Mally, Muhr und Niepoort…

In diesem Jahr, genaugenommen im April, werde ich das erste Mal im Leben die Weinanbaugebiete Österreichs besuchen. Bis dahin ist Clemens Mally der alleinig Wissende – zumindest von den Schreiberlingen auf diesem Blog – in Sachen “Weine aus Österreich”. Was er da so schreibt, weckt in mir in jedem Fall die Vorfreude auf meinen kleinen Ausflug…

Mally, Muhr und Niepoort… von Clemens Mally

Die aufmerksamen Leser konnten es in meiner vergangenen Geschichte hier im Blog vielleicht schon erahnen – ich mag Niepoort. Wenn ich mit ihm spreche, fühle ich mich verstanden. Niepoort teilt meine Faible für schlanke, säurebetonte, puristische und lebendige Weine. Wobei mir diese Formulierung jetzt gar nicht so gut gefällt. In Wahrheit teile ich sie mit ihm oder sagen wir eher: mir gefällt sein Stil, sehr sogar. Egal ob es jetzt um seine Stillweine oder um seine Ports geht. Niepoort steht für mich für in Flaschen gefüllte Poesie.

Der gemeinsamen Nenner von Niepoort und mir ist zeitgleich der wichtigste. der Parameter für große Weine. Nach meinem Empfinden ist das die Trinkigkeit. Als Faustregel gilt: Wenn ich nach einer Flasche noch Lust auf ein weiteres Glas (oder mehr) habe, dann passt es! Spätestens dann, wenn ich genug an Länge, Komplexität und vielem mehr vernehme, werfe ich mit Hundertern von Punkten nur so um mich. Das war jetzt allerdings geflunkert – Mally bewertet nicht.

Was mich an Niepoort jedoch besonders fasziniert ist sein unfassbarer Tatendrang der sich längst nicht nur auf Portugal konzentriert. Eines seiner spannendsten Projekte gedeiht in Österreich. Genau gesagt in Carnuntum. Carnuntum ist eine der Wiegen des österreichischen Weinbaus– hier mengten schon die ollen Römer herum. Ich sehe die Gegend eher zwiespältig.  Zwar gibt es ein paar Winzer die sehr saubere, wenn auch meiner Meinung nach überambitionierte Marmeladen auf die Flasche bringen und dafür regelmäßig hohe Bewertungen erhalten – wirklich Spannendes bekommt man von dort allerdings kaum – was nicht heißt, dass es keine Ausnahmen gibt. So sehe ich das zumindest. Die Ausnahme bildet für mich das Weingut “Muhr- van der Niepoort”. Hier lässt man es sowas von krachen, dass mir noch immer irgendwie die Worte fehlen.

Zur Geschichte des Weinguts:

Dorli Muhr ist quasi die “Grande Dame” der österreichischen Weinmarketingszene. Sie und ihre Firma „Wine and Partners“ leisten grandiose Arbeit. Dorli Muhr war mit Dirk Niepoort verheiratet. Diese Ehe setzte ein neues Weingut in die Welt. Ein Weingut, dass zeigt was in Carnuntum tatsächlich möglich ist. Überhaupt dann, wenn der Wein vom Spitzerberg kommt. Der Hügel war lange für sensationelle Blaufränkisch-Qualitäten bekannt, geriet allerdings im Laufe der Zeit ein bisschen in Vergessenheit. Geologisch gehört er zu den Karpaten. Er setzt sich aus mineralischen Granitgreis-, Glimmerschiefer- und Kalkböden zusammen und ist sehr trocken. Die Blaufränkischtrauben für den „Spitzerberg“ dieses jungen Weinguts stammen ausschließlich von alten Reben die auf Südlagen des gleichnamigen Spitzerbergs wachsen. Kurzum: Charakterweine sind hier vorprogrammiert…

