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Von wegen “Schmach von Cordoba”…

Clemens Mally, unser junger Österreicher trank Rieslinge. Deutsche natürlich und eben auch welche aus seiner Heimat. Die Schmach von Cordoba scheint so vergessen…Vor ein paar Tagen moderierte ich eine Rieslingverkostung in Österreich. Es war eine Vergleichsdegustation die in mehrere Flights (Anm. vom Würtz: Ein “Flight” ist eine bestimmte Anzahl von Weinen für eine Verkostung, in der Regel irgendwie geordnet) aufgeteilt wurde. Nach jedem Flight wurden die Teilnehmer gebeten zu werten, welcher der beiden Weine ihnen besser schmeckte und zu tippen, woher dieser wohl kommen könnte. Der Wein, der der Mehrheit besser gefiel, bekam dann einen Punkt. Das Land mit den meisten Punkten gewann. Deutschland zerschmetterte Österreich, ähnlich wie zuletzt „auf Schalke“. Das Ergebnis möchte ich hier nun etwas relativieren

Zu Beginn ist mir klar, dass diese Art der Bewertung – wie bei einem Tischtennis-Teamwettbewerb – statistisch nicht besonders repräsentativ ist, aber: Bis auf wenige Ausnahmen bewertete die österreichische „Jury“ die deutschen Weine mit einer 2/3 Mehrheit als eindeutig besser, aromatischer, trockener und: österreichischer! Nur ein Österreicher – Johann Donabaums Riesling Smaragd Setzberg 2007 – gewann einen Flight. Anmerken möchte ich, dass die meisten Verkoster mit: „Die süßen Deutschen koste ich schon heraus, das wird ein Kinderspiel für uns…“ in das „Rennen“ gingen.

Inzwischen ist die Schlacht geschlagen, und ich, als quasi Unparteiischer ohne Stimmrecht, möchte folgendes dazu sagen: Auch wenn sie so furchtbar ehrlich sind – Blindverkostungen bringen meiner Meinung nach nichts.  Erst Recht nicht, wenn danach von den Verkostern eine Wertung abverlangt wird. Wein kann man nicht bewerten. Es reicht, ihn zu empfehlen. Ich wette: würden wir diese Verkostung nur ein paar Stunden, mit den gleichen Leuten, in der gleichen Reihenfolge abhalten, man würde ein ganz anderes Ergebnis bekommen. Die Österreicher hätten auch das Zeug dazu zu gewinnen, sie waren nicht unbedingt schlechter. Das Resultat einer solchen Verkostung ist ungefähr so verwertbar wie die Angaben des Orakels von Delphi oder die Empfehlungen einer modernen Expertenkommission (Anm. vom Würtz: Blödsinn!). Deswegen folgt nun meine Einschätzung. Ich verspreche sie wird so objektiv ausfallen, wie es mein subjektives Empfinden erlaubt:

Ich empfand die deutschen Rieslinge dieser Serie als urtümlicher – so wie ich sie mag. Sie erschienen mir wilder, härter, kompromissloser, vielleicht sogar etwas anarchistischer. Im Gegensatz dazu wirkten die Österreicher – bis auf die wirklich guten Ausnahmen – gesteuerter, klarer, die nicht so guten vielleicht etwas zu brav. Ein Indiz für den österreichischen Jungweinfetisch…

Deutschland ist das heilige Land wenn es um Riesling geht. Da kann das kleine Österreich in Sachen Vielfalt nicht mit. Das bezieht sich auf die vorhandenen Rieslingregionen, auf die bepflanzte Rebfläche, auf die ganze Geschichte und auch auf das hohe Niveau, welches man in Deutschland inzwischen erreicht hat. Keine 2.000 Hektar sind in Österreich mit der noblen weißen Sorte bepflanzt und spannende Weine kommen von einer Hand voll Winzern aus drei bis vier Regionen. Im Vergleich zu Deutschland ist das nichts. Jjedoch: Die Weine unserer Elite – zu denen gehypte Winzer wie Hirtzberger, F.X. Pichler, Knoll und ähnliche, meiner Meinung nach nicht (oder nicht mehr) gehören – bewegen sich auf dem gleichen Topniveau wie die der besten deutschen Weinbauern. Auch in der Serie von letzter Woche fand ich mehr wirklich guten Wein aus Deutschland als großartiges aus Österreich. Die Spitzenprodukte aus Österreich aber, die waren dann doch genau so gut, wie die der Deutschen (Anm. vom Würtz: dem möchte ich doch deutlich widersprechen. Ich habe gerade kürzlich wieder einen Rieslign von Hirtzberger getrunkenund der war höllisch gut!).

