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Mally und der Zinnfandel

Zinnfandel… habe ich schon ewig nicht mehr getrunken, der Mally aber schon. Schauen wir mal, was dabei herauskommt…

Unglaublich, aber wenn ich vor einem Jahr gewusst hätte, dass ich 2012 einen Zinfandel empfehlen würde, ich hätte mich wahrscheinlich von der Brücke des Schiffs gestürzt. Ich glaube, dass ich mich durch mein damaliges „Hassprediger-Image“ selbst ganz weit nach außen befördert habe. Dank meines Ausstiegs vom Schiff – ich möchte diese großartige Zeit auf keinen Fall missen und bin jedem dort für die gebotenen Möglichkeiten dankbar – konnte ich mich von diversen selbst angelegten Ketten lösen und mich mittlerweile viel entspannter zum Beispiel amerikanischen Weinen widmen. Ohne sie von vornherein abzulehnen – quasi. Bevor es jetzt allerdings zu meiner ersten Zin-Empfehlung kommt, möchte ich klarstellen, dass ich keine meiner grundsätzlichen Überzeugungen abgelegt habe. Ich glaube an das Naturprodukt Wein und bevorzuge es weiterhin in seiner ungeschminkten Form.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass der folgende Wein von einer Manufaktur – wie ich es sonst so liebe – stammt. Trotzdem passt der Winemaker Joel Peterson vonRavenswoodgenau in das Bild von Winzern, dass ich so schätze. Peterson ist ein schräger Vogel. Das beweißt der Slogan „No Wimpy Wines“ ,der über dem Eingang zu Petersons Degustationsraum thront und soviel heißt wie „Leichtwein verboten“ oder „Wein-Schwächlinge verboten“. In erster Linie ist er jedoch eines: unglaublich kompromisslos, wenn es um seinen Zinfandel geht. Dazu ist er sich der Tatsache, dass wirklich großer Wein nur aus alten Reben kommen kann, vollends bewusst. Darum besitzt er auch so viele alte Rebstöcke in Sonoma.

Ich kann jedem nur empfehlen, auf einen Sprung nach Kalifornien zu Ravenswood zu schauen und sich über die Tatsache der alten Reben dort zu informieren. Es ist beeindruckend. Insbesondere wenn man sich die Weingärten für den Zinfandel „Teldeschi“ ansieht. Irgendwie wähnt man sich hier fast  in Châteauneuf du Pape. Dort, wo einige meiner Lieblingsweine her kommen. Uralte knorrige Rebstöcke in Buscherziehung findet man hier, dazu eine wunderbare Begrünung, von der unglaublich viel vorhanden ist. Gäbe es auf der Welt einen Anarchistenweingarten, er würde genau so aussehen. So, wie ich mir einen lebendigen Weingarten (wobei die Betonung auf Garten fällt) eben vorstelle. Schön!

Teldeschi – der Weingarten trägt den Namen einer italienischen Familie, die nach dem ersten Weltkrieg Trauben an Kellereien italienischen Ursprungs in San Francisco verkauften. In den 70er Jahren klopfte ein gewisser Joel Peterson an die Türe der Familie Teldeschi, um ein paar Trauben für sein Weingut Ravenswood zu kaufen. Frank Teldeschi – so die Geschichte – öffnete und begab sich mit Peterson unter einen Baum im Weingarten, um dort eine Flasche seines Haustrunks mit ihm zu trinken. Fünf Stunden später war Joel dem Verlust der Muttersprache sehr nahe und er hatte ein paar Tonnen Zinfandeltrauben in Dry Creek Valley gekauft. Das war die Geburtsstunde eines der genialsten Rotweine der U.S.A. Der Rohstoff dafür stammt nebenbei von 90 jährigen Rebstöcken. Genial, oder? Noch spannender als diese Geschichte ist jedoch der Wein. Jeder, der dieses negativ süße, holzverschmierte, klebrig- kirschige Bild eines Zinfandels, den man eher löffeln muss als trinken kann, in seinem Kopf hat, sollte dieses jetzt endgültig löschen.

Der Ravenswood Teldeschi 2006 hat Wumms und viel Alkohol. Keine Frage, aber seine ganze Power kommt nicht von verschrumpelten, überreifen Beeren, sondern ausschließlich aus vollreifen Exemplaren. Deswegen ist er auch so herrlich saftig und von einer köstlichen Säure, die fast markant erscheint, unterlegt. Sie macht dieses Monster in Wahrheit erst trinkbar. Und dann wäre da noch diese tolle Tanninstruktur, die so gar nicht das „Neue Welt-Klischee“ erfüllt. Nein, dieser Teldeschi ist keine aufpolierte Transe, eher erinnert er mich an eine intelektuellere Version eines Lemmy von Motörhead . Die haben jetzt auch einen Wein. Den sollt ich mir vielleicht mal ansehen. Vor allem jedoch hab ich mir jetzt einmal einen Kasten dieses 2006er Ravenswood Teldeschi gesichert. Eine Flasche köpf ich zu meinem nächsten Pfeffersteak. Die anderen in ein paar Jahren. Ich bin neugierig, wie sie sich entwickeln. Gerade, also 6 Jahre nachdem er gekeltert wurde, steht der Wein noch in den Startlöchern. Das stimmt mich zuversichtlich.

Bei Wein & Co ist der Teldeschi 2006 gerade um € 22,39 erhältlich

Ein Kommentar zu “Mally und der Zinnfandel

  • Michael Kreuzer

    So aufregend die Musikke von Lemmy,so langweilig “sein” Shiraz.Das Geld dafür sparen oder dafür eine seiner CD’s kaufen.

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