Auch wenn ich nicht besonders gern werte – mein Lieblingswein hier ist der2008er Blaufränkisch vom Spitzerberg. Seine Trauben werden auf unterschiedliche Weise vinifiziert. Die eine Hälfte wird langsam, ganzbeerig und offen vergoren. Die andere wird mitsamt den Stielen mit den Füßen gestampft und sobald die natürliche Gärung einsetzt hat, mit der Korbpresse abgepresst. Dieser Teil gärt dann ohne Maische im Fass weiter. Hier wird kein Most mit Reinzuchthefen gequält. Im Gegenteil, alle Weine werden spontan vergoren, wie es sich – für einen Wein mit Niveau – gehört. Nach 20 Monaten Reifung im Barrique – wobei nur ein kleiner Teil davon neu ist – und im 600l Fass, werden die feinsten Fässer für den Blaufränkisch Spitzerberg herangezogen. Der Rest landet im ebenfalls kostenswerten „Carnuntum“. Laut Dorli Muhr bringen die ältesten Reben jedes Jahr die feinsten Weine. Das glaub ich sofort. Was feiner Wein bedeutet erkennt man allerdings erst wenn man den Spitzerberg 08 vernascht hat. So wie ich jetzt – schon wieder…

Geparkt in einer Burgunderflasche mit dezenter Etikette trenne ich die Flasche nun von ihrem Kork. Kawumm und offen – zum Glück denn ich lechze nach gutem Wein. Wie immer verkoste ich in 3 Gläsern. Ich fülle den Wein also in ein Universalglas, in ein Bordeauxglas und in ein Burgunderglas. Natürlich unterscheidet sich die Farbe in keinem der Gläser – ich bin also noch nüchtern. Ein paar Minuten und den ersten Atemzug später habe ich das Burgunderglas zum Gebinde meiner Wahl befördert. In Wahrheit hätte die zarte Farbe dieses Edelblaufränkers schon zu diesem Schluss führen sollen. Mittleres Rot, nicht sehr dicht, so würde ich ihn beschreiben. Einem Burgunderfreund beginnt bereits jetzt das Herz zu lachen. Nur sind wir noch gar nicht am Ende angelangt. Während dieser Flasche wird er sein Grinsen garantiert nicht einstellen. Burgundisch geht es nämlich weiter. Mit der Nase im Kelch steigt mir ein betörender Duft zu Kopf. Er lässt mich von Schlehdorn, Tannenwipfeln, reifen Kirschen und einer dezenten Portion Zimt träumen. Sagte ich eigentlich schon, dass der Wein puristisch ist? Ja? Er ist es, trotz seinem geschmeidigen und doch animierenden Körper und den seidigen Tanninen. Aber das ist noch längst nicht alles, denn am Gaumen geht der ganze Wahnsinn überhaupt erst richtig los. Wie in einem Karussell . Muhr und Niepoort zeigen hier was in Sachen Blaufränkisch und Carnuntum Sache ist. Aus diesem Grund wandert eine Kiste dieses Weins nun auch in meinen Keller und am besten auch in Euren.

Erhältlich ist der Wein beispielsweise bei Wagners Weinshop

4 Kommentare »

  1. pivu Februar 20, 2012 11:51

    Passend zum Thema dazu ein Blogeintrag von mir (als ich noch fleissig war …) anläßlich der Erstpräsentation des “neuen” Spitzerbergs (selbstverständlich organisiert von Dorli Muhr): http://pivu.wordpress.com/2006/08/26/von-der-leichtigkeit-des-blaufrankisch/ . Auch ich hatte damals sehr anregende Gespräche mit Dirk (van der Niepoort). Und lernte damals den noch kaum bekannten Hans Trapl kennen.

  2. Clemens Mally Februar 20, 2012 12:02

    ja den Herrn Trapl möcht ich auch besuchen..

  3. Christopher Emrich Februar 21, 2012 14:55

    Na, dann wird’s aber Zeit, Dirk:-)
    Auf jeden Fall freue ich mich schon mal auf hoffentlich spannende Berichte aus meinem geheimen Lieblingsweinland.

  4. Gilli Vanilli Februar 28, 2012 15:56

    ich durfte die frau muhr ja mal bei einem kleinen Tvino Umtrunk
    zusammen mit Illka S. und dem jungen Wachter Wiesler in Polettos Weinbar kennen lernen

    Damals war das mein erster Blaufränkisch – vorher mochte ich ja eher die fetten marmeladigen Alkohollastigen Weine – und der Startschuss zu mehr Vorliebe und Verständniss für feine elegante Weine wie zb. den von Dorli Muhr und Wachter- Wiesler bzw. auch deutsche Spätburgunder

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