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Kein Eiswein

Gestern ging die Meldung durch die Nachrichten: 90 Prozent aller “Eisweine” des Jahrgangs 2011 erfüllen die gesetzlichen Mindestbestimmungen nicht und dürfen nicht als Eiswein vermarktet werden.

Die Trauben, so sagt das Ministerium, waren zu faul und zum Zeitpunkt der Lese nicht gefroren. In der Tat war 2011 alles, nur kein Eiswein-Jahrgang. Ich war ehrlich gesagt reichlich verwundert, als die ersten Erntemeldungen kamen, insofern verwundert mich das alles jetzt nicht wirklich.

Schade und ärgerlich ist es allemal, insbesondere für die betroffenen Winzer. Eiswein ist ein sehr gutes und lohnendes Geschäft – leider auch die Möglichkeit, Übermengen noch vermarktungsfähig zu machen. Allerdings entsteht jetzt wieder einmal eine Situation, in der deutscher Wein nicht lieferbar ist und damit Gefahr läuft, ausgelistet zu werden. Ich rede hier von Listungen im LEH und im Discounter. Der Eiswein ist das Paradebeispiel, um die wirklichen Herausforderungen im deutschenWeinbau klar zu machen. Wirtschaftlich und politisch.

Eiswein ist sicherlich die absolute Krönung eines Jahrganges. Früher und starker Frost, gesunde Trauben und das Ganze wird schnell zum grossen “Jahrhundert-Tröpfchen”. Die wirklich guten Eisweine gehören ganz sicher zu den besten Süßweinen der Welt und haben dementsprechen ihren Preis. Eiswein ist aber auch ein Kellerei-Produkt. Großflächig mit dem Vollernter gelesen und im Fass an die grossen Kellereien verkauft, findet dieser Wein seinen Weg in die Regale der Märkte. Ich kenne einige Betriebe, die sich auf die Erzeugung dieser Weine spezialisiert haben und die Nachfrage ist da. Auch aus dem Ausland. In jüngster Zeit verstärkt aus China. Diese Nachfrage gilt es zu befriedigen die Frage ist nur: wie?

Wer Jahr für Jahr Eiswein haben will, der wird wohl nicht umhin kommen, diverse technische Verfahren zuzulassen. Trauben einfrieren, Most einfrieren, was auch immer, “Eiswein” kann man auch ohne natürlichen Frost herstellen. Ist das schlimm? Na ja, wie man es nimmt! Es ist sicherlich nicht der ideale Weg, aber was ist die Alternative? Auf ein selbstregulierendes Element und die tiefe Einsicht zu vertrauen funktioniert ja nicht wirklich, wie man gerade sieht. Der Eiswein wird gemacht, egal wie. Hinterher ist das Erstaunen, die Aufregung und der Schaden gross. Schnell wird von Schummelei, gar Betrug, geredet. Das macht keinen Sinn und die Probleme einer solchen “Kommunikation” liegen auf der Hand.

Es ist, wie es immer ist, es muss einfach noch viel stärker differenziert werden. Der gesamte Weinbau ist zu hinterfragen, mit allen seinen Regularien und Bestimmungen. Heute ist ja die Anhörung im Bundestag in Sachen “EU-Weinmarktreform”. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Ich befürchte wenig…

13 Kommentare zu “Kein Eiswein

  • x

    …und da liegt genau das Problem. Schon alleine zuzulassen, dass Eiswen per Vollernter gelesen werden darf ist ein Witz! Kein wunder das man den guten Rheinhessichen Eiswein für 3,99 dann beim Aldi bekommt. schmeckt dann aber auch nur süss und sonst charakterlos! Es wie es immer ist, lässt man industrielle Methoden zu um ein Naturprodukt zu verarebiten, dauert es gar nicht mehr lange, bis es diese Sache A) für einen Spottpreis gibt, B) im Überfluss C) es nix mehr besonderes ist und D) es keiner mehr haben will!

    Ist wie Schokolade, ein Stück schmeckt super lecker, 1000 kg möchte ich aber davon nicht essen müssen!
    Und wer sagt denn, dass es in Zeiten von Klimawandel jedes Jahr einen Eiswein geben muss ? Eigentlich niemand!

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    • Dirk Würtz Post author

      @x
      Schade, dass Du das anonym kommentierst, denn Du stellst definitiv die richtigen Fragen…

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  • sigi hiss

    “Schade und ärgerlich ist es allemal, insbesondere für die betroffenen Winzer.”
    warum solchen winzern/betrieben mitleid zollen? mit vollerntern den gefrorenen schrott als eiswein zu verkaufen? und sag bitte nicht, sie wussten nicht was sie da reinholen…. ;-) um diese tut es mir nicht leid. die seriösen weingüter haben wohl in den seltensten fällen auf eiswein gesetzt. wenn doch, dann kann man mit DIESEN winzern mitfühlen. was die auslistung aus dem leh angeht, so denke ich, dass diese grossbetriebe nicht nur den eiswein gelistet haben – sollten – müssten.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Sigi
      Siehste… ich sage doch, man sollte etwas mehr differenzieren: Natürlich ist es für die Winzer schade, was denn sonst! Die haben sich viel Arbeit im Vorfeld gemacht um einen Eiswin zu ernten und sind dabei ins Risiko ggenagen. Man muss doch bitte niemandem per se unterstellen, er wollte von Anfang an “gefrorenen Schrott” produzieren! Im Übrigen, und das habe ich ja deutlich geschrieben, fehlt dann irgendwann natürlich das Einsicht zur richtigen Entscheidung. Spätestens im Januar war klar, dass das nichts mehr wird und dann hätte man dementsprechen reagieren müssen. Den ersten Hauch von Frost nutzen zu wollen, war nicht wirklich geschickt.

