am überwiegenden Teil der deutschen Winzerschaft zweifeln? Es gibt keinen vernünftigen Grund!

Es ist an der Zeit, zumindest hier in Deutschland, dass wir uns von diesen grenzwertigen Vorurteilen befreien. Wein muss nicht soundsoviel Euro kosten um gut zu schmecken. Ganz sicher kosten die allerbesten Weine der Welt auch allerbestes Geld – es gibt aber keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Preis und Qualität. Den kann es natürlich geben – muss es aber nicht! Viel relevanter ist da eher der Zusammenhang zwischen Preis und Image, und der daraus resultierenden Nachfrage. Ganz klar ist allerdings eines: Qualität hat ihren Preis. Die fängt aber bei einem deutschen Wein natürlich nicht erst bei fünf Euro an. Selbstverständlich wäre es wünschenswert, wenn alle Weine deutlich über fünf Euro kosten würden. Zumindest für den Erzeuger. Dann wird ordentlich Geld verdient und alle haben Spaß. Oder halt auch nicht, wenn es dann im Segment bis fünf Euro Auslistungen ohne Ende hagelt. Die Auswirkungen solcher Auslistungen führen sich leider die wenigsten vor Augen. Ganz am Ende ist dann nämlich die Weinkulturlandschaft Deutschland in Gefahr. Dann werden mal ratzfatz zehntausende von Hektar Weinberge gerodet, weil sie keiner mehr braucht, weil den wünschenswerten über fünf Euro Wein keiner in dementsprechenden Mengen kauft.

Im Segment bis fünf Euro sind wir hier in Deutschland eigentlich richtig gut – wenn wir wollen. Handwerklich einwandfreie und gut schmeckende Weine für die große Masse der deutschen Weintrinker könnten wir produzieren – wenn wir wollen. Weine, mit denen wir einem Teil der Weintrinker garantiert Lust auf mehr machen. Lust auf mehr deutschen Wein und Lust auch mal einen oder zwei Euro mehr dafür auszugeben.

Bevor ich es vergesse – leider dürfen wir manchmal eben auch nicht…

5 Kommentare zu “Weinrallye #62 – Sind fünf Euro die Grenze des guten Geschmacks?

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