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Ärgernis der Woche – Nervige Weinhändler

Es gibt da eine Sache, die mir seit einiger Zeit gewaltig auf die Nerven geht und die mich so ärgert, dass ich meinem Unmut jetzt eben mal schnell Luft machen muss.Die grossen deutschen Weinhändler sind gerade unterwegs und verkosten den Jahrgang 2011. Es liegt dabei  in der Natur der Sache, dass ein Händler seine “Schäfchen” lobt und toll findet. Alles andere wäre ja auch ziemlich daneben und unglaubwürdig. Leider sehe ich da seit einiger Zeitz eine Tendenz diese “Schäfchen” nicht einfach nur zu loben, sondern sie so darzustellen, als wären sie die einzigen im ganzen Land, die Wein machen könnten. Hier einmal zwei Beispiele aus den letzten Tagen:

Zunächst lobt und erwähnt der Händler seine Winzer und dann kommt dieser Satz: “Und alle Winzer, die zu früh geerntet haben, haben, pardon, bullshit im Keller liegen.” Dazu fällt mir kaum noch etwas ein, ausser vielleicht das Wort “bullshit”. So eine pauschale Aussage, noch dazu begründet auf oberflächliches Zweit-Wissen, ist fast schon eine Unverschämtheit.

Nächstes Beispiel: “Die besten 20 bis 30 Winzer des Landes, allerdings nur die, brachten extrem rassige Tropfen uswuswusw auf die Flasche”. uswuswusw”.

Was lernen wir daraus? Es gibt in Deutschland, bis auf ungefähr drei Dutzend Ausnahmen nur Winzer, die Vollpfosten sind, ihren Job nicht können und Dreck auf die Flasche füllen? Ich habe da eine ganz andere Empfindung!

Ihr lieben Weinhändler, das nervt ganz fürchterlich und es ist extrem beleidigend. Ich weiss nicht, warum Ihr es nötig habt, Eure Produkte so zu promoten, indem Ihr alle anderen in die Ecke der ahnungslosen Pfuscher stellt. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal sondern Humbug!  Ihr habt so etwas doch gar nicht nötig. Wieso preist Ihr Euer Produkt an, indem Ihr alle anderen schlecht macht? Das ist kein schöner Stil und, nebenbei bemerkt, stimmt es einfach nicht. Ich habe gerade einige “früh geernteten” 2011er probiert. Die waren sehr gut.Ich habe aber auch schon einige belanglose spät geerntete verkosten dürfen. Ausserdem fallen mir mindestens vier Dutzend Betriebe ein, deren Wein Ihr nicht in Eurem Portfolio habt und die ganz hervorragende Qualitäten erzeugen. Im Übrigen solltet Ihr nicht immer alles glauben, was Euch Eure Schäfchen so erzählen…

21 Kommentare zu “Ärgernis der Woche – Nervige Weinhändler

  • Gerald

    Mach dir nichts draus, Dirk, manche Weinhändler haben auch für ihre “Kollegen” keine netten Worte. Zitat aus einem Blog eines Händlers:

    “Kompetenz? Fehlanzeige! Wer nichts wird, wird nicht mehr Wirt, er wird Weinhändler!”

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  • Knalli

    Da sind wir aber jetzt bei einem Grundsatz-Problem, das nicht nur die Händler betrifft. nein, diese aussagen kommen von den winzern auf die ständigen fragen nach irgendwelchen analysewerten – bis hin zum ph wert des bodens – wer fängt denn damit wirklich was an bittschön? und vor allem auf fragen nach lesezeitpunkten – warum eigentlich? der richtige zeitpunkt ist vielleicht im weingarten daneben eine woche später – kommt doch auch drauf an, was man im weinberg getan hat. oder? und da muss ich mal wieder den ösi raushängen lassen, denn was ihr deutschen alles fragt, bevor ihr einen schluck in euren gaumen schüttet, würde hierzulande niemand – wirklich nicht einmal der verbohrteste weinfreak fragen – und wenn, dann erst, wenn er gekostet hat. trinkt doch mal – ohne zu wissen, was das zeug kostet, was es für restzucker oder säure hat – einfach, weils vielleicht schmeckt.

