…attestiert die IVW der Wein- und Gourmetpresse. Der “Weinreporter” hat diese Zahlen gestern analysiert und ein Fazit gezogen. Ich habe mir auch Gedanken gemacht…
Für den “Weinreporter” ist der Rückgang der Zahlen der bekannten Wein- und Gourmettitel insbesondere auf den Markteintritt des “Falstaff” und die Verschiebung hin zu online-Titeln zurückzuführen. Das kann man sicherlich so sehen, wenngleich es bisher keine geprüften Zahlen (IVW) für den “Falstaff” gibt. Insofern ist das natürlich zunächst einmal reine Spekulation. Da es leider auch absolut keine geprüften online-Zahlen gibt, ist auch dies eine – wenn auch naheliegende – Spekulation. Fakt ist: Das Thema “Wein” ist so “spezial” im “special interrest”, dass damit allem Anschein nach kein großes Geschäft zu machen ist. Wenn ich lese, dass “VINUM”, “Weinwelt” und “Selection” gerade einmal knapp über 5.000 Exemplare am Kiosk verkaufen (letztes Quartal 2011) und diese Zahl tatsächlich stimmt, dann ist das natürlich bemerkenswert. Ob das allerdings tatsächlich dramatisch ist weiss ich aber nicht… Die Zahl zeigt einmal mehr, dass das Thema Wein eben nicht wirklich relevant ist, zumindest nicht so relevant wie das einige gerne hätten. In Verbindung mit dem Thema Essen ist das Ganze sicherlich deutlich anders.
Betrachten wir in diesem Kontext die online-Welt, dann sieht das alles auch nicht so viel besser aus. Ich persönlich stelle fest, dass unser Thema dann große Zahlen verursacht, wenn es in die Breite geht und “normal” wird. Sprich wenig “special”, sondern mehr “normal”. Ich sehe das ganz deutlich an den Videos auf stern.de: große Plattform, Massenmedium, ganz anderes Publikum, breite Wirkung.
Die online-Aktivitäten der Printler sind sehr unterschiedlich. Die “VINUM” macht das meiner Meinung nach alles sehr gut, ebenso der “Falstaff”. Sehr gute Facebook-Auftritte mit Interaktion und beide Blätter haben sogar einen Blog. Die “selection” verfügt ebenfalls über sämtliche online-Werkzeuge, dass bekommt nur kaum einer mit – ganze 117 Fans auf Facebook und sage und schreibe 35 Follower auf Twitter. Die Weinwelt hat natürlich ebenfalls eine Facebok-Seite mit immerhin knapp 1.700 Fans – die homepage allerdings ist einfach nur gruselig und abschreckend. Der “Feinschmecker” verzichtet gar auf jegliche Präsenz in den sozialen Netzwerken und hat einzig einen online-Shop. Diese Abstinenz verstehe ich gar nicht. Das Hamburger Magazin hat ein so unglaublich großes Potenzial, dass sie das online-Feld ganz alleine aufrollen könnten – wenn sie denn wollten… Davon bin ich fest überzeugt! Das Problem an der Sache ist, dass man die hierfür notwendige Arbeit aber auch leisten können muss.
Arbeit leisten nach wie vor die Blogger und die “alt-neu-eingesessenen online-Journalisten! Kaum auszudenken was passieren würde, wenn die sich eines Tages zusammenschließen und eine professionelle “Wein-Gourmet-Online-Publikation” aufmachen würden…
5000 Exemplare, zusammen. Und Falstaff liegt doch überall gratis aus.
“Kaum auszudenken was passieren würde, wenn die sich eines Tages zusammenschließen …” Meine Rede seit anno Tobak, aber alle Versuche in der Richtung scheiterten bislang am Individualismus, man könnte auch sagen der Eigenbrötlerei der Genannten … Das soll keine Schuldzuweisung sein, es ist nur die Beschreibung eines Tatbestandes. Vielleicht bedarf es eines Impulses, einer Initiative von außen, die den Anschein vermeidet, da wolle nur einer der Genannten auf Kosten der anderen sein Ding machen. Aber den Märchenprinzen, der die schlafende Szene wachküssen könnte, habe ich bis dato noch nicht getroffen. Andere wohl auch nicht.
