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Auflagen-Gau!

Neulich hatte ich es noch vom Weinjournalismus und den Auflagen  und überhaupt. Jetzt kamen die aktuellen Zahlen der “ivw” zum letzten Quartal 2012. Und die sind, gelinde gesagt, erschreckend.

Eine meiner Lieblingsseiten im Netz, die ich täglich lese, ist “DWDL”. Eine Seite rund um Medien, Quoten und alles was eben so dazu gehört. Hier findet man die Tage eine aktuelle Auflistung und Gegenüberstellung der “ivw-Zahlen”. Besonders interessant ist hier die Tatsache, dass eben auch die sogenannte “Harte Auflage”, also das, was tatsächlich zum regulären Preis verkauft wird,  betrachtet wird. Der allgemeine Trend festigt sich – es geht bergab. Bis auf einige Ausnahmen, versteht sich. Betrachtet man sich unser Thema,  die “Harte Auflage” der Weinzeitschriften, wird es doch ganz schön heftig!

1.489 Exemplare verkauft beispielsweise die “Selection”. Der Rest geht über extrem rabattierte Sonder- oder Bordverkäufe. Das sind 6,6 Prozent mehr als im letzten Jahr. Also etwas weniger als 100 Exemplare… Wenn ich mir überlege, dass ich im vergangenen Jahr eine Mail dieser Zeitschrift in Sachen Weinproben und Tests bekam, in welcher allen Ernstes geschrieben stand, dass die “Selektion” 40.000 Entscheider im deutschen Weinmarkt erreicht, komme ich doch sehr ins Grübeln. Die “VINUM” – von mir in jüngster Vergangenheit sehr geschätzt – kommt gerade einmal auf 10.649 Exemplare und selbst der “FEINSCHMECKER”  verkauft regulär gerade einmal noch 45.934 Exemplare. Das sind  10,4 Prozent weniger als im letzten Quartal in 2011. Leider liegen immer noch keine Zahlen vom “Falstaff” vor. Aber ich vermute einmal, die werden nicht wirklich viel anders sein.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, die Zahlen sind einfach nicht schön. Erst recht nicht, wenn ich die “Harte Auflage” noch einmal um die vielen Abos der Weingüter und Weinhändler bereinige. Dann bleibt von einer breiten Publikumswirkung tatsächlich wohl fast gar nichts mehr übrig. Was das für Weinverkostungen, Wettbewerbe und sonstiges bedeutet, muss wohl nicht extra erklärt werden. Die “Weintipps” bleiben im Insiderkreis…

Wer jetzt glaubt, mich als Onliner würde das besonders freuen, der täuscht sich. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich finde das eher traurig und sehr schade. Aber ich bin dennoch guter Hoffnung. Ich fühle und registriere einen Ruck. Wenngleich auch einen sehr zaghaften. Es wird sich etwas tun, da bin ich mir absolut sicher!

17 Kommentare zu “Auflagen-Gau!

  • Der Captain

    wer nicht erkennt, dass eine Weinzeitschrift richtig exklusiv aussehen muss, damit sie jene Anzeigen bekommt, die das Überleben ausmacht, der wird auf lange Sicht scheitern. Und ich sehen nirgendwo, dass man die Bedeutung von Layout und Fotografie ernst nimmt. Das liegt auch daran, dass die Verlage der Weinzeitschriften nie in diesen Gewässern fischen mussten. Beispiel AD von Conde Nast: Auch keine irre Auflage, aber Leitmedium der Architekten. Und großartige Heftgestaltung. Deswegen randvoll mit Inseraten. Bei gleichfalls fallender Auflage. Die Werbewirtschaft akzeptiert das Fallen nur bei Leitmedien. Und nur bei jenen, die ein perfektes Inseratenumfeld bieten. Aber das wird man bei Meininger oder Vinum nicht kapieren. Ich fürchte nie..

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  • Moselriesling

    Moin Dirk, danke für die interessanten Zahlen, besonders Selection ist ein echter Schocker.
    Ich hab die ja schon immer für Winzerabzocker gehalten mit Ihren ganzen Proben, deren Ergebnisse auch noch unattraktiv dargestellt werden. Aber 1500 verkaufte Exemplare, da schafft ja fast jede Obdachlosenzeitung in Deutschlands Großstädten mehr und dann zu behaupten es würde von 40000 Entscheidern der weinbranche gelesen, das ist doch Betrug, oder???