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  • Werner Elflein

    Nichts für ungut, lieber Knalli, aber diese ewige “In-Österreich-ist-alles-besser”-Nummer nervt ein wenig. Wir in Deutschland schütten uns auch nichts “in den Gaumen”, und wenn wir ein Produkt auch mal hinterfragen (was eh noch viel zuwenig geschieht), dann ist das auch richtig so. Wenn ihr in Österreich alles wahllos in euch hinein-”schüttet” (deine Wortwahl, nicht meine!), bitte sehr, ich gönne euch den Spaß doch! Aber das ist meiner Meinung nach kein passender Umgebung mit einem Genussmittel.

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  • Torsten

    @Knalli und das mein lieber Knalli ist eben das kleine Verkoster-Einmaleins. Ich muss Dir da mal recht geben. Wer verkostet denn heute noch ganz unvoreingenommen und lässt einfach mal Nase und Geschmack wirken. Das macht ja nicht mal mehr der Endverbraucher. Aber ob das nur uns Deutsche betrifft?! :-)

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  • Werner Elflein

    Die beiden obigen Zitate aus der “Weinwerbung” sind in der Tat ein echter Brüller. Da frage ich mich wirklich, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Oder beides, gleichzeitig oder abwechselnd. Dirk, stammen diese Zitate eigentlich aus derselben Quelle? Bei Zitat 1 ist klar, wo es herkommt. Aber Zitat 2 konnte ich nicht ergoogeln. Wenn ja, dann sehe ich hier auch einen Widerspruch, denn “extrem rassig” weist ja auf Säurewerte hin, die ich bei ultimativer Spät-Lese (2011) nicht unbedingt erwarten kann. Wann bitteschön soll denn der “extrem rassige” Wein gelesen worden sein? Wurde hier letzten Endes doch von der seit einigen Jahren großzügigen Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht, die Weine ein wenig aufzusäuern? Hat das Schäfchen seinem Hirten wahrscheinlich auch gar nicht erzählt, weil der Hirte auch gar nicht darauf gekommen ist, nachzufragen.

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    • Dirk Würtz Post author

      @Werner
      Nein, es handelt sich um zwei verschiedene Quellen. Letzteres betrifft übrigens 2010. Wurde aber gerade erst veröffentlicht

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  • Werner Elflein

    Torsten, come one! Tu doch bitte nicht so, als seien Verbraucher und Verkoster total verbrettert. Mich nervt es doch auch, wenn am Messestand (egal, ob ProWein oder Verbrauchermesse) ein meist älterer Herr seitlich von mir steht, der erst einmal die Analysewerte studiert. Aber da sind ja auch die Erzeuger und Verkäufer Schuld, die diesen Quatsch überhaupt noch auf ihre Listen draufschreiben. Wenn’s draufsteht, wird dadurch bei vielen der Eindruck erweckt, es sei wichtig. Und dann wird’s auch gelesen. Für einige Weintrinker ist das ja auch so (Diabetiker zum Beispiel), aber den meisten ist’s doch egal, ob da 5 oder 6 g/l Restzucker steht. Wobei ich mir beim Restzucker gerade bei unseren Freunden aus Ösiland nicht so sicher bin, denn meistens sind es ja die, die deswegen die Welle machen. ;-) Manchmal ist es ja auch ganz amüsant, durch Probieren zu entdecken, dass Geschmack und Analytik oft gar nicht zusammenpassen. Ich erinnere mich an eine Weingutspräsentation, in der ein ehemaliger Gebietsverkoster des Gault-Millau meinte, sich besonders aufspielen zu müssen (damit ist zumindest den Insidern auch klar, wen ich meine), indem er großspurig ankündigte, bei jedem der fünf edelsüßen Rieslinge den Zuckerwert zu erschmecken. Das Dumme war nur, dass er dabei bei jedem Wein nicht weniger als 20/30 g/l neben der Spur lag. Ob ihm das eine Lehre war? Ich befürchte nein. Aber was soll’s?

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  • Werner Elflein

    Danke, Dirk, ich verstehe. In einem Jahr, in dem spät gelesen werden kann, wird das Hohelied auf die physiologische Höchstreife gesungen und alles andere in den Dreck geputzt, und wenn’s in einem anderen Jahr damit nicht hinhaut, tun’s die “extrem rassigen” Weine auch. ;-)

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  • Der Captain

    Knall, Du hast freilich Recht. Doch ist es wahrlich absurd – und da muss ich Elflein recht geben – dauernd auf die Mentalitätsunterschiede hinzuweisen. Gleiche Sprache, anderes Denken. Das hat Vor – wie Nachteile..