Hier nun die Weine, die mich persönlichh am meisten begeisterten. Ich unterteile nicht nach Herkunft und bewerte auch nicht:

Wg. Racknitz „Auf Vulkangestein“ 2010: Ein wilder Wein, hier würde ich maximal den Zucker beanstanden, der ihn etwas geschliffen erscheinen lässt. Mit Luft pendelt sich das allerdings ein. Der delikaten Säure sei Dank…  kann man hier kaufen

Wg. Hirsch „Zöbinger Riesling“ 2010 aus dem Kamptal. Ein absolutes Highlight um relativ wenig Geld. Reif, ätherisch, dicht, würzig und mit maximalem Trinkspaß. Den gibt´s hier

Wg. Jurtschitsch, Riesling Heiligenstein „Alte Reben“ 2009. Ein kraftvoller, strahlender Kamptaler, der vor allem viel zu jung verkostet wurde. Mit viel Luft offenbart er sich jetzt schon, am besten vergisst man ihn jedoch noch die nächsten 10 Jahre. Hier zu  ordern

Immich Batterieberg „Steffensberg“ 2009. Grandios, kraftvoll, cremig, ein Hauch Holz und hocharomatisch. Zum Glück hab ich noch einiges davon in meinem Keller. Hier zu ordern

Mein Highlight in Sachen Riesling aus Österreich war an diesem Abend Proidls Pfeningberg aus dem Kremstal. Im Vergleich zu anderen Toplagen Proidls sind die Weine vom Pfeningberg etwas früher entwickelt, wobei dieser 2007 noch ein paar Jahre Geduld benötigt. Ein üppiger, trockener und faszinierender Riesling von einem, der für mich zur Elite Österreichs zählt. Hier findet man den Pfeningberg

Noch ein Highlight: „Ruppertsberger Hoheburg PC Faß 23“ von Bürklin Wolf. Ein Naturbelassener Nektar der mir nicht weniger als göttlich schmeckte. Faszinierende Tiefe, balancierte Kraft. Von diesen Flaschen sollte man naschen und sie im Keller verstecken. Den gibt´s hier

Und zum Schluss: Peter Jakob Kühns Mittelheim Sankt Nikolaus 2007: Für mich sind die Rieslinge hier unerreicht. Klar, sie sind wild, kompromisslos, aber genau diesen Wahnsinn liebe ich. Der Sankt Nikolaus benötigt unfassbare Mengen an Luft und wirkt zu Beginn so diffus um am Gaumen dann zu explodieren. Bleibt trotz einer ordentlichen Portion Kraft immer animierend und salzig. Kann noch Ewigkeiten im Keller rasten.. Vorausgesetzt man besitzt ihn. Kaufen kann man ihn hier

7 Kommentare zu “Von wegen “Schmach von Cordoba”…

  • Gerald

    Na ja, solche “Landermatches” sind ja ein ganz lustiges Gesellschaftsspiel (wenn man keine andere Idee hat, wie man die Zeit totschlagen kann ;-) ), aber die Aussagekraft hält sich doch in Grenzen. Siehe seinerzeitige Schlagzeilen wie “Burgenland schlägt Bordeaux” oder Ähnliches …

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  • Eckhard Supp

    Warum nur haben die Österreicher so große Schwierigkeiten, gelegentlich auch mal zu verlieren. Gerade im Wein, wo sie in den letzten Jahrzehnten gigantische Erfolge feierten, sollten sie doch eine solche Niederlage auch mal ohne Wenns und Abers und ohne viel Erklären und Relativieren wegstecken können. Auch wenn ich mir die Reaktionen der ÖWM auf unsere kritische Auseinandersetzung mit den angeblichen österreichischen Exporterfolgen im vergangenen Jahr (s. hier: http://www.enobooks.de/aktuell/blog/quo-vadis-austria-4-das-imperium-schlaegt-zurueck – und an den dort verlinkten Stellen) anschaue, kriege ich das Gefühl nicht los, dass im Land von Maria Theresia einige Nerven blank liegen. Warum wohl?

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  • Gerald

    Gähn – jetzt geht das mit dem ÖWM-Bashing wieder los. Wurden die Ausführung der beiden Herren vielleicht nicht so ernst genommen (aus welchem Grund auch immer), dass das Thema überall – ob es jetzt passt oder nicht – gepostet wird? Wäre schon fast eine Aufgabe für eine Spamfilter :-)

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  • Clemens Mally

    Hallo Leute, ihr versteht mich absolut falsch! Deutschland ist ja besser – aber unsere Elite ist genauso gut!

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  • Gerald

    @Clemens: habe ich auch so verstanden. Außerdem ist eine eindimensionale Bewertung auf “besser” ohnehin schwierig – manche sind spannender, andere wiederum schöner zu trinken. So etwas in ein einziges Urteil zu packen, ist ohnehin nicht möglich.

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