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    • Dirk Würtz Post author

      @Moselriesling
      Ich würde das nicht als Betrug bezeichnen. Die drucken ja um die 40.000 Exemplare. Und wenn sie die flächendeckend verteilen, verschenken oder was auch immer, dann können sie ja die Entscheider erreichen…

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  • Christian

    @Captain Aber genau die von Ihnen kritisierten Dinge setzt der TreTorri Verlag bei der Fine doch ziemlich gut um…

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  • Der Captain

    Fine ist zwar schön, aber kein regulär seriöses journalistisches Produkt. Zudem zu eliteverpflichtet. Das reicht nicht an AD und vergleichbare Publikationen heran. Und die Werbewirtschaft kapiert den Unterschied genau..

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  • Barrique-Haus

    Ich denke ein weiteres Problem ist die Zielgruppe. Haben die Weinmagazine sich überhaupt in letzter Zeit Gedanken gemacht, wen sie erreichen wollen? Ich kann das nicht erkennen…

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  • Der Direttore

    Richtig Dirk, ich kann als Onliner auch keinen Gefallen am Sturz der Printtitel empfinden, weil ich immer noch der Überzeugung bin, dass es nicht immer an der Qualität der Titel liegt, sondern, auch an der Gratiskultur der Verbraucher! Die Infos im Netz sind kostenlos!

    Also müssen sich die Titelmache überlegen was sie von der schnellen Onlineinformation abhebt. Da kommt sicherlich der Punkt vom Captain hinzu plus eben Hintergrund etc..
    Wichtig auch der ganzheitliche Ansatz zwischen Web und Print auf Augenhöhe etc..

    Die Zahlen der Selektion sind ersckrecken. Da hat jeder Durchschnittsblog mehr Leser bzw. Multiplikationskraft.

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  • Der Captain

    Nochmal: Es kann in Deutschland ein funktionierendes Weinmagazin geben (print). Der Verlag muss aber sein Interesse behaupten, das führende Weinmagazin zu sein (siehe Decanter). Das ist vor allem eine Frage der Aufmachung. Wer ein Weinmagazin mit grauer Schrift und blauen Fotos aufmacht (Vinum), oder erschreckend erbärmliche Headlines wählt (Weinwelt), dem ist kaum zu helfen, Ich glaube auch, dass für diese Problematik null, wirklich null Bewusstsein herrscht. Auch Stephan ist kein optischer Typ, das ist auch nicht seine Aufgabe, nur muss irgendjemand im Verlag ihn unterstützen. Und das sehe ich nicht. Ich habe ähnliche Erfahrung bei der Technology Review gemacht, die ich in Hannover optisch mitverantwortet habe. Es war ein sehr schönes Heft, doch der Verlag hat nicht verstanden, dass man mit diesem Heft eben anderswo Anzeigen keilen muss. Und nicht bei den pizzaschnittenfressenden IT-Firmen. Die Amerikaner (der Partner) haben das verstanden. Aber nur die. In Hannover war ich ein extremer Fremdkörper. Und so wird es jedem gehen, der bei Vinum oder der Weinwelt mit Gestaltungsfragen anrückt. Deswegen werden diese Hefte auf lange Sicht nicht zu retten sein. Und deswegen kann ein Kulturmagazin wie “Du” (das nicht viel mehr Auflage hat) überleben. Weil es schön genug ist, Anzeigen zu gerieren. Aber wem sag ich das?

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  • Tom

    Ich finde es erstaunlich, dass die Beef hier so selten als Vorbild genannt wird. Die Zeitschrift hat sich ihren Markt doch auch selbst geschaffen (oder die Mare, um mal ein echtes Orchideenthema zu nennen). Hier sind doch durchaus Leute unterwegs, die schreiben können. Auf gehts. In jede Beef eine Weingeschichte reinbringen!

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  • Sigbert Frisch

    Warum, verehrter Captain, ist Fine kein “regulär seriöses journalistisches Produkt”? Und was heißt “regulär seriös”? Gibt es – außer vielleicht für Ösis – auch “irregulär seriös”?

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  • Pingback: Weinzeitschriften – viele wissen wie es besser geht

  • Michael Weber

    Hi Leute, passend zum Thema habe ich nun endlich mein Abo für die weinwelt gekündigt und hatte denen eine Mail geschrieben, bei der ich etwas ausgeholt habe. Mittlerweile haben die sich sogar gemeldet, planen einen Relaunch, sitzen aber m.E. immer noch auf einem hohen Ross….