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  • sigi hiss

    dirk, die von dir erwähnten betriebe, wie in 2011 ja der fall, tun das schon (hiermit differenziere ich, einig mit dir, dass man dies tun muss & nicht alle über einen kamm scheren) . nennen wir es nicht von anfang an, sondern “um jeden preis” den eiswein produzieren. nennen wir es nicht wollen, sondern nennen wir es “wenns halt schrott ist, dann ver-eisweine ich halt den schrott”. wenn es passt mit den gegebenheiten, dann produzieren sie halt keinen gefrorenen schrott. wäre dem nicht so, gäbe es dann die 90% meldung?
    diese von dir genannten, spezialisierten betriebe, welche arbeit haben die sich gemacht dirk? ausser netze aufhängen & warten & hoffen, dass die kälte kommt? die grössere arbeit haben die im keller bzw. schon beim anliefern der trauben, damit aus dem schrott zumindest noch ein eiswein wird, der durch die ap kommt.
    nochmals, ich rede von denjenigen die den schrott an aldi verkaufen, damit die den eiswein zu 3,99 verkaufen können. und nicht vom winzer der eiswein produziert, wenn es das wetter zulässt. diese betriebe sind für mich die wirklich leiden, wenn es nicht klappt & alles zusammenfault.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Sigi
      Mehrere Wahrheiten gleich auf einmal… ;-)
      Natürlich macht das Arbeit, auch das Aufhängen von Netzen und das Botrytizid bringt sich auch nicht von selbst aus… und ein Risiko ist es auch immer, gerade eben für die Spezialisten, die ich kenne. Das sind nämlich ordentlich arbeitende Betriebe und keinen “Übermengen-Einfrierer”. Letzteren ist eh nicht mehr zu helfen. Damit ist das ganze Problem aber eben leider noch nicht gelöst. Das sind die aktuellen Tatsachen. die jedem längst klar waren, wenn er die “hosen nicht gerade mit der Beisszange” anzieht. Ich fordere übrigens nicht grundsätzlich die Zulassung von technischen Verfahren zur Herstellung von Eiswein. Ich denke nur laut darüber nach, ob das nicht besser wäre, als das was jetzt gerade passiert…

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  • Steffen Gröhl

    Es war 16 Januar und keiner hat mehr an einen Wintereinbruch
    geglaubt, es war also nicht nur ungeschickt. Auch aus diesem Grund mache ich keinen Eiswein.

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  • x

    @ Dirk, so ist das im Internet…..wir haben uns mal kennengelernt vor einigen Wochen bei einer Fürhung durch die Winebank……

    zum Thema : ich behaupte sogar, dass viele Eisweine der letzten Jahre oftmals nicht natürlichem Ursprungs entsprungen sind! Es sind nicht alle Betriebe, doch viele die das machen.

    Ganz ehrlich wer glaubt das in einem Jahr wie 2008, 2009 die dollsten Eisweine hervorbringen und das obwohl die Winter dermassen warm sind, das die Trauben bereits schon anfang November faul am Stock baumelten die dann letztendlich erst im Jan/Feb gelesen wurden….naja wer das glaubt, dem ist nicht zu helfen….. ich verstehe natürlich die betriebe die das machen. Im Ausland wirds gemacht, warum also nicht hier. Die bestpremiertesten Weine sind natürlich oftmals die edelsüssen…..nur wer jetzt fordert , ok dann erlauben wir die Kältetechnik, dann bitte auch die Umkehrosmose, Genveränderte Enzyme, Genveränderte Hefen, Aromastoffe und was weiss ich noch alles…….

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  • Chreiche

    Ich habe hier in Neuseeland Dessertwines probiert, die aus hauptsächlich gesunden Trauben mit Auslesequalität hergestellt worden sind. Das Weingut Seifried hat Sicherung spezialisiert und “Sweet-Agnese” hat sich zu deren Topseller entwickelt. Jetzt kann man die Situation in Neusseland nicht mit Deutschland vergleichen ( Kein Frost, andere Gesetzgebung) jedoch gefällt mir die Vorstellung einen Eiswein aus vollreifem, gesunden Lesegut mit künstlicher Gefrierung herzustellen besser, als die Trauben am Stock der Boitrytis und Konsorten zu überlassen und auf Frost zu hoffen. Dies soll aber nicht heißen, dass ich unsere deutschen Eisweine nicht mag. Im Gegenteil, ein handwerkliche gut gemachter ( richtige Rebsorte, Pfanzenschutz, Vogelabwehr) schmeckt auch mir. Und ich verstehe auch die “Übermengeneinfrierer” , solange der Markt ihnenmfür ihr Produkt genügend Geld gibt, würde ich das auch machen, bevor ich Weinberge auf den Boden lese, für die ich mir ein ganzes Jahr lang Arbeit gemacht habe und gegen Ende des Harbstes feststelle, das ich schon zuviel gelesen habe.

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