Die Idee mit dem Zusammenschluss finde ich intelligent und äusserst interessant. Nur wird sie leider daran scheitern, dass niemand der wirklich auch in der Lage ist kontinuierlich Qualität zu liefern, das auf Dauer gratis machen kann. Und auch nicht will, was aber legitim und nachvollziehbar ist. Also bedürfte es dazu potenter Sponsoren die gewillt sind, einer unter ausschliesslicher “Selbstkontrolle” stehenden Meute (Satire ON) Geld zu überlassen aus welchem diese dann etwas macht, was es bisher noch nicht gegeben hat. Alles andere wäre ja sonst nur eine Aufwärmung des gewohnten Einheitsbreis und somit unnötig und entbehrlich. Diese zu finden und auch über einen längeren Zeitraum zu halten ist die eigentliche Herausforderung bei so einem Projekt. Aber spannend wäre es allemal
@Eckhard Supp

Ich habe noch so eine Burger-King-Krone, die könnte ich mir aufsetzen und dann könnte ich den Prinzen geben…
@Leo
Das mit den Sponsoren ist so eine Sache. Ich möcht eigentlich keinen haben, dann bist Du nicht mehr unabhängig und Herr Deiner Plattform. Ich fand in dem Sponsoren-Geldgeber-Kontext da die letztjährige sommerliche Auseinandersetzung um “Captain Cork” sehr aufschlußreich. So etwas möchte ich mir nicht antun. Da müssen andere Modelle her.
Übrigens und interessant, für alle, die des Italienischen mächtig sind: Auch in Italien findet gerade eine analoge Diskussion statt: http://www.winesurf.it/index.php?file=onenews&form_id_notizia=1324
Mein Italienisch ist nicht wirklich ausgereift um da die Feinheiten zu verstehen. Zusammenfassung…grob?
@Leo Ich glaube, man kann unsere beiden Beiträge auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Sponsor = Märchenprinz = Investor, und damit wären wir beim Kern der Sache. Es bedarf dreier Elemente: eines Investors, eines Konzepts, wobei ich da schon Einiges in der Schublade hätte, und der Bereitschaft zumindest eines Teils der journalistischen Onliner, ihre Ideen und Energien in solch ein Projekt zu investieren. Wobei ich hier gar keine Reihenfolge aufstellen will, es kann durchaus der dritte vor dem zweiten vor dem ersten Punkt stehen, oder der zweite vor dem ersten vor dem dritten ….
Also, das wundert mich überhaupt nicht.
Zum einen wird man ja seit gut einem Jahrzehnt tot geschissen mit unzähligen Publikationen aus dem Schnittfeld Wein/Kulinarik/Lifestyle, flankiert von unzähligen Stadtmagazinen, wobei Stadt da schon bei größerer Wohngemeinschaft anzufangen scheint.
Zum anderen ist die Qualität wirklich zum Gotterbarmen. Ursprünglich vom Kulturjournalismus kommend, war ich geradezu entsetzt über die Kritiklosigkeit, den Konservatismus und die Stromlinienförmigkeit dieser Magazine.
Praktisch alle Weinmagazine repräsentieren nur eine Art Erfüllungshilfe für bestimmte Produkte, es wird nur abgebildet oder dargestellt – das größte ist ab und an mal eine Weinreprotage o.ä.
Was total fehlt ist Kritik, Auseinandersetzung, Hingabe, Leidenschaft, Diskussion, VErbindungen zu anderen Lebenswelten oder kulturellen Sparten. Mittlerweile denke ich eh, dass es den meisten reichen würde, wenn man das Heft mit kürzesten VErkostungsnotizen samt Parker-Punkten vollkleistern würde.
In diesem Einheitsbrei ragen dann schon Leute wie Stuart Pigott heraus, die wenigstens einen Ansatz von Originalität und Individualität verkörpern.
Wirklich gut finde ich Stephan Reinhardt und auf jeden Fall noch Till Ehrlich von der taz – wobei das ja schon an sich bezeichnend ist, dass die interessanten Leute sogar in dieser bürgerlich geprägten Kultur aus dem linken Umfeld stammen.
Sogar ein derartiges Massenphänomen wie der Fußball erzeugt Publikationen, die weit vom Mainstream entfernt sind.
Beim Wein haben wir den Feinschmecker/Wein Gourmet – ein echtes Gruselkabinett: Auch in 100 Jahren, wenn die besten Rieslinge aus Skandinavien oder wasweißichwoher kommen werden, wird sich an den in Granit gemeiselten Hierarchien dieses Blattes nichts ändern und Weingüter wie Martin Müllen, Clemens Busch, Lubentiushof uvm werden wohl immer noch irgendwo in der grauen Masse dümpeln.
Nur bezeichnend, dass die noch nicht mal einen Online-Auftritt haben: der typische Kunde interessiert sich wohl eher für die jährlichen Bordeaux-primeur-VErkostungen und die Hofierung der großen Namen – so geht der tag auch rum, und der Keller bleibt gut gefüllt.
Dass die Auflagen sinken – na, denen würde ich auch nie eine Träne nachweinen. Was mich nur wundert, ist die Tatsache, das es anscheinend nirgendwo einen Ehrgeiz zu geben scheint, etwas wirklich Spannendes auf die Beine zu stellen.
Das, was wirklich einigermaßen spannend ist, findet eher hier statt, also im Netz. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass es Formen der Auseinandersetzung gibt, die Print besser kann und dass es eine prinzipielle Daseinsberechtigung bzw. ein immer noch großes Potenzial dort gibt.
@Dirk Würtz Es geht um eine Initiative von Winesurf, die genau in der Richtung unserer Diskussion zielt: Zusammenschluss der Online-Journalisten, wobei die Vorschläge ganz unterschiedlicher Natur sind. Es reicht von Anzeigen-Netzwerk (haben wir hier schon mal versucht) bis hin zur Schaffung einer einzigen Plattform auf einem einzigen Server, mit oder ohne Abonnementsmodell (wobei die Abolösung m. E. nicht funktionieren wird, zumindest nicht hier in Deutschland). Auch in Italien ist das Sterben der Printmedien des Sektors der Auslöser – letzte in der Reihe die Zeitschrift Porthos.
Christopher, wenigstens bei diesem Thema sind wir uns einig. Wobei ich den Satz “Was total fehlt ist Kritik, Auseinandersetzung, Hingabe, Leidenschaft, Diskussion, … Mittlerweile denke ich eh, dass es den meisten reichen würde, wenn man das Heft mit kürzesten Verkostungsnotizen samt Parker-Punkten vollkleistern würde” leider auch auf einige Online-Publikationen zu übertragen wüsste. Grundsätzlich besteht eine beängstigende Tendenz, alles intellektuell Vorgekaute als eigene Meinung zu übernehmen. Nicht nur beim Wein übrigens.
@Christopher Emrich “Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass es Formen der Auseinandersetzung gibt, die Print besser kann und dass es eine prinzipielle Daseinsberechtigung bzw. ein immer noch großes Potenzial dort gibt.” Absolut richtig!
@Eckhard
Auf jeden Fall. Ich zumindest hätte gerne monatlich oder in gewissen Abständen ein pralles, spannendes Magazin mit viel Text, gut gestaltet (auch so ein Ding: alles furchtbar konventionell ) mit viel Meinung, Diskussion, Feuilleton, übergreifenden Themen, Artikeln, die auch mal aus anderen Perspektiven geschrieben werden, die ein paar Brücken schlagen, durchaus auch Intellekt oder Humor, Satire beinhalten können, gesellschaftliche Bezüge aufgreifen. Natürlich auch VErkostungen, Tipps, aber vielmehr an Überraschung etc. Gerade bei Leuten unterhalb der 40 besteht ja immer noch so eine gewisse Aversion gegenüber diesem Weinkonservatismus, Dünkel, PRestige- und Distinktionsdenken in dieser Welt. Und da müsste viel mehr an Öffnung entstehen, was das Netzt an manchen Stellen ja ansatzweise bietet (u.a. hier), aber eben auch nicht in der Tiefe und Konzentration leisten kann, wie das Print als Ergänzung potentiell eben immer noch besser kann – zumindest in meinen Augen und in Bezug auf meine Bedürfnisse,
@Christopher Alles richtig, und ich glaube nicht mal, dass ich der Einzige bin, der solche Konzepte schon seit Jahren durchdekliniert und in der Schublade liegen hat. Ich habe solche Konzepte vor drei, vier Jahren auch schon einer ganzen Reihe von Verlagen vorgeschlagen, mit Vorstands-Präsentationen und allem, was dazugehört. Aber zur Realisierung im Print fehlt ein Verleger, der sich auf das dünne Eis des Special interest Themas Wein einlassen würde und dazu noch die Phantasie hätte, was Neues zu wagen. Online dto., alternativ tätes es hier ein kollektiver Wille der Onliner (unrealistisch) oder eben mein “Märchenprinz”-Investor-Sponsor.
Ja, Eckhard, das ist leider frustrierend, wobei ich mich immer wieder wundere, dass alle immer wieder versuchen, im Mainstream permanent wieder das annähernd Gleiche platzieren zu wollen, so dass der ganze Bereich dreifach gesättigt ist, als lieber ein zwar weniger kommerzielles Projekt anzugehen, das aber dennoch seine Nische und seine Interessenten finden dürfte. Meistens wird leider versucht, mit wahnsinnig viel Geld etwas zu lancieren, was es doch eh schon fast in gleicher Form gibt, anstatt sich eine Nummer kleiner, aber feiner zu orientieren und etwas für die zu produzieren, die wirkliche Alternativen brauchen und suchen bzw. auch diese BEdürfnisse einfach auch wach zu kitzeln.
Man hört dann immer “Special interest”, “zu unkommerziell” – und dann wird eben wieder was gebracht, was mit großem Getöse in ein paar Monaten eingeht, weil man eben gleich wieder ganz konformistisch groß scheißen wollte.
Das ist so etwas wie die Reihenhausmentalität: da kaufen Leute ein Haus von der Stange, anstatt mit ein bisschen Phantasie und GEstaltunsgwillen für’s gleiche Geld etwas Individuelles zu sanieren o.ä.
@Eckhard: Wie Du richtig sagst, Sponsor = Märchenprinz = Investor. Wobei ich mich hier ein wenig korrigieren möchte, weil das verständnis um den Terminus Sponsor und Investor (gerade in D + Ö) Lichtjahre auseinander liegt. Wie ich gesagt habe bedürfte es dazu eines “Sponsors” der
… einer unter ausschliesslicher “Selbstkontrolle” stehenden Meute (Satire ON) Geld zu überlassen…
müsste. Ein Sponsor würde wahrscheinlich nur all zu gerne direkt in die Umsetzung eingreifen. Ein Investor verfolgt in der Regel andere Ziele und überlässt das Operative an sich jenen die auch was davon verstehen. So gesehen würde man natürlich einen Investor und keinen kurzsichtigen Sponsor benötigen. Soviel zur “blauäugigen’ Betrachtung der Sitaution
Die Alternative wäre natürlich wenn jeder der dieses Projekt realisieren will auch eigenes Geld in die Hand nehmen würde und man die Einkünfte entsprechend wieder aufteilen würde. Das Problem dabei ist ein so leidiges wie auch altes: Zu viele Köche verderben den Brei.
ähm den onlinezusammenschluss gibt’s doch schon mit CC – der klimek muss den nur noch ein bisschen aufbohren.
@stephan
Habe ich etwas verpasst? Was denn für ein Zusammenschluß?
Ich wollte darauf hinaus, dass es eine prof. Weinseite gibt, mit Bloggern als Schreibern. Also ein Anlaufpunkt…
Da hat er Recht, der Stephan..
@Stephan – Manfred
Ach so… jetzt weiss ich was Ihr meint