    Meine Mail: “Gründe hierfür gibt es viele. Der Hauptgrund ist, dass die Weinwelt an sich eine dynamische Entwicklung macht, die im Internet und auch in sozialen Medien beobachtet werden kann und die bei ihrem Magazin spurlos vorüber ging. Mir ist aufgefallen, dass ich seit 2 Jahren keine brauchbaren Weintipps mehr aus Ihrem Magazin erleben konnte, ich jedoch immer wieder in online-Publikationen sehr interessante Neuigkeiten und Weintipps bekomme, gerade was deutschen Wein betrifft. Das kann ich von der Weinwelt (abgesehen von dem Bericht über neue Gesichter aus Rheinhessen) nicht behaupten. Und der Verlag ist im Epizentrum des pfälzischen Weinbaus angesiedelt. Warum gibt es nicht eine Kolumne in jeder Weinwelt, in der 10 interessante deutsche Weine vorgestellt werden, die NICHT von Großproduzenten, Kellereien oder Genossenschaften kommen? Ohne dass eine Gebietswerbung oder ein Weinhändler dahinter steckt? In letzter Zeit habe ich auch das Gefühl (was man auch an ihren Werbeanzeigen erkennen kann), dass Sie mehr und mehr die Bereiche LEH und deren Dunstkreis “beackern”. Sicher wird in Deutschland der meiste Wein in Discountern oder Supermärkten verkauft…..leider. Aber ist nicht die “Weinwirtschaft” das Organ für diesen Bereich? Das gleiche trifft auf “Mundus Vini” zu. Dieser Wettbewerb hat doch für den belesenen Weintrinker keinen Nutzen. Lidl und und die Massen von Genossenschaften oder Anselmann können sich dann diese Medaillen auf die Flaschen kleben. Das ist doch genauso lächerlich wie die “Goldene Kammerpreismünze”. Das Geld und die Ressourcen, welche sie in diesen “Wettbewerb” reinstecken, könnte man nutzen, um sich auf eine veränderte Weinwelt zu fokussieren. MAchen Sie doch einen Wettbewerb für die LEH-Weine und vermischen das nicht. Gehen Sie lieber her und verkosten z.B. wenn Sie über die GGs der Pfalz berichten ALLE GGs der Pfalz und bringen nicht nur die GGs von 5 Winzern. Das macht doch keinen Sinn. Machen Sei doch ne große Blindprobe von allen GGs und machen daraus ne Story, aber, wie gesagt, dan von allen. Das hätte mehr Sinn als “Mundus Vini”.

    Ich war früher Abonnent des “Weingourmet”, der ja bekanntlich eingestellt wurde. Da ich ja schon immer die Weinwelt hin und wieder gelesen habe, habe ich mich seinerzeit zu einem Abo entschlossen, da es für mich damals die beste Alternative war. Heute denke ich, dass man sich das Geld einfach sparen kann. Dafür kaufe ich mir ein paar gute Flaschen Wein, das nutzt mir mehr. Die Weinkonsumenten verändern sich, das Publikum wird jünger, die Ansprache ist eine andere, ich denke, das fehlt in Ihrem Magazin. Die “Vinum” hat das gleiche Problem, der “Falstaff” ist extrem kommerziell und wird wohl in Deutschland trotz der vielen Millionen in der Hinterhand sich irgendwann nicht mehr rechnen. Die Weinwelt und die Vinum verlieren doch zahlende Abonnenten, was ja kein Geheimnis ist. Warum stößt man nicht in diese Lücke und bietet eine moderne Weinzeitung mit Focus auf Deutschland mit einem interaktiven Netzangebot? Schade eigentlich. Das Gute liegt so nah. Es ist zwar schön zu beobachten, wo ihre Redakteure so überall in der Welt herumkommen, keine Frage. Aber packen Sie doch das in Ihr Reisemagazin und basta. Was momentan in der Pfalz und in Rheinhessen abgeht, ist doch viel interessanter und Sie sind doch vor Ort! Die interessierten Weinleser wollen Weine entdecken, von denen sie noch nie gehört haben, die NICHT im Supermarktregal liegen, sondern in unseren Regionen erlebbar sind. Jedes Jahr übernehmen junge Winzer das Ruder in kleinen und unbekannten Winzerbetrieben. In allen Regionen. Und das muss erlebbar werden. Wieso stellen Sie nicht in jedem Heft ein paar Winzer und deren Weine vor. Die 3 empfehlenswertesten stellen Sie vor und so ist das erlebbarer und nicht so plakativ wie z.B. in Ihrem Bericht über die jungen Rheinhessen-Winzer. Wenn der Leser Lust auf den Wein X bekommt und den Winzer anruft, dann passt das. Oder er fährt hin. Das habe ich bei Ihnen schon lange nicht mehr erlebt. Wobei ich erst vorgestern durch einen Bericht im Internet einen Winzerbetrieb entdeckt habe, der außerordentlich gute Weine im Rheingau erzeugt, die zu moderaten Preisen erzeugt werden. Es gibt nicht nur bei Lidl gute Weine für 5 EUR, es gibt sie massenweise in Deutschland, wir müssen sie nur trinken…….. (und sie brauchen keine lächerlichen Medaillen auf der Flasche)”

    Und hier ist das Feedback der Chefredaktion:

    “haben Sie vielen Dank für die ausführliche Kritik an der WEINWELT. Ich freue mich deshalb sehr darüber, da wir kurz vor einem Relaunch stehen und uns ab etwa Mitte des Jahres neu positionieren möchten. Die Entwicklung im Online-Sektor haben wir in sofern nicht verpasst, als dass wir im vergangenen Jahr die Meiningers-Weinsuche.com ins Leben gerufen haben und alle Zeitschriften des Hauses mit diesem neuen Medium verknüpft haben.

    Sie haben Recht, das hat sich optisch noch nicht auf die MEININGERS WEINWELT (wie wir seit dem Sommer heißen) ausgewirkt, aber daran arbeiten wir nun.

    Ich werde nun nicht auf alle Ihre Punkte eingehen, aber das Beispiel mit den Großen Gewächsen möchte ich doch kurz aufgreifen. Wir haben in größerem Team im August sämtliche Großen Gewächse (und Erste Lagen) des VDP probiert und die besten (auch da nehmen wir uns heraus, eine Auswahl zu treffen) im Heft vorgestellt. Die noch mal als Top 10 über das Jahr zu verteilen, macht dann meiner Meinung nach keinen Sinn.

    Natürlich gibt es bei den Große-Gewächse-Verkostungen auch keine Neuheiten zu entdecken, da es sich hierbei immer um die Weingüter handelt, die sich bereits einen Namen gemacht haben. Entdeckungen machen wir hingegen zum Beispiel bei unseren Riesling-Verkostungen oder den Themen-Verkostungen; hier sind IMMER tolle Jungwinzer dabei, die sich noch einen Namen machen müssen. Wir stellen auch immer Weine mit einem besonderen Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich heraus, so kann jeder seine Entdeckungen machen. In unserer Rubrik Checkpoint stellen wir ebenfalls jede Ausgabe unsere persönlichen Favoriten vor. Zum Beispiel der junger Zimmermann aus Nieder-Olm, von ihm haben Sie sicher vorher noch nirgendwo gelesen.

    Ich will Sie hiermit keinesfalls umstimmen, sich die Kündigung Ihres Abos noch mal zu überlegen, verstehen Sie mich nicht falsch (Ihre Mail gebe ich gerne an den Vertrieb weiter), aber vielleicht schauen Sie ja ab und zu noch mal rein, denn wir haben noch Einiges mit dem Heft vor.

    So manches Layout und so manche Verkostung wiederholt sich sicher, und der Eindruck vom Heft sieht natürlich dann immer gleich aus, aber genau daran arbeiten wir.”

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  • Alexander

    Dass Journalisten Kritik (die sie ja selbst gerne und ihrem Amt gemäß reichlich austeilen) überhaupt auch nur zur Kenntnis nehmen, geschweige denn dass sie darauf antworten, das ist schon einmal sehr ungewöhnlich. Bin verblüfft.

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  • Christian

    Lieber Captain,
    ich verstehe grundsätzlich was Sie meinen wenn Sie die Fine mit “kein regulär seriöses journalistisches Produkt” beschreiben.LVMH scheint da die Finger mit im Spiel zu haben, so scheint es mir auch manchmal.. Und natürlich ist sie, auch deshalb, in gewissem Maße auch eliteverpflichtet.Aber, und das ist das Feedback dass ich als Fine-Abonnent übrigens ohne Elitehintergrund ;, regelmäßig höre wenn die Fine bei mir gelesen wird oder die Sendung auf n-tv gesehen wird:Die Sendung vermittelt Emotionen mit hervorragenden Bildern im Print wie im TV, Fine transportiert diese durch hervorragende Haptik im Print-Magazin , und eine hohe Wertigkeit im TV. Ich empfinde die Kommentare im TV auch für Laien als verständlich….
    Nichtsdestotrotz deckt die Fine damit lediglich das Premiumsegment ab und ich hoffe auch das sie sich dort hält, aber im Einstiegs-und Mittelpreissegment sehe ich momentan auch keine Alternative dazu.
    Oben wurde schon mal die “Beef” genannt, die ich auch abonniert habe… Wirklich tolles Produkt!!

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