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  • Hagen

    Finde solche Aussagen auch doof auf der anderen Seite finde ich selbst ernnannte Weinexperten die 200 Weine im Jahr verkosten noch viel schlimmer!

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  • Werner Elflein

    Stimmt, Hagen, ich bin dafür, dass jeder Weinexperte pro Tag 200 Weine verkosten muss.

    Sorry, aber einen dämlicheren Kommentar habe ich schon lange nicht mehr gelesen (und das will etwas heißen).

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  • Knalli

    Jössasna, ich bin halt Österreicher und mir fällts halt auf. Wenn ich auf einer Messe oder so mit einem Wein an einem Tisch stehe, werde ich in DE diese Sachen gefragt, in AT eben nicht. Und ich verstehe es nicht, dass immer alles so hinterfragt wird – und sich daraus eben solche Meinungen gebildet werden, weswegen es diesen Artikel ja überhaupt erst gibt. Und das, bevor man überhaupt kostet. Kann da einer noch unbeeinflusst kosten, wenn er vorher alle Werte und den Preis im Kopf hat. Ich sage nein. (Ich habe z.B. meist überhaupt keine Ahnung, was der Wein kostet, den ich verkoste, will es vorher auch gar nicht wissen).
    Und nebenbei: Ich finde hierzulande durchaus nicht alles gut – aber beim geniessen tun wir uns offenbar ein bisserl leichter ;-)

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  • Christopher Emrich

    Puuuhh! “Selbst ernannte Weinexperten” … “200 Weine im Jahr” – die Pest auf Rädern:-(

    Ich bin auch der Meinung, die Eintrittskarte für ein solches Forum sollte sein:

    Null Ahnung, keine Beitrag über 3 Zeilen und prinzipiell Biertrinker.

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  • Peter W.

    Zum Thema selbsternannte Weinexperten, gestern Abend bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Weinkritik in Eltville. Parallel wird eine kleine Sekt/Weinprobe ausgeschenkt -es kommt eine Riesling Charta ins Glas. Bevor etwas zu dem Wein gesagt wird kommt gleich eine Wortmeldung aus dem Publikum mit der Frage “-wieviel Restzucker hat der?”
    Ganz ehrlich das finde ich erschreckender als die Selbstverliebtheit mancher professionellen Weinschreiber.

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  • Christopher Emrich

    Genau, eine Reise um den Wein mit drei Begriffen: trocken, Restzucker, Barrique – damit wird sich doch wohl jeder Wein hinreichend beschreiben lassen :-(

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  • Werner Elflein

    Knalli, wenn ich jetzt schreiben würde, was mir bei euch Österreichern auffällt …

    Unbeeinflusst verkosten? Wer tut das denn? Dafür müsste ich mich in einen weißen Kittel werfen und Weine nur noch unter Laborbedingungen verkosten. Hat was, ist aber vielleicht übertrieben. Es ist doch völlig normal, dass ich erst einmal etwas über einen Wein wissen möchte, bevor ich ihn in den Mund nehme. Du fängst ja auch auf der ProWein nicht in der ersten Halle ganz links am ersten Stand an und probierst jeden Wein, den man dir auf der Messe hinstellt.

    (Na gut, um fair zu sein: Dir würde ich dieses Pensum noch zutrauen …) ;-)

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  • ToeMoe

    Zum Thema “Analysewerte raus! Es soll verkostet werden!” sagte ein mir bekannter Winzer einmal:
    “Bevor ich meine Freundin vögel, mach ich doch auch nich erstmal n Röntgenbild.”
    Trifft den berühmten Nagel aufs Köpfchen. Wie ich finde.

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  • WongoMongo

    Verfrühte Jahrgangsverrisse sind ein Schlag ins Gesicht aller Winzer von irgendwelchen Vollpfosten, mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Würden diese breitgesessenen Wichtigtuer wissen, wieviel Arbeit, Zeit und Geld in den Weinen steckt und dass Existenzen von so früh dahergeschlunzten Aussagen abhängen können, wären die Leute vielleicht etwas respektvoller. Hat da nicht mal so ein wichgesoffener Kapitän was von nem Arschkahr erzählt – muaaaahaaaa, Geduld meine Herren, Geduld – guter Wein braucht seine Zeit…

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  • Michael Willkomm

    …aber das ist doch nichts Neues, daß man sich durch Diffamierung der “anderen ” zu profilieren sucht. Das kenne ich gar nicht anders, solange ich in der Branche bin.Schadet